Die Dörnberg-Kaserne war eine Kaserne der Bundeswehr in Homberg (Efze), in der ab 1961 der Stab und Teile der Panzergrenadierbrigade 5, Artillerie- und Panzereinheiten untergebracht waren. Namensgeber der Kaserne wurde am 27. März 1965 der kurhessische Offizier Wilhelm von Dörnberg. Sie umfasste etwa 15 Hektar. Nach der zivilen Konversion der Flächen sind hier ein Behördenzentrum eingerichtet und Gewerbebetriebe angesiedelt.
Bau und Nutzungsgeschichte
Als in den 1950er Jahren der Aufbau der Bundeswehr begann, wurden Standorte für neue Kasernenanlagen gesucht. Für Städte und Gemeinden bestand die Möglichkeit, sich für den Neubau einer Garnison zu bewerben. Gerade Kommunen, in denen größere Ansiedlungen der Wirtschaft fehlten und die als strukturschwach galten, bemühten sich um die Stationierung der Bundeswehr, weil sie sich dadurch einen Aufschwung versprachen. Auch Homberg (Efze), zwischen Kassel und Bad Hersfeld gelegen und mit Anschluss an die Bundesautobahn 7 versehen, suchte frühzeitig den Kontakt zur Bundesregierung, um die Bundeswehr für den Standort zu gewinnen. Ein entsprechender Schriftverkehr zwischen dem Bürgermeister der Stadt und dem Bundeskanzleramt datiert bereits auf den Januar 1955. Am 11. November 1957 teilte der Bundesminister der Verteidigung dem Bürgermeister der Stadt mit, dass die hessische Landesregierung dem Bau einer Kaserne grundsätzlich zugestimmt habe. Als nächste Schritte waren während des Winters 1957/58 ein baufachliches Gutachten zur Eignung des Geländes, der Grunderwerb und die Erstellung der Vorentwürfe vorgesehen. Ziel war ein Baubeginn bereits im Frühjahr 1958.
Bis 1961 wurden auf einer südlich der Stadt an der Kreisstraße 36 nach Waßmuthshausen gelegenen Fläche 8 Unterkunftsgebäude, 2 Stabsgebäude, 1 Wirtschaftsgebäude, 2 Hallen im Technischen Bereich sowie verschiedene andere Einrichtungen erbaut. Dabei kam es zu erheblichen Verzögerungen, die den Umzug von Einheiten der Panzergrenadierbrigade 5 immer wieder verhinderten. Am 20. September 1961, kurz nach dem Bau der Berliner Mauer, war es dann soweit: feierlich zogen die ersten Soldaten in die neue Kaserne in Homberg (Efze) ein.
Stab und Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 5, die der 2. Panzergrenadierdivision unterstellt war, fanden in der neuen Kaserne nach Jahren der Standortwechsel ihre neue Heimat. Die Brigade war als Kampfgruppe B 2 aus der Grenzschutzgruppe 5 des Grenzschutzkommando Mitte des Bundesgrenzschutzes auf dem Fliegerhorst in Goslar am 1. Juli 1956 aufgestellt worden. Bereits am 1. September 1956 verlegte sie nach Holzminden in die Pionierkaserne. Im März 1957 ging es nach Kassel in die Wittich-Kaserne. Sodann erfolgte der Umzug in die Am Loh-Kaserne in Baunatal-Rengershausen. Die nächste Zwischenlösung bestand in der Jäger-Kaserne in Kassel. Am 15. März 1959 wurde die Kampfgruppe mit der Heeresstruktur 2 in Panzergrenadierbrigade 5 umbenannt. Nach der Verlegung an ihren endgültigen Standort in Homberg (Efze) verblieb sie bis zum 30. Juni 1996. Am 3. Oktober 1989 hatte sie ihren Beinamen „Kurhessen“ erhalten. Mit dem Ende des Kalten Krieges kamen auch für die Brigade gravierende Veränderungen: am 1. Juli 1996 wurde die Brigade nichtaktiv gesetzt. Das Verbindungskommando Luftwaffe zu Brigadekommando Panzergrenadierbrigade 5 wurde zum 30. September 1996 außer Dienst gestellt. Die Panzergrenadierbrigade 5 selbst wurde der Panzerbrigade 14 „Hessischer Löwe“ unterstellt. Am 31. Dezember 2003 wurde sie schließlich aufgelöst.Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 12–14
