Johannes Mockel (* 3. Juli 1567 in Kirchheim unter Teck; † in Reutlingen) war ein Jurist, Gastwirt, Koch, Leichenführer, Schulgründer, Winzer, neulateinischer Dichter und Ratsverwandter in Tübingen.

Leben Johannes Mockel war das älteste Kind des Pfarrers und Superintendenten der Ämter Tübingen und Bebenhausen Mag. Sebastian Mockel (1537–1606)1559 immatrikuliert in Tübingen, 1563 Repetens musicus im Stift, 1566 Diakonus in Kirchheim unter Teck, 1569 Pfarrer in Ofterdingen.Johann Georg Sigwart: Leichpredigt Bey der Begräbnus, Weilund des Ehrwürdigen un[d] Wolgelehrten Herrn, M. Sebastiani Mockelij, geweßnen Pfarrers und Special Superintendenten zu Offtertingen … welcher den 10. Junij dises … 1606. Jahrs … entschlaffen. Philipp Gruppenbach, Tübingen 1606 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel). aus Beilngries im Bistum EichstättNorbert Hofmann: Die Artistenfakultät an der Universität Tübingen 1534–1601. Mohr, Tübingen 1982, S. 136f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). – einem Sohn von Leonhard Mockel († 1551) – und (⚭ 1566 in Tübingen) der Christina Wurtzelmann († nach 1606).Franz Hüttner: Selbstbiographie des Stadtpfarrers Wolfgang Ammon († 1634) von Marktbreit. In: Archiv für Kulturgeschichte 1 (1903), S. 50–98, 214–239 und 284–325, bes. S. 59–61 (Digitalisat im Internet Archive). Seine Mutter, eine Tochter des Goldschmieds Dieterich (Theodor) Wurzelmann aus Wimpfen,Siegwalt Schiek, Wilfried Setzler (Hrsg.): Das älteste Tübinger Ehebuch 1553–1614. (Beiträge zur Tübinger Geschichte 11). Theiss, Stuttgart 2000, Nr. 726, S. 57. war nach dem frühen Tod ihres Vaters in Tübingen aufgewachsen. Erhard Schnepf in Tübingen war verheiratet mit ihrer Tante Margaretha Wurzelmann (* um 1503; † 1569); Dietrich Schnepf nennt Magister (Sebastian) „Mockellius“ seinen Verwandten (affinis).Brief von Dietrich Schnepf an Wilhelm Holder von 1582; Ludwig Melchior Fischlin: Memoria theologorum Wirtembergensium resucitata. Georg Wilhelm Kühn, Ulm 1710, Supplementa, S. 246f (Google-Books). Unter Johannes Mockels Geschwistern waren der Pfarrer Matthäus Mockel (1571–1637)1597 Pfarrer in Pflummern und 1606 in Ofterdingen. und Elisabetha Mockel (* 1573; † vor 1623), die 1594 den Subdiakon Magister Georg Philipp Heiland (1571–1635) aus Göppingen heiratete,Siegwalt Schiek, Wilfried Setzler (Hrsg.): Das älteste Tübinger Ehebuch 1553–1614. (Beiträge zur Tübinger Geschichte 11). Theiss, Stuttgart 2000, Nr. 2394, S. 142. einen Sohn von Samuel Heiland.Württembergische Kirchengeschichte Online, Nr. 3201, 5551, 5552.

