mini|hochkant|Pauls Bankovskis (2004) Pauls Bankovskis (* 10. März 1973 in Cēsis, Lettische SSR, heute Republik Lettland; † 12. Juli 2020 in Riga) war ein lettischer Schriftsteller, Journalist und Publizist.

Leben Pauls Bankovskis wurde 1973 in Cēsis geboren. Bis zum Alter von vier Jahren lebte er in LīgatneIn seinem schriftstellerischen Werk thematisiert Bankovskis immer wieder seine ersten vier in Līgatne verbrachten Lebensjahre. Insbesondere zu Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn gab er mehrmals Līgatne als seinen Geburtsort an, beispielsweise in der Einleitung seiner Erzählung Homo Liber (vgl. Karogs № 4/1994, S. 87 auf periodika.lv); Cēsis war lediglich der Ort, in dem sich zufälligerweise die nächstgelegene Entbindungsstation befand. und später in Sigulda, wo er bis zur 9. Klasse die Mittelschule besuchte. Seine Schulbildung setzte er in der Abteilung für künstlerische Glasverarbeitung an der Rigaer Mittelschule für Angewandte Kunst (Rīgas Lietišķās mākslas vidusskola / RLMV) fort. Anschließend studierte er von 1992 bis 1996 am Institut für Philosophie der Fakultät für Geschichte und Philosophie der Lettischen Universität.

Ende 1992 erschien seine erste Publikation – die Übersetzung eines Gesprächs mit Umberto EcoValodas problēma (Das Problem der Sprache). Lettische Übersetzung der am 18. Oktober 1992 in The Guardian Weekly erschienenen englischen Übersetzung eines auf Italienisch geführten und in französischer Übersetzung am 29. September 1992 in Le Monde erschienenen Gesprächs Ecos mit Jean-Noël Schifano, dem Übersetzer seiner Werke ins Französische (Un entretien avec Umberto Eco: « Il faut placer notre espérance dans une Europe de polyglottes »). In: Literatūra un Māksla Nr. 46 vom 27. November 1992, S. 3 (lettisch; Digitalisat auf periodika.lv). – in der Wochenzeitschrift Literatūra un Māksla (Literatur und Kunst), in der im März 1993 auch sein Debüt als SchriftstellerDie beiden Kurzgeschichten Klods (Claude) und Kā putni (Wie Vögel) (lettisch) in: Literatūra un Māksla Nr. 11 vom 19. März (falsch datiert mit 19. Februar) 1993, S. 7. veröffentlicht wurde. Später war er für die Tageszeitung Labrīt und das Literaturjournal Karogs (Rubrik pasaulē / in der Welt) tätig. Er war einer der Initiatoren und Organisatoren des seit 1995 jährlich im Dezember stattfindenden (und seit 2002 internationalen) Rigaer Lesefestivals „Prozas lasījumi“ (Prosalesungen).Hintergrundinformationen zu den Festivals 2002 und 2003 (Klāt astotie ‘Prozas lasījumi’; Rīgā būs ‘Prozas lasījumi 2003’) auf delfi.lv (lettisch). 1996 trat er in die Redaktion der Tageszeitung Diena ein, wo er unter anderem die Rubrik Grāmatas (Bücher) in der Freitagsbeilage Izklaide (Unterhaltung) betreute. Seit 1998 war er Mitglied des Lettischen Schriftstellerverbandes (Latvijas rakstnieku savienība) und von 2001 bis 2007 verantwortlicher Redakteur der Online-Version der Zeitung (diena.lv). Außerdem schrieb er für das Magazin irTexte von und über Pauls Bankovskis auf ir.lv (lettisch), abgerufen am 12. Juli 2020. und mit großer Kontinuität für das unabhängige Online-Kulturjournal satori.lv.384 Texte von Pauls Bankovskis auf satori.lv (lettisch), abgerufen am 12. Juli 2020.

