Schwere Knochen ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers und Filmemachers David Schalko aus dem Jahr 2018. Nach den beiden Fernsehserien Braunschlag und Altes Geld, ist Schwere Knochen der dritte Teil von Schalkos „Trilogie der Gier und Korruption“.Tagesspiegel: So hart wie Diamant Der Roman spielt in der Wiener Unterwelt der Nachkriegszeit und wurde von wahren Fakten und Begebenheiten inspiriert.
Inhalt
Überblick Ferdinand Krutzler erlebt mit seinen besten Freunden Wessely, Praschak und Sikora eine wilde Jugend in Erdberg. Sie gründen die Erdberger Spedition. Nach einer heimlichen Wohnungsausräumung werden sie verhaftet und kommen in ein Konzentrationslager. In Mauthausen bekommt Krutzler zufälligerweise die gute Position als Blockältester. Er bekommt viel von den Strategien und Taktiken dort mit, erzählt jedoch niemandem etwas davon, was ihm zugutekommt. Nach der Befreiung durch die Amerikaner flüchtet er zurück nach Wien. Dort trifft er seine alten Freunde wieder. Gemeinsam stellen sie sich ein großes Kontaktnetzwerk in der Unterwelt Wiens zusammen. Jeder bekommt eine Zone Wiens, für die er verantwortlich ist. Ein riesiges Schmuggelnetz entsteht. Krutzler trifft Podgorsky wieder, den er im KZ kennen gelernt hat. Er arbeitet wieder bei der Polizei und steckt nach kurzer Zeit mit den vier Freunden unter einer Decke. Bald bekommen sie die Mission „Eiserner Besen“ zugeteilt. Auf dieser Liste stehen zehn Personen, die umgebracht werden müssen. Mit Hilfe von Doktor Harlacher lassen sie die meisten Personen eines „natürlichen“ Todes sterben. Nach dem Tod Stalins ändert sich alles. Krutzler und seine Freunde müssen mit dem Schmuggel aufhören und leben sich auseinander. Krutzler fällt in ein Loch. Er wird immer unglücklicher und weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Die Beziehung der Erdberger Spedition und der Polizei löst sich langsam auf und mit der Erdberger Spedition geht es den Bach herunter. Gegen Ende des Buchs zieht Praschak nach Panama; Wessely, Sikora und Krutzler sterben.
Personen Hauptfiguren Ferdinand Krutzler: Notwehr-Spezialist, 2 m groß, trägt stets seine schwarze Hornbrille und sieht aus wie ein Hirschkäfer, ist angelehnt an Josef (Notwehr-) Krista Wessely: Meister der Karten, hat wegen seiner bleichen Hautfarbe den Spitznamen „bleicher Wessely“ Praschak: Fleischer, hat keine besonderen Talente, hält sich aus vielen Geschäften der Erdberger Spedition heraus Sikora: Zauberer, hat aufgrund seines Laufstils den Spitznamen „schlacksiger Sikora“, verliebt sich in jede Prostituierte
Zusammen bilden sie die Erdberger Spedition.
Nebenfiguren Muschkowitz (Musch): Zuhälterin, Zeitweise Geliebte vom Krutzler, ist angelehnt an Wanda Kuchwalek Herwig: Sohn der Musch Rosi Krutzler: Mutter vom Krutzler Tante Elvira: Schwester der Krutzlermutter, herzlos, eitel, stirbt an einem Hitzeschlag Nazi-Huber: ist dafür verantwortlich, dass Krutzler, Wessely und Sikora ins KZ kommen Dostal: Arbeitseinsatzleiter im KZ Mauthausen Podgorsky: Polizist, später Major, steckt oft mit der Erdberger Spedition unter einer Decke Stanek: nachfolgender Major, nach Podgorskys Kündigung, arbeitet gegen die Erdberger Spedition Grünbaum/Greenham: Jude, der den Krutzler im KZ mit Infos versorgt, später gehört er zu den Verbündeten der Erdberger Spedition Gusti: Frau vom Praschak Bregovic: Besitzerin vom „gelben Papagei“ Bregovic-Brüder: die neun Söhne der Bregovic Doktor Harlacher: Tierarzt, führt illegale Importe von Tieren durch, Verbündeter der Erdberger Spedition Schimpansendame Honzo: die Äffin von Harlacher; wohnt mit ihm in seiner Wohnung, Harlacher möchte sie möglichst zum Menschen machen (Kleider anziehen etc.), sie existierte in echt und ist jetzt ausgestellt im Naturhistorischen Museum Wien Kamel: arbeitet für den Krutzler Lassnig: Geliebte vom Wessely Kugelfang: arbeitet für den Krutzler Jerabek: arbeitet für den Wessely, extrem groß und furchteinflößend Schwarze Baron: Verbündeter der Erdberger Spedition, Besitzer einer Bar Schani: Ringer auf dem „Heumarkt“ „Der Deutsche“: hohes Tier der Russen Milady: gehört zum französischen Teil von Wien, hat Kontakt mit Sikora Petrow: Vorgesetzter des Deutschen, hat eine eigene Galerie Gisela: Prostituierte, die im Krieg beide Beine verloren hat Hitler Stalin
Schauplatz Der Großteil der Geschichte spielt vor, während und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien. Nach der Verhaftung werden Wessely, Sikora und Krutzler in die KZ nach Dachau und Mauthausen gebracht. Später kehren sie wieder zurück nach Wien.
