mini|Albrecht Dürer: Das Blatt Die apokalyptischen Reiter ist das vierte von 15 Blättern aus der Apokalypse von 1498. Dürer illustriert in diesem Werk die Offenbarung des Johannes Als Buchillustration (von lateinisch illustratio, zu lateinisch illustrare, erleuchten, erhellen) bezeichnet man eine spezielle Form der Illustration (bildliche Erläuterung/Hervorhebung), in der Bilderfolgen der Ergänzung und der Erhellung eines Buchtextes dienen. Wenn sich die Illustration allgemein über ihre Beziehung zu einer Textvorlage definiert, dann tut es die Buchillustration sowohl über ihren direkten Textbezug als auch über ihr konkretes Eingebundensein in die Buchform. Zwar ist die Buchillustration an das Buchformat gebunden, und auch die Abfolge der Seiten ist festgelegt, es ist jedoch offen, ob – je nach dem Stand der Technik und der künstlerischen Intention – die Abbildungen getrennt vom Text stehen, in diesen integriert sind oder sich auf einer eigenen Seite befinden, die der gemeinten Textstelle nicht immer gegenüberliegen muss. Illustration wirkt dreifach: als Schmuck, als Erläuterung und als Deutung.

Buchillustration bezeichnet die drucktechnisch durchgeführte Bebilderung und grenzt sich dadurch von der mittelalterlichen Buchmalerei ab, die stets nur in einer einzigen Handschrift zu finden ist. Aus diesem Grund ist die Geschichte der Buchillustration mit der Entwicklung des Buchdrucks und dem Fortschritt auf dem Gebiet der druckgrafischen Bildreproduktion direkt verknüpft.

Zwei Funktionen sollten dabei unterschieden werden: Zum einen die Illustration als Zierde, Erläuterung und Deutung für im weitesten Sinn belletristische Werke und zum anderen die Illustration eines wissenschaftlichen oder rein sachlich gemeinten Textes in dokumentarischer Funktion. Es gibt indessen auch Mischformen zwischen diesen beiden Grundtypen der Illustration.

Schon Jahrhunderte, bevor der Pressendruck erfunden wurde, widmete man sich in der Buchmalerei der künstlerischen Buchgestaltung. Nachdem Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden hatte, konnten sich der ornamentale Buchschmuck und auch die Illustration an sich weiterentwickeln.

15. Jahrhundert mini|hochkant|Die Gutenberg-Bibel: Teil 1. Altes Testament, Vorrede des Hieronymus, entstanden zwischen 1452 und 1454 in Mainz Die Anfänge der Illustration des gedruckten Buchs im 15. Jahrhundert bringen nichts völlig Neues, sondern verbinden zunächst die alte Tradition der illuminierten Handschriften mit den Errungenschaften der Buchdruckertechnik.

Das teure Pergament wurde vom Papier als Beschreibstoff abgelöst, da dieses in der Herstellung billiger war und sich auch besser für den Holztafeldruck, den Kupferdruck und den typografischen Druck eignete. Als Vorstufe der Holzschnittillustration kann der Zeugdruckmodel seit Ende des 14. Jahrhunderts gesehen werden. Stilistischen Einfluss nahmen auch die Bleiruten mittelalterlicher Glasfenster.

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts schmücken kolorierte Federzeichnungen volkstümliche Schriften, die zur Vorlage für den Bilderschmuck im Holzschnitt wurden. Auch waren Spielkarten wichtig für die formale Entwicklung des Holzschnitts. Neben den kolorierten Federzeichnungen wurde die Miniaturmalerei mit Deckfarben wichtig, die vor allem in liturgischen Prachthandschriften ihre Verwendung fanden.

Der Initialschmuck und das Rankenwerk, wie sie bei Drucken Gutenbergs in Mainz oder Johann Zainers in Ulm zu finden sind, waren neben den Randeinfassungen der Kölner und Straßburger Drucke direkte Nachbildungen des ornamentalen Schmucks liturgischer Handschriften. Schon von Anfang an sollte das fertig gedruckte Buch in Text und Bild ebenbürtig neben den Bilderhandschriften stehen.

