Kössern ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Grimma im sächsischen Landkreis Leipzig. Gleichzeitig ist er der Name der Ortschaft Kössern. Die einstige Gemeinde Kössern mit ihrem Ortsteil Förstgen wurde am 1. Januar 1994 nach Großbothen eingemeindet. Mit der Auflösung der Gemeinde Großbothen kamen am 1. Januar 2011 die fünf nördlichen Ortsteile zur Stadt Grimma. Seitdem bilden Kössern und Förstgen die Ortschaft Kössern. Als Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung hat sie gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Geographie Geographische Lage und Verkehr Kössern befindet sich südöstlich von Grimma zwischen dem Ufer der Mulde im Westen und Süden und dem Thümmlitzwald im Osten. Der aus diesem Forstgebiet kommende Schmelzbach mündet östlich des Orts in die Mulde. Zu Kössern gehört das Forsthaus Pielitzberg, welches sich südlich der am Thümmlitzsee liegenden Bungalowsiedlung Amalienburg (bereits in der Flur von Förstgen) befindet.

Kössern ist durch eine Straßenbrücke über die Mulde direkt mit Großbothen und dem Bahnhof Großbothen verbunden. Während die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig noch in Betrieb ist, wurde die Bahnstrecke Glauchau–Wurzen (Muldentalbahn) stillgelegt. Beide Bahnstrecken trennen sich südlich von Kössern auf dem anderen Muldenufer in einem Gleisdreieck voneinander. Die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig überquert anschließend auf einem Viadukt die Mulde und verläuft danach in der südlichen Kösserner Flur.

Nachbarorte

Geschichte mini|Herrenhaus des Ritterguts Kössern mini|Jagdhaus Kössern mini|Kapelle Kössern mit Glockenturm

Im Jahr 1300 wurde der Rundweiler Kössern als usque ad obstaculum, quod dicitur Kozzerwer das erste Mal erwähnt. Bezüglich der Grundherrschaft gehörte Kössern zum Rittergut Kössern, welches im Jahr 1348 als Herrensitz eines Apez von Kozzer und im Jahr 1548 als Rittergut genannt ist. Zu dessen Gerichtsbarkeit gehörten neben Kössern auch Teile des Nachbarorts Förstgen und das Vorwerk Pielitzberg, welches auch den Namen Amalienburg trug.

Das ursprüngliche Herrenhaus von Kössern entstand im Jahr 1541 durch Nikol von Techwitz. Als Besitzer des Ritterguts Kössern folgte im 17. Jahrhundert die Familie Haugwitz, welche das Anwesen im Jahr 1693 an die Familie von Erdmannsdorff verkaufte. Um 1709 erfolgte der Bau des Jagdhauses Kössern unter Wolf Dietrich von Erdmannsdorff (1646–1723), dem Oberhofjägermeister und Ältestenminister am Hofe Augusts des Starken für herrschaftliche Jagdgesellschaften. Baumeister des barocken Jagdschlosses war nicht – wie vielfach erwähnt – Matthäus Daniel Pöppelmann, sondern Wolf Dietrich von Erdmannsdorf selbst. Pöppelmann lieferte jedoch den Entwurf der Fassade des Jagdhauses im Stil des Dresdner Barock. Die Fassade wurde reich bemalt, der Festsaal mit Kaminen und Deckengemälden prächtig gestaltet. Weiterhin ließ von Erdmannsdorff das Kavalierhaus (ab 1849 als Schule genutzt) und das Rittergut erbauen. Letzteres diente seinen eigenen Wohnzwecken. Zwischen 1695 und 1781 entstanden in Kössern eine Schenke, eine Mühle und eine regelmäßige Handwerkersiedlung, bestehend aus 45 nahezu identischen Häusern für 35 Gewerke. Im Jahr 1725 wurde an der Straße nach Keiselwitz nordöstlich von Kössern das Forsthaus Pielitzberg erbaut, welches der Oberforstmeister Wagner aufgrund der Königlichen Jagd im nahe gelegenen Thümmlitzwald errichten ließ. Nördlich des Forsthauses Pielitzberg ließ Oberförster Kermeß im Jahr 1773 ein herrschaftliches Landgut mit großem Aufwand errichten. Die Besitzerin Amalie von Rango prägte für dieses Vorwerk Pielitzberg ab 1821 den Begriff Amalienburg. Ihr Ehemann gründete hier eine Privatschule für höher gebildete Jungen. Von dem einstigen Vorwerk ist lediglich ein Wohnhaus erhalten geblieben. Als Besitzer des Ritterguts Kössern folgte ab 1772 die nachfolgend Silvester 1796 nobilitierte Familie von Abendroth. 1871 wurde das Herrenhaus im Stil der Neorenaissance umgestaltet.

