Das Landgericht Biedenkopf war ein erstinstanzliches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen mit Sitz in Biedenkopf.
Geschichte Gründung Ab 1821 trennte das Großherzogtum Hessen auch auf der unteren Ebene die Rechtsprechung von der Verwaltung.
In einem ersten Schritt geschah das zunächst in den Bereichen des Staates, in denen er die Hoheitsrechte in vollem Umfang ausübte (Dominiallande). Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen. Dabei wurde der Bezirk des Landgerichts Biedenkopf aus den Zuständigkeitsbereichen des bisherigen Amtes Battenberg, einigen Orten des Amtes BiedenkopfEs handelte sich um die links der Lahn gelegenen Teile des Amtes Biedenkopf und das rechts der Lahn gelegene Wolfsgruben. Quelle: und Orten des Amtes Blankenstein gebildet. Hier hatte die Familie Breidenbach zu Breidenstein im Grund Breidenbach in einer von Gemeinden das Patrimonialgericht inne, das auch zunächst weiter bestand.
Übergeordnete Instanz des Landgerichts Biedenkopf war das Hofgericht Gießen.
Weitere Entwicklung 1823 wurden die noch bestehenden Rechte der Patrimonialgerichtsherren in Breidenbach und Breidenstein vom Staat übernommen, so dass das Landgericht Biedenkopf nun auch dort vorbehaltlos Recht sprechen konnte. und
Zum 1. August 1835 wurden eine Reihe von Gemeinden aus dem Bezirk des Landgerichts Biedenkopf ausgegliedert und zu dem eigenen Bezirk eines Landgerichts Battenberg zusammengefasst (siehe: Übersicht).
1853 kam es in der Provinz Oberhessen umfangreich zu Änderungen der Zuschnitte der Gerichtsbezirke.Bekanntmachung betreffend,1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen vom 15. April 1853. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 19, vom 26. April 1853, S. 221–230 (reader.digitale-sammlungen.de). Die Neuordnung trat zum 15. Oktober 1853 in Kraft.Ziffer 2) Bekanntmachung,1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend vom 4. Oktober 1853. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 44 vom 7. Oktober 1853, S. 640–641, hier 641 (reader.digitale-sammlungen.de). Das Landgericht Biedenkopf erweitert dabei seine örtliche Zuständigkeit (siehe Übersicht).
Ende Nach dem verlorenen Krieg von 1866 musste das Großherzogtum mit dem Friedensvertrag vom 3. September 1866 Gebietsteile an Preußen abtreten. Dazu gehörte auch das Hessische Hinterland (der „Kreis Biedenkopf“) mit dem Bezirk des Landgerichts Biedenkopf.Art. 14 Friedens-Vertrag zwischen Preußen und Hessen vom 3. September 1866; Details regelte eine gesonderte zwischen den Vertragsschließenden vom gleichen Tag. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 43 vom 2. Oktober 1866, S. 408–410.
Im Juni 1867 passte Preußen in den erbeuteten Gebieten die Gerichtsorganisation an die eigene Struktur an: Die bisherigen Landgerichte wurden aufgehoben§ 3 Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim. Vom 26. Juni 1867. In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Nr. 64, 1867, S. 1094–1103 (hdl.handle.net). und durch Amtsgerichte ersetzt.§ 1 Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim. Vom 26. Juni 1867. In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Nr. 64, 1867, S. 1094–1103 (hdl.handle.net). Funktionaler Nachfolger des Landgerichts Biedenkopf wurde so das Amtsgericht Biedenkopf.
Bezirk Gemeinde 1821/1823Soweit nicht anders vermerkt: Ewald, S. 51. 1853Bekanntmachung betreffend,1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen vom 4. Oktober 1853. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 19, vom 26. April 1853, S. 221–230, hier S. 226 (reader.digitale-sammlungen.de). Anmerkung Achenbach × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Allendorf × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Amelose (Gehöftgruppe) × Vom Landgericht Gladenbach Battenberg (Stadt) × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Battenfeld × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Berghofen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Biebighausen (Hof) × × Vom Amt Battenberg Biedenkopf × × Vom Amt Biedenkopf Breidenbach × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Breidenstein × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Bromskirchen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Buchenau × × Vom Amt Biedenkopf Dachsloch (Forsthaus) × × Vom Amt Battenberg Damshausen × Nach erst im April 1853 vom Landgericht Gladenbach an das Landgericht Biedenkopf. × Vom Amt Biedenkopf, Oktober 1853 an das Landgericht GladenbachNach Dautphe × Vom Landgericht Gladenbach Dexbach × × Vom Amt Biedenkopf Diedenshausen × Nach erst im April 1853 vom Landgericht Gladenbach an das Landgericht Biedenkopf. April 1853 vom Landgericht Gladenbach, Oktober 1853 an das Landgericht GladenbachNach Dodenau × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Eckelshausen × × Vom Amt Biedenkopf Eifa × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Elbrighausen (Forsthaus) × × Vom Amt Battenberg Engelbach × × Vom Amt Biedenkopf Friedensdorf × Vom Landgericht Gladenbach Frohnhausen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Gönnern × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Hatzfeld (Stadt) × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Herzhausen × Vom Landgericht Gladenbach Holzhausen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Hommertshausen × Vom Landgericht Gladenbach Katzenbach × × Vom Amt Biedenkopf Kleingladenbach × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Kombach × × Vom Amt Biedenkopf Laisa × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Lindenhof (Hof) × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Mornshausen × Vom Landgericht Gladenbach Niederdieten × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Niedereisenhausen × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Oberasphe × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Oberdieten × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Obereisenhausen × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Oberhörlen × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Quotshausen × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Reddighausen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Rennertehausen × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Rhoda (Hof) × Vom Amt Battenberg; 1835 an das Landgericht Battenberg Roth × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Silberg × Vom Landgericht Gladenbach Simmersbach × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Steinperf × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Wallau × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Weisenbach × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht Wolfgruben × × Vom Amt Biedenkopf Wolzhausen × × Vom Amt Blankenstein, bis 1823 Patrimonialgericht
Gebäude Das Landgericht Biedenkopf war in der heutigen Hainstraße 12 untergebracht.
Richter Ab 1867 bestanden zwei Richterstellen am Amtsgericht. 1821–1824: Landrichter Karl Friedrich Klingelhöffer 1824–1836: Landrichter Ernst Philipp Fröhling 1836–1848: Landrichter Karl Ferdinand Schulz 1850–1873: Landrichter (ab 1867: Amtsrichter, ab 1868: Oberamtsrichter) Wilhelm KlingelhöfferOtfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. Marburg 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 97–102, 171–172.
Literatur L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862 (opacplus.bsb-muenchen.de). Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. Marburg 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 97–102, 171–172. Georg Schmidt von Rhein: Zur Geschichte der Gerichtsorganisation im Landgerichtsbezirk Limburg. In: Nassauische Annalen. Band 99, 1988, S. 75–87.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Biedenkopf Kategorie:Organisation (Biedenkopf) Kategorie:Gerichtsgründung 1821 Kategorie:Aufgelöst 1867