Die Landtagswahl in Sachsen 2024 am 1. September 2024 war die achte Wahl zum Sächsischen Landtag seit der Neugründung des Freistaates 1990. Parallel fand die Landtagswahl in Thüringen statt.

Es gab rund 3,18 Millionen Wahlberechtigte. Die Beteiligung war mit 74,4 % die höchste seit der Wiedergründung des Landes. Erstmals wurden sieben Parteien in den Landtag gewählt. Die CDU erreichte mit 31,9 % (−0,2 %) ihr schlechtestes Ergebnis in Sachsen, war aber erneut stärkste Partei knapp vor der AfD (30,6 %), die um drei Prozentpunkte zulegen konnte. Das BSW wurde aus dem Stand mit 11,8 % zur drittstärksten Kraft. Die SPD erzielte mit 7,3 % ihr bis dahin schlechtestes Landtagswahlergebnis. Die Grünen kamen bei Verlusten knapp über die 5-%-Hürde. Die Linke verlor über die Hälfte ihrer Wähler und zog nur durch zwei Direktmandate in Leipzig über die Grundmandatsklausel in den Landtag ein. Das Ergebnis von 4,5 % war zugleich das bis zur Wahl in Brandenburg drei Wochen später ihr schlechtestes bei einer ostdeutschen Landtagswahl. Die Freien Wähler holten ein Direktmandat.

Organisation Wahltermin Gemäß Artikel 44 Abs. 1 Satz 1 der Verfassung des Freistaates Sachsen wird der Landtag auf fünf Jahre gewählt. § 16 Absatz 2 Satz 1 des Sächsischen Wahlgesetzes bestimmt, dass der Wahltag frühestens 58, spätestens 60 Monate nach Beginn der Wahlperiode zu liegen hat. Die Sächsische Staatsregierung einigte sich Ende Juni 2023 auf den 1. September 2024 als Wahltermin. Der Termin wurde am 28. Juni 2023 vom Sächsischen Landtag bestätigt. Am selben Tag fand die Landtagswahl in Thüringen statt.

Wahlsystem Der Landtag hat ohne eventuelle Überhang- und Ausgleichsmandate 120 Mitglieder. Jeder Wähler hat zwei Stimmen, eine Direkt- und eine Listenstimme, die Erst- und Zweitstimme im Bundestagswahlrecht entsprechen. In jedem der 60 Wahlkreise ist jeweils der Bewerber mit den meisten Direktstimmen gewählt. 120 Sitze werden proportional nach dem Sainte-Laguë-Verfahren (bei der Landtagswahl 2019 wurde noch das D’Hondt-Verfahren verwendet) gemäß den Listenstimmen unter den Parteien verteilt, die entweder mindestens 5 % der Listenstimmen landesweit oder mindestens zwei Direktmandate erringen. Erhält die Partei weniger Sitze in Wahlkreisen, als ihr insgesamt Sitze zustehen, werden ihr die restlichen Sitze über die Landesliste in der dort festgelegten Reihenfolge zugeteilt. Ihre im Wahlkreis gewählten Bewerber bleiben dabei außer Betracht.

Erreicht eine Partei mehr Sitze in den Wahlkreisen, als ihr nach der proportionalen Verteilung zustehen, so behält sie diese Sitze (Überhangmandate). Die übrigen Parteien erhalten Ausgleichsmandate. Es darf nicht mehr Ausgleichsmandate geben als Überhangmandate.

Ausgangslage Vorherige Wahl 2019

Die Wahl 2019 stand im Zeichen von hohen Gewinnen der AfD, die knapp 18 Prozent der Stimmen auf nun 27,5 % hinzugewann und zweitstärkste Kraft wurde. Die CDU landete nach Verlusten mit gut 32 Prozent als stärkste Partei vor der AfD. Die Linke und die SPD erreichten 10,4 bzw. 7,7 Prozent der Wählerstimmen. Bündnis 90/Die Grünen legten zu und erreichten mit 8,6 Prozent ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen, der FDP gelang mit 4,5 Prozent der Einzug in das Parlament erneut nicht.

