Externer Linkzu einem Porträtfotovon Friedrich Cloos Friedrich Sigmund Cloos, Spitzname Fritz Cloos, (* 1. Mai 1909 in Brassó (), Königreich Ungarn, Österreich-Ungarn; † 3. Mai 2004 in Waakirchen) war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Leiter der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterorganisation Rumäniens und von 1961 bis 1987 Auslandsagent des rumänischen Geheimdienstes Securitate in Westdeutschland.

Leben In der Erneuerungsbewegung der Zwischenkriegszeit Friedrich Cloos wuchs in einer Arbeiterfamilie auf.Klaus Popa: Karrieren vor und nach 1945. Fritz Cloos und Walter May. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik. Erstellt: 2. November 1999, aktualisiert am 1. Oktober 2001. Er war auch ein Neffe des Hermannstädter Pfarrers Dr. Karl Reinerth (1891–1986), was ihm später bei vielen – tragischerweise – ein Vertrauensverhältnis aufbauen half.Stefan Sienerth: Bespitzelt und bedrängt – verhaftet und verstrickt. Rumäniendeutsche Schriftsteller und Geisteswissenschaftler im Blickfeld der Securitate., Berlin 2022, S. 35; die genauen Verwandtschaftsverhältnisse sind nicht erwähnt, Fritz Cloos müsste demnach ein Sohn von Dr. Karl Reinerths Schwester mit einem Arbeiter gewesen sein Friedrich Cloos gehörte dem radikal-nazistischen Flügel der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien seit ihrer Anfangszeit an. Nach der Gründung der Nationalsozialistischen Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien (NSDR) im Jahr 1932 durch Fritz Fabritius wurde Cloos nach einer durchlaufenen Schulung am 3. Februar 1933 zum Truppführer der Selbsthilfe Arbeitsmannschaft (SA) ernannt. Das Arbeitslager in Cincu (Groß-Schenk), das die SA im Oktober 1933 abhielt, stand unter Cloos' Leitung. 1934 wurde Cloos zum Gaujugendführer der Organisation ernannt. Zusammen mit Pfarrer Arnold Roth zog er ab Juli 1934 von Brașov aus mit der Stefan-Ludwig-Rothschar in die siebenbürgischen Gemeinden und hielt Bibelstunden, Gottesdienste, Feier-, Jugend- und Singstunden außerhalb gewohnter Kirchengepflogenheiten und mit verkappter Propaganda für die nationalsozialistische Idee, womit er auf Konfrontationskurs mit der Evangelischen Landeskirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien ging.

Viktor Glondys, Bischof der Kirche, schrieb am 11. März 1934 in sein Tagebuch, dass „in Rohrbach […] die Stefan-Ludwig-Rothschar unter der Führung von Cloos für den Eintritt in die Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien (NEDR) gearbeitet [habe]“.Johann Böhm, Dieter Braeg: Tagebuch Viktor Glondys. Aufzeichnungen von 1933 bis 1949. AGK-Verlag, Dinklage 1997, S. 104. Am 13. Juli 1934 fügte er hinzu: „Gaujugendführer Fritz Cloos führt Gespräche mit Bischof Glondys bezüglich des Verhältnisses zwischen der in Bruder- und Schwesternschaften organisierten Kirchenjugend und der auf NS-Grundlage im „allgemeinen Jugendbund“ organisierten Jugend.“Johann Böhm, Dieter Braeg: Tagebuch Viktor Glondys. Aufzeichnungen von 1933 bis 1949. AGK-Verlag, Dinklage 1997, S. 110. Am 23. August 1934 hielt er fest, dass „in einem Sonderheft der Arbeitsgemeinschaft für religiöse Jugendbetreuung (Fritz Cloos, Kronstadt) […] ein Angriff gegen Bischof Glondys erschienen“ war.Johann Böhm, Dieter Braeg: Tagebuch Viktor Glondys. Aufzeichnungen von 1933 bis 1949. AGK-Verlag, Dinklage 1997, S. 112. Sein Eintrag vom 10. Dezember 1934 besagte, dass „in Leblang die Gendarmerie in die Kirche ein[drang], um eine Adventfeier der Stefan-Ludwig-Rothschar unter Berufung auf einen Auftrag des Präfekten zu sprengen. Der Präfekt habe erfahren, dass 20 Hitleristen aus Kronstadt eine Versammlung zum Zweck der Hitlerpropaganda halten wollten und den Auftrag gegeben, die Versammlung zu verhindern. Aus dem Bericht geht hervor, dass Fritz Cloos (Kronstadt) in der Kirche eine völkische Rede gehalten hat, auch Polony habe dort gesprochen.“Johann Böhm, Dieter Braeg: Tagebuch Viktor Glondys. Aufzeichnungen von 1933 bis 1949. AGK-Verlag, Dinklage 1997, S. 155 (157). Vier Jahre später erkannte Glondys am 27. Dezember 1938, dass „[Fritz Cloos] […] sich in eine Lage versetzt [habe], die es unmöglich mache, ihm für die Jugendarbeit auch unsere evangelische Jugend anzuvertrauen.“Johann Böhm, Dieter Braeg: Tagebuch Viktor Glondys. Aufzeichnungen von 1933 bis 1949. AGK-Verlag, Dinklage 1997, S. 291.