Seit 2006 war Pauls Bankovskis Direktor des Verlags für akademische Literatur Liepnieks un Rītups und festes Redaktionsmitglied der Monatsschrift Rīgas Laiks, für die er u. a. die Rubrik rl serfo (RL surft) gestaltete (gemeinsam mit dem Philosophen Ilmārs Šlāpins).Texte von und über Pauls Bankovskis auf rigaslaiks.lv (lettisch), abgerufen am 12. Juli 2020. Von 2011 bis 2016 war er Senior Copywriter bei der Werbeagentur TBWA\Latvija.lt. literatura.lv, abgerufen am 1. August 2020; Arbeiten aus der Zeit bei TBWA auf slideshare.net. 2016 kuratierte er mit dem Historiker Gustavs Strenga die interaktive Ausstellung Grāmata Latvijā (Das Buch in Lettland) in der Lettischen Nationalbibliothek.Stāsts par grāmatām. In: ir, 24. August 2016.

Wirken im deutschsprachigen Raum

Im November 2003 nahm Pauls Bankovskis neben Olga Tokarczuk u. a. an der Veranstaltung „Landschaften des Umbruchs (II) – Die lange Nacht der Autoren“ im Literarischen Colloquium Berlin teil.Programm der Veranstaltung am 19. November 2003 auf lcb.de. Kurz nach dem Beitritt der Republik Lettland zur EU am 1. Mai 2004 erschien seine Kolumne Lenins rundes Leder in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Vom 1. März bis zum 31. August 2006 war er Artist in Residence in der Akademie Schloss Solitude, wo Teile des Erzählbandes Skola entstanden; eine Auswahl von Kurzgeschichten daraus erschien 2008 in deutscher Übersetzung mit dem Titel Schule. Unterstufe. Im Oktober 2006 war er neben Pēteris Vasks u. a. zu Gast im Atelierhaus Vahle in DarmstadtProgramm „Gegenwartsliteratur und Komponisten aus Lettland“, 21./22. Oktober 2006 (PDF, 143 KB)., 2010 las er im Literaturhaus Stuttgart seinen Beitrag zum Lexikon der sperrigen Wörter.

Privates

mini|Pauls Bankovskis’ Urnengrab auf dem Friedhof Asari (Jūrmala) am 12. Juli 2024 Pauls Bankovskis hatte drei rund zwanzig Jahre ältere Geschwister. Mit der Fotografin Anda BankovskaBio Anda Magone auf andamagone.com (lettisch). (seit 2016 Anda MagoneIeva Alberte: Vēdera sajūta. In: ir, 22. März 2017 (lettisch).) hatte er eine Tochter (* 1999)Kurzbeschreibung des Doku-Features Gesichter Europas – Starke Frauen: Anda und der Aufbruch in Riga (2007) auf blogspot.com.. Seine Lebensgefährtin war von 2003 bis zu deren plötzlichem Tod die Schriftstellerin Andra Neiburga (1957–2019); deren Tochter Katrīna und Sohn Aleksandrs ist sein letztes abgeschlossenes Werk gewidmet, der 600-seitige phantastische Roman Pasaules vēsture (Geschichte der Welt).Pasaules vēsture, Dienas grāmata, Rīga 2020, S. 7.

Über die näheren Umstände des Todes von Pauls Bankovskis wurde nichts bekanntgegeben. Er starb am 92. Geburtstag seines Vaters, der seinen jüngsten Sohn um dreieinhalb Monate überlebte.

Zitate

Auszeichnungen 1996 Preis des 3. Romanwettbewerbs der Zeitschrift Karogs und Raimonds Gerkens für den Roman Laiku grāmata (2. Platz) 2002 Preis des 7. Romanwettbewerbs der Zeitschrift Karogs und Raimonds Gerkens für den Roman Misters Latvija (2. Platz) 2008 Jānis-Baltvilks-Preis für das Kinderbuch Mazgalvīši spēlē mājās 2009 „Lielais Kristaps“ für das Drehbuch zu dem Dokumentarfilm Klucis. Nepareizais latvietis 2012 (1. Quartal) Zuschauerpreis „Kilograms kultūras“ der TV-Sendung 100 g kultūras für den Erzählband Zvēru zvaigznājsPauls Bankovskis auf literatura.lv, abgerufen am 16. Juli 2020. 2014 Hauptpreis des Prosafestivals „Prozas lasījumi“ für die Geschichte Pērlīte (Perlchen, 2017 erschienen in dem Erzählband Kur pazuda saimnieks?) 2015 Nominierung für den Jahrespreis für lettische Literatur (Latvijas literatūras gada balva / „LaLiGaBa“) für den Roman 18Nominācijas 2015: „18“ auf laligaba.lv 2018 Nominierung für den Jahrespreis für lettische Literatur („LaLiGaBa“) für den Erzählband Kur pazuda saimnieks? (Kategorie Kinderliteratur)Nominācijas 2018: „Kur pazuda saimnieks?“ auf laligaba.lv 2020 (Herbstabstimmung) Zuschauerpreis „Kilograms kultūras“ in der Kategorie Literatur für den Roman Pasaules vēsture (postum)Noskaidroti «Kilograms kultūras» rudens balsojuma uzvarētāji auf lsm.lv, 12. Oktober 2020. – Da Pauls Bankovskis 2020 Mitglied der Jury für den Jahrespreis für lettische Literatur („LaLiGaBa“) war (siehe Eksperti auf laligaba.lv), konnte Pasaules vēsture nicht nominiert werden.

Werke Romane Pasaules vēsture (Die Geschichte der Welt). Dienas Grāmata, Riga 2020 18 (18). Dienas Grāmata, Riga 2014 deutsch (Auszüge): Anfang und Nachwort auf lettlandlesen.com englisch: 18. Aus dem Lettischen von Ieva Lešinska. Vagabond Voices, Glasgow 2017 makedonisch: 18. Aus dem Englischen von Мариjа Траjкоска. Прозарт медия, Skopje 2018 Drēbes jeb Ādama tērps (Kleider oder Das Adamskostüm). Jānis Roze, Riga 2006 Ofšors (Offshore), Valters un Rapa, Riga 2006 deutsch (Auszüge): Anfang und weitere Fragmente auf lettlandlesen.com Eiroremonts (EuroRemontRuss. Neologismus (Евроремонт), vgl. EuroRemont: Qu’est-ce que c’est ? auf domusweb.it (englisch); auch Titel einer auf das Thema „kosmetische Renovierung nach westlichem Vorbild“ spezialisierten russischsprachigen Zeitschrift (siehe EuroRemont auf issuu.com)) bzw. (um 180° gedreht): anonīms autors: Portāls. Ceļvedis. (anonymer Autor: [Das] Portal. [Ein] Reiseführer). Valters un Rapa, Riga 2005 Sekreti. Pierobežas romance (Geheimnisse. Grenzlandromanze). Valters un Rapa, Riga 2002 Čeka, bumba & rokenrols (Tscheka, Bombe / Kugel / Bowle & Rock ’n’ Roll). Valters un Rapa, Riga 2002 deutsch (Auszug): Spitzel, Schnaps & Rock ’n’ Roll. Aus dem Lettischen von Matthias Knoll. Lettisches Literatur Centrum, Riga 2004 (online auf literatur.lv) finnisch: Kyttiä, paukkuja ja rokkenrollia. Aus dem Lettischen von Linda Prauliņa. Like, Helsinki 2005 tschechisch: Čeka, bomba, rokenrol. Aus dem Lettischen von Michal Škrabal. Argo, Prag 2008 Misters Latvija (Mister Lettland). Karogs, Riga 2002 Padomju Latvijas sieviete (Die sowjetlettische Frau). Enigma, Riga 2000Multimediale Präsentation des Buches (Leseproben, Bild- und Filmmaterial etc.) auf re-lab.lv (lettisch). Hörspielbearbeitung und Regie: Reinis Ādmīdiņš. Mit Zane Jančevska, Uldis Vazdiks, Indra Burkovska, Jānis Brodelis, Zane Daudziņa un Gunārs Jākobsons. Latvijas Radio 2000 (online auf lsm.lv) Plāns ledus (Dünnes Eis). Jumava, Riga 1999 Zemeņu lasītāji (Die Erdbeerpflücker). In: Karogs Nr. 3 u. 4/1999 Laiku grāmata (Das Zeitenbuch bzw. Buch der Chronik). Karogs, Riga 1997

Erzählbände Trakie veči (Verrückte Kerle). Dienas Grāmata, Riga 2016 daraus: The Night Shift. Translated by Marta Ziemelis. In: The Book of Riga. A City in Short Fiction. Comma Press, o. O. 2018 (Voransicht des Buches bei Google Books) Es neko neatceros. Par lietu dabu (Ich erinnere mich an nichts. Über die Natur der Dinge). Mit Illustrationen des Autors. Dienas Grāmata, Riga 2013 Zvēru zvaigznājs. Pasakas pieaugušajiem (Sternbild der Tiere. Märchen für Erwachsene). Mit Illustrationen des Autors. Dienas Grāmata, Riga 2012 Skola (Schule). Valters un Rapa, Riga 2006 dt. Titel der Auswahl daraus (7 von 16 Kurzgeschichten): Schule. Unterstufe. Kurzgeschichten. Aus dem Lettischen von Matthias Knoll. merz&solitude / Akademie Schloss Solitude, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-937158-39-6 daraus: Rosig (lett. Titel: Sārtais). Aus dem Lettischen von Matthias Knoll. In: lettische literatur #2. kurzprosa, Lettisches Literatur Centrum, Riga 2007 Labais vienmēr uzvar (Das Gute siegt immer). Atēna, Riga 2002 Svētā Bokasīna koks (Der Baum des Heiligen BokasīnsPauls Bankovskis unterhielt einen Instagram-Account unter dem Nutzernamen bocasine. – Ein Wikipedia-Nutzer erstellte am 5. November 2008 unter dem Nutzernamen Bocasine Pauls Bankovskis’ lettischen Wikipedia-Eintrag und aktualisierte ihn bis zum 14. Mai 2018.). Preses nams, Riga 1996

Dokumentarische Prosa Viens ar Kantu. Otto Rolava dzīve (Allein mit Kant. Das Leben des Otto Rolavs). Dienas grāmata, Riga 2012 (Digitalisat der korrigierten Umbruchfassung – ohne Illustrationen – auf Issuu)

Kinderbücher Kur pazuda saimnieks? Stāsti par mūsu vēsturi (Wohin ist das Herrchen / der Chef verschwunden? Geschichten über unsere Geschichte). Mit Illustrationen des Autors.Die Originale der 13 Aquarelle aus dem Buch wurden am 29. November 2017 versteigert, der gesamte Erlös ging an ein Rigaer Tierheim. liels un mazs, Riga 2017 Bühnenfassung im Liepājas teātris, Regie: Dmitrijs Petrenko, Premiere: 17. Mai 2018Über die Inszenierung (lettisch) auf liepajasteatris.lv. Zvēri man! (Tiere für mich! [auch: Schwöre mir!]). Recycling-Bastelbuch mit Zeichnungen des Autors.Vorstellung des Buchs (lettisch) mit Video-Animation auf sites.google.com. Atvērt šeit, Riga 2010 (Digitalisat auf Issuu) Mazgalvīši spēlē mājās (Die Kleinköpfler spielen zu Hause). Illustrationen von Katrīna Neiburga. Liels un mazs, Riga 2007 (Auszüge aus dem Buch auf satori.lv)

Drehbücher