Nach der Wahl bildeten CDU, Grüne und SPD eine sogenannte „Kenia-Koalition“ (schwarz-grün-rot). Michael Kretschmer (CDU) wurde erneut zum Ministerpräsidenten und Chef der Sächsischen Staatsregierung gewählt. Im Parlament hat die Regierung mit 67 der 119 Sitze eine relativ sichere Mehrheit.

Bisher im Landtag vertretene Parteien Fraktion Kurzbe-zeichnung Sitze2019 Sitze2024 Christlich Demokratische Union Deutschlands CDU 45 44 Alternative für Deutschland AfD 38 34 Die Linke Linke 14 14 Bündnis 90/Die Grünen Bündnisgrüne 12 12 Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 10 10fraktionslose AbgeordneteKurzbe-zeichnungSitze2019Sitze2024 Bündnis Deutschland BD — 1 Freie Wähler FW ― 1 Alternative für Deutschland (fraktionslos) AfD ― 1 Parteilose – ― 2

Wahlkreise

Im Vorfeld der Landtagswahl kam es durch die Änderung des sächsischen Wahlgesetzes zu Veränderungen bei den Wahlkreisen. Aufgrund der gesunkenen Einwohnerzahl in den Landkreisen Mittelsachsen und Vogtland verloren diese jeweils einen Wahlkreis an die kreisfreien Städte Leipzig und Dresden, welche einen großen Bevölkerungszuwachs verbuchen konnten. Zudem mussten im Landkreis Bautzen die weiterhin fünf Wahlkreise neu zugeschnitten werden.

Teilnehmende Parteien Wahlvorschläge waren bis zum 66. Tag vor der Wahl (27. Juni 2024) einzureichen. Wahlvorschläge, die nicht von Parteien stammten, die am 90. Tag vor der Wahl im Deutschen Bundestag oder einem Landtag aufgrund eigener Wahlvorschläge vertreten waren, benötigten 100 (Kreiswahlvorschlag) beziehungsweise 1000 (Landesliste) Unterstützungsunterschriften.Sächsisches Wahlgesetz

19 Landeslisten und 526 Kreiswahlvorschläge wurden zugelassen:Landeswahlleiter: Bewerberstatistik Kürzel Partei Ergebnis 2019 Direkt-kandidaten Bewerber aufLandesliste Platz 1 auf der Landesliste CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,1 % 60 78 Michael Kretschmer AfD Alternative für Deutschland 27,5 % 60 75 Jörg Urban Linke Die Linke 10,4 % 60 47 Susanne Schaper Grüne Bündnis 90/Die Grünen 8,6 % 60 30 Katja Meier SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 7,7 % 60 54 Petra Köpping FDP Freie Demokratische Partei 4,5 % 60 48 Robert Malorny Freie Wähler Freie Wähler 3,4 % 59 33 Matthias Berger Die PARTEI Die PARTEI 1,6 % 3 9 Sabine Küchler Piraten Piratenpartei Deutschland 0,3 % – 9 Stephanie Henkel ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 0,3 % 2 11 Jonas Bialon BüSo Bürgerrechtsbewegung Solidarität 0,1 % 4 12 Michael Gründler Tierschutz hier! Aktion Partei für Tierschutz – – 3 Uwe Werner dieBasis Basisdemokratische Partei Deutschland – 3 11 David MurcekBündnis CBündnis C – Christen für Deutschland – – 7Thomas Lamowski Bündnis DeutschlandBündnis Deutschland – 3 16Steffen Große BSW Bündnis Sahra Wagenknecht – 39 30Sabine ZimmermannFreie SachsenFreie Sachsen – 35 30Martin KohlmannV-Partei³V-Partei³ – Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer – – 4 Simone Schwarzbach WU WerteUnion – 5 7 Heiko Petzold Sonstige (darunter 5 × „Team Zastrow – Bündnis Sachsen 24“) – 13 – Die Landeslisten von vier Parteien wurden zurückgewiesen: Die Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung und die Partei der Humanisten konnten nicht genug Unterstützungsunterschriften vorweisen, die KPD konnte die Parteieigenschaft nicht nachweisen und bei der Tierschutzpartei lagen Formfehler vor. Letztere sprach eine Wahlempfehlung für die Linke aus. Die nicht teilnehmende Kleinpartei Volt unterstützte die SPD.

