Der Mercedes-Benz R 230 ist ein Roadster der Marke Mercedes-Benz. Auf dem deutschen Markt wurde er am 13. Oktober 2001 eingeführt und im Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert. Er trat die Nachfolge des Mercedes-Benz R 129 an. Im Jahr 2012 wurde mit dem Mercedes-Benz R 231 der Nachfolger vorgestellt.

Modellgeschichte Entwicklung Anfang 1996, mehr als sechs Jahre nach der Einführung des R129, begann die Entwicklung eines Nachfolgers. Am 27. Januar 1996 startete die Designphase, in der zehn Designer aus Deutschland, Kalifornien und Japan ihre Entwürfe einreichten. Hunderte von Skizzen wurden erstellt, die als Grundlage für zwölf digitalisierte Modelle im Viertelmaßstab dienten. Das Design des R230 entwickelte sich in zwei parallelen Prozessen. Einerseits wurden traditionelle Tonmodelle im Maßstab 1:4 angefertigt. Andererseits fand die virtuelle Entwicklung in einem hochmodernen Computerraum namens „CAVE“ (Computer Aided Virtual Environment, Cave Automatic Virtual Environment, Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart) statt, der bereits 1995 für die Entwicklung des W203 genutzt wurde.

Der Supercomputer im „CAVE“ konnte mit fünf Projektoren lebensgroße Bilder der Designs erzeugen, sodass Designer jede Oberfläche detailliert prüfen konnten. Parallel dazu wurden die zwölf physischen Modelle analysiert, wobei vier herausragende Entwürfe als lebensgroße Mock-ups umgesetzt wurden. Diese Entwicklung verlief parallel zur Gestaltung des Innenraums. Am 16. Juni 1997 genehmigte der Vorstand das endgültige Design des R230, das bis 1998 weiter für die Serienproduktion verfeinert wurde. Die Designpatente für den R 230 wurden am 9. September 1999 in Deutschland und am 1. März 2000 in den USA angemeldet.

Im Juli 2001, nach über fünf Jahren Entwicklungszeit, wurde der neue SL vorgestellt und im September auf der IAA in Frankfurt präsentiert. Die Produktion begann am 13. Oktober 2001 im Bremer Werk, und der Verkauf in Europa startete im November desselben Jahres.

Technik und Innovation Als Besonderheit verfügt der R 230 serienmäßig (SL 350 optional) über die aktive Federung Active Body Control (ABC). Beim ABC-Fahrwerk, das auf einer Stahlfederung beruht, werden auf Basis von Sensorsignalen und mit Hilfe spezieller Hydraulikzylinder an den Achsen Wank- und Nickbewegungen der Karosserie beim Anfahren, bei Kurvenfahrt (Wankstabilisierung) und beim Bremsen fast vollständig kompensiert. Das ABC-Fahrwerk wurde mit der S-Klasse (W 220) als Option zur Airmatik eingeführt und war in der CL-Klasse (C 215) bereits Serie. Der Mercedes R 230 hat ein klappbares Hartdach (Variodach) aus Aluminium, das sich bei Bedarf samt gläserner Heckscheibe elektrohydraulisch in den Kofferraum einfahren lässt. Gegen Aufpreis war es auch mit einem Glaseinsatz erhältlich.

Bis Ende 2009 wurden rund 150.000 SL des R 230 an Kunden ausgeliefert. Bereits im November 2011 war der R 230 nicht mehr bestellbar, am 30. November lief dann der letzte R 230, ein SL 350, vom Band, womit insgesamt 169.434 Einheiten produziert worden sind. In: autogenau.de. Im März 2012 erschien der intern R 231 genannte Nachfolger. Mit etwas mehr als zehn Jahren Produktionszeit ist der R 230 eines der am längsten produzierten Fahrzeuge seiner Zeit.

Modellpflege Erste Modellpflege Zum Jahreswechsel 2005/06 wurde der R 230 seiner ersten Modellpflege unterzogen. Dabei wurde im Vorfeld diskutiert, ob der SL eine „Formel-1-Nase“ – wie der kleine Bruder SLK R 171 und der Supersportler SLR McLaren – bekommen sollte. Dies stieß jedoch auf Ablehnung bei potentiellen Käufern. Stattdessen wurden lediglich folgende Änderungen vorgenommen: Neue Frontschürze mit Chromringen um die Nebelscheinwerfer. Neuer Kühlergrill mit nur drei statt vier Lamellen Teilweise neue Leichtmetallfelgen Neue Heckleuchten in Klarglasoptik mit einem weißen Streifen (bei AMG-Modellen abgedunkelt) Alle Motoren (außer 6,0 l V12) erhielten einen Leistungszuwachs von durchschnittlich etwa 10 % AMG-Modelle mit neuer Frontschürze; SL 65 AMG zusätzlich mit neuer Heckschürze und neuen Endrohren Hochwertigerer Innenraum mit edleren Materialien Eine modifizierte Gepäckraumbeladung sowie (optional) eine automatisch öffnende und schließende Gepäckraumklappe Abbiegelicht in Form von sich zuschaltendem Nebelscheinwerfer für die Bi-Xenonscheinwerfer 7G-Tronic (optional Sport)-Automatikgetriebe mit kürzeren Schaltzeiten und (optional) Schaltpaddeln anstelle von Schaltwippen Designschlüssel mit Chrom-Applikationen Modifizierte Vorderachse und direktere Lenkung ABC-Fahrwerk der zweiten Generation Neu entwickelte Hochleistungsbremsanlagen, auf Wunsch im Sportpaket zusätzlich gelochte Bremsscheiben hinten für den SL 350 und den SL 500. SL 500 in Nordamerika als SL 550 mit gleichem Motor wie in Europa Zudem war seit 10/2006 eine Mobiltelefonvorrüstung (Code 386) mit SIM Access Profile erhältlich