Studium und Heirat „Joannes Mugelius Kirchensis“ immatrikulierte sich am 17. Mai 1582 in Tübingen. Er erwarb am 25. September 1588 als „Mockelius“ zusammen mit Johannes Kepler das Baccalaureat und wurde am 10. Februar 1591 als „Meckel“ Stipendiat von Kloster Bebenhausen. miniatur|Restaurierte Fassade der ehemaligen Gastwirtschaft Zum Goldenen Schaf bzw. Lamm in Tübingen Am 11. September (Proklamation am 26. August) 1593 heiratete Johannes Mockel die vier Jahre ältere Wirtin des Tübinger Gasthauses Zum Goldenen Schaf Margaretha geborene Motzer (1561–1627).Siegwalt Schiek, Wilfried Setzler (Hrsg.): Das älteste Tübinger Ehebuch 1553–1614. (Beiträge zur Tübinger Geschichte 11). Theiss, Stuttgart 2000, Nr. 2379, S. 141. Sie war Witwe (⚭ 1583) des Gastwirts Johannes Lustnauer († 1592)Sohn von Bürgermeister Joachim Lustnauer aus Tübingen.„15. Nov. starb zu Tüwingen peste der Wirt zum Schaf (Zusatz von neuer Hand: zum goldenen Lamm Johannes Lustnauer); hat ein gross Maul gehabt, Johan de munde genannt.“; Adolf Rentschler (Hrsg.): Sindelfinger Chronik des Pfarrers Georg Reipchius, 1553 bis 1598. Röhm, Sindelfingen 1958, Nr. 684, S. 96. und Tochter des Bürgermeisters (1582/83) und Geistlichen Verwalters Martin Mozer (* um 1530/35; † nach 1583) aus TübingenSohn von Michel Motzer. und seiner Frau (⚭ 1556) Anna Brüssel (* um 1535; † 1606) aus Oberboihingen.Tochter von Georg Brussel († vor 1553), Witwe von Jacob Betz, „Hanss Betzenn sune von Gmundt“.Siegwalt Schiek, Wilfried Setzler (Hrsg.): Das älteste Tübinger Ehebuch 1553–1614. (Beiträge zur Tübinger Geschichte 11). Theiss, Stuttgart 2000, Nr. 107, S. 23, Nr. 155, S. 26, und Nr. 1780, S. 112; Wolfram Hauer: Lokale Schulentwicklung und städtische Lebenswelt. Steiner, Stuttgart 2003, S. 257. Zur Heirat gaben seine Freunde eine Festschrift heraus, zu der Johannes Kepler das Hochzeitsgedicht In Nuptias Johannis Mockelii und Zacharias Schäffer ein vierstimmiges Hochzeitslied beisteuerten.Friedrich Seck, Monika Balzert: Johannes Kepler - Sämtliche Gedichte. Olms, Hildesheim 2018, S. 60–65 und 335f. Vom Stipendium und der Universität Tübingen ist Mockel 1593 jedoch wegen seiner unerlaubten Hochzeit als Student „als er sich mitt der Schaafwirtin alhie verheürat dimitiert (= verwiesen) worden“.Friedrich Seck, Monika Balzert: Johannes Kepler - Sämtliche Gedichte. Olms, Hildesheim 2018, S. 333–337.

Gastwirt Zum Goldenen Schaf Johannes Mockel führte mit seiner Frau das Gasthaus Zum Goldenen Schaf als Gastwirt weiter (caupo oder hospes ad Insigne auratae Ovis). Das Haus (Am Markt 7) wurde später umbenannt in Zum goldenen Lamm und nach einem Brand 1974 mit restaurierter Fassade als Evangelisches Gemeindehaus Lamm wiedereröffnet. 1596 wurden dem Gastwirt Mockel überhöhte Preise vorgeworfen.Akten betr. Preisüberforderungen des Schafwirts zu Tübingen, 1596; Hauptstaatsarchiv Stuttgart (A 206 Altwürttembergisches Archiv, Oberrat: Ältere Ämterakten, Bü 4716). Am 18. Oktober 1598 fungierte „Herr Johann Mockel Gastgeber zum güldenen Schaff“ mit schwarzem Stab und „Klagekleid“ als einer der beiden LeichenführerPerson, die der Leiche bei einer Beerdigung vorangeht und für einen würdigen Transport und die Aufbahrung verantwortlich ist. bei der Beisetzung des Studenten Graf Wilhelm Ernst von Waldeck in der Stiftskirche. Horst Schmidt-Grave: Leichenreden und Leichenpredigten Tübinger Professoren (1550–1750). Steiner, Wiesbaden 1974, S. 83 und 85 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Er hatte durch seinen Vater das Bürgerrecht (als civis) erworbenJohann Georg Sigwart: Leichpredigt Bey der Begräbnus, Weilund des Ehrwürdigen un[d] Wolgelehrten Herrn, M. Sebastiani Mockelij. Philipp Gruppenbach, Tübingen 1606, S. 23. und war seit 1628 Ratsverwandter (Mitglied des Stadtrates; senator) der Stadt Tübingen.

