Als Großes Torpedoboot 1898 wurde eine Baureihe von 48 Großen Torpedobooten für die Kaiserliche Marine bezeichnet. 36 Einheiten wurden von den Schichau-Werken in Elbing gebaut, 12 Einheiten von der Germaniawerft in Kiel. Die Buchstabenkennung vor der Schiffsnummer kennzeichnet die Bauwerft des jeweiligen Schiffes. S steht hierbei für Boote aus den Schichau-Werken, G für Boote aus der Germaniawerft. In einigen Quellen werden die Boote auch S-90-Klasse genannt.
Technik und Baugeschichte Die Kaiserliche Marine war sich seit Mitte der 1890er Jahre dessen bewusst, dass ihre zwar sehr seefähigen und gegenüber ausländischen Marinen größeren Torpedoboote eine schlagkräftige Waffe in einem möglichen Seekrieg darstellen konnten, jedoch drohte mit der Einführung des damals neuen Torpedobootszerstörers britischerseits dieser Vorteil verloren zu gehen. Nach intensiven technischen und taktischen Vorüberlegungen präferierte man nun ein größeres Boot, das gegenüber dem neuartigen Zerstörer weiterhin offensiv bestehen konnte. Unabdingbar dafür war jedoch eine deutliche Größensteigerung der Boote sowie die gleichzeitige Abkehr von der bisherigen Doktrin des Einwellenantriebs und der Vorgabe, dass ein einziger Offizier zur Führung des Bootes genügen müsse. Gegenüber der letzten Serie der kleinen Boote wurde das Deplacement mehr als verdoppelt und die Geschwindigkeit auf 27 kn gesteigert. Zugleich stiegen die Seefähigkeit und die Seeausdauer. Die Klasse hatte eine etwas schwächere Geschützbewaffnung als gleichaltrige britische Torpedobootszerstörer, trugen jedoch ein Torpedorohr mehr. Den gleichaltrigen französischen Torpedobootszerstören waren die Boote dieses Typs in allen Belangen überlegen.
Die 48 Einheiten wurden zwischen 1898 und 1907 sowohl in den Schichau-Werken (36 Einheiten) und der Germaniawerft (12 Einheiten) gebaut. Während der Bauphase wurde das Design kontinuierlich angepasst und geändert. Zehn verschiedene Konstrukteure waren daran beteiligt. Daraus ergeben sich mehrere teils gravierend unterschiedliche Bauzustände. Die Gesamtlänge erstreckt sich von 63 bis 71,5 m. Die Breite erstreckt sich von 7 bis 7,75 m und der Tiefgang von 2,03 bis 3,22 m.Gröner, Seite 170 Die Boote S 90 bis S 131 und G 108 bis G 113 waren in elf wasserdichte Abteilungen eingeteilt. Die Schiffe G 132 bis G 137 wurden um ein Abteil erweitert.Gröner, Seite 169 Der Antrieb der meisten Einheiten erfolgte über zwei vertikale 3-Zylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschinen, die zwei dreiblättrige Schraubenpropeller antrieben. Der benötigte Dampf wurde von drei kohlebefeuerten Wasserrohrkesseln erzeugt. Je nach Bauzustand erreichten die Schiffe zwischen 27 und 30 Knoten, wobei die angegebene Leistung zwischen 5.900 und 7.000 PS (4.400 bis 5.200 kW) stark variierte. S 125 und G 137 wurden mit neuen Parsons-Dampfturbinen ausgerüstet, wobei G 137 noch einen zusätzlichen Kessel erhielt. S 125 erreichte 6.600 PS (4.900 kW) und 28 Knoten während G137 es auf 10.800 PS (8.100 kW) und 30 Knoten brachte.Gröner, Seite 169–170 Jedes Schiff war mit 110-Volt-Generatoren für die elektrische Versorgung ausgerüstet und führte sowohl eine Jolle und ein zusätzliches Beiboot mit. Die Steuerung erfolgte über zwei Ruder, wobei eins jeweils am Heck und am Bug angebracht war.
Bewaffnung Für die Boote war eine Bewaffnung von drei 5,0-cm-Schnelladekanonen L/40 vorgesehen. Für G 132, G 133, G 134 und G 136 wurde die Rohrbewaffnung auf vier 5,2-cm-Schnelladekanonen L/55 erweitert. G 135 erhielt eine 8,8-cm-Schnelladekanone L/35 und zwei 5,2-cm-Schnelladekanonen L/55, während G 135 eine 8,8-cm-Schnelladekanone L/35 und drei 5,2-cm-Schnelladekanone L/55 erhielt. Alle Boote waren mit drei Torpedorohren ø 45,0 cm in Einzelwerfern ausgerüstet. Aufgrund teilweise unterschiedlicher Deckaufbauten konnte die Positionierung der Torpedorohre verschieden sein.Gröner, Seite 169Gardiner und Gray, Seite 140
Besatzung Die Großen Torpedoboot 1898 hatten eine Standardbesatzung von zwei Offizieren und fünfundfünfzig Mannschaften. Aufgrund der unterschiedlichen Bauzustände wurde hiervon des Öfteren abgewichen. So hatte S 120 neunundfünfzig Mannschaften an Bord und G132 siebenundsechzig. G131 hatte eine Besatzung von drei Offizieren und achtundsiebzig Mannschaften. Wenn ein Boot als Flaggschiff einer Halbflottille eingesetzt wurde, kamen noch ein Stab von vier weiteren Offizieren und elf Mannschaften hinzu.
