Fritz Millner (* 30. März 1898 in Würzburg – 18. März 1963 in Haifa) war der Sohn der Kaufmannsfamilie Willy (1867–1934) und Milli (1867–1958) Millner aus Würzburg. 1910 zog er mit der Familie nach Frankfurt am Main.Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Millner, Fritz. Nur in dieser Datenbank wird für Fritz Millner als Geburtsjahr 1895 genannt. Das Todesjahr von Willy Millner entstammt einer Eidesstattlichen Versicherung von Fritz Millner in der Wiedergutmachungsakte Fritz Millner, HHStAW Bestand 518 Nr. 76984 Fritz Millner war Sozialökonom, Kartellrechtler und Autor zahlreicher Publikationen zu kartellrechtlichen Fragen. Eine angestrebte Habilitation scheiterte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Millner emigrierte 1933 nach Palästina.

Leben und Wirken in Deutschland Vater Willy Millner hatte 1896 in Würzburg die Firma W. Millner & Co. gegründet, eine Mehlgroßhandlung und Handlung mit Mühlenfabrikaten. 1910 zog die Familie nach Frankfurt am Main und verlegte auch den Firmensitz hierhin.Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Millner, Willy In Frankfurt führte die Firma den Namen W. Millner & Cie., Mühlenfabrikate und hatte ihren Sitz am Rande der Innenstadt. Die Familie selber zog gegen Ende des Ersten Weltkriegs von einer Wohnung am Rande des Frankfurter Ostends in die Straße „Auf der Körnerwiese 8“ im gutbürgerlichen Westend. Diese letzte Adresse war seit 1933 auch die Firmenadresse.Die Adressen der Firma und der Familie Millner sind in den Adressbüchern der Stadt Frankfurt am Main lückenlos dokumentiert. Der letzte Eintrag stammt aus dem Jahre 1937 für die Witwe Milli Millner, die 1936 in die Böhmer Str. 9 umgezogen war. Fritz Millner der 1955 in einer Eidesstattlichen Versicherung versicherte, für einige Jahre in der Firma seines Vaters tätig gewesen zu sein, beschrieb diese als eine national und international agierende und an den Börsen in Mannheim und Frankfurt zugelassene Mehlhandelsgesellschaft mit der eigenen Handelsmarke Millnaria Blütenmehl.Eidesstattliche Versicherung von Fritz Millner, in: Wiedergutmachungsakte Minna Millner In seiner Schrift Das Problem der Kartellierung in der deutschen Getreide-Müllerei hat er sich mit dieser Thematik 1932 auch wissenschaftlich auseinandergesetzt.

Nach Ernst Simon erhielt Fritz Millner in seinem Elternhause eine jüdisch-traditionelle Erziehung, habe sich aber später von den religiösen Vorschriften freigemacht.Ernst Simon: Zur Einführung, in: Fritz S. Millner: Die Strasse hat kein Ende Über seine Schulzeit und sein Studium liegen nur wenige Informationen vor. So habe er am 14. März 1918 am Goethe-Gymnasium in Frankfurt am Main die Reifeprüfung abgelegt.Goethe-Universität Frankfurt – Universitätsarchiv: Akte Fritz Millner In einem Schreiben vom 9. April 1918 des Rektors der Universität Frankfurt an den „Herrn Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten“ in Berlin wird das Immatrikulationsgesuch „des russischen Staatsangehörigen Fritz Millner“ befürwortet. Erst bei einer Rückmeldung am 27. Oktober 1921 ist auf der Anmeldekarte der Frankfurter Uni als Staatsangehörigkeit „Preußen“ eingetragen.

Ausweislich der Anmeldekarte vom 2. Mai 1918 nahm Millner in Frankfurt das Jura-Studium auf. Er besuchte zwei rechtswissenschaftliche Einführungsveranstaltungen bei Professor Berthold Freudenthal sowie eine Einleitung in die Volkswirtschaftslehre und eine Veranstaltung über „Liberalismus, Kommunismus und Sozialismus“ bei dem Nationalökonomen Paul Arndt. Daneben standen Veranstaltungen über „Der Junge Goethe“ bei dem Germanisten Friedrich Panzer und eine über Massenpsychologie sowie ein Kolloquium zur Einführung in die Philosophie. Die Anmeldekarte vom 15. Mai 1919 dokumentiert, dass Millner das Wintersemester 1918/19 in Zürich verbrachte und dort – wie fortan auch in Frankfurt – Jura und Nationalökonomie studierte.

