Als Naturforschende Gesellschaft widmet sich die gemeinnützige Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) den Bio- und den Geowissenschaften, ihre Forschungsschwerpunkte liegen in Biodiversität, Evolution und Globaler Erwärmung. Dies hat das Ziel, natürliche Ressourcen zu erhalten und biologische Arten zu schützen.
Ein weiteres Anliegen der SGN ist die Wissenschaftspopularisierung, wofür sie unter anderem das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt, die Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden und das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz betreibt.
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist das größte Mitglied der von Bund und Ländern (Deutschland) geförderten Leibniz-Gemeinschaft und hat ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main. Sie ist eng verbunden mit der Goethe-Universität und ihren Vorgängereinrichtungen, mit der sie eine lange gemeinsame Geschichte teilt.
Die Gesellschaft Laut Satzung der SGN ist es ihre Aufgabe „Naturforschung zu betreiben“ und „die Forschungsergebnisse der Allgemeinheit durch Museen und Sonderausstellungen, durch Vorträge, geeignete Veranstaltungen und Publikationen zugänglich zu machen.“ Zur Erfüllung dieser Aufgaben unterhält die Gesellschaft acht Forschungsinstitute und drei Naturmuseen an zwölf Standorten in Deutschland. Insgesamt beschäftigt sie knapp 900 Mitarbeiter, davon über 300 Wissenschaftler (Stand November 2024).
Die Gesellschaft ist ein rechtsfähiger Verein gemäß § 22 BGB. Gegen einen Jahresbeitrag können alle natürlichen und juristischen Personen sowie handelsgerichtlich eingetragenen Firmen Mitglied werden. Die über 7500 Mitglieder (Stand November 2016) wählen auf der jährlichen Mitgliederversammlung den Verwaltungsrat. Er setzt sich aus Mitgliedern, Zuwendungsgebern aus Bund und Ländern sowie Vertretern der Stadt Frankfurt am Main zusammen. Der Rat wiederum bestimmt das Direktorium als operatives Leitungsgremium und den ehrenamtlichen Präsidenten oder die ehrenamtliche Präsidentin der Gesellschaft. Von 2005 bis Ende 2020 war Volker Mosbrugger Direktor der Gesellschaft, Anfang Januar 2021 übernahm Klement Tockner die Nachfolge Mosbruggers als Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft. Beate Heraeus war von 2012 bis 2023 ihre Präsidentin. Seitdem hat Carsten Kratz das Amt inne.
Die Gesellschaft ist das größte Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und erhält als solches die gemeinsame Forschungsförderung von Bund und Ländern. Im Leibniz-Verbund Biodiversität arbeitet sie mit anderen Leibniz-Einrichtungen zusammen, die auch Naturforschung betreiben.
Forschung alt=Wissenschaftler auf dem Senckenberg Forschungskutter in der Nordsee Foto: Senckenberg|mini|Wissenschaftler auf dem Senckenberg Forschungskutter in der Nordsee
Zentraler Forschungsgegenstand der SGN ist die Vielfalt des Lebens, die Biodiversität. Außerdem wird untersucht, wie sie mit den anderen geowissenschaftlichen Teilsystemen der Erde – Atmosphäre, Wasser, Eis, Boden und Gestein – zusammenhängt und interagiert. Für diesen integrativen Forschungsansatz verwendet Senckenberg selbst den Begriff „Geobiodiversitätsforschung“. Dabei werden sowohl Vergangenheit und Gegenwart untersucht als auch zukünftige Entwicklungen modelliert. Ziel der Forschung ist ein umfassendes Verständnis des Lebens auf der Erde, um es effektiv schützen und erhalten zu können. Die Forschung bei Senckenberg gliedert sich in vier Bereiche, die standortübergreifend bearbeitet werden:
Biodiversität, Systematik und Evolution: Erforschung von Organismen und ihrer Evolution, z. B. die Beschreibung neuer Arten und die Erweiterung der wissenschaftlichen Sammlungen Beispiel: Im Senckenberg-Kompetenzzentrum für Dinoflagellaten werden die für aquatische Nahrungsnetze zentralen Einzeller taxonomisch beschrieben, erforscht und das vorhandene Wissen im Internet verfügbar gemacht.
