Cristina, regina di Svezia ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Dramma storico-lirico“) in drei Akten (fünf Teilen) von Jacopo Foroni (Musik) mit einem Libretto von Giovanni Carlo Casanova. Sie behandelt frei die letzten Wochen der Regierung der schwedischen Königin Cristina bis zu deren Abdankung im Jahr 1654 und wurde am 19. oder 22. Mai 1849 im königlichen Theater in Stockholm erstmals aufgeführt.
Handlung
In der folgenden Inhaltsangabe sind die Änderungen der Triester Zweitfassung von 1850 durch eckige Klammen markiert.
Erster Akt
Erster Teil: „Amore“ – Liebe
Großer Platz in der Nähe des königlichen Schlosses von Stockholm.
Links vom Zuschauer ein provisorischer Thron für die Königin; im Hintergrund ein See, dahinter die Silhouette der Stadt. Der Weg ist mit Blumen bestreut, die Häuser festlich mit Wandteppichen und Girlanden geschmückt. Schweden feiert die Rückkehr des alten Reichskanzlers Oxenstierna und damit den von diesem ausgehandelten Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die auf dem Thron sitzende Cristina ist umgeben von den Reichsgranden, unter ihnen Magnus Gabriel De la Gardie. Maria Eufrosina, Hofdamen und Edelleute umringen diese. Ihnen gegenüber im Hintergrund sind schwedische Truppen aufgestellt. Das Volk befindet sich in Gruppen im Hintergrund. Arnold und Johan Messenius stehen abseits.
Szene 1. Nach einem Friedensgebet (Chor: „L’inno levate, o Popolo“) macht sich das Volk zur Begrüßung des in einem mit Flaggen bedeckten Schiff eintreffenden Oxenstierna bereit.
Szene 2. Oxenstierna und sein Sohn Erik gehen an Land, und der Reichskanzler huldigt seiner Königin Cristina. Gabriels Gedanken sind unterdessen auf seine Liebe zu Maria Eufrosina gerichtet. Auch Erik ist insgeheim in diese verliebt und betrachtet Gabriel eifersüchtig. Arnold und sein Sohn wiederum ärgern sich über die Aufmerksamkeit, die der von ihnen gehassten Königin zuteilwird. Zu aller Überraschung und Bestürzung verspricht diese Erik die Hand ihrer Cousine Maria. Erik und sein Vater danken ihr glücklich. Arnold hingegen hofft, Marias Geliebten Gabriel jetzt als Verbündeten für seine Umsturzpläne zu gewinnen. Alle begeben sich zum Schloss.
Ein Garten [Gemächer im königlichen Palast]
Szene 3. Gabriel ist verzweifelt darüber, Maria aufgeben zu müssen („Le fredde goccie dell’uomo che muor“).
Szene 4. Maria wirft sich in Gabriels Arme („Gabriel!“ – „Maria! Spirto gentile che irrevocabil cenno“). Als er vorschlägt, gemeinsam zu fliehen, erinnert Maria ihn daran, dass sie dadurch ihre Ehre verlieren würde. Diese ist Gabriel heilig. Somit bleibt ihnen nur der Kummer über die erzwungene Trennung. Gabriel glaubt nicht, dass die Königin ihre Pläne ändern wird.
[Szene 5.] Cristina trifft das Paar in dieser Situation an und will den Grund für Marias Tränen erfahren. Bevor diese jedoch antworten kann, schickt Cristina sie hinaus, um mit Gabriel unter vier Augen zu sprechen. Sie erinnert ihn an ihre Liebe und ihre Unterstützung bei seinem Aufstieg am Hof und will wissen, ob sich seine Gefühle für sie geändert haben. Sie ist bereit, ihn zu heiraten und den Thron mit ihm zu teilen. Innerlich aufgewühlt versucht Gabriel sie von seiner Treue zu überzeugen.
[Szene 6.] Johan teilt Cristina mit, dass die Vorbereitungen zur Hochzeit abgeschlossen sind.
Zweiter Teil: „Imeneo“ – Die Hochzeit
Hell erleuchteter Saal im königlichen Palast; im Hintergrund illuminierte Dachgärten
Szene 1. Höflinge und Edelleute singen ein Loblied auf den Hochzeitsgott Hymenaios („Voci ascose dell’ aure odorate“).