Die Illustration in Blockbüchern und Inkunabeln mini|hochkant|Biblia pauperum, um 1455: Blockbuch mit teils eingedrucktem, überwiegend aber handschriftlich ergänztem Text mini|hochkant|Die Schedelsche Weltchronik, 1493. „Die werlt wirdt darumb ein umbkrais genant, da sie simbel rotund gescheybelt oder kugelt ist.“ An den Ecken sind die biblischen Stammväter Europas, Asiens und Afrikas abgebildet: Japhet, Sem und Cham. mini|hochkant|Seite aus dem Edelstein, gedruckt von Albrecht Pfister in Bamberg 1461 (Faksimile, 1840)

Wichtige Zwischenstufen zwischen den Bilderhandschriften und dem späteren illustrierten Druck, bilden der Einblattdruck und das Blockbuch, wie z. B. die Biblia pauperum 1430/1440, Heidelberg, die niederländische Ars moriendi um 1450 und eine niederländische Apokalypse um 1430. Die Bebilderung war in dieser Zeit eine Verständnishilfe für Laien, die des Lesens unkundig waren. Ein Charakteristikum der meisten Blockbücher und Einblattholzschnitte bildet die nachträgliche Kolorierung. Auch der Kupferdruck wurde für solcherlei Werke bedeutend, und dank der erstaunlichen künstlerischen Leistungen von Kupferstechern wie Martin Schongauer, Anfang des 15. Jahrhunderts, wurde auch der Holzschnittstil sehr positiv beeinflusst.

Anfang des 15. Jahrhunderts war außer in Florenz und Brügge der Kupferstich für Buchillustratoren noch kaum von Bedeutung. Bis Mitte der 1570er Jahre oblag die Holzschnittillustration einzig handwerklich begabten anonymen Briefdruckern, die ihre Aufträge von Druckereien empfingen. Oft stammte der Entwurf und die Übertragung auf den Holzstock vom selben Künstler, während der Formschneider ein geübter Handwerker war. Diese Trennung kann man nicht verallgemeinern, da es auch Künstler wie Albrecht Dürer gab, die selbst ihre Vorlagen in Holz schnitzten. Als sich der Buchdruck ausbreitete, lieferten die verschiedenen Künstler ihre Vorlagen, die dann von Formschneidern in das Holz geschnitten wurden: Beispielsweise der Boccacio-Meister aus Ulm und Augsburg um 1471 und Peter Drach, Meister der Offizin in Speyer um 1480 sowie Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff um 1491 in Nürnberg.

Bei den frühen Holzschnitten wurden stets der Umriss der Formen durch den sogenannten Stegschnitt erzielt. Durch die nachträgliche Kolorierung der freibleibenden Flächen war die Wirkung der Drucke glasfensterähnlich. Da der Holzschnitt – orientiert am Kupferstich – immer filigraner und detaillierter wurde, konnte zunehmend auf eine Kolorierung verzichtet werden. Außerdem bemühte man sich immer mehr um eine realistische, naturnahe Bildwiedergabe. Der komplizierte Farbholzschnitt, wie man ihn bei liturgischen Werken um 1491 in Augsburg wieder findet, blieb vorerst ohne Nachfolge.

Der Metallschnitt war in Deutschland außer in Mainz und Köln eher unüblich, war dafür aber in Frankreich gerade für die Illustrationen der Stundenbücher (Livre d’heures) von großer Wichtigkeit.

Die ersten Bücher, die schon über einen typografischen Satz verfügten, waren zwar Imitationen der kalligrafierten und illuminierten Handschriften, bildeten aber trotzdem einen bedeutenden Meilenstein für die zukünftige Entwicklung der Buchproduktion. Diese Wiegendrucke oder Inkunabeln kamen aufgrund ihrer Thematik (Theologie, Scholastik, Rechtswissenschaft) meist ohne Bildwerk aus, Bücher in der Landessprache, die sich an die gebildeten Laien wandten, brauchten allerdings Illustrationen. Hatten die Abbildungen in Blockbüchern noch selbsterklärenden Charakter und vermittelten so auch dem Leseunkundigen eine Intention, so erläuterte nun im Rahmen der Buchillustration das Bild den Text. Die ersten Werke in Deutschland, die das betraf, gehörten zu der Gattung der allgemeinen Erbauungs- und Predigtliteratur. Hinzu kamen Fabelbücher (zum Beispiel von Äsop, Terenz oder das Panchatantra), Volksbücher und Ritterromane (Melusine, Ritter vom Turm) und italienische Novellen wie die Boccacios.