Umfragen

Sonntagsfrage Institut Datum Landtagswahl 2024 01.09.2024 31,9 % 30,6 % 4,5 % 5,1 % 7,3 % 0,9 % 2,3 % 11,8 % 5,6 % Forsa 30.08.2024 33 % 31 % 3 % 6 % 7 % — — 12 % 8 % Forschungsgruppe Wahlen 29.08.2024 33 % 30 % 4 % 6 % 6 % — — 12 % 9 % INSA 24.08.2024 30 % 32 % 4 % 5 % 6 % — 3 % 15 % 5 % Forschungsgruppe Wahlen 23.08.2024 33 % 30 % 4 % 6 % 7 % — — 11 % 9 % Infratest dimap 22.08.2024 31 % 30 % 4 % 6 % 7 % — — 14 % 8 % Forsa 20.08.2024 33 % 30 % 3 % 6 % 6 % — — 13 % 9 % INSA 16.08.2024 29 % 32 % 5 % 5 % 5 % 2 % 4 % 15 % 3 % Forschungsgruppe Wahlen 09.08.2024 34 % 30 % 4 % 6 % 6 % — — 11 % 9 % Infratest dimap 20.06.2024 29 % 30 % 3 % 7 % 7 % — — 15 % 9 % INSA 19.06.2024 30 % 32 % 4 % 5 % 5 % 2 % — 15 % 7 % INSA 19.03.2024 30 % 34 % 5 % 5 % 6 % 2 % 3 % 11 % 4 % Infratest dimap 25.01.2024 30 % 35 % 4 % 7 % 7 % — — 8 % 9 % Forsa 11.01.2024 30 % 34 % 6 % 8 % 7 % 3 % 3 % 4 % 5 % INSA 31.08.2023 29 % 35 % 9 % 6 % 7 % 5 % —— 9 % INSA 07.04.2022 25 % 28 % 9 % 9 % 12 % 7 % 3 %— 7 % Infratest dimap 24.02.2022 27 % 24 % 10 % 8 % 13 % 7 % 3 %— 8 % INSA 17.09.2021 31 % 26 % 11 % 7 % 11 % 8 %—— 6 % Infratest dimap 20.08.2021 35 % 21 % 10 % 7 % 11 % 6 % 4 %— 6 % INSA 16.08.2021 34 % 25 % 13 % 7 % 8 % 8 % —— 5 % INSA 25.05.2021 24 % 26 % 11 % 13 % 6 % 12 % —— 8 % INSA 04.01.2021 34 % 26 % 11 % 10 % 7 % 5 % —— 7 % INSAWahlumfragen zur Landtagswahl in Sachsen, auf wahlrecht.de 08.07.2020 36 % 26 % 11 % 10 % 7 % 4 % —— 6 % Landtagswahl 2019 01.09.2019 32,1 % 27,5 % 10,4 % 8,6 % 7,7 % 4,5 % 3,4 %— 5,8 %