Mockel blieb dem akademischen Leben verbunden und stand in engem Kontakt u. a. mit Martin Crusius, der ein Gedicht in sechs Distichen auf Latein und auch auf Griechisch über sein Gasthaus-Schild (insigne) verfasste.Eintrag vom 30. August 1599; Wilhelm Göz, Ernst Conrad (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. II 1598–1599. H. Laupp, Tübingen 1931 S. 342. Erhard Cellius dichtete 1596 im Gasthaus zum Schaf ein Epigramm auf die drei Brüder Freiherren von Landau, die in Tübingen studierten,Zur fraglichen Zeit ist der Aufenthalt von Heinrich (1582–1601), Ehrenreich (1583–1620), Gottfried (1584–1630) und Joachim (* 1587; † zwischen 1607 und 1623) Freiherren (barones) von Landau, Söhne des Achaz von Landau (* 1545; † 1596 oder 1602) zu Rappottenstein und (⚭ 1582) der Clara von Roggendorf (* 1560; † nach 1587) zu Mollenberg, am Collegium Illustre und der Universität in Tübingen belegt. nachdem man Crusius’ „königlichen“ Pokal„meum Regium poculum“; Crusius hatte den Silberpokal 1594 als Geschenk von Studenten erhalten. auf ihre Gesundheit ausgetrunken und „ausgedreht“ hatte.Eintrag vom 28. Januar 1597; Wilhelm Göz, Ernst Conrad (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. I 1596–1597. H. Laupp, Tübingen 1927, S. 276; vgl. Bd. III 1600–1605. H. Laupp, Tübingen 1958, S. 225 und 398; Gabriele Jancke: Gastfreundschaft in der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Praktiken, Normen und Perspektiven von Gelehrten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, S. 130 und 369. Crusius feierte 1599 die Hochzeit seiner Tochter Theodora (* 1579; † nach 1611) mit dem Theologiestudenten Magister Markus Necker (* 1574; † vor 1611) aus Dettingen unter Teck,Wilhelm Göz, Ernst Conrad (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. II 1598–1599. H. Laupp, Tübingen 1931, S. 381f; Siegwalt Schiek, Wilfried Setzler (Hrsg.): Das älteste Tübinger Ehebuch 1553–1614. Theiss, Stuttgart 2000, Nr. 2832, S. 114 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1601 seinen 75. Geburtstag und 1606 seinen 80. Geburtstag bei Mockel.Karl Klüpfel: Geschichte und Beschreibung der Universität Tübingen, Bd. II. Ludwig Friedrich Fues, Tübingen 1849, S. 90 (Google-Books). Viele akademische Feiern und Festessen der Universität wurden von Mockel ausgerichtet und bekocht.Zahlreiche Tagebucheinträge von Crusius, teilweise mit ausführlichen Menüfolgen; Gabriele Jancke: Gastfreundschaft in der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Praktiken, Normen und Perspektiven von Gelehrten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, S. 130, 339f, 408. Wie im modernen Catering bereitete er auch außerhalb seines Gasthauses einen „hervorragenden Tisch“ zu mit „ausgezeichnetem Wein“, so 1600 im Gebäude der Alten Aula bei einem Rektorats-Essen in drei Gängen für David Magirus, „Speisen, gekocht in der Küche des Senats! Von Mockel, dem Gastwirt des ‚Schafes‘. Gott Lob!“„O quot optima fercula! O quam bonum vinum. Cibi, cocti in culina Senaculi. A caupone ouis Mockelio. Laus Deo“; Reinhold Stahlecker, Eugen Staiger (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. III. H. Laupp, Tübingen 1958, S. 181.

Einrichtung einer Schule In der Domus Collegii (Gebäude der Philosophischen Fakultät), die er von Crusius anmietete, richtete Mockel 1601 für eigene und fremde Kinder eine Schule ein.Reinhold Stahlecker, Eugen Staiger (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. III. H. Laupp, Tübingen 1958, S. 245 und 257. Die Kinder wurden täglich 7 Stunden von Mag. Johannes Myller aus Schwäbisch HallVielleicht verschwägert (socer) mit Professor Michael Ziegler; vgl. Eintrag vom 26. Januar 1599; Reinhold Stahlecker, Eugen Staiger (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. II. H. Laupp, Tübingen 1931, S. 167. und wohl auch von Mockel selbst unterrichtet.Friedrich Seck, Monika Balzert: Johannes Kepler - Sämtliche Gedichte. Olms, Hildesheim 2018, S. 344. Unter den Schüler waren die drei eigenen Söhne Mockels, der Sohn Johann Georg Halbritter (1591–1649) des Professors Johann Halbritter und ein Sohn des Hofgerichtsadvokaten Johann Jakob Andler d. Ä. (1556–1634). Noch im selben Jahr nahmen Martin Crusius und der „Pädagogiarch“ Professor Georg Burckhardt auf Bitte Mockels am 11. Juni 1601 bei 14 Schülern erfolgreich eine Prüfung ab.Reinhold Stahlecker, Eugen Staiger (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. III. H. Laupp, Tübingen 1958, S. 280.

Zwei seiner drei Söhne studierten in Tübingen und wurden wie er Juristen. Johannes Mockel starb während einer Reutlinger Messe (nundinis Reutlingensibus). In der Einladung des Rektors Johann Ulrich Pregizer I. der Universität zu seiner Beerdigung wird Mockel folgendermaßen charakterisiert: „Er war ein im Lateinischen sehr gebildeter und der Rechtswissenschaft tief ergebener und unter den Gelehrten äußerst geschätzter Mensch“.„Fuit homo in Latinis doctissimus, et Jurisprudentiae studiosissimus, et Literatorum amantissimus“; Programmata Funeralia, Bd. IV, Bl. 311.

Veröffentlichungen