Das Atelier für Sonderaufgaben ist ein 1999 in St. Gallen gegründetes klein-künstlerisches Unternehmen zur Realisierung von Kunstprojekten. Es besteht aus den Konzeptkünstlern Patrik und Frank Riklin. Die Zwillingsbrüder (* 17. Dezember 1973) haben beide ein Kunststudium absolviert, sich aber bald vom klassischen Kunstbetrieb abgewandt, um ihre kreativen Ideen kompromisslos umsetzen zu können.

Wirken mini|Bignik in Brig, 2024 (am aufräumen, daher unvollständig) Häufig steht bei ihren Projekten die soziale Interaktion im Vordergrund, so z. B. bei BIGnik und Quatschmobil.Maura Kressig, Selina Kaess: Durch partizipative Kunst den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Bachelorarbeit an der HSLU, 2015 (PDF, S. 51 ff.)

Zum 200-Jahr-Jubiläum des Schweizer Kunstvereins realisierte das Atelier für Sonderaufgaben den Film Die Kunst, das Leben und der Tod.Artikel aus dem Kunstbulletin 9/2006 auf artlog.net

Für das von ihnen für ein Projekt ersonnene Label Null Stern Hotel (erstmals 2008 in Sevelen und 2009 in Teufen AR realisiert) bekamen sie neben weltweiter BeachtungChristian Spiess: Alternative Nutzungsmöglichkeiten für Schweizerische Militär- und Zivilschutzanlagen – Bestandesanalyse und Potentialabklärung. Masterthesis an der Universität Zürich, 2010 (PDF, S. 35–40) auch ein Kaufangebot in Millionenhöhe, das sie aber ablehnten.Box 2: Künstlerkollektiv Frank und Patrik Riklin (Atelier für Sonderaufgaben). In: Holger J. Schmidt, Carsten Baumgarth (Hrsg.): Forum Markenforschung 2018. Springer-Verlag, 2020 (S. 129, mit Foto und Links) Null-Stern bedeutete anfangs das Übernachten in Bunkern. Im Jahr 2016 wurde das Null-Stern-Hotel neu erfunden: Das erste Null Stern Hotel der neuen Generation im Safiental war nun vollkommen "immobilienbefreit". Die Übernachtung auf diesem Bett unter freiem Himmel kostete nun wegen des hohen Personalaufwandes das zehnfache des alten Bunkerhotels und beinhaltete einen Butlerservice durch lokale Gastgeber. In der Ostschweiz folgten zwei Jahre später weitere "Zero Real Estate"-Übernachtungsmöglichkeiten.Null-Stern-Hotel unterm Sternenhimmel für 230 Euro, Spiegel, 21. Juli 2016Freiluftzimmer, Lifeathome.ch, 26. August 2016

Das vom Auftraggeber Reckhaus GmbH & Co KG in Bielefeld ursprünglich als aussergewöhnliche Werbung für eine Fliegenfalle geplante Kunstprojekt Fliegenretten in Deppendorf Website zur Aktion inspirierte den Firmeninhaber Hans-Dietrich Reckhaus zu seinem Gütezeichen Insect Respect (R)Die dazu auf insect-respect.org sowie zu den Büchern Warum jede Fliege zählt (3. Auflage 2018)englische Ausgabe: Why Every Fly Counts: Value and Endangerment of Insects. Springer International Publishing, 2017 (2. Auflage 2019) und Fliegen lassen (Murmann Verlag, 2020). Dieses Projekt war überdies Gegenstand einer Fallstudie von Berit Sandberg und Antje Hering im Rahmen des Forschungsprojektes Arts Push Business – Kunst-Unternehmens-Kooperationen (KUK) als Motor für Wirtschaft und Kunst an der HTW Berlin.KUK-Fallstudie VIII: Reckhaus GmbH & Co. KG - „Fliegen retten in Deppendorf“ (PDF)

Ihr Buch- und Kunstprojekt Denkpause (2013), das eigentlich als Beitrag zum «Kultursommer Mels» 2010 geplant gewesen war, wurde 2012 vom Kanton St. Gallen mit Fr. 15’000. gefördert (Projektnummer L.12.1.23).Kulturförderung St. Gallen (PDF)

Für die im Zürcher Norden realisierte Arealentwicklung Mehr Als Wohnen diverser Zürcher Wohnbaugenossenschaften durfte das Atelier sich an dem dreiphasigen Kunstprojekt «Neuer Norden Zürich» beteiligen,Margrit Hugentobler, Andreas Hofer, Pia Simmendinger: Mehr als Wohnen. Birkhäuser Verlag, 2015, S. 165 f. es entstand ein spezieller «Trinkbrunnen» (Getränkeautomat).