1461 erschienen die ersten Bücher mit gesetztem Text und Holzschnittillustrationen: In Bamberg druckte Albrecht Pfister den Edelstein von Ulrich Boner und den Ackermann aus Böhmen von Johann von Tepl. Text und Bilder wurden damals noch in einem separaten Vorgang gedruckt. Das erste Sachbuch erschien 1472: de re militari von Robertus Valturius und zeigte Kriegsgeräte in Holzschnitten (vermutlich von Mattei de' Pasti und von Johannes Nicolai) in Verona gedruckt. Venedig entwickelte sich zu einem wichtigen Standort für Drucker. Dort produzierte auch Erhard Ratdolt im Jahr 1476 seinen Kalender für Jean de Monteregio unter erstmaliger Verwendung eines Titelblattes. mini|links|hochkant|Albrecht Dürer: Titelseite von Sebastian Brants Daß Narrenschyff, um 1493 Ab den 1480er Jahren erweiterte sich der Themenbereich umfangreich: Vorerst kamen Reisebeschreibungen (Bernhard von Breidenbach), Welt- und Länderkunden (Lirar, Hartman Schedel) und Werke der populären Medizin und Naturwissenschaften hinzu. Später bezog man auch Übersetzungen diverser alter Klassiker (wie der Eunuchus von Terenz) mit ein sowie zeitgenössische Dichtungen (Sebastian Brant: Das Narrenschiff) und auch einige Werke in lateinischer Sprache (z. B. die Dürer-Apokalypse).

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Buchillustration 1499, ebenfalls in Venedig, mit Francesco Colonnas Hypnerotomachia Poliphili, wo Schrift und Bild in vollkommener Harmonie verschmelzen. 1493 entstand durch Anton Koberger in Nürnberg der Druck von Hartmann Schedels Liber cronicarum (die Weltchronik). Zu den Formschneidern, die 645 Druckstöcke bearbeiteten, aus denen dann die 1809 Illustrationen hervorgingen, gehörten u. a. Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff.

Die Epoche des 15. Jahrhunderts war von kulturellen und geistesgeschichtlichen Veränderungen geprägt und hat dadurch der Illustration Zugang zu allen Bereichen der Information verschafft, wodurch sie eine weite Verbreitung erfuhr. Im 15. Jahrhundert produzierte Deutschland mit Abstand die meisten Bücher, gefolgt von den Niederlanden, die allerdings ebenfalls unter deutschem Einfluss standen. Zwar findet man im romanischen Raum auch vereinzelt Beispiele für deutsche Vorbilder, jedoch zeichneten sich diese Länder durch eigene Textwahl und die dazu passenden, exzellenten Illustrationen aus.

16. Jahrhundert mini|hochkant|Seite aus dem Theuerdank, 2. Auflage 1519: Kolorierter Holzschnitt nach Leonard Beck. Kapitel 80: Maximilians Pferd wird von einer Kanonenkugel getroffen und stürzt Man schätzte nun sowohl die informative, als auch die schmückende Funktion der Illustrationen, wie sie von nun an in Büchern zu finden war, als verkaufsfördernd und erfolgreich ein. Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts kam der Typ des Holzschnittbuchs auf, das als Vorbild des Buches im 16. Jahrhundert diente. Es kam nach 1500 somit zu einem Aufschwung der Buchillustration.

Die Holzschnitttechnik wurde immer mehr perfektioniert und verfeinert und entwickelte sich zu einer eigenen Kunstform. Exemplarisch dafür sind die Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Hans Holbein d. J., und Hans Burgkmair d. Ä., die wiederum nachfolgende Künstler beeinflussten. Von nun an wurde der Werkstattzusammenhang von Drucker und Illustrator aufgehoben, und die Künstler arbeiteten eigenständig für unterschiedliche Auftraggeber.

Zu den bedeutendsten Leistungen des frühen 16. Jahrhunderts zählen die buchkünstlerischen Unternehmungen, die durch den kunstbegeisterten Kaiser Maximilian I. initiiert wurden, so beispielsweise das Gebetbuch, der Theuerdank und die Bilderfolge zum Weißkunig. mini|hochkant|links|Conrad Gessner: Illustration eines Strauß mit fiktiver Farbgebung aus dem Vogelbuch 1525 erschien, erneut bei Anton Koberger in Nürnberg, eine bebilderte Instruktion für Künstler Vnderweysung der Messung mit dem Zirkel und richtscheyt von Albrecht Dürer. Conrad Gessner brachte in Zürich 1551–1587 seine Historia animalum heraus, und 1556 druckte Johann Froben in Basel das Werk De re metallica, das von Georgius Agricola stammt und den Bergbau behandelt.