Nach der Abspaltung der radikalen Nationalsozialisten von der Nationalen Erneuerungsbewegung (NEDR) des Fritz Fabritius und der Gründung der Deutschen Volkspartei Rumäniens (DVR), die von Alfred Bonfert geleitet wurde, gehörte auch Friedrich Cloos als neuer „Landesjugendführer“ des DVR-Jugendamtes 1935 zu den engsten Mitarbeitern des radikalen Führers. Cloos unternahm wiederholt Reisen zu seinen SS-Auftraggebern der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) in Berlin. Im Herbst 1938 erhielt Cloos den Auftrag des von der SS gesteuerten inneren Kreises um den späteren „Volksgruppenführer“ Andreas Schmidt, nach dem er maßgebende Reichsstellen über rumäniendeutsche Entwicklungen zu unterrichten hatte. Wegen ihres radikal-nazistischen Verhaltens wurden Alfred Bonfert und Waldemar Gust aus dem Verkehr gezogen und Friedrich Cloos zu weiterer Verwendung 1939 nach Berlin beordert. In der Zentrale der Deutschen Arbeitsfront (DAF) wurde er in Schulungen für einen zukünftigen Einsatz in der „Volksgruppenführung“ unterwiesen.

In der Volksgruppenführung und im Zweiten Weltkrieg Nach der Ernennung von Andreas Schmidt zum „Volksgruppenführer“ erfolgte im September 1940 die Gleichschaltung aller deutschen Einrichtungen in Rumänien. Mit der Gründung der NSDAP der Deutschen Volksgruppe in Rumänien (NSDAP der DViR) am 9. November 1940 wurde Cloos die rechte Hand von Schmidt und übernahm wichtige politische und organisatorische Positionen innerhalb der „Volksgruppenführung“. In diesem Jahr begann er mit dem Aufbau der Deutschen Arbeiterorganisation Rumäniens (DAR), bei dem das Kulturprogramm Kraft durch Freude als Anreiz für die Arbeiterschaft dienen sollte.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 126. Als Beauftragter für die deutsche Wirtschaft spielte er ab 1941 im Industriegebiet des Banater Berglands eine zentrale Rolle.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 192. Besonders unter den sozialdemokratisch und kommunistisch orientierten Arbeitern im dortigen Reșița regte sich Widerstand gegen die Gleichschaltung. Cloos wurde im März 1941 als Sonderbeauftragter in den neu geschaffenen Gau Bergland mit dem Ziel entsandt, den bestehenden Einfluss der Linken auszuschalten. Im Mai 1941 meldete die DAR noch 20.000 Mitglieder, im Jahr darauf bereits 61.000. Die Zunahme an Mitgliedern war jedoch unter Druck zustande gekommen; „Verweigerer“ hatten mit Repressalien auch durch die rumänische Geheimpolizei Siguranța zu rechnen. 1942 konstituierte das „Rechtsamt“ der „Volksgruppe“ einen „Völkischen Gerichtshof“; Cloos konnte als Leiter der DAR als „unzuverlässig“ eingestufte Arbeiter für den Kriegsdienst nominieren. Einem deutschen Gesandten fiel bei seinem Besuch auf, dass deutsche Arbeiterkinder unterernährt waren und beantragte eine Hilfsaktion. 1942 sanken die Zahlen der in der DAR organisierten Arbeiter, die bei den Hermann-Göring-Werken, der Organisation Todt und anderen kriegswichtigen Betrieben in Reșița beschäftigt waren, auf 54.000 Personen.

