mini|Kaserneneingangsbereich der Offizierschule der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck (2009) Die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Roth ist die zentrale Ausbildungsstätte für Offiziere sowie Offizieranwärter der deutschen Luftwaffe und untersteht dem Luftwaffentruppenkommando. Neben der Offizierausbildung dient die durch einen Brigadegeneral geführte Schule der Fort- und Weiterbildung. Im Jahre 2005 wurde der Schule das Fahnenband des Freistaates Bayern verliehen.

Geschichte Standorte Faßberg (1956–1958) mini|Ehemaliger Haupteingang zum Fliegerhorst Faßberg (2013) Im Jahre 1955 wurde die Bundeswehr im Zuge der Wiederbewaffnung und Westintegration mit den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine aufgestellt. Die „Ausbildungsweisung Nr. 4“Siehe Chronologie: Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57973-4, S. 795. der durch Generalleutnant Josef Kammhuber geleiteten Abteilung VI (Luftwaffe) des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) in Bonn vom 4. Juli 1956 führte zur Aufstellung/IndienststellungSiehe Chronologie: Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57973-4, S. 794. der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw). Der notwendige „Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 25“ folgte am 21. August 1956, sodass der 1. Offizieranwärterlehrgang zum 1. Oktober 1956 mit 241 Lehrgangsteilnehmern beginnen konnte. Die OSLw, deren erster Kommandeur Oberst Rudolf Löytved-Hardegg wurde, wurde zunächst dem Kommando der Schulen der Luftwaffe (KdSLw) in Fürstenfeldbruck unterstellt.Heinz Rebhan: Aufbau und Organisation der Luftwaffe 1955 bis 1971. In: Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57973-4, S. 576.

Von 1956 bis 1958 fand die Ausbildung der Offizieranwärter auf dem zum 15. September 1956 bezogenen niedersächsischen Fliegerhorst Faßberg statt. Dabei stand schon zu Beginn fest, dass dieser Standort nur als Provisorium zu betrachten war. Zeitweise war der zu dieser Zeit französische Fliegerhorst Mainz-Finthen (später von der United States Army übernommen) als Standort im Gespräch, Anfang 1957 verlegten Teile dorthin.Michael Gutbier (verantwortlicher Redakteur): WGLS, Wehrgeschichtliche Lehrsammlung, Offizierschule der Luftwaffe. Dokumentation der Ausstellung. Hrsg. durch die Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck 2011, S. 133. Für die Durchführung der Standortverlegungen war zunächst Oberst Dietrich Adolf Hrabak und als dessen Nachfolger (ab 1957) Brigadegeneral Johannes Trautloft zuständig. Ende 1957 wurde die Technische Schule der Luftwaffe 3 (TSLw 3) in Faßberg als Lehrgang C der OSLw aufgestellt, um darin Technische Offiziere ausbilden zu können. Im darauffolgenden Jahr wurde die TSLw 3 nach Neubiberg verlegt und in Höhere Technische Schule der Luftwaffe umbenannt.BArch, BL 13 Schulen der Luftwaffe. Kurz vor der Verlegung begann an der Offiziersschule noch in Faßberg der erste Lehrgang zum Stabsoffizier.