Zweite Modellpflege Im Frühjahr 2008 gab es eine größere, zweite Modellpflege. Die Front wurde – ähnlich dem CLS mit Einzelscheinwerfern – völlig neu mit neuer Frontschürze, neuem Kühlergrill mit nur einer Lamelle sowie modifizierten Lufteinlässen gestaltet; die neuen Scheinwerfer verfügten nun alternativ über das Intelligent Light System, Bi-Xenonscheinwerfer wurden in die Serienausstattung übernommen. Die Heckansicht wurde durch neue Rückleuchten, einen Diffusoreinsatz in der Heckschürze sowie neu gestaltete Endrohre aufgefrischt. Bei den Motoren gab es folgende Neuerungen: Der 3,5-Liter-V6 im SL 350 wurde leistungsgesteigert, verbrauchsreduziert und als Sportmotor ausgelegt, der 5,5-Liter-V8-Kompressor wurde durch den 6,2-Liter-V8 im SL 63 AMG ersetzt. Neu im Angebot war als Basismodell der SL 280 mit einem 3,0-Liter-V6 hinzugekommen. Alle anderen Motoren blieben unverändert. Der Innenraum wurde leicht überarbeitet, unter anderem durch ein neues Dreispeichen-Lenkrad und ein modifiziertes Kombiinstrument; die Sitze waren nun wahlweise mit dem Airscarf-System lieferbar. Schließlich verfügte der SL nun über die neue Telematik-Generation.

AMG-Modelle SL 55 AMG mini|SL 55 AMG der ersten Generation (2001–2006) mit den serienmäßigen 18-Zoll-Vielspeichenfelgen Im 3. Quartal 2001 stellte Mercedes mit dem SL 55 AMG die Sportversion des SL 500 vor. Das damals leistungs- und drehmomentstärkste Modell des Baumusters R 230 distanzierte sich optisch durch eine neu geformte Stoßstange mit Frontspoiler und zusätzliche Seitenschweller, 18-Zoll-Vielspeichenfelgen, dunkel getönte hintere Blink- und Rückfahrleuchten sowie eine Vierrohr-Auspuffanlage und „V8 KOMPRESSOR“-SchriftzügeDaimlerChrysler AG, Stuttgart: Preisliste – Roadster der SL-Klasse (Baureihe 230) – gültig ab 6. August 2001 (PDF; 67 kB) Auf: www.jesmb.de, abgerufen am 30. November 2009. (auf beiden Kotflügeln hinter den Vorderrädern) von den Standardmodellen.Frank Wald: Mercedes SL 55 AMG – Mit Pauken und Trompeten. In: Spiegel Online. 14. Dezember 2001, abgerufen am 16. August 2009.

Der V8-Motor war neu entwickelt (Typ M 113 E 55 ML). Er hat einen Hubraum von 5,4 Liter (exakt: 5439 cm³), leistet und entwickelt ein maximales Drehmoment von bis zu 700 Nm. Möglich wurde dieser Leistungszuwachs durch einen zwischen den Zylinderblöcken eingebetteten Kompressor. Die Kraft bzw. das Drehmoment wird über ein automatisches Fünfganggetriebe an die Hinterräder übertragen.Horst von Saurma: Test des Mercedes SL 55 AMG auf der Nordschleife. In: Sportauto Online. 26. April 2002, abgerufen am 16. August 2009.

Im Innenraum des SL 55 fanden sich sportlich geschnittene AMG-Integralsitze, die auch bei schnellen Kurvenfahrten guten Seitenhalt boten. Äußere Unterscheidungsmerkmale zum SL 500 waren die Zierteile aus Aluminium-Sandguss sowie die mit hellen Zifferblättern hinterlegten, silberfarbenen Symbolscheiben und roten Zeigern versehenen Instrumente. Wahlweise war der Gangwechsel über eine Lenkradschaltung mit Tastendruck möglich.Daimler Global Media Site > Mercedes-Benz Cars > AMG vom 6. August 2001: Der leistungsstärkste Mercedes-Benz steht am Start: Weltpremiere des neuen SL 55 AMG auf der IAA 2001

Ab Mai 2002 wurde die Motorleistung auf erhöht und ein Performance Package mit geändertem Fahrwerk, einem vergrößerten Ölkühler sowie dem Bremsensystem und der Frontschürze des SL 65 AMG angeboten. Zur Modellpflege wurde die Leistung nochmals erhöht auf . Mit der zweiten Modellpflege wurde der SL 55 AMG durch den SL 63 AMG abgelöst.