Cloos leistete im Sommer 1941 und im Herbst 1943 als Kriegsberichter Frontdienst in Transnistrien. Er veröffentlichte seine kriegsverherrlichenden Frontberichte im Parteiorgan Südostdeutsche Tageszeitung, dem Sprachrohr der Deutschen Volksgruppe in Rumänien. Ab 1941 war er stellvertretender Leiter der Presseabteilung der „Volksgruppe“, in zweiter Reihe hinter Propagandachef Walter May. Bei einer Kundgebung der DAR in Reșița hielt Cloos im April 1944 eine kriegerische und von Hasspropaganda gegen Juden erfüllte Rede.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 215–217.

Im Untergrund und in Kriegsgefangenschaft Am 16. August 1944 meldete Cloos in seiner Eigenschaft als Amtsleiter des Kreises Reșița „verdächtige Tendenzen“ für einen Einmarsch der Roten Armee ins Königreich Rumänien an den deutschen Botschafter Manfred von Killinger.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 307–308. Mit dem Beginn der Operation Jassy-Kischinew verlangte Cloos von den Arbeitern eine Ausweitung der Kriegsproduktion mit längeren Arbeitszeiten. Nach dem Königlichen Staatsstreich in Rumänien am 23. August 1944 ging Cloos in den Untergrund und beteiligte sich als Agent des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) an Widerstandsoperationen mit in Siebenbürgen verbliebenen Amtswaltern der ehemaligen „Volksgruppe“ und Mitgliedern der Legionärsbewegung im Rahmen der Operation Regulus,Die Deutsche Volksgruppe und die „Operation Regulus“. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien. 21. Juli 2016. wozu mehrere Gruppen von Fallschirmjägern vorbereitet wurden, die Ende 1944 und Anfang 1945 zur Ausführung von Terror- und Sabotageaktionen hinter der Front in Rumänien landeten.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 368. Daneben hatten die Absprünge von gemischten Agentengruppen bestehend aus Legionären und Mitgliedern der „Volksgruppe“ konkrete Aufgaben wie die Kontaktaufnahme mit dem antisowjetischen Widerstand und den Agenten der nach dem 23. August 1944 in Rumänien verbliebenen deutschen Nachrichtennetze das Sammeln und Übermitteln von Informationen über die Rote Armee und die Stimmung im Land die Vorbereitung einer internen Revolte gegen die sowjetische Besatzung.

Cloos war hierbei Stellvertreter von Andreas Schmidt, der am 9. Februar 1945 mit dem Legionär Constantin Stoicănescu bei einem Flug von Oradea abgeschossen und gefangen genommen wurde. In dieser Zeit übernahm Cloos die organisatorische Führung der Deutschen in Rumänien, die sich den Widerstandsaktionen anschließen wollten und hielt Kontakt zu Legionären, die in Bukarest eine geheime Kommandozentrale betrieben. Bis März 1945 lebte Cloos in verschiedenen konspirativen Häusern und wurde schließlich in Bukarest festgenommen.William Totok, Elena-Irina Macovei: De la S.D. la Securitate. Biografia secretă a lui Fritz Cloos. In: Caietele CNSAS Nr. 14, 2/2014, S. 201–219.

Nach seiner Verhaftung wurde Cloos in der Moskauer Lubjanka verhört und darauf zu 20 Jahren Haft im sowjetischen Arbeitslager Workuta verurteilt.Mariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 355. 1955 kehrte er nach der Intervention Konrad Adenauers zur Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs aus der SowjetunionMariana Hausleitner: Die Donauschwaben. S. 316. nach Rumänien zurück und wurde zunächst für etwa ein Jahr in Gherla in rumänisches Gewahrsam genommen.

Einsatz als Securitate-Spitzel Hier warb ihn die rumänische Geheimpolizei unter Decknamen wie Ion Lăzărescu, Gheorghe Mihailescu, Konrad oder Radovan als Mitarbeiter an. Am 1. April 1956 unterzeichnete Cloos eine handgeschriebene Verpflichtungserklärung als inoffizieller Mitarbeiter der Securitate und kam auf freien Fuß. Nach seiner Freilassung identifizierte er eine „große Zahl“ von Menschen, die er „konterrevolutionärer Aktivitäten“ verdächtigte. Als ehemaliger Häftling in einem sowjetischen Lager missbrauchte er bewusst das Vertrauen seiner Zielpersonen und versorgte den Geheimdienst mit allen für operative und repressive Aktionen erforderlichen Details. Für seine Tätigkeiten erhielt Cloos erhebliche Summen Geldes (in Rumänien zwischen 250 und 2000 Lei und in Deutschland in den ersten Jahren durchschnittlich 800 Mark pro Monat) und „Gefälligkeiten“, so bei seiner Verwicklung in illegale Geschäfte, bei denen sich die Securitate für ihn einsetzte.