BIGNIK ist ein jährlich wachsendes Kunstprojekt der REGIO Ostschweiz und soll bis ins Jahr 2043 fortgeführt werden. Bis zum Ende des Projekts soll eine Picknickdecke für jeden Einwohner periodisch an einem Ort zusammengeführt werden. Die letzte Vereinigung der Decken vor Corona fand 2019 in Trogen AR statt.

2018 lieferten sie einen Beitrag an das Festival Super simple des Schweizerischen Werkbundes.Super simple Lösungen. Artikel in der schreinerzeitung.ch vom 22. Januar 2018.

Im Juni 2020 wurden in St. Gallen die „Zehn Gebote Vol. 2“ in Stein gemeisselt. Die Theologin Veronika Bachmann kritisierte die Aktion wegen fehlender Auseinandersetzung: Sie schrieb „Wer sich künstlerisch daran macht, mit grossen Traditionen in einen Dialog zu treten, sollte diese Traditionen kennen“ und monierte im Speziellen die Verbreitung der Firmenideologie des Unternehmens fyooz.Zehn Gebote: Theologin antwortet Riklin-Brüdern, kath.ch, 30. Juli 2020 Per Zug reisten die 10 Steinplatten danach nach Zürich und wurden im Schanzengraben versenkt. Die Stadt erliess daraufhin einen Räumungsbefehl, worauf die Steinplatten Kunstasyl beantragten. Das Museum für Kommunikation Bern gewährte den Platten Asyl. Für den Transport von Zürich nach Bern im Sommer 2021 wurde eine Sackkarren-Performance mit Freiwilligen gewählt.«Zehn Gebote Vol. 2» bekommen Kunstasyl, presseportal-schweiz, 11. August 2020Die «Zehn Gebote Vol. 2» kommen nach Bern, factsheet des Ateliers für Sonderaufgaben

Projekte (Auswahl) 2004: Kleinstes Gipfeltreffen der Welt.Caroline Micaela Hauger: . Schweizer Illustrierte vom 12. Juli 2020 2007: StadttelefonWenn das Telefon der Riklin-Brüder klingelt. Artikel im Zofinger Tagblatt vom 23. August 2019Dieter Langhart: Zweisamkunst. Porträt in Ze!tpunkt vom 5. Juni 2018 2011: Fliegenretten in Deppendorf. Deppendorf/St. GallenStubenfliege kommt an die HSG, Artikel auf news.ch vom 16. Dezember 2014 2013: Trinkbrunnen im Zürcher Hunziker-Areal (Leutschenbach)Juho Nyberg: Vision Social-Urban-Zone: Trinkbrunnen von Leutschenbach. Video auf swiss-architects.com 2015: FREITAG AD ABSURDUM feat. Frank & Patrik Riklin. Die Freitag-Brüder hatten dafür vom Musée cantonal de design et d’arts appliqués contemporains (mudac) in Lausanne carte blanche erhalten. 2016: Planet B. 100 Ideen für eine neue Welt, Gruppenausstellung im NRW-Forum Düsseldorf, kuratiert von Alain Bieber 2016: Null Stern Hotel im Rahmen der Art SafientalSusanne von Schenck: Das teure Null Sterne Hotel. Deutschlandfunk Kultur vom 22. August 2016 2017: Direktmacheting.Nicola Brusa: Wir kommen schnell hoch!. Tages-Anzeiger vom 21. März 2017

Familie Die Brüder sind die zwei jüngsten von insgesamt sechs Kindern. Die Mutter Ursula Ricklin studierte Romanistik, Germanistik und Musikwissenschaften.Ursula Riklin-Lorenz. Nachlese einer Worttänzerin. In: St. Galler Tagblatt, abgerufen am 28. Juli 2023. Danach widmete sie sich der Familie. Der Vater Alois Riklin lehrte als Professor und später als Rektor an der Hochschule St. Gallen Politikwissenschaften.Kunst der Zwillingsbrüder Riklin stellt den Alltag auf den Kopf, Sternstunde Kunst SRF, 23. Februar 2020

Literatur Gerhard Mack: «Atelier für Sonderaufgaben»: Wie Kunst und Wirtschaft zu Komplizen werden. Porträt in der NZZ am Sonntag vom 17. August 2019

Weblinks Homepage des Ateliers für Sonderaufgaben Kunst hoch zwei – Patrik und Frank Riklin. Filmisches Porträt in der SRF-«Sternstunde Kunst» vom 12. Juli 2020 Katalin Vereb: Richtig gewickelt. Porträt in der Coopzeitung vom 17. Februar 2020

Einzelnachweise

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