Mit dem Stab der Panzergrenadierbrigade 5 zog das Feldartilleriebataillon 55 in die Dörnberg-Kaserne ein. Diese Einheit war durch Befehl am 1. März 1959 in der Steuben-Kaserne in Gießen aufgestellt worden. Bereits ab 1. März 1958 war jedoch durch die Aufstellung eines Kaders in der Deines-Bruchmüller-Kaserne in Niederlahnstein die Grundlage hierfür geschaffen worden. Die Soldaten zogen am 7. März 1959 nach Gießen um. Zunächst war das Bataillon dem Artillerieregiment 2 unterstellt, ab 2. April 1959 dann der Panzergrenadierbrigade 5. Ab 29. Juni 1959 verlegte das Bataillon schrittweise in den Zwischenstandort nach Stadtallendorf in die Herrenwald-Kaserne. Am 20. September 1961 wurde der feierliche Einzug in den neuen Standort gefeiert. Am 16. Oktober 1967 wurde das Bataillon umbenannt in Panzerartilleriebataillon 55 und erhielt Panzerhaubitzen M 109 G. Die Veränderungen nach Ende des Kalten Krieges führen am 19. Dezember 1995 zu einem Unterstellungswechsel zur Panzerbrigade 14. Am 1. Januar 2003 wurde aus dem Bataillon das Raketenartilleriebataillon 55, das der in Mühlhausen/Thüringen beheimateten Artilleriebrigade 100 unterstellt war. Es erhielt MARS-Raketenwerfer. Doch bereits am 31. Dezember 2005 kam das Aus für das Bataillon. Es verabschiedete sich am 11. November 2005 feierlich auf dem Marktplatz in Homberg (Efze).Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 36–41
Des Weiteren zog die 2./Versorgungsbataillon 56, die am 1. März 1959 in Fritzlar in der Georg-Friedrich-Kaserne aufgestellt worden war, in die neue Kaserne in Homberg am 20. September 1961 um. Diese Kompanie wurde im Zuge der Heeresstruktur 3 am 1. März 1972 in 6./Sanitätsbataillon 2 umbenannt, jedoch schließlich im November 1972 nach Marburg verlegt, in eine Geräteeinheit umgewandelt und in den Mobilmachungsstützpunkt Ockershausen eingelagert. Zum 30. September 1992 wurde die Kompanie aufgelöst.
Am 10. November 1961 schenkte die Firma Henschel & Sohn der Stadt Homberg (Efze) eine restaurierte alte Kanone. Die Stadt übergab sie dem Feldartilleriebataillon 55 mit der Auflage, sie in der Dörnberg-Kaserne aufzustellen, wo sie am 21. Februar 1962 einen ehrenvollen Platz fand.
Der am 16. November 1961 in der Dörnberg-Kaserne aufgestellte Panzerspähzug 50 war zunächst bis 30. September 1972 unselbständig und Teil der Stabskompanie der Panzergrenadierbrigade 5. Vom 1. Oktober 1972 bis zum 31. März 1976 war er selbständig, wurde ab 1. April 1976 wieder der Stabskompanie unterstellt. Am 1. April 1982 wurde er umbenannt in Panzerspähzug 5 und in der Blücher-Kaserne in Hessisch Lichtenau stationiert.
Ende 1961 wurden Ausbildungskompanien aufgestellt, um die Stammeinheiten von der Grundausbildung ab 1. Januar 1962 gänzlich zu befreien. Insgesamt war die Bildung von 17 Ausbildungskompanien innerhalb der 2. Panzergrenadierdivision vorgesehen. In der Dörnberg-Kaserne entstand am 1. Oktober 1961 die Ausbildungskompanie 10/2. Am 1. September 1962 schlug die Geburtsstunde der Ausbildungskompanie 15/2. Sie wurde am 1. Oktober 1971 umbenannt zur 7./Sanitätsbataillon 2, wurde jedoch am 30. September 1972 aufgelöst. Am 1. Oktober 1972 erfolgte die erneute Aufstellung der Ausbildungskompanie 15/2, später Instandsetzungsausbildungskompanie 15/2. Mit der Heeresstruktur 3 wurde aus dieser Kompanie die Instandsetzungsausbildungskompanie 6/5, die zum 30. September 1993 schließlich aufgelöst wurde.Major Dr. phil. Gert-Detlef Feddern (Hrsg.): 2. Panzergrenadierdivision, Verlag Diesterweg, Frankfurt am Main, 1962, S. 50 und Begleitheft Panzergrenadierbrigade 5
Am 1. April 1962 wurde der Wallmeistertrupp 453 aufgestellt. Er wurde durch den am 1. Oktober 1973 in Wolfhagen aufgestellten und nach Homberg verlegten Wallmeistertrupp 441/8 abgelöst.
Am 1. Juli 1965 wurde in der Dörnberg-Kaserne die ABC-Abwehrkompanie 50 aufgestellt. Diese Einheit war zunächst der Panzergrenadierbrigade 5 zugeordnet. Mit Einführung der Heeresstruktur 3 wurden jedoch zentrale ABC-Abwehrbataillone gebildet. Daher endete bereits am 31. März 1971 der Dienst dieser Kompanie. Sie ging auf im ABC-Abwehrbataillon 900 und im ABC-Abwehrbataillon 310, die in der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken beheimatet waren.
