Gisela Storch-Pestalozza (* 17. Juli 1940 bei Hamersleben) ist eine deutsche Kostümbildnerin. Sie war für Theater und Film tätig und arbeitete mit Autorenfilmern wie Ulrike Ottinger und Werner Herzog zusammen.

Leben und Wirken Gisela Storch-Pestalozza absolvierte eine Lehre in einem Haute-Couture-Salon in Hannover und besuchte anschließend die Deutsche Meisterschule für Mode in München. An der Hamburgischen Staatsoper machte sie ein Praktikum. Anschließend war sie ab 1962 als Gewandmeisterin am Schauspielhaus Hamburg und an der Landesbühne Hannover tätig, von 1974 bis 1982 an der Schaubühne am Halleschen Ufer und am Lehniner Platz in Berlin. Peter Stein, B. K. Tragelehn und Hans Neuenfels gehören zu den Theaterregisseuren, mit denen sie zusammenarbeitete.

Ab Anfang der 1980er-Jahre entwarf sie für Ulrike Ottingers Film- und Bühnenwerke artifizielle, fantasievolle Kostümbilder. Für Johanna d’Arc of Mongolia verwandte sie nach mehreren Recherche-Reisen in die Mongolei alte mongolische Schnittmuster. Kostüme, die sie für Werner Herzogs Filme schuf, sind heute in mehreren Filmmuseen weltweit erhalten. Die Künstlerin gehörte neben Thomas Mauch und Henning von Gierke zu Herzogs engem Mitarbeiterkreis. Sie zeichnete bis auf den Film Aguirre, der Zorn Gottes für die Kostüme aller Herzog-Produktionen mit Klaus Kinski verantwortlich – und ebenso für die Kostüme in Kaspar Hauser und Herz aus Glas. Storch-Pestalozzas Arbeit zeichnet sich durch einen formalen Stilwillen aus, wobei es ihr gelingt, die Inhalte zu verdichten und die Charaktere der Figuren zu unterstreichen, um ihnen Stärke, Glanz und Poesie zu vermitteln.

Die Deutsche Kinemathek bewahrt in ihren Archiven textile Arbeiten der Kostümbildnerin Gisela Storch-Pestalozza auf.

Kostüme für Film/Fernsehen Filmografie, in:

Kostüme für Theater/Oper (Auswahl) 1980: Tartuffe (Molière), Regie: B. K. Tragelehn, Schauspiel Frankfurt 1981: Medea, Türkenprojekt, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 1983: Ferhad und Schirin, (Nâzım Hikmet), Regie: Tuncel Kurtiz, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin 1984: Der Menschenfeind (Molière), Regie: B. K: Tragelehn, Cuvilliés-Theater, München 1984: Vermeer et Spinoza (Gilles Aillaud), Regie: Jean Jourdheuil und Jean-Francois Peret, Théâtre Gérad Philippe de Saint-Denis, Paris 1985: Die schmutzigen Hände (Jean-Paul Sartre), Regie: Heribert Sasse, Schiller-Theater, Berlin 1985: Tod eines Handlungsreisenden (Arthur Miller), Regie: Gerhard Klingenberg, Schiller-Theater, Berlin 1985: Pietro Aretino (Jean Jourdheuil, Jean-Francois Peret, Titina Maselli), Regie: Jean Jourdheuil und Jean-Francois Peret, Théâtre national de Strasbourg und Comédie de Genève 1986: Savannah Bay (Marguerite Duras), Regie: Heribert Sasse, Schiller-Theater, Berlin 1986: Zur schönen Aussicht (Ödön von Horvath), Regie: G. H. Seebach, Schiller-Theater, Berlin 1986: Aloen (Athol Fugard), Regie: Sigrid Wiegenstein, Schlosspark Theater, Berlin 1987: Gefährliche Liebschaften (Christopher Hampton), Regie: G.H. Seebach, Schlosspark Theater, Berlin 1987: Beethovens Zehnte (Peter Ustinov), Regie: Kurt Hübner, Schiller-Theater, Berlin 1988: La route de Chars (Wolokolamsker Chaussee) von Heiner Müller, Regie: Jean Jourdheuil und Jean-Francois Peret, am MC 93 Bobigny, Paris 1989: Les Sonnets (William Shakespeare), Regie: Jean Jourdheuil und Jean-Francois Peret, am Théâtre de la Bastille, Paris 1989: La Musica Zwei (Marguerite Duras), Regie: G.H. Seebach, Schiller-Theater Berlin 1989: Verkommenes Ufer – Medea-Material Landschaft mit Argonauten (Heiner Müller), Regie: B. K. Tragelehn, Düsseldorfer Schauspielhaus 1990: Die Hamletmaschine (Heiner Müller), Regie: Jean Jourdheuil und Jean-Francois Peret, am MC 93 Bobigny Paris, Festival Avignon 1991 1991: Tristan und Isolde – Erster Akt (Richard Wagner), Regie: Eberhard Kloke und Horst Neumann, Messehalle 7, Leipzig und Jahrhunderthalle Bochum 1992: Intolleranza 1960 (Luigi Nono), Regie: Christof Nel, Staatsoper Stuttgart 1996: Ode for St. Cécilia Day (Georg Friedrich Händel), Leitung: Antonio Plotino, St. Augustino Genua 1998: Fidelio (Ludwig van Beethoven), Regie: Martin Kušej, Staatsoper Stuttgart 1999: Das Verlobungsfest im Feenreiche (Johann Nestroy), Regie: Ulrike Ottinger für den Steirischen Herbst 1999, Graz 2000: Frau Schlemihl und ihre Schatten (Hans Neuenfels), Regie: Hans Neuenfels, Residenztheater, München 2000: Das Lebewohl (Elfriede Jelinek), Regie: Ulrike Ottinger, Berliner Ensemble 2001: Effi Briest (Iris ter Schiphorst und Helmut Oehring), Regie: Ulrike Ottinger, Bundeskunsthalle Bonn 2001: Neapel oder die Reise nach Stuttgart (Hans Neuenfels) und Meine Mutter (Georges Bataille), Regie: Hans Neuenfels, Staatstheater Stuttgart 2001: Parsifal (Richard Wagner), Halbszenische Aufführung, Leitung Claudio Abbado mit dem Berliner Philharmonischen Orchester 2001: Der Biblische Weg (Arnold Schönberg), Leitung: Hermann Beil, Wiener Festwochen 2004: Even if you return, Ulysses (Wladimir Tarassow nach Texten von Adonis , Borges, Dante, Homer, Müller, Ovid, Seghers), Regie: Wolfgang Storch, Pelerinages-Kunstfest Weimar 2005: Contrapuntos (mit Texten von Samuel Beckett und Jorges Luis Borges) in Sta. Eulalia del Rio, halbszenische Lesung mit Musik von Luis Milán (um 1502–1560) und Tomás Marco (* 1942) 2005: Mikrogramme-das kleine Welttheater (Robert Walser), Regie: Christian Bertram, Probebühne Cuvrystraße, Berlin 2008: Lebendes Geld (Pierre Klossowski), Regie: Christian Bertram, Max-Taut-Schule (Aula), Berlin 2008: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren (nach Brüder Grimm), Regie: Martin Olbertz, Theaterkapelle Berlin 2009: Rosinen im Kopf (Ahrens/Ludwig), Regie: Thomas Ahrens, Grips-Theater Berlin 2010: Clarel-Reise im Heiligen Land (Herman Melville), Regie: Christian Bertram, Max-Taut-Schule (Aula), Berlin 2011: Heinrich von Kleist spielt Michael Kohlhaas (Spiel nach Heiner Müller), Regie: Annette Jahns, Societaetstheater Dresden

Ausstellungen 2007/2008: „FILMKOSTÜME! Das Unternehmen Theaterkunst“, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin und Hamburg. Neben Exponaten aus den Sammlungen der Deutschen Kinemathek zeigte die Ausstellung Material von Kostümbildnerinnen wie Barbara Baum, Lucie Bates, Monika Jacobs, Gisela Storch-Pestalozza und Ingrid Zoré.FILMKOSTÜME! Das Unternehmen Theaterkunst, Rückblick in: deutsche-kinemathek.de 2010: „Caroline de la Motte Fouqué-Chronistin der Moden“, Ausstellung Historische Kostüme, Kleist-Museum Frankfurt (Oder). Für die Schau fertigte Gisela Storch-Pestalozza nach historischen Abbildungen Kleider.Anja Hamm: Chronistin der preußischen Moden, Märkische Oderzeitung, 26. Mai 2010, pdf 2012: Asta-Nielsen-Woche, Hiddensee. Konzept und Realisierung: Gisela Storch-Pestalozza, Karola Gramann, Natalie Lettenewitsch.

Nominierungen 1979 Best Costume Nominee der Academy of Science Fiction, Fantasy and Horror Films, USA für "Nosferatu – Phantom der Nacht" 1979 Best Production Design / Best Costume Nominee, Deutscher Filmpreis für "Nosferatu – Phantom der Nacht" 1985 Best Costume Nominee: The National Academy of Cable Programming, Award für „Forbidden“

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kostümbildner (Deutschland) Kategorie:Geboren 1940 Kategorie:Deutscher Kategorie:Frau