SL 63 AMG mini|Cockpit eines SL 63 AMG (2008–2011) Mit der Modellpflege 2008 wurde der SL 63 AMG vorgestellt. Neben dem 6,2-Liter-Saugmotor des Typs M 156 unterscheiden ihn zahlreiche Designänderungen von der Serie. Dazu gehören abgedunkelte Scheinwerfer und Rückleuchten, neugestaltete Karosserieteile (Motorhaube, Front- und Heckschürze, Seitenschweller, Lufteinlässe, Außenspiegel, Räder). Exklusiv ist das 7-Gang-MCT-Getriebe im SL 63.Award for the innovative power transfer of the SL 63 AMG MCT steht für Multi Clutch Transmission, eine Mehrfachkupplung mit Zwischengasfunktion, die bei manueller Betätigung des Getriebeautomaten schnelle Gangwechsel ermöglicht.

Ein spezielles AMG-Kombiinstrument mit geänderten Menus zeigt unter anderem die Motoröltemperatur an und unterstützt die diesem Baumuster vorbehaltene Race-Start-Funktion. Ein weiteres exklusives Extra sind Carbonzierteile für den Innenraum, sowie auf Wunsch auch für die äußeren Anbauteile (Lufteinlässe seitlich, Spiegelkappen, Frontspoiler, Heckspoiler, Heckschürze).

Um die Leistung von 386 kW (525 PS) bestmöglich zu nutzen, gab es wahlweise ein selbstsperrendes Differenzial (LSD).

Die Fahrwerksabstimmung wurde gegenüber der Serienversion ebenfalls geändert. Außer dem regulären AMG-Fahrwerk gibt es eine AMG-Sportvariante, die in der Abstimmung nochmals straffer ist. AMG bot auch hier die Anhebung der Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 300 km/h an.

SL 65 AMG Neben dem Achtzylindermodell wurde auch ein Zwölfzylindermodell von AMG angeboten. Der SL 65 AMG hatte den auf 6,0 l vergrößerten Biturbomotor aus dem SL 600 mit einer Leistung von und einem maximalen Drehmoment von 1000 Nm (zwecks Getriebeschutz elektronisch begrenzt). Der SL 65 hat eine außergewöhnliche Polsterung im Rautendesign und ist serienmäßig mit dem sonst als Extra lieferbaren Lamellen-Sperrdifferential vom Zulieferer Drexler ausgestattet.

SL 65 AMG Black Series mini|SL 65 AMG Black Series Ab November 2008 gab es für die SL-Klasse ein neues, auf 350 Fahrzeuge limitiertes Spitzenmodell SL 65 AMG Black Series, das nur als Coupé gebaut wurde. Es hatte ein CFfK-Dach mit eingebautem Überrollbügel, das leichter und flacher war als das Dach der anderen Modelle. Die C-Säule des Hardtops wurde aus aerodynamischen Gründen nach hinten verlängert. Bis auf die Außenhaut der Türen wurde jedes von außen sichtbare Karosserieteil verändert. Die Karosserie erhielt an die Form angepasste Schürzen sowie verbreiterte Kotflügel und die Auspuffendrohre waren neu. Ein ab 120 km/h um zwölf Zentimeter ausfahrender Heckflügel, der den Auftrieb an der Hinterachse reduziert, verbessert die Straßenlage.

Mit einer Leistung von war das Fahrzeug das bis dahin stärkste AMG-Modell. Es erreichte ein Leistungsgewicht von 2,79 kg/PS. Seine Kraft schöpfte es aus einem V12-Biturbomotor mit neu entwickeltem Ladeluftkühler. Das maximale Drehmoment von 1200 Nm war auf 1000 Nm begrenzt. Das AMG-Speedshift-Plus-Fünfganggetriebe übertrug die Kraft auf die Hinterachse.

Auch das Gewindefahrwerk war eine Neuheit bei AMG und ermöglichte eine individuelle Einstellung des Fahrwerks auf die Bedürfnisse des Fahrers. Unterstützt wurde er von einem in drei Stufen (On, Sport, Off) schaltbaren ESP. Abgerundet wurde das Erscheinungsbild des Wagens durch lackierte AMG-Schmiederäder der Dimensionen 9,5 × 19 Zoll mit 265/35-R-19-Reifen vorn und 11,5 × 20 Zoll mit 325/30-R-20-Reifen hinten. Die Reifen vom Typ Sport Maxx GT lieferte DTM-Partner Dunlop.