Biodiversität und Umwelt: Untersuchungen der Lebensräume auf der Erde mit Forschungsschwerpunkten z. B. in der Naturschutzforschung oder in der Auswertung von Langzeitmessreihen Beispiel: Am Senckenberg Naturkundemuseum in Görlitz wird die Rolle von Bodenorganismen bei der Entwicklung von Substrat aus Tagebauen zu fruchtbarem Humus untersucht.
Biodiversität und Klima: Analyse der Zusammenhänge zwischen der Veränderung der Biodiversität und den Veränderungen des Klimas Beispiel: Das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum erforscht die Ausbreitung und Bekämpfung von Dengue-Fieber und Malaria. Die durch Zahl der durch Mückenstiche übertragenen Infektionen steigt durch den Klimawandel weltweit an, auch in Europa
Biodiversität und Erdsystem-Dynamik: Untersuchung geologischer Prozesse und ihrer Rolle bei der Veränderung der Biosphäre Beispiel: Senckenberger Wissenschaftler erforschen, wie die Entstehung des Himalaya-Gebirges die Evolution der dortigen Organismen und ihrer Lebensräume beeinflusste und die Region besonders artenreich machte.
Senckenberg betreibt acht Forschungsinstitute an zwölf Standorten in Deutschland, die die oben genannten vier Forschungsbereiche mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten bearbeiten:
InstitutStandorteForschungsschwerpunkteSenckenberg Forschungsinstitut, Frankfurt am Main Frankfurt Gelnhausen Grube Messel Weimar Botanik molekulare Evolution Marine Zoologie Paläontologie historische Geologie Terrestrische Zoologie Fließgewässerökologie Naturschutzforschung Messelforschung Paläoanthropologie QuartärpaläontologieSenckenberg Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum (BiK-F)FrankfurtBiodiversität und KlimawandelSenckenberg am MeerWilhelmshaven
HamburgMeeresforschung Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB)Senckenberg Naturhistorische Sammlungen, DresdenDresden Terrestrische Biodiversität Mineralogie Petrographie Geochronologie PaläontologieSenckenberg Museum für Naturkunde
GörlitzGörlitz Bodenzoologie Botanik terrestrisch Zoologie Geologie GeschiebelehreSenckenberg Deutsches Entomologisches Institut MünchebergMünchebergEntomologieSenckenberg Centre for Human Evolution and PalaeoenvironmentTübingen Ältere Urgeschichte Quartärökologie Paläoanthropologie Terrestrische PaläoklimatologieInstitut für Pflanzenvielfalt JenaJena Digital Collectomics Funktionelle Biodiversität der Pflanzen Integrative Taxonomie der Pflanzen Ökologie & Evolution der Moose
Sammlungen alt=Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft Foto Senckenberg|mini|Die naturkundlichen Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung umfassen über 38 Millionen Serien.
Die Senckenberg-Forschungssammlungen umfassen über 45 Millionen Serien von fossilen und rezenten Pflanzen, Tieren und Gesteinen und gehören damit zu den umfangreichsten Kollektionen weltweit. Die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert haben, sind die weltweit ältesten naturwissenschaftlichen Sammlungen überhaupt. Neben den Instituten der SGN greifen jährlich auch hunderte Gastwissenschaftler auf diese Bestände zurück. Für eine bessere Verfügbarkeit der Sammlungsdaten werden sie unter anderem digitalisiert und dezentral an den verschiedenen Standorten verfügbar gemacht.
Museen alt=Saurierskelette im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt Foto: Senckenberg|mini|Saurierskelette im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main
Die SGN betreibt drei Naturmuseen in Frankfurt am Main, Dresden und Görlitz. Sie verfügt über einen offiziellen Bildungsauftrag des internationalen Museumsrates ICOM.
Mit einer Fläche von insgesamt 6000 Quadratmetern und mehreren Tausend Exponaten ist das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main eines der größten Naturkundemuseen in Europa. Mehr als 300.000 Besucher aus verschiedenen Ländern und Altersgruppen besuchen es jährlich (Stand Oktober 2016). Neben einer Dauerausstellung zu Biodiversität, Evolution und Erdentwicklung werden Sonderausstellungen zu wechselnden Themen gezeigt. Das Senckenberg Naturkundemuseum in Görlitz und die Senckenberg-Ausstellungsräume im Japanischen Palais in Dresden werden jedes Jahr zusammen von etwa 100 000 Gästen besucht (Stand Oktober 2016). Während in Görlitz ebenfalls eine Dauerausstellung mit wechselnden Sonderausstellungen gezeigt wird, sind in Dresden ausschließlich Wechselausstellungen zu sehen.
