Gabriel Maria Theodor Dielitz (* 2. April 1810 in Landshut; † 30. Januar 1869 in Berlin) war ein deutscher Pädagoge und Jugendschriftsteller, der auch Lehrbücher geschrieben hat. Er studierte Klassische Philologie und Geschichte, legte eine Laufbahn vom Lehrer zum Schulinspektor ab und war Mitglied der preußischen Nationalversammlung. Neben seinen Lehrbüchern beeinflussten seine Werke, die in Zeitschriften wie im Berliner Kinderwochenblatt (1832) veröffentlicht wurden, die Kinderliteratur des 19. Jahrhunderts.Brunken, O., Hurrelmann, B. & Pech, K. (1998). Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1800 bis 1850. Stuttgart: Springer, S. 1228.

Leben und Wirken Schulische und berufliche Laufbahn

Gabriel Maria Theodor Dielitz, Sohn des Karl Dielitz, wurde 1810 in Landshut (Bayern) geboren, verbrachte die ersten vier Lebensjahre in Paris und zog 1815 mit seinen Eltern nach Berlin, wo er das Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster besuchte und ab 1828 Klassische Philologie und Geschichte studierte. 1831 wurde er an der königlichen Realschule unter dem Direktor Spilleke als Lehrer angestellt, lehnte 1842 einen Ruf ins Ausland ab, der infolge seiner Abhandlung „Ueber die erziehende Kraft der Schule“ an ihn ergangen war, und wurde 1844 zum königlichen Professor ernannt. 1846 wurde er vom Magistrat zu Berlin zum städtischen Schulinspektor gewählt, war 1848 Mitglied der preußischen Nationalversammlung und wurde 1849 zum Direktor der damaligen Königstädtischen höheren Stadtschule ernannt, die 1850 zur Realschule erhoben wurde. Er starb 1869 in Berlin.Heinrichs, J. (1887). Dielitz, Gabriel Maria Theodor. In: Allgemeine Deutsche Bibliographie, 5, S. 127–128. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11610130X.html#adbcontent. Abgerufen am 20. Juli 2020.

Während seiner Arbeit als Direktor vollführte er umfassende literarische Tätigkeiten und wurde somit ein Wegbereiter der abenteuerlichen Jugendliteratur. Er bereitete erwachsene Abenteuerliteratur für Kinder auf, sammelte spannende Szenen und Abschnitte, reihte sie in seinen Land- und See-, Lebens-, Reise- und Landschaftsbildern aneinander und schrieb auch vollständige Titel der klassischen Abenteuerliteratur für die Jugend.Becker, S. (1994). Auf dem Weg ins Abenteuer - Die Land- und Seebilder von Gabriel Maria Theodor Dielitz (1810–1869). In: Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur - Teil 2. Meitingen: Dorian-Verlag 24. Er war Mitherausgeber des Jugend-Albums, verfasste Lehrbücher für den Geschichts-, Geographie und Literaturunterricht, schrieb ein Liederbuch für die deutsche Jugend (1844) und verfasste (auch in Episodenform) geschichtliche Abrisse über das Altertum, das Mittelalter, Deutschland, Spanien, Britannien und die Neue Welt.Merget, A. (1867). Geschichte der deutschen Jugendliteratur. Berlin: Plahn. [Online-Version]; URL: http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10763522-4. Abgerufen am 21. Juli 2020.

Werke Allgemeine Informationen

Theodor Dielitz‘ Werke bestehen aus verschiedenen Textsorten, wie beispielsweise Schulbücher und Zeitschriftenartikel. Er war insbesondere an der Geschichte und der Geographie interessiert. Hauptsächlich war er allerdings im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur tätig und hat sich hier insbesondere auf den Abenteuerroman spezialisiert.