Szene 2. Cristina führt die bleiche und zitternde Maria herein. Oxenstierna und Erik sind bereits anwesend, ebenso der vor Schmerz fast wahnsinnige Gabriel sowie Arnold und Johan. Als Cristina ihre Cousine erneut nach dem Grund für ihre Traurigkeit fragt („Onde tal fremito tale mestizia?“), will diese ihn zuerst nicht nennen („Hanno i miei gemiti ragion secreta“), erklärt dann aber, dass sie Erik nicht heiraten könne, weil sie bereits einen anderen liebe. Alle sind entsetzt („Cielo! Dardo di fulgoro mi scese in sen“). Auf Cristinas Drängen offenbart Maria, dass es sich um Gabriel handelt. Wütend und enttäuscht erklärt Cristina, dass Gabriel und Maria sich niemals wieder sehen dürfen. Arnolds und Johans Hoffnung, Gabriel für ihre Zwecke zu gewinnen, steigt. Mit gebieterischer Geste verlässt Cristina den Saal, gefolgt von den Hofleuten, Oxenstierna und dem vor Enttäuschung tränenüberströmten Erik. Maria fällt bewusstlos in die Arme der Hofdamen. Gabriel will ihr beistehen, wird jedoch von Arnold und Johan festgenommen und abgeführt.
Zweiter Akt
Dritter Teil: „La congiura“ – Die Verschwörung
Küste einer Insel im Saltsjön; im Hintergrund die Burg Tre Kronor [und die Stadt Stockholm]; Mondschein; [Fischerboote auf den ruhigen Wellen]
Szene 1. Hinter der Bühne singt ein Fischer ein Lied (Voce interna: „Voga, voga pescatore“). Ein Echo wiederholt einige der Worte.
Szene 2. In einem Boot trifft Cristinas Vetter Carlo Gustavo ein („Perchè nel rivederti, o materna mia terra“). Man hat ihm einen gefälschten Brief zugespielt, der ihn vor den Plänen Cristinas warnt. Diese neide ihm seinen Erfolg und wolle ihn mit Hilfe Oxenstiernas und weiterer Edelleute aus dem Weg räumen. Gustavo traut der Nachricht nicht, da er Arnolds Schrift erkannt hat. Um die Hintergründe zu erfahren und die von ihm verehrte Königin zu schützen, will er sich zum Schein den Verschwörern anschließen.
Szene 3. Jetzt erscheinen auch Arnold, Johan und Gabriel mit ihren Spießgesellen (Messenius: „Giungemmo inosservati“). Gustavo gibt sich ihnen zu erkennen. Er ist entsetzt, auch Gabriel bei ihnen anzutreffen. Der Plan der Verschwörer sieht vor, Cristina zu stürzen und Gustavo an ihre Stelle zu setzen. Während die anderen ihr Bündnis beeiden, schwört sich Gustavo insgeheim, Cristina zu retten.
Vierter Teil: „Disillusione“ – Desillusion
Cristinas Gemächer in der Burg; auf einer Seite eine kleine Betkammer
Szene 1. Nach ihrem Gebet lässt sich Cristina gedankenversunken einem Stuhl nieder. Sie ist zwar von Prunk und Reichtum umgeben, leidet aber unter der Undankbarkeit ihrer Untertanen („Dispogliata del serto e d’una corte“).
Szene 2. Oxenstierna tritt ein und versucht sie zu trösten, indem er sie an ihren großen Vater Gustav II. Adolf und ihre Abstammung vom Haus Wasa erinnert („T’inganni… De miei secreti affanni testimone tu sol“). Cristina teilt ihm mit, dass sie abdanken und den Thron ihrem Vetter überlassen wolle. Oxenstierna kann sie nicht umstimmen.
Szene 3. Cristinas Hofdamen kommen aufgeregt herein und berichten von dem begonnenen Aufstand („Armi… Fuoco…“ – „Correte volate, correte volate“). In der Ferne sind bereits die hasserfüllten Rufe der Verschwörer zu hören.
Szene 4. Die Wachen eilen herein, um Cristina zu schützen. Kurz darauf erscheint auch Maria, aufgelöst und dem Wahnsinn nahe.
Szene 5. Bevor Cristina die Flucht ergreifen kann, trifft Gustavo ein. Er beruhigt die Anwesenden damit, dass die Aufständischen bereits überwältigt und festgenommen wurden. Von ihm erfährt Cristina, dass auch Gabriel unter ihnen war.