Am 22. November 1976 erfolgte die Bildung des Artilleriespezialzugs 2. Diese Einheit war dem Panzerartilleriebataillon 55 unterstellt und hatte den Auftrag, nukleare Sprengköpfe mit 203-mm-Geschossen einzusetzen. Mitte der 1980er Jahre wurde der Artilleriespezialzug 2 zum Artilleriespezialzug I/2 umbenannt. Infolge des Endes des Kalten Krieges wurde der Artilleriespezialzug I/2 aufgelöst.
Vom 1. Januar 1986 bis zum 30. September 1994 war die Fahrschulgruppe Homberg/Efze (Fahrschulgruppe Panzerartilleriebataillon 55) in der Dörnberg-Kaserne eingerichtet.
Die Feldersatzkompanie 50 wurde am 1. Oktober 1993 als Geräteeinheit in der Dörnberg-Kaserne aufgestellt und zum 31. März 2003 wieder aufgelöst.
Im April 1997 wurde das nichtaktive Panzerartilleriebataillon 65 in die Dörnberg-Kaserne verlegt. Dieses Bataillon wurde am 1. Juli 1956 in der Wittich-Kaserne in Kassel aus Angehörigen des Bundesgrenzschutzes als I./Feldartillerieregiment 2 aufgestellt, aber bereits am 30. Juli 1956 nach Niederlahnstein in die Deines-Bruchmüller-Kaserne verlegt. Am 1. April 1959 erfolgte im Zuge der Einführung der Heeresstruktur 2 die Umbenennung in Feldartilleriebataillon 45 und die Unterstellung unter die Panzergrenadierbrigade 4 in Göttingen. Am 7. November 1961 verlegte das Bataillon nach Bad Arolsen-Mengeringhausen in die dort neu errichtete Kaserne. Zum 1. Januar 1972 erfolgte die Umbenennung in Panzerartilleriebataillon 45 und die Ausrüstung mit Panzerhaubitzen M 109 G. Zur Erprobung der neuen Heeresstruktur 4 wurde das Bataillon in Panzerartilleriebataillon 345 umbenannt und der Panzerbrigade 34 unterstellt. Mit der endgültigen Einführung der Heeresstruktur 4 wurde die Panzerbrigade 34 in Panzerbrigade 6 umbenannt. Damit erhielt das Panzerartilleriebataillon 345 die neue Nummer 65. Das Ende des Kalten Krieges führte auch für das Bataillon, das noch 1989 mit neuen Panzerhaubitzen M 109 A3 GE A2 ausgerüstet worden war, zu erheblichen Veränderungen. Am 1. Juli 1993 erfolgte der Unterstellungswechsel zur Panzerbrigade 14. Zum 1. Oktober 1996 wurde das Bataillon gekadert und verließ den Standort Bad Arolsen. Es verlegte zunächst nach Hessisch Lichtenau in die dortige Blücher-Kaserne und gab dort Personal und Gerät an das neue Panzerartilleriebataillon 2 ab. Von April 1997 bis zum 31. März 2003 lag das Bataillon, als nichtaktiver Truppenteil dem Panzerartilleriebataillon 55 unterstellt, in Homberg (Efze). Im April 2003 kam es zurück nach Hessisch Lichtenau und wurde dem Panzerartilleriebataillon 2 bis zum 30. Juni 2006 unterstellt. Am 1. Juli 2006 verlegte es nach Mühlhausen in Thüringen und wurde dem Artillerieaufklärungsbataillon 131 der Artilleriebrigade 100 unterstellt. Zum 30. September 2008 kam das Aus für diese Einheit.Uwe Walter: Von Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren. Die Geschichte des Heeres der Bundeswehr in Hessen und den angrenzenden Bundesländern, 1. Teil, Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2010, S. 72–75
Zur medizinischen Versorgung war in der Dörnberg-Kaserne der Sanitätsbereich 44/2 mit Material ausgestattet und die Sanitätsgruppe Homberg vom 1. Oktober 1972 bis 31. Dezember 1997 eingerichtet.
Die Verpflegungsstelle Homberg bestand vom 1. April 1974 bis zum 31. Dezember 1999.
Der Standort verfügte über einen Standortübungsplatz mit ca. 300 Hektar Gesamtfläche, auf dem die Standortschießanlage 441/2 vom 1. April 1972 bis zum 30. November 2000, die Übungsschießanlage Fliegerabwehr aller Truppen 441/2 vom 1. Oktober 1975 bis zum 31. Oktober 2005 sowie die Standortmunitionsniederlage 441/5 vom 1. April 1981 bis zum 30. September 2000 eingerichtet waren.