In den Museen kommen zusätzlich zu den Exponaten und klassischen Infotafeln auch technische Hilfsmittel wie Computerterminals, Dokumentarfilmkino und Audioguides zum Einsatz.2 In allen drei Häusern tragen außerdem museumspädagogische Bildungskonzepte zur Wissensvermittlung bei. Die Museumspädagogik bietet Führungen und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen und für unterschiedliche Zielgruppen an.
Für das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt ist ein ab 2020 beginnender Um- und Neubau geplant. Neben der Vergrößerung der Grundfläche des Museums von rund 6 000 auf 10 000 Quadratmeter wird die Ausstellung inhaltlich komplett neu konzipiert. Die Umbaukosten sind mit 56 Millionen Euro kalkuliert, die als Spenden eingeworben werden.
Lehre Neben Naturforschung und ihrer Vermittlung besteht eine weitere Aufgabe der Gesellschaft in der Ausbildung des wissenschaftlichen und museumstechnischen Nachwuchses. An der Senckenbergschule werden Sammlungstechniker ausgebildet. Seit 2015 bietet die Gesellschaft außerdem gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden, mit dem es sich im Wissenschaftsverbund DRESDEN-concept befindet, und dem Internationalen Hochschulinstitut Zittau den Masterstudiengang Biodiversity and Collection Management an. Darüber hinaus ist die Gesellschaft an der Lehre 19 deutscher und 7 ausländischer Hochschulen beteiligt, hauptsächlich in bio- und geowissenschaftlichen Fächern (Erhebungszeitraum SoSe 2014 – WS 2015/2016). Auch trägt die SGN gemeinsam mit verschiedenen deutschen Universitäten 25 Kooperationsprofessuren. Die größte Verbindung besteht zur Goethe-Universität, von der sie teilweise die historischen Gebäude am Campus Bockenheim übernommen hat.
Publikationen Die SGN veröffentlicht hauptsächlich wissenschaftliche Zeitschriften und Monographien. Zu den Zeitschriften zählen Archiv für Molluskenkunde, Arthropod Systematics & Phylogeny, Contributions to Entomology – Beiträge zur Entomologie, Marine Biodiversity, Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, Soil Organisms, Vertebrate Zoology und Senckenberg Monographs.
Zwei Publikationsreihen sind eher populärwissenschaftlich ausgerichtet, darunter die im 155. Jahrgang und aktuell viermal jährlich erscheinende Mitgliederzeitschrift „Natur · Forschung · Museum“ und die Senckenberg-Bücher. Hinzu kommen museumspädagogische Materialien, Jahresberichte der SGN, weitere Einzelpublikationen rund um die Museen und Ausstellungen sowie weitere Veröffentlichungen, an denen Senckenberg als Mitherausgeber oder redaktionell beteiligt ist. Die Zeitschrift „Natur · Forschung · Museum“ setzt dabei die zuvor von der Gesellschaft zwischen 1922 und 2010 herausgegebene Zeitschrift „[Aus] Natur und Museum“ und die zwischen 1934 und 1961 ersatzweise herausgegebene „Natur und Volk“ fort.Belegexemplar bei der Deutschen Nationalbibliothek.
Von der SGN vergebene Preise und Ehrungen Die SGN vergibt verschiedene Preise und Ehrungen, die wissenschaftliche Leistungen, engagierte Mitarbeit in der Forschung oder in der Gesellschaft oder auch besonders großzügige Spenden würdigen.
Seit 1917 wird zur Erinnerung an ihren ersten Präsidenten, Philipp Jakob Cretzschmar, in unregelmäßigen Abständen die Cretzschmar-Medaille als Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben.
Der Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis wird seit 1992 verliehen. Mit dem Preis wird der beste wissenschaftliche Artikel in einem Senckenberg-Publikationsorgan geehrt. Der Preis wird jährlich verliehen und ist mit 6.000 EUR dotiert.