Wiederum ausweislich seiner Rückmeldung am 27. Oktober 1921 ist ersichtlich, dass Fritz Millner vom Sommersemester 1920 an bis einschließlich Sommersemester 1921 drei Semester in Heidelberg studierte. Als bisheriges Studium ist „phil. (oec)“ eingetragen, dem fortan das Studium „rer. pol.“ folge. In Heidelberg gehörte er dem Verein Jüdischer Studenten Ivria Heidelberg anDer jüdische Student, 17. Jg., Heft 6, Dezember 1920, S. 255 und wurde hier 1921 bei Emil Lederer mit einer Dissertation über Soziale Entwicklungstendenzen der Konsumgenossenschaften zum Dr. phil. oec. promoviert. Seine Rückkehr nach Frankfurt war somit auch der Beginn eines Zweitstudiums, dem aber vorerst kein weiterer Abschluss folgte. Vielmehr bescheinigte am 7. August 1923 „Irma Goitein, stud. phil.“, seine spätere Schwägerin, dass sie anlässlich der Erteilung eines Abgangszeugnisses für Millner alle Zeugnisse der Universität für ihn erhalten habe. Aus einer Wiederanmeldung zur Universität vom 2. November 1928 ist ersichtlich, dass er die fünf Jahre davor berufstätig war, was sich vermutlich mit der oben schon zitierten Aussage deckt, dass er einige Jahre in der Firma seines Vaters tätig gewesen sei. Daneben war er ebenfalls seit 1923 ständiger Mitarbeiter der von der Frankfurter Zeitung herausgegebenen Wirtschaftskurve und publizierte auch in der Frankfurter Zeitung selber sowie in weiteren Zeitungen.Fritz Millner: Angaben über die wissenschaftliche und schriftstellerische Tätigkeit (Frankfurt am Main, 26. September 1953), in: Wiedergutmachungsakte Fritz Millner

Über die schon erwähnte Mitgliedschaft in einer jüdischen Studentenverbindung hinaus, war Millner Mitglied im jüdischen Wanderbund Blau-Weiß, dessen Frankfurter Vorstand er zeitweilig angehörte.Paul Arnsberg, Band II, S. 51 1922 gehörte er – ebenso wie sein späterer Schwiegervater Jacob Löb Goitein – dem Vorstand der Frankfurter Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung für Deutschland als Vertreter des Jugendausschusses anNeue Jüdische Presse, 20. Jg., Heft 21 vom 13. Juni 1922, S. 4 Paul Arnsberg erwähnt ihn als Vorstandsmitglied dieser Vereinigung auch noch für das Jahr 1932/33Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Band II, S. 47, und in dem Jahr saß er auch im Vorstand der von der Zionistischen Vereinigung betriebenen Frankfurter Hebräischen Sprachschule.Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Band II, S. 72

1924 fand die Eheschließung zwischen Fritz Millner und Jacob Löb Goiteins Tochter Sittah (* 9. Juli 1896 – † 1986 in Haifa) statt, der Schwester der oben schon erwähnten Irma Goitein. 1925 wurde Sohn Harry geboren, und 1928 erschien Millner erstmals mit einer eigenen Adresse im Frankfurter Adressbuch; die Privatadresse Fichtestraße 10 blieb bis zur Emigration gültig.

1927 wurde Millner Redakteur der Zeitschrift Der Deutsche Volkswirt, übernahm in der Nachfolge von Fritz Naphtali die Neubearbeitung des von diesem zuvor bearbeiteten Buches Wie liest man den Handelsteil einer Tageszeitung? und arbeitete auch für die Deutsche GetreidezeitungDie Deutsche Getreide-Zeitung führte den Untertitel Tageszeitung für den Weltverkehr in landwirtschaftlichen Erzeugnissen und erschien seit 1927 (laut Katalog der Stanford Libraries). Der Herausgeber war 1934 Justus Schloß, der Verlagssitz Berlin. Zum Wintersemester 1928/29 hatte Millner, wie oben schon erwähnt, auch wieder das Studium in Frankfurt aufgenommen, das er bis zum Wintersemester 1929/30 betrieb. Er schloss es mit einer juristischen Dissertation zum Thema Die rechtliche Struktur der Kartellquote ab, mit der er 1931 zum zweiten Mal promoviert wurde, diesmal von Friedrich Klausing. Die Arbeit fand nach Millner große Resonanz in der Fachwissenschaft. Zwischen 1930 und 1933 veröffentlicht er nach eigenem Bekunden eine Arbeit in den Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Publikationen über Kartelle und kartellrechtliche Fragen sowie zur Konzernbildung. Für das Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik verfasste er eine Schrift über die soziologische Struktur der Kartellquote.