Neubiberg (1958–1977) Im südbayerischen Raum (Neubiberg, Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren, Erding und Landsberg am Lech) etablierten sich ab Mitte der 1950er Jahre „wichtige Luftwaffenstandorte“, was insbesondere auf die Hilfe der Amerikaner (siehe Amerikanische Besatzungszone), den Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) und den Inspekteur der Luftwaffe Josef Kammhuber zurückzuführen ist.Martin Rink: Die Bundeswehr 1950/55–1989 (= Militärgeschichte kompakt. 6). De Gruyter Oldenbourg, München 2015, ISBN 978-3-11-044096-6, S. 59. Die OSLw zog dann selbst zum 1. Oktober 1958Heinz Rebhan: Aufbau und Organisation der Luftwaffe 1955 bis 1971. In: Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57973-4, S. 578. auf das Gelände des Fliegerhorstes Neubiberg bei München um. Neben dem großen Offizieranwärterlehrgang kam nun auch ein Reserveoffizieranwärterlehrgang hinzu, der 1958 erstmals 177 Teilnehmer fasste. Ab 1962 stand ein neues Schulgebäude zur Verfügung.Michael Gutbier (verantwortlicher Redakteur): WGLS, Wehrgeschichtliche Lehrsammlung, Offizierschule der Luftwaffe. Dokumentation der Ausstellung. Hrsg. durch die Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck 2011, S. 134. 1969 wurde in der Bundeswehr die Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes eingeführt;Michael Gutbier (verantwortlicher Redakteur): WGLS, Wehrgeschichtliche Lehrsammlung, Offizierschule der Luftwaffe. Dokumentation der Ausstellung. Hrsg. durch die Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck 2011, S. 157. Generalinspekteur General Ulrich de Maizière ernannte die ersten 170 Unteroffiziere mit Portepee zu Fachoffizieren der Bundeswehr in Neubiberg.Rudolf J. Schlaffer: Der Wehrbeauftragte 1951 bis 1985. Aus Sorge um den Soldaten (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, Band 5). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-58025-9, S. 196. Die Neubiberger Infrastruktur wurde 1973 für den Aufbau der Hochschule der Bundeswehr (heute Universität der Bundeswehr München) benötigt und die OSLw unter Brigadegeneral Wolfgang Kessler zog 1977 ein weiteres Mal um.

Fürstenfeldbruck (1977–2025) mini|Luftaufnahme des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck (Bayerische Vermessungsverwaltung 2012) Die Offizierschule verlegte auf den, von 1978 bis 1994 vom Jagdbombergeschwader 49 und danach bis 1997 von der Fluglehrgruppe genutzten, Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, der als „Wiege der Luftwaffe“ gilt, in die bayerische Garnisonsstadt Fürstenfeldbruck bei München. Dort wurde der Lehrbetrieb im Sommer 1977 aufgenommen. In Fürstenfeldbruck war bereits Jahre zuvor das Offizieranwärterbataillon zu Hause, welches dann ins fränkische Roth umzog.Michael Gutbier (verantwortlicher Redakteur): WGLS, Wehrgeschichtliche Lehrsammlung, Offizierschule der Luftwaffe. Dokumentation der Ausstellung. Hrsg. durch die Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck 2011, S. 136. Mit der Wende 1990 erhielten Luftwaffenoffiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) ihre Vorlaufsausbildung (u. a. in Innerer FührungMichael Gutbier (verantwortlicher Redakteur): WGLS, Wehrgeschichtliche Lehrsammlung, Offizierschule der Luftwaffe. Dokumentation der Ausstellung. Hrsg. durch die Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck 2011, S. 146.) an der OSLw.Siehe Chronologie: Bernd Lemke, Dieter Krüger, Heinz Rebhan, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2). Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57973-4, S. 823. Diese integrative Ausbildung, an der anfangs 280Siehe Zeittafel: Hans Ehlert (Hrsg.): Armee ohne Zukunft. Das Ende der NVA und die deutsche Einheit. Zeitzeugenberichte und Dokumente (= Militärgeschichte der DDR. Bd. 3). Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Ch. Links, Berlin 2002, ISBN 3-86153-265-4, S. 546. Offiziere teilnahmen, hielt dann bis 1994 an.Siehe Zeittafel: Hans-Werner Jarosch (Hrsg.): Immer im Einsatz. 50 Jahre Luftwaffe. Mittler, Hamburg 2005, ISBN 3-8132-0837-0, S. 312. 1996 wurden erstmals Frauen als Offizieranwärter des Sanitätsdienstes an der OSLw ausgebildet.Si: Erstmals Frauen an der Offizierschule. In: Süddeutsche Zeitung, 3. Mai 1996, S. 3. 2001 folgten dann Frauen in Laufbahnen außerhalb des Sanitätsdienstes.doe: Frauen an Offizierschule. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2001, S. R1. Im Jahre 2014 wurden erstmals aus organisatorischen Gründen zwei Offizierlehrgänge zur gleichen Zeit verabschiedet.Florian J. Haamann: Hals und Beinbruch. In: Süddeutsche Zeitung, 13. September 2014, S. R9.