Kössern gehörte bis 1856 zum kurfürstlich-sächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Colditz.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 58 f. Bei den im 19. Jahrhundert im Königreich Sachsen durchgeführten Verwaltungsreformen wurden die Ämter aufgelöst. Dadurch kam Kössern im Jahr 1856 unter die Verwaltung des Gerichtsamts Grimma und 1875 an die neu gegründete Amtshauptmannschaft Grimma. Kirchlich gehörte Kössern bis 1930 zu Leipnitz. Aufgrund der großen Entfernung zur Kirche Leipnitz legte die Gemeinde Kössern 1928 einen eigenen Friedhof mit Kapelle und einem hölzernen freistehenden Glockenturm an. Seit 1930 gehört Kössern kirchlich zu Großbothen. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurde die Familie von Abendroth entschädigungslos enteignet. Das betraf das Jagdhaus und das Rittergut mit 232 Hektar, einschließlich Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude. Eine Sanierung um 1970 bewahrte das Jagdhaus vor dem Verfall. Heute ist es eine Kulturstätte, betreut durch den im Jahre 2000 gegründeten Verein DAS JAGDHAUS – Dorfentwicklungs- und Kulturverein Kössern / Förstgen e. V. Das Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts und seine noch erhaltenen Wirtschaftsgebäude befanden sich lange Zeit in beklagenswertem baulichem Zustand, wurden aber in den Jahren 2012 bis 2018 restauriert.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurde die Gemeinde Kössern dem Kreis Grimma im Bezirk Leipzig angegliedert. Am 1. Januar 1965 erfolgte die Eingemeindung von Förstgen. Auf dem Areal des einstigen Vorwerks Amalienburg in der Flur von Förstgen entstand ab 1969 ein Wochenendgebiet mit 130 Bungalows. Nordöstlich dieser entstand im Jahr 1975 der Thümmlitzsee durch Anstauung des Thümmlitzbachs.

Die Gemeinde Kössern kam Jahr 1990 zum sächsischen Landkreis Grimma, der 1994 im Muldentalkreis bzw. 2008 im Landkreis Leipzig aufging. Am 1. Januar 1994 schloss sich die Gemeinde Kössern mit ihrem Ortsteil Förstgen im Rahmen einer Gebietsreform mit den Gemeinden Großbothen, Leisenau und Sermuth-Schönbach zur Großgemeinde Großbothen zusammen. Bei der Auflösung der Gemeinde Großbothen kam Kössern am 1. Januar 2011 mit den vier weiteren nördlichen Ortsteilen – Großbothen, Schaddel, Kleinbothen und Förstgen zur Großen Kreisstadt Grimma. Seitdem bilden Kössern und Förstgen die Ortschaft Kössern. abgerufen am 16. Januar 2021.

Entwicklung der Einwohnerzahl (Gemeinde bzw. Ortschaft)

Jahr Einwohnerzahl1548/51 11 besessene Mann, 20 Inwohner,  Hufen1764 11 besessene Mann, 57 Häusler,  Hufen1834 5381871 546189055919104871915568192557219395781940181819467351949760, davon 190 Umsiedler195082019646441980160319901615199116172003169320141583, davon 453 Kössern und 130 Förstgen2019143920251552, davon 438 Kössern und 114 Förstgen1 mit Förstgen

Bürgermeister und Ortsvorsteher Kössern, Förstgen und dem Gemeindeverbund +Bürgermeister in KössernZeitraumPerson1838–1840Christian Steuer (Gärtnergutsbesitzer)1840–1854Friedrich Köhler1854–1887August Birnbaum (Häusler)1887–1918Hermann Wehnert (Gärtnergutsbesitzer)1919–1923Georg Lamprecht (Gastwirt)1923–1934Otto Ulbricht1934–1940Karl Lange1940–1946Otto Ulbricht1946–1956Alfred Hohaus1956–1957Rudolf Freudn1957–1965Felix Beyer +Bürgermeister in FörstgenZeitraumPerson1838–1858A. Julius Richter1858–1869Ehregott Kießling1869–1881Wilhelm Hanns1881–1892Hermann Friedrich1892–1922Moritz Exner1922–1945Paul Müller1945–1947Alfred Taube1947–1950Oswin Weiske1950–1956Oskar Schmidt1956–1965Werner Kötz +Bürgermeister im Gemeindeverbund Kössern/FörstgenZeitraumPerson1965–1977Werner Kötz1977–1984Fritz Thiemer1984–1990Wolfgang Domnick1990–1994Manfred Handwerk +Ortsvorsteher in Kössern/FörstgenZeitraumPerson1994–1999Manfred Handwerk1999–2009Petra Brummer2009–2011Dietmar Meißnerab 2011Andreas Weishaupt