Bootsverluste S 90 war in Tsingtau stationiert. Am 17. Oktober 1914 versenkte es den japanischen Geschützten Kreuzer Takachiho und wurde danach von der Besatzung selbstversenkt. Die Besatzung wurde in China interniert. Am 15. Oktober 1915 kollidierte S 100 mit der als Minenschiff eingesetzten Fähre Preußen und sank. 39 Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben. S 115, S 117, S 118 und S 119 wurden als 7. Torpedoboots-Halbflottille im Verlauf des Seegefechtes vor Texel vom britischen Leichten Kreuzer Undaunted und vier Zerstörern der Laforey-Klasse versenkt. Am 6. Oktober 1914 wurde S 116 vor Borkum durch das britische U-Boot E9 durch Torpedotreffer versenkt. Kommandant Kurt Freiherr von Ziegesar und acht Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben. S 123 ging am 1. Mai 1916 und S 122 am 5. Oktober 1918 durch Minentreffer verloren. S 114 sank nach einer Kollision am 23. November 1914 und S 129 nach Grundberührung am 4. November 1915.
Umbenennungen Am 27. September 1916 wurden die Großen Torpedoboot 1898 umbenannt, indem diese Boote ihre Hersteller-Kennung in T + Nummer änderten. Am 24. September 1917 und am 22. Februar 1918 erfolgte wegen der Bestellung neuer Boote dann die nächste pauschale Umbenennung alter Torpedoboote, da nach Erreichen der Nummer 197 die kaiserliche Marine ab dem Typ Großes Torpedoboot 1911 ihre Boote wieder ab V 1 zählte.
Große Torpedoboote 1898 (Auswahl)
S 90 Der Stapellauf von S90 erfolgte am 26. Juli 1899 und die Indienststellung am 24. Oktober 1899.
Einsatz und Verbleib S 90 wurde 1900 Teil des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders und verbrachte seine komplette Dienstzeit in Asien.
Im Ersten Weltkrieg versenkte es den japanischen Kreuzer Takachiho mit einem Torpedo und wurde anschließend am 17. Oktober 1914 durch die Besatzung selbst versenkt.
S 94 Der Stapellauf für S 94 (Baunummer 648) erfolgte am 23. April 1900 und die Indienststellung am 27. Juli 1900.
Einsatz und Verbleib Erster Kommandant des Bootes war Oberleutnant zur See Peter Roßkath (* 1872).
Ab dem 4. September 1914 führte S 94 die Kennung T 94 und wurde zur Sicherung der deutschen Küsten in der Hafenflottille Jade-Weser eingesetzt. Ab 1915 fungierte T 94 als Tender, im Mai 1916 bis Kriegsende beim Abnahmekommando für Torpedoboote der Inspektion des Torpedowesens in Kiel.
S 94 überstand den Ersten Weltkrieg ohne schwere Schäden und versah einen Dienst in der Reichsmarine. Während des Kapp-Putsches sank es am 13. März 1920 in Wilhelmshaven. Es wurde gehoben und am 26. Oktober 1920 aus der Flottenliste gestrichen. Am 13. Mai 1921 wurde es für 160.000 Mark verkauft und später in Wilhelmshaven abgewrackt.
Kommandanten
Oberleutnant zur See Peter Roßkath: ab der Indienststellung unbekannt Oberleutnant zur See Ernst Ewers: Oktober 1900 bis Dezember 1900 unbekannt Kapitänleutnant Lange: 1901 Korvettenkapitän Karl Wilbrandt: um 1902 Oberleutnant zur See Albert Stoelzel: 1902 unbekannt Kapitänleutnant Fritz Saupe: bis 1914 Kapitänleutnant Waldemar von Münch: von August 1914 bis November 1914 Oberleutnant zur See der Reserve Hinrich Hermann Hashagen: ab November 1914 unbekannt Kapitänleutnant Kurt Tebbenjohanns: von April 1915 bis November 1915 unbekannt Kapitänleutnant Otto Zincke genannt Sommer: von Januar 1918 bis Kriegsende
mini|SMS S 95, zwischen 1900 und 1914
S 95 Der Stapellauf für S 95 (Baunummer 649) erfolgte am 20. Februar 1900 und die Indienststellung am 29. August 1900.
Einsatz und Verbleib Ab dem 4. September 1914 führte S 95 die Kennung T 95 und wurde zur Sicherung der deutschen Küsten in der Hafenflottille Jade-Weser eingesetzt. Ab 1915 fungierte T 95 als Tender, im Mai 1916 bis Kriegsende beim Abnahmekommando für Torpedoboote der Inspektion des Torpedowesens in Kiel.