Viele Orte der Geschichte gab es in echt, einige existieren sogar heute noch.
Handlung Die Erdberger Spedition (S. 11–44)
Ferdinand Krutzler, Wessely, Praschak und Sikora leben in Erdberg. Sie sind unzertrennliche Freunde. Schon früh erlernen sie das Handwerk des Betrugs. Mit 16 Jahren können sie bereits jeden Tresor knacken und auch ihr Hunderter-Zaubertrick wird immer bekannter. Wessely, ein Kartenfreund, steckt die anderen damit an und so werden ab diesem Zeitpunkt alle Entscheidungen durch die Karten getroffen. Auch als es um die Musch geht. Der Krutzler zieht die höchste Karte und somit beginnt eine Geschichte, die ihn sein Leben lang begleiten soll. Ziel ist es, ihre Unterhose als Pfand zu beschlagnahmen. Ein leichtes Spiel für den Krutzler. Er schenkt ihrem Sohn Herwig eine Vogelspinne und erklärt der Musch, dass er sie von der Spinne befreie, wenn er im Gegenzug ihre Unterhose bekommt. Bald wollen sich die vier jedoch nicht mehr mit kleinen Gaunereien abgeben und gründen die Erdberger Spedition. Gekonnt räumen sie Häuser und Wohnungen aus. Auch der Nazi-Huber bleibt nicht verschont. Dieser lässt sich diese Aktion jedoch nicht gefallen und lässt kurzerhand die Täter suchen und ins KZ Dachau verfrachten. Nur der Praschak bleibt verschont, da ihn sein Vater, unter der Bedingung, dass er später die Fleischerei übernimmt, deckt.
Die große Reise (S. 45–82)
Die Krutzlermutter muss in ein Stelzenhaus in Strombad Kritzendorf umziehen. Währenddessen werden in Dachau die Abzeichen verteilt. Der Krutzler, der Wessely und der Sikora bekommen grüne, da sie unter die Kriminellen gehen. Schnell empfiehlt sich der Krutzler für höhere Positionen und wird nach Mauthausen befördert. Dort angekommen bekommt er unverhofft die Nummer 100 und wird somit zum Blockältesten. Die Achse Dostal, Krutzler und Podgorsky, den er im Zug kennengelernt hat, funktioniert so gut, dass diese selbst von Hitler gelobt wird. In Mauthausen bekommt Krutzler allerhand mit. Er durchschaut schnell mit welcher „Kreativität“ die Buchhaltung geführt wird, um möglichst viele „natürliche“ Todesfälle notieren zu können. Dort in Mauthausen erfindet er später auch den sehr bekannten Krutzler’schen Halsstich. Krutzler gilt im KZ als verhältnismäßig gerecht. Trotz seiner Privilegien hält er engen Kontakt zu den Häftlingen und organisiert in seiner Freizeit sogar Fußballturniere. Das Wichtigste für den Krutzler ist die Information. Und so kommt bald ein Mann namens Grünbaum dazu, ein Jude, der dem Krutzler Informationen überbringt, die er als Häftling von den anderen mitbekommt. Das Ziel des Krutzler ist von der Nummer 100 zur Nummer 10 aufzusteigen. Die Übernahme von Wien wäre dann der Schritt zur Nummer 1. Durch den Grünbaum erfährt Krutzler wichtige Informationen über die Nummer 10, was für diese das Ende bedeutet und für den Krutzler den Aufstieg zur Nummer 10. Mit der Nummer 10 kommen ihm viele neue Privilegien zugute. Er darf nun jeden Abend mit Dostal einen Cognac trinken, nicht nur donnerstags. Zusätzlich steht ihm jetzt auch der Besuch im Bordell zur Verfügung.
