Die Gargano-Purgierdolde (Thapsia garganica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Thapsia innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Weitere Trivialnamen sind: Thapsie (lateinisch Thapsia)Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 157., auch Sterzelkraut oder Böskraut.

Beschreibung mini|Habitus

Vegetative Merkmale Die Gargano-Purgierdolde ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 250 Zentimetern erreicht. Die oberirdischen Pflanzenteile sind mehr oder weniger kahl. Sie gelten als für einige Säugetiere giftig. Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind zwei- bis vierfach zum Teil wirtelig gefiedert. Die schmalen Blattabschnitte sind bei einer Länge von 1 bis 6 Zentimetern und einer Breite von 2 bis 3 Millimetern linealisch, am Rand umgerollt, ganzrandig oder mit ein oder zwei Zähnen.

Generative Merkmale Der gelbe, doppeldoldigen Blütenstand ist aus je 5 bis 30 Strahlen und Döldchen zusammengesetzt und besitzt meist keine Hülle oder Hüllchen.

Die Früchte sind bei einer Länge von 12 bis 30 Millimetern flach elliptisch, mit 3 bis 7 Millimeter breiten, oben und unten tief eingebuchteten Flügeln.

Die Blütezeit reicht von April bis Juli.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Vorkommen Thapsia garganica kommt im Mittelmeerraum in Tunesien, im nördlichen Algerien, nordwestlichen Libyen, auf den Balearen, auf Sardinien, Sizilien, in Italien, Griechenland, auf Kreta und im westlichen Teil der europäischen und asiatischen Türkei vor. Thapsia garganica gedeiht auf trockenen Weideflächen, in Olivenhainen und an Wegrändern.

Systematik Beide Unterarten sind Synonyme für Elaeoselinum garganicum Seit 2025 wird sie als Elaeoselinum garganicum in die Gattung Elaeoselinum gestellt.

Botanische Geschichte Die Gattung Thapsia wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 261 und in Genera Plantarum 1754 Edition 5 Seite 244 erstveröffentlicht. Linné übernahm den Namen von Caspar Bauhins Pinax (1623). Die Erstveröffentlichung von Thapsia garganica erfolgte 1767 durch Carl von Linné in Mantissa Plantarum. Generum Editionis vi et Specierum Editionis II, Seite 57.

Bei manchen Autoren gibt es etwa zwei Unterarten: Thapsia garganica subsp. garganica: Sie kommt auf Ibiza, Sardinien, in Italien, Sizilien und Griechenland vor. Thapsia garganica subsp. messanensis : Dieser Endemit kommt nur auf Sizilien vor.

Sonstiges Die im Mittelalter auch Tapsia genannte möhrenartige Wurzel der Purgierdolde enthält einen scharfen blasenziehenden Milchsaft.Paulos’ von Aegina, des besten Arztes sieben Bücher: nebst einem Anhang: Die römischen Baeder, die bei Paulos vorkommenden Aelteren Aerzte, und zwei Tafeln. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Julius Berendes. Mit einem Geleitwort von R. Kobert. Brill, Leiden 1914, S. 648. Auch in Janus. Band 13, 1908, bis Band 18, 1913. Wegen der dadurch bestehenden Gefahr der Hautreizung wurde bereits in der AntikeDes Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre in fünf Büchern. Übersetzt und mit Erklärungen versehen von Julius Berendes. Ferdinand Enke, Stuttgart 1902, S. 452–452. geraten, Purgierdolden (Thapsia gagarnica und „Thapsia silphium“)Alexander Tschirch: Handbuch der Pharmakognosie. 3 Bände. Chr. Herm. Tauchnitz, Leipzig 1909–1925; 2. Auflage. Band 1, 1930–1933, S. 224. nur bei Windstille auszugraben, nachdem die nackten Teile der Haut (mit verdichtender flüssiger Wachssalbe) eingesalbt wurden.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 108 und 231. Aus der Pflanze wurde ein Wirkstoff für die Krebstherapie isoliert, der nach ihr benannt wurde (Thapsigargin).onlinelibrary.wiley.com.

Einzelnachweise . . Ralf Hand, 2011: Apiaceae.: Datenblatt Thapsia In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-10742-3, S. 82. Carl von Linné: Mantissa Plantarum. Generum Editionis vi et Specierum Editionis ii, 1767, S. 57. eingescannt bei biodiversitylibrary.org.

Weblinks

Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt mit Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.

Weiterführende Literatur A. J. Pujadas-Salva, L. Plaza-Arregui: Studies on Thapsia (Apiaceae) from north-western Africa: A forgotten and a new species. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Volume 143, Issue 4, S. 433, doi:10.1111/j.1095-8339.2003.00233.x, (PDF). S. Castroviejo: Thapsia., S. 401–410, In: Flora Iberica. Volume X: Araliaceae-Umbelliferae, Real Jardín Botánico, 2003, ISBN 84-00-08150-1, (PDF). S. Iadjel, A. Zellagui, N. Gherraf: Reinvestigation of essential oil content of Thapsia garganica grown in the east of Algeria. In: Revue des Sciences fondamentales et appliquées, Volume 2, 2011, S. 30–34. (PDF). Jan Osterkamp: Die "Karotte des Todes" soll Krebs besiegen. In: spektrum.de. 28. Juni 2012. online. M. G. Cappai, G. Garau, S. Aboling et al.: Fatal poisoning of sheep from roots of Drias plants (Thapsia garganica L.): a seasonal risk associated with soil management practices in a Mediterranean area. In: Large Animal Rev. Volume 19, 2013, S. 292–294. C. Weitzel, N. Rønsted, K. Spalik, H. T. Simonsen: Resurrecting deadly carrots: Towards a revision of Thapsia (Apiaceae) based on phylogenetic analysis of nrITS sequences and chemical profiles. In: Bot. J. Linn. Soc. Volume 174, 2014, S. 620–636, doi:10.1111/boj.12144. S. Siebenand: Onkologie: Die Karotte des Todes. Onkologie – Die Karotte des Todes. In: Pharmazeutische Zeitung Online. Ausgabe 13, 2014. online. T. B. Andersen, Karen Martinez-Swatson, S. A. Rasmussen et al.: Localization and in-vivo characterization of Thapsia garganica CYP76AE2 indicates a role in thapsigargin biosynthesis. Plant Physiol., Volume 174, 2017, S. 56–72, doi:10.1104/pp.16.00055. Karen Martinez-Swatson, Carmen Quiñonero-López, Madeleine Ernst, Nina Rønsted, Christopher James Barnes, Henrik Toft Simonsen: Thapsigargins and induced chemical defence in Thapsia garganica. In: Chemoecology. 2020, doi:10.1007/s00049-020-00315-3.

Kategorie:Doldenblütler