Szene 6. Die Gefangenen werden hereingeführt, und die zutiefst betroffene Cristina verurteilt den treulosen Gabriel zum Tod. Alles Flehen Marias ist vergeblich. Oxenstierna und Erik geleiten die Königin ihre Gemächer, während Gustavo sich um Maria kümmert.
Dritter Akt
Fünfter Teil: „L’abdicazione“ – Die Abdankung
[Zimmer im Haus Carlo Gustavos]
[Szene 1.] Gustavo betrachtet grüblerisch ein Bildnis Cristinas, mit der ihn einst eine gegenseitige Liebe verband. Ein Page meldet, dass die Königin ihn bei Sonnenuntergang im Schloss erwarte.
Königliche Gemächer
Szene 1 . Cristina hat ihre Rücktrittspläne und ihre Sehnsucht nach einem den Künsten gewidmeten Leben in Italien schriftlich festgehalten und deklamiert diesen Text für sich selbst („O! Tu genio de’ secoli che furo“).
Szene 2 . Gustavo tritt ein und grüßt Cristina respektvoll („A te Regina!“ – „A me congiunto or vieni suddito“). Sie informiert ihn über ihren Wunsch, zu seinen Gunsten abzudanken. Gustavo versucht, sie umzustimmen. Er erinnert sie an ihre einstige Liebe und seinen Wunsch, mit ihr gemeinsam zu regieren. Obwohl Cristina nachdenklich wird, bleibt sie bei ihrem Entschluss und fordert ihn auf, sie zum Rat zu begleiten.
Großer Ratssaal
Im Hintergrund eine große Tür; links ein Tisch mit Schriftstücken; um diesen herum die Senatoren unter dem Vorsitz Oxenstiernas; links Gabriel und die Verschwörer unter Aufsicht der Wachen; der Eingang ist von Bewaffneten gesichert; Trauerlampen erhellen den düsteren Ort
Szene 3 . Die Senatoren verkünden das Todesurteil für die Aufständischen („Nel tempio delle leggi e del rigor“). Als sie abgeführt werden sollen, öffnet sich die Tür.
Letzte Szene. In vollem königlichen Ornat tritt Cristina ein. Sie führt Gustavo und Maria an der Hand und wird von Edelleuten, Hofdamen, Dienern und Bewaffneten begleitet. Cristina unterbricht die Sitzung, begnadigt die Verschwörer („Ogni delitto non ammenda la morte“), verkündet ihren Rücktritt zugunsten Gustavos und erklärt ihr Einverständnis zur Hochzeit Marias und Gabriels. Anschließend krönt sie persönlich den vor ihr knienden Gustavo und verheißt ihm eine glänzende Regierungszeit. Gustavo versichert, dass er zum Wohl des Volkes regieren wird („Al fior di Svezia innante giuro volarmi“). Alle schwören dem neuen König ihre Gefolgschaft.
Gestaltung
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:
Holzbläser: Piccoloflöte, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Cimbasso Pauken, Schlagzeug: große Trommel, Becken Harfe Streicher: Violinen 1, Violinen 2, Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe
Musiknummern
Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:
Ouvertüre: Andante maestoso d-Moll – D-Dur 3/4 – alla breve – 3/2
Erster Akt, erster Teil Nr. 1. Introduktion (Cristina, Maria, Gabriel, Johan, Messenius, Chor): „L’inno levate, o Popolo, l’inno del cor felice“ (Szene 2) Nr. 2. Romanze und Duett (Maria, Gabriel) Gabriel: „Le fredde goccie dell’uomo che muor suda il mio fronte e suda sangue il cor“ (Szene 3) Maria, Gabriel: „Gabriel!“ – „Maria! Spirto gentile che irrevocabil cenno“ (Szene 4)
Erster Akt, zweiter Teil Nr. 3. Chor vor dem Finale I: „Voci ascose dell’ aure odorate per l’azzurro del cielo natanti“ (Szene 1) Nr. 4. [Finale I:] (Cristina, Maria, Gabriel, Erik, Johan, Oxenstierna, Messenius, Chor) Cristina: „Onde tal fremito tale mestizia?“ (Szene 2) Maria: „Hanno i miei gemiti ragion secreta“ (Szene 2) Tutti: „Cielo! Dardo di fulgoro mi scese in sen“ (Szene 2)
Zweiter Akt, dritter Teil Nr. 5. Praeludium und Romanze Voce interna: „Voga, voga pescatore, canta gli astri e canta il mare“ (Szene 1) Gustavo: „Perchè nel rivederti, o materna mia terra“