Die Frau im Turban (S. 83–106)
Nach der Befreiung von Mauthausen durch die Amerikaner ändert sich alles schlagartig. Zuerst bleibt Krutzler noch im KZ, doch bald wird es auch für ihn zu gefährlich und er muss flüchten. Er läuft drei Wochen lang die Donau hinunter Richtung Wien. Auf dem Weg ernährt er sich ausschließlich von den Tieren, die ihm über den Weg laufen. Kurz vor Wien kommt er am neuen Haus seiner Mutter vorbei. Beide freuen sich nicht sonderlich einander zu sehen. Danach holt Krutzler bei Tante Elvira seine Schatzkiste, welche er bei einer der Wohnungsräumungsaktionen mitgenommen und darin Geld versteckt hatte. Er bewahrt darin auch ein Bild von einer Frau im Turban auf.
Der Weg ins Paradies (S. 107–142)
Als Krutzler den Praschak besucht, lernt er dessen Frau Gusti kennen. Die beiden trauen sich von Anfang an nicht über den Weg. Vom Praschak erfährt Krutzler, wo er den Sikora findet, und macht sich auf den Weg. Im gelben Papagei erzählt er ihm, dass am Dienstag ein Treffen in der Fleischerei vom Praschak stattfindet. Vom Sikora bekommt Krutzler die Adresse von Harlacher, bei dem er eine Viper für Herwig bekommt. Dann geht er zu der Wohnung, die Grünbaum ihm gesagt hat. Als er dort ankommt, sieht er einen Brief von ihm, mit der Aufforderung einen sogenannten Seibold einzuschüchtern. Dies sollte seine erste Notwehr nach dem KZ werden. Dann macht sich Krutzler auf zur Musch. Auf dem Weg trifft er Wessely. Auch ihm erzählt er vom Treffen am Dienstag. Als er im Lokal bei der Musch ankommt, erklärt ihm der Barkeeper, dass er die Musch nicht sehen könnte. Deshalb gibt der Krutzler dem Barkeeper den Karton mit der Viper und sagt, dass das ein Geschenk für die Musch ist. Wenig später öffnet die Musch den Karton und die Viper schießt heraus. Sie bekommen Angst und töten die Viper. Als diese schon tot ist, erinnert sich die Musch plötzlich an den Krutzler und weiß, dass diese von ihm ist.
Dresden (S. 143–170)
Krutzler fährt zum Hotel Dresden, wo die Musch mit Herwig lebt. Bei ihr findet er Unterschlupf und verbringt viele Abende mit ihrem Sohn Herwig. Am Dienstag treffen sich die vier Freunde wie vereinbart bei Praschak. Gemeinsam erinnern sich die Vier an alte Zeiten. Sie planen auch schon wieder ihr nächstes Projekt, die Übernahme der Herrschaft über Wien. Nach dem Ende des Kriegs wird Wien zwischen den Russen, Amerikanern, Engländern und Franzosen viergeteilt. Diese Zonen teilen sich Krutzler, Wessely und Sikora untereinander auf. Krutzler übernimmt unter dem Grünbaum die amerikanische Zone und der Wessely, der schon seit einer Weile für den Deutschen in der russischen Zone arbeitet, übernimmt diese. Sikora, der einzige der Französisch spricht, bekommt die französische Zone. Nur Praschak bekommt keine, da seine Frau ihm keinen Umgang mit den Besatzern erlaubt. Gemeinsam schmuggeln sie Zigaretten, Whiskey, Zigarren und Cognac zwischen den Zonen hin und her. Der Krutzler hat die beste Zone erwischt. Er stellt sich eine Mannschaft aus dem Kamel, dem Simsalabim und dem Kugelfang zusammen. Krutzler trifft Podgorsky, welcher wieder bei der Polizei arbeitet. Dessen Cousin hat einen russischen Soldaten umgebracht und soll jetzt zur Rechenschaft gezogen werden. Podgorsky bittet den Krutzler ihm zu helfen. Er soll den Deutschen überzeugen, seinen Cousin am Leben zu lassen. Dieses Gespräch will der Krutzler auch gleich ausnutzen, um die Herrschaft über Wien zu bekommen.
Milady (S. 171–202)
Wessely fährt Krutzler zur Villa seines Vorgesetzten. Der Deutsche hält es jedoch für unmöglich, die Russen zu überreden, Podgorskys Cousin nichts anzutun. Krutzler versucht ihn zu überzeugen, indem er sagt, dass Podgorsky bald nach oben gelangen wird und er dann bei ihm einen Stein im Brett hätte. Der Deutsche denkt nach und stimmt dann zu.