Seine Lehrwerke für den Schulunterricht beziehen sich meist auf die Fächer Geschichte, Geographie und Deutsch. Zusammen mit zwei Professoren veröffentlichte er ein „Schulwörterbuch der lateinischen, französischen, englischen und deutschen Sprachen“, ein „Deutsches Lesebuch für höhere Lehrstalten“ im Jahre 1871 und einen „Grundriß der Geographie“ 1873. Mit denselben Personen arbeitete er an einem „Handbuch der deutschen Literatur“, welches 1872 erschien und sowohl eine Sammlung bedeutsamer poetischer und prosaischer Musterstücke als auch eine Einführung in die Verslehre bzw. Metrik, die Poetik, die Rhetorik und die Literaturgeschichte darstellt. Hörschelmanns „Übersicht der gesamten Geographie für den ersten Unterricht“ von 1828 hat Dielitz 1843 vollständig umgearbeitet. Er verfasste zudem einen „Grundriß der Weltgeschichte“, der in mehrere europäische Sprachen übersetzt wurde, eine „Geographisch-synchronistische Übersicht der Weltgeschichte“ und einen „Geschichtskalender“.Heinrichs, J. (1877). Dielitz, Gabriel Maria Theodor. In: Allgemeine Deutsche Biographie, 5, S. 127–128. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11610130X.html#adbcontent. Abgerufen am 22. Juli 2020. Zudem bereicherte Dielitz den Geschichtsunterricht, indem er versuchte, Jugendlichen die historischen Begebenheiten auf erzählerische Art und Weise näherzubringen, wie in „Das Mittelalter in 40 historischen Gemälden“ (1848) und „Die Helden der Neuzeit“ (1850). Er gilt als einer der wichtigsten geschichtlichen Jugendbuchautoren seiner Zeit und seine Werke zeugen von Kompetenz und Sachkunde.Lange, G. (2004). Deutsche Treue, welsche Tücke: Zum „vaterländischen Jugenduch“ im 19. Jahrhundert. In G. Lange & K. Franz, Von der Steinzeit bis zur Gegenwart: Historisches in der Kinder- und Jugendliteratur. Festschrift für Heinrich Pleticha zum 80. Geburtstag (S. 204–205). Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren.

Im literarischen Bereich war Dielitz ebenfalls aktiv. Es lassen sich historische, länder- und völkerkundliche Erzählungen in seinen Werken auffinden. Er war auch am Berliner Wochenblatt, einer von 1832 bis 1836 erscheinende Zeitschrift für Mädchen und Jungen, beteiligt und hat regelmäßig Beiträge verfasst.Brunken, O., Hurrelmann, B. & Pech, K. (1998). Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1800 bis 1850. Stuttgart: Springer, S. 1141–1142. Dies kann als Anfang seines kinderliterarischen Wirkens gewertet werden. Später produzierte er mehr als zwanzig Jugendschriften mit geographischen und historischen Inhalten.

Buchreihe „Land- und Seebilder“

Bei Theodor Dielitz‘ Buchreihe „Land-und Seebilder“ (ab 1841) handelt es sich um eine Kompilation, d. h. eine mithilfe von anderen Werken zusammengestellte literarische Textsammlung. Dielitz hat sich hierfür bei den Texten deutscher und ausländischer Autoren bedient und diese mit unterschiedlicher Intensität bearbeitet. Sein Ansatz bestand daraus, aus der vorhandenen Abenteuerliteratur, welche für ein erwachsenes Publikum entwickelt wurde, einzelne Szenen herauszusuchen und diese für kinder- und jugendliterarische Zwecke entsprechend zu kürzen und zu vereinfachen. Diese hat er dann in seine Buchreihe eingegliedert.Brunken, O., Hurrelmann, B. & Pech, K. (1998). Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1800 bis 1850. Stuttgart: Springer, S. 1229. Da später mithilfe dieses Verfahrens auch vollständige Werke der Abenteuerliteratur bearbeitet wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt eigens für die Jugend verfasste Abenteuerromane erschienen, kann Dielitz als Pionier dieser kleinen literarischen Gattung betrachtet werden.

Die „Land und Seebilder“ sind auf Abenteuerlichkeit fokussiert und enthalten daher nur wenige faktische Informationen. Dielitz wollte reiferen Jugendlichen eine spannende Lektüre ermöglichen. Bis 1862 entwarf er dreizehn Fortsetzungsbände mit Fokussierung auf Reise- und Abenteuererzählungen, die eine große Anzahl Lesender sehr erfreuten. Die ersten acht Bände erschienen von 1841–1850: „Lebensbilder“, „Land-und Seebilder“, „Das Skizzenbuch“, „Naturbilder und Reiseskizzen“, „Völkergemälde und Landschaftsbilder“, „Kosmoramen“ und „Panoramen“. Diese Bände verfügen jeweils über acht illuminierte Bilder. Veröffentlicht wurden sie in Berlin vom Verlag Winckelmann & Söhne. Obwohl Dielitz zunächst eine panoramatische Erzähltechnik verfolgte, zeigen die späteren Teile eine Entwicklung zum aktionsbetonten Erzählstil auf, was auch damit zusammenhängt, dass Dielitz immer häufiger den Abenteuerroman als Ausgangspunkt verwendete.Brunken, O., Hurrelmann, B. & Pech, K. (1998). Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1800 bis 1850. Stuttgart: Springer, S. 1228–1231.