Im Rahmen der durch die Verteidigungsminister zu Guttenberg und de Maiziere veranlassten Neuausrichtung der Bundeswehr wurde die Verlegung der Offizierschule nach Roth bei Nürnberg in die Otto-Lilienthal-Kaserne und die Schließung des Standortes Fürstenfeldbruck mit über 1.200 Dienstposten vorgesehen. Eine als Alternative im Raum stehende Sanierung der Gebäude in Fürstenfeldbruck wurde im Herbst 2011 als zu teuer verworfen.Gerhard Eisenkolb: Kellerer gibt Offizierschule verloren. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Oktober 2011, S. R1. Im Juni 2012 wurde bekannt, dass der Umzug der Offiziersschule wegen notwendiger Bauarbeiten voraussichtlich erst 2019 erfolgen könne;Gerhard Eisenkolb: Luftwaffe bleibt bis 2019. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Juni 2013, S. R1. später wurde der voraussichtliche Verlegetermin auf 2020Stefan Salger: Bundeswehr steht zu Umzug. In: Süddeutsche Zeitung, 9. August 2016, S. R7. bzw. 2021Stefan Salger: „Wir werden umziehen“. In: Süddeutsche Zeitung, 3. Februar 2017, S. R12. korrigiert. Auch nach 2021 wurde der Umzug noch mehrfach verschoben. Der gesamte Bundeswehrabzug vom Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst soll indessen nicht vor 2030 abgeschlossen sein. Im Jahresbericht 2016 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags, der 2017 erschien, wurde an der „Sinnhaftigkeit des Einsatzes der Mittel“ gezweifelt. Zum einen sei der gegenwärtige Standort wohl identitätsstiftend, zum anderen koste die Verlegung nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung rund 144 Millionen Euro. Der Wehrbeauftragte regte daher die „Modernisierung und Herrichtung“ an. Zur Klärung auch der Infrastruktur in Roth sollte eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt werden.Deutscher Bundestag, 18. WP, Drucksache 18/10900, Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten. Jahresbericht 2016 (58. Bericht) vom 24. Januar 2017, S. 28, 78.Vgl. Gerhard Eisenkolb: Späte Einsicht. In: Süddeutsche Zeitung, 2. Februar 2017, S. R7.

Roth (seit 2025) Am 15. Oktober 2025 fand in der Rother Otto-Lilienthal-Kaserne der Indienststellungsappell statt. Dabei wurde auch bekanntgegeben, dass der Campus den Namen „Kuebart-Campus“ tragen wird, benannt nach dem neunten Inspekteur der Luftwaffe, Hans-Jörg Kuebart. Zwei von Kuebarts Söhnen nahmen an der Benennung teil, Jan Kuebart, zum Zeitpunkt der Benennung Generalmajor und Amtschef des Luftfahrtamtes der Bundeswehr, sowie Arnt Kuebart, zu dieser Zeit Brigadegeneral und Kommandeur Bodengebundene Verbände im Luftwaffentruppenkommando.

Die Offiziersschule umfasste zu dieser Zeit insgesamt rund 1000 zivile und militärische Beschäftigte. Bis Februar 2026 sollte der Aufbau auf insgesamt rund 2000 zivile und militärische Beschäftigte abgeschlossen werden. In den Campus wurden 262 Millionen Euro investiert. Sie umfasst einen umbauten Raum von rund 141.000 Quadratmetern, darunter ein Lehrsaalgebäude, zwölf Unterkunftsgebäude mit 718 Stuben und zwei Sporthallen und weiteren Sportanlagen.

Öffentlichkeit und Weiterbildung Gäste und Vortragende