Millner wird ab 1932 Syndikus des Mehlhändlerverbandes und des Schuhhändlerverbandes, Gutachter an der Mannheimer Getreidebörse und Mitglied in zahlreichen weiteren wirtschaftlichen Verbandsorganen. Er bezeichnete sich für diese Zeit auch als Mitarbeiter des Frankfurter Rechtsanwaltes und Honorarprofessors Julius LehmannÜber den Frankfurter Rechtsanwalt und von 1929 bis 1933 Honorarprofessor an der Goethe-Universität gibt es bislang nur einen biographischen Hinweis Rotary und Nationalsozialismus: Prof. Dr. Julius Lehmann. Dieser Beitrag beruht auf dem Buch von Michael Hauck (Hrsg.): L. Albert Hahn. Ein verstoßener Sohn Frankfurts, Bankier und Wissenschaftler. Eine Dokumentation, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-7973-1138-2, S. 79 f. bei dessen Überarbeitung des auf Max Hachenburg und Adelbert Düringer zurückgehenden großen Kommentars zum Handelsgesetzbuch.Das Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897 (unter Ausschluß d. Seerechts) auf der Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Teil: Bd. 5, 2., §§ 383-473 / Erl. v. Fritz Bing ; Julius Lehmann, J. Bensheimer, Mannheim 1932 Erstaunlich ist, dass Fritz Millner trotz all seiner eher wirtschaftsnahen Tätigkeiten dennoch auch in politisch weit links stehenden Kreisen Gehör fand. So weist die Zeitschrift Der Funke, das Organ des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds in der Ausgabe vom 24. April 1932 unter der Überschrift Rundfunksendungen, die wir zur Beachtung empfehlen explizit auf einen Vortrag Millners über das Kartellwesen hin.Veranstaltungshinweis in Der Funke, Ausgabe vom 24. April 1932

1932 ist auch das Jahr, in dem Millner mit einer Arbeit über Das Problem der Konzernbilanz das Examen als Wirtschaftsprüfer bestand. 1933 folgte die Zulassung folgte. Er eröffnete in der Frankfurter Goethestraße eine Steuer- und Wirtschaftsberatung.Die Kanzlei Millners wird erstmals und einmalig im Frankfurter Adressbuch von 1933 erwähnt.

Fritz Millner, der die Absicht hatte, sich zu habilitierenURO-Schreiben vom 9. Oktober 1956 an den Regierungspräsidenten in Darmstadt in der Entschädigungssache Fritz Millner, in: Wiedergutmachungsakte Fritz Millner, wurde 1933 nach der nationalsozialistischen Machtübernahme die gerade erst gewährte Zulassung als Wirtschaftsprüfer entzogen und ebenso die Zulassung als Gerichts-Sachverständiger. Im gleichen Jahr noch emigrierte er zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen Harry (1925–2009) und Uri Millner (1929–1948) nach Palästina.

Leben in Palästina und Israel Über Millners weiteren Lebensweg in Palästina und Israel liegen nur wenige Informationen vor. Sicher ist, dass er noch zur Mandatszeit zusammen mit einem Partner die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bawly Millner & Co (auch: Bayly Millner & Co) gründete.Laut Elsevier Science Direct war das mittlerweile als Horwath Bavly Millner & Co. firmierende Unternehmen 1986 „one of the larger firms of Certified Public Accountants in Israel“. Am 11. Juni 1948 fiel im israelischen Unabhängigkeitskrieg sein Sohn Uri bei den Schlachten von Latrun.Museum of the Jewish People - Beit Hatfutsot: Datenbankeinträge für Uri Millner Nach Ernst Simon hat er diesen „Schlag nie verwunden, und dieser selbe Schlag hat die Quelle seiner dichterischen Produktivität freigelegt, die, immer vorhanden, vorher fast unterirdisch lief. Im Jahre 1958 erschien im Verlag der Arche sein erster Gedichtband mit dem bezeichnenden Titel «Ich suchte ein Grab».“