Die einzelnen Bände setzen unterschiedliche Schwerpunkte und behandeln verschiedene Ereignisse. Sie sind alle inhaltlich sehr spannend aufgebaut und spielen in fernen Kulturen und fremden Ländern, welche für bürgerliche Jugendliche besonders interessant waren. Meist kommt es zu aufregenden Konfliktsituationen, in denen sich oftmals eine einzelne Figur gegen Naturkatastrophen oder Angriffe durch andere Menschen verteidigen muss.Seidler, A. (2015). Theodor Dielitz‘ Land- und Seebilder. Panoramatisches Erzählen und die Konstitution des bürgerlichen Subjekts in der Kinder- und Jugendliteratur des 19. Jahrhunderts. In G. von Glasenapp, A. Kagelmann & F. Giesa, Die Zeitalter werden besichtigt: Aktuelle Tendenzen der Kinder- und Jugendliteraturforschung. Festschrift für Otto Brunken (S. 71). Frankfurt am Main: Lang-Ed.

Die „Panoramen“ Allgemeines

Da Dielitz mit den vorherigen Bänden eine breite Leserschaft entzückte, beschloss er, seine Buchreihe „Land- und Seebilder“ um einen achten Teil zu ergänzen. Die „Panoramen“ wurden im Jahre 1850 veröffentlicht. Wie zuvor hat Dielitz bereits vorliegende Werke unterschiedlicher Autoren bearbeitet und sie auf diese Weise den Jugendlichen zugänglicher gemacht. Auch lassen sich in diesem Werk die für Dielitz typischen Themen der Reise, des Abenteuers und der Natur auffinden. Die „Panoramen“ bestehen aus insgesamt 10 Kapiteln, die sich auf 317 Seiten erstrecken. Währenddessen längere Erzählungen meist ein eigenständiges Kapitel darstellen, sind kürzere Erzählungen oft zu einem größeren Kapitel zusammengefasst. Diese Erzählungen widmen sich dann ähnlichen Bereichen, wie der Tierwelt, einer Reise durch Südamerika oder Eindrücken aus Russland.Dielitz, T. (1850). Panoramen. Für die Jugend bearbeitet von Theodor Dielitz. Mit 8 fein illum. Bildern von Th. Hosemann (2. Auflage). Berlin: Winckelmann & Söhne, S.VII-VIII. [Online-Version]; URL: https://publikationsserver.tu-braunschweig.de/receive/dbbs_mods_00060762. Abgerufen am 10. September 2020. Mit Ausnahme des sechsten Kapitels hat die Reihenfolge der Erzählungen keine erkennbare Ordnungsstruktur. Auch gibt zwischen ihnen keine Überleitungen.

Insgesamt lassen sich in den „Panoramen“ 37 verschiedene Kurzgeschichten und acht illuminierte Bilder auffinden. Dieses unausgeglichene Verhältnis von Bild und Text forderte den Illustrator Theodor Hosemann dazu auf, geeignete Textstellen zur visuellen Darstellung auszusuchen, bei denen die Lesenden in ihren Verstehensprozessen unterstützt werden sollten.Anderson, M. (2020). „Images of land and sea“: experiencing the world as adventure through Theodor Dielitz’s travel anthologies for young readers, 1841-62. In S. Lässig & A. Weiß, The world of children: foreign cultures in nineteenth-century German education and entertainment (S. 69). New York/Oxford: Berghahn.

Inhalte

In „Ein Abenteuer in Louisiana“ (USA) flüchten der Ich-Erzähler und sein Freund aufgrund dichter Rauchwolken in eine nahegelegene Bucht. Dort werden sie von den Ureinwohnern Louisianas bedroht, die auf die Tiere in der Bucht schießen möchten. Nachdem sie von einem Boot mit amerikanischer Besatzung gerettet wurden, müssen sie zu Fuß durch einen Sumpf weiter. Trotz gefährlicher Alligatoren erreichen sie unversehrt das Ende des Sumpfgebietes.Dielitz, T. (1850). Panoramen. Für die Jugend bearbeitet von Theodor Dielitz. Mit 8 fein illum. Bildern von Th. Hosemann (2. Auflage). Berlin: Winckelmann & Söhne, S. 1–18. [Online-Version]; URL: https://publikationsserver.tu-braunschweig.de/receive/dbbs_mods_00060762. Abgerufen am 10. September 2020.