Ein Red Herring (englisch für „Roter Hering“) ist nach einer Definition von T. Edward Damer der Versuch, die Schwäche einer Position zu kaschieren, indem die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema auf ein Randthema gelenkt wird. Damer greift dabei die etablierte Redewendung Red Herring als Synonym für „Finte, falsche Spur“ auf.

Einführung bei Damer

Wie Damer aufgewiesen hat, werden Red Herrings oft nicht bewusst – und noch weniger geplant – eingesetzt. Viele Sprecher, die einen Red Herring in die Diskussion werfen, sind tatsächlich davon überzeugt, sich hart am Thema zu befinden.

Red Herrings als Scheinargumente Alle Red Herrings sind Fehlschlüsse der Relevanz (englisch fallacies of relevance) insofern, als das vorgebrachte vermeintliche Argument die zu beweisende These tatsächlich überhaupt nicht untermauert, im Diskussionszusammenhang also keine logische Relevanz besitzt.

Jedoch lassen viele Prämissen sich leicht mit psychologischen Gesichtspunkten verknüpfen, etwa mit Emotionen, Stereotypen oder Vorurteilen. Wenn ein Red Herring an einem solchen psychologischen Ankerpunkt einhakt, kann – oft sogar für beide Seiten – auch dann ein (falscher) Anschein von Relevanz entstehen, wenn logische Relevanz fehlt. Im Deutschen werden Red Herrings umgangssprachlich darum auch als „Scheinargumente“ bezeichnet. Wenn erkennbar ist, dass mit dem Red Herring die Diskussion gänzlich beendigt werden soll, spricht man im Deutschen umgangssprachlich oft auch von „Totschlagargumenten“.

Der Gegenbegriff zu einem „Scheinargument“ bzw. Red Herring – also die Bezeichnung für ein Argument, mit dem etwas Behauptetes tatsächlich bewiesen wird – lautet Argumentum ad veritatem („Wahrheitsbeweis“).

Abgrenzung und Einordnung des Begriffs Mit Ignoratio elenchi hat ein Red Herring gemein, dass nicht das bewiesen wird, was bewiesen werden sollte. Anders bei als Ignoratio elenchi steht beim Red Herring aber die Absicht ganz im Vordergrund, vom ursprünglichen Gegenstand der Argumentation abzulenken.

Damer klassifiziert den Red Herring als eine von vier weitverbreiteten Ablenkungstaktiken (fallacies of diversion): Strohmann-Argument: Verzerrung oder Entstellung der Kritik oder des Arguments Triviale Beanstandungen (trivial objections): Angriff auf nur triviale Punkte der Kritik oder des Arguments Red Herring: Versuch, Diskussionsteilnehmer auf ein Nebenthema abzulenken Zuflucht zu Humor oder Spott: Scherzen oder Spotten über die Kritik oder das Argument Ein gutes Argument sollte das Argument, auf das es Bezug nimmt, wirkungsvoll widerlegen (rebuttal criterion). Das Hauptproblem der fallacies of diversion sieht Damer darin, dass solche Argumente diesen Grundsatz verletzen. Infolgedessen sieht er eine starke Verwandtschaft der fallacies of diversion zu den Fehlschlüssen des Gegenbeweises (fallacies of counterevidence) und zur Gruppe der ad-hominem-Fehlschlüsse.

Siehe auch Derailment

Einzelnachweise

Kategorie:Argumentationstheorie Kategorie:Englische Phrase Kategorie:Informeller Fehlschluss