Sehenswürdigkeiten

Rittergut Kössern, bestehend aus dem Herrenhaus, Nebengebäuden, Boskett, Garten im Stil der Neorenaissance / Barock

Obeliskenpaar im Boskett des Rittergut Kösserns Jagdhaus Kössern Kavaliershaus Forsthaus Kössern (Pielitzberg) Herrschaftliche Schenke Typenhaussiedlung Wochenendhaus von Ottomar Heinsius von Mayenburg Kriegsgefallenendenkmal Fährhaus mit Bootsschuppen und Bergkeller Ehemaliges Brückenzollhaus

Persönlichkeiten Hermann von Abendroth (* 1807 in Kössern; † 1884 in Grimma): nach Jurastudium Rittergutsbesitzer in Kössern und Abgeordneter im Sächsischen Landtag Ferdinand von Abendroth (* 1916 in Kössern; † 1944 bei Lemberg): Major der Wehrmacht und Ritterkreuzträger, gefallen 1944 in der UkraineHans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser, B (Briefadel), Band I, Band 9 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, S. 1–4. Manfred Berger (* 1921 in Leipzig; † 2009): Architekt, Hochschullehrer und Denkmalpfleger, ansässig in Kössern, Verdienste um die Erhaltung und Restaurierung des Jagdhauses

Historische Fähren Kössern/Förstgen links|mini|342x342px|Historischer Kartenausschnitt zu den Fährverbindungen von Kössern und Förstgen. mini|248x248px|Fähre Kössern (1925) Bereits 1558 wurde dem Rittergut Kössern durch Kurfürst August die Fischerei- und Fährgerechtigkeit verliehen. In der entsprechenden Urkunde heißt es, dass „die Leute überzusetzen und nicht zu beschweren“ seien.H. St. A. DD 10036 Fin. Archiv Loc. 37678. Rep. XLIII. Gen. Nr. 8 Im Jahr 1745 versuchte der Amtmann von Grimma vergeblich, dem Rittergut diese Rechte streitig zu machen.H. St. A. DD 10036 Fin. Archiv Loc.39889 Rep. XV. Grimma Nr. 21 Die Auseinandersetzungen über die Fährrechte zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin, in denen keine offiziellen Unterlagen zur Fährnutzung überliefert sind. Erst 1808 wurde die Fährverbindung wieder aufgenommen, wobei erneut Streitigkeiten mit den Städten Colditz und Grimma entbrannten. Diese wurden letztlich zugunsten des Rittergutes Kössern entschieden. Es durfte die Fähre jedoch nur zum Eigengebrauch betreiben, das Übersetzen von geleitpflichtigem Fuhrwerk war nicht gestattet.H. St. A. DD 10036 Fin. Archiv Loc. 34673 Rep. XLI. Sect. 1 Colditz Nr. 10 Im Jahr 1859 wurde die Fähre an einen Tagelöhner verpachtet.H. St. A. DD 10036 Fin. Archiv Loc. 40014. Rep. XV. Gen. Nr. 306 Etwas flussabwärts davon entstand 1887–1888 eine Muldenbrücke in Richtung Großbothen, errichtet vom Staat unter Mitwirkung des Gutsbesitzers Alfred von Abendroth. Der Brückenzoll wurde bis zum Ersten Weltkrieg vom Rittergut Kössern erhoben. Der historische Standort der Fähre ist heute noch durch das historische Fährhaus Kössern erkennbar (s. Liste der Kulturdenkmale in Kössern).

Auch im benachbarten Förstgen bestand eine Fährverbindung über die vereinigte Mulde nach Kleinbothen. Eine Furt an dieser Stelle ist bereits 1473/74 und 1618 belegt. Im Jahr 1874 wurde der Gemeinde Förstgen eine Fährgerechtigkeit gegen einen jährlichen Canon von drei Mark zuerkannt. Zusätzlich musste eine Entschädigung in Höhe von fünf Groschen an das auf der gegenüberliegenden Uferseite gelegene Land- und Schulgut Nimbschen gezahlt werden.H. st. A. DD. 10851 Min. d. Fin. Nr. 14041 Die jährlichen Einnahmen aus dem Betrieb der Fähre betrugen im Jahr 1877 durchschnittlich 60 Pfennig.H. st. A. DD. 10851 Min. d. Fin. Nr. 14041 Der frühere Fährstandort ist heute noch durch den hinführenden Straßennamen „Fährweg“ erkennbar. Die Notwendigkeit des Betriebes beider Fährstandorte entfiel durch den Bau der Straßenbrücke über die Mulde.

Eisenbahn-Viadukt Kössern