S 95 überstand den Ersten Weltkrieg ohne schwere Schäden und versah einen Dienst in der Reichsmarine. Am 22. März 1921 wurde das Boot aus der Flottenliste gestrichen. Am 13. Mai 1921 wurde es für 180.000 Mark verkauft und später in Kiel abgewrackt.
Kommandanten (Auswahl)
Oberleutnant zur See Hans Seebohm: 1901 Oberleutnant zur See Günther Krech: bis Februar 1915 Kapitänleutnant Eberhard Wolff: bis August 1915
S 96 Der Stapellauf für S 96 (Baunummer 670) erfolgte am 31. Januar 1900 und die Indienststellung am 27. August 1900.
Einsatz und Verbleib S 96 wurde als Tender eingesetzt. Ab dem 4. September 1914 führte S 96 die Kennung T 96. Ab Mitte Oktober 1914 war das Boot bis Kriegsende den Hochseestreitkräften zugeordnet.
S 96 überstand den Ersten Weltkrieg ohne schwere Schäden und versah einen Dienst in der Reichsmarine. Am 22. März 1921 wurde das Boot aus der Flottenliste gestrichen. Am 26. Mai 1921 folgte der Verkauf zur Verschrottung nach Düsseldorf.
Kommandanten (Auswahl)
Wilhelm Buße: von Oktober 1906 bis Dezember 1906, von Februar 1907 bis April 1907 und im November 1907 Oberleutnant zur See/Kapitänleutnant Erich Giese: ca. 1913 bis September 1914 Georg Wildemann: bis April 1916
S 97 Der Stapellauf vonS 97 erfolgte am 16. Dezember 1899 und die Indienststellung am 28. Mai 1900.
Das wurde auf den Namen SMS Sleipnir getauft und war damit das einzige Torpedoboot dieser Klasse, das einen Namen trug.
Einsatz und Verbleib S 97 wurde bis 1914 als Depeschenboot zusammen mit der Kaiserlichen Yacht SMY Hohenzollern eingesetzt.
Im Ersten Weltkrieg wurde das Boot in T97 umbenannt und war im Küstenschutz eingesetzt.
Das Boot wurde in die Reichsmarine übernommen und 1921 außer Dienst gestellt und zum Abbruch verkauft.
S 98 Der Stapellauf für S 98 (Baunummer 672) erfolgte am 28. Juli 1900 und die Indienststellung am 4. November 1900.
Einsatz und Verbleib S 98 wurde als Tender eingesetzt. Ab dem 4. September 1914 führte S 98 die Kennung T 98. Ab Mitte Oktober 1914 war das Boot bis Kriegsende den Hochseestreitkräften zugeordnet. Ab dem 9. Oktober 1920 war es in der Marinewerft Wilhelmshaven.
S 98 überstand den Ersten Weltkrieg ohne schwere Schäden und versah einen Dienst in der Reichsmarine. 1921 wurde das Boot aus der Flottenliste gestrichen.
Kommandanten (Auswahl)
Oberleutnant zur See Ernst von Gagern: vom 15. Oktober bis zum 14. Dezember 1903 und vom 6. April bis zum 16. August 1904 Kapitänleutnant Oskar Heinecke Oberleutnant zur See Friedrich Wilhelm Klein: bis September 1914 Oberleutnant zur See Oskar Steckelberg: bis März 1916
S 99 Der Stapellauf für S 99 (Baunummer 673) erfolgte am 4. September 1900 und die Indienststellung am 13. Dezember 1900.
Einsatz und Verbleib S 99 wurde als Flottillenboot bei der II. Unterseebootshalbflottille der I. Unterseebootsflottille in Hamburg eingesetzt. Ab dem 4. September 1914 führte S 99 die Kennung T 99 und war ab 1918 bei der 5. Halbflottille der II. Geleitflottille.
S 99 überstand den Ersten Weltkrieg ohne schwere Schäden und versah einen Dienst in der Reichsmarine. Am 22. März 1921 wurde das Boot aus der Flottenliste gestrichen. Am 26. Mai 1921 folgte der Verkauf zur Verschrottung nach Düsseldorf.
Kommandanten (Auswahl)
Oberleutnant zur See Bruno Heinemann: ca. 1901 Oberleutnant zur See Bernd von dem Knesebeck: ca. 1904 Oberleutnant zur See/Kapitänleutnant Johann Bernhard Mann: von Herbst 1906 bis September 1907 Oberleutnant zur See Walther Schwieger: ca. 1912 Leutnant zur See Otto Neuerburg: August/September 1914 Oberleutnant zur See Walter Wiedemann: mit Unterbrechung von Mai 1915 bis März 1916 Oberleutnant zur See Waldemar von Fischer: von Oktober 1915 bis Dezember 1915 Oberleutnant zur See Ludwig Schaafhausen: von März 1916 bis September 1916