Verlauf mini|links|800px|Entwicklung seit der Wahl 2019

Direktwahl Ministerpräsident Institut Datum 66px (CDU) 66px(AfD) 70px(BSW) weder noch weiß nicht/unbekannt Forschungsgruppe WahlenAktuelle Daten und Grafiken zur Wahl in Sachsen: Wen hätten Sie lieber als Ministerpräsidenten..., auf www.zdf.de 01.09.2024 65 % 23 % — 12 % Infratest dimapSachsen-Wahl: Wer überzeugt Wählende?: Direktwahl Ministerpräsident, auf www.tagesschau.de 01.09.2024 60 % 24 % — 16 % Forschungsgruppe Wahlen 29.08.2024 70 % 15 % — 8 % 7 % INSA 24.08.2024 45 % 18 % — 37 % Forschungsgruppe Wahlen 23.08.2024 68 % 13 % — 10 % 9 % Infratest dimap 22.08.2024 58 % 20 % — 22 % Forsa 20.08.2024 50 % 14 % 2 % 34 % Forschungsgruppe Wahlen 09.08.2024 64 % 14 % — 10 % 12 % Infratest dimap 20.06.2024 58 % 17 % — 25 %

Ergebnis Gesamtergebnis und Karte der Direktmandate

Die Landtagswahl 2024 gewann die CDU (31,9 %) mit knappem Vorsprung vor der AfD (30,6 %). Mit großem Abstand folgte das BSW, das – erstmals zu einer Landtagswahl angetreten – mit 11,8 % auf dem dritten Platz landete. Die neben der CDU, die auch leichte Verluste erlitt, an der Staatsregierung Kretschmer II beteiligten Parteien SPD und Grüne folgten auf den nächsten beiden Plätzen. Die SPD erreichte mit 7,3 % das schlechteste Landtagswahlergebnis in Sachsen seit 1990. Die Grünen kamen mit 5,1 % knapp über die 5-%-Hürde. Die Linke verlor mehr als die Hälfte ihrer Wähler und zog nur durch zwei Direktmandate in Leipzig über die Grundmandatsklausel in den Landtag ein. Das Ergebnis von 4,5 % war zugleich das bis zur Wahl in Brandenburg drei Wochen später schlechteste der Partei bei einer Landtagswahl in einem Bundesland auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Auch unter der 5-%-Hürde, aber durch ein Direktmandat des bisherigen Oberbürgermeisters von Grimma Matthias Berger im 8. Sächsischen Landtag vertreten, sind die Freien Wähler, die landesweit 2,3 % erhielten. Da die Grundmandatsklausel in Sachsen allerdings nur ab zwei gewonnenen Wahlkreisen greift, bleibt der Abgeordnete im Landtag ein Einzelmandatar. Nur knapp 1.000 Stimmen weniger und damit 2,2 % der Zweitstimmen erhielten die Freien Sachsen, die nicht im Landtag vertreten sein werden. Gleiches gilt für die FDP, die mit 0,9 % noch hinter der Aktion Partei für Tierschutz (1,0 %) landete und damit erstmals in ihrer Geschichte seit Gründung der Bundesrepublik bei einer Landtagswahl weniger als ein Prozent der Stimmen bekam. Auch das Ergebnis der FDP wurde bei der Wahl in Brandenburg noch unterboten. Neben den genannten Parteien traten noch neun weitere Listen an, die zusammen 2,4 % erzielten.

Bei den Direktstimmenanteilen waren die beiden großen Parteien (CDU und AfD) nach Prozentergebnis noch stärker. Erstmals seit 1990 gewann die CDU nicht die meisten (oder sogar alle) Direktmandate. Die AfD (28 Direktmandate) lag hier knapp vor der CDU (27). In Leipzig waren neben den zwei Linkenpolitikern in einem Wahlkreis auch die Grünen erfolgreich. Gleiches gilt für die Dresdner Neustadt, in der die Grünen ein zweites Direktmandat erzielten. Damit wären die Grünen auch bei Verfehlen der Prozenthürde im Landtag vertreten gewesen. Zudem gewannen die Freien Wähler den bereits erwähnten Wahlkreis Leipzig Land 3.

Die Wahlbeteiligung lag mit 74,4 % auf dem Niveau der letzten Bundestagswahlen und war die höchste bei einer sächsischen Landtagswahl seit 1990. Die Beteiligung stieg um 7,9 Prozent an. 32,9 % der Stimmen wurden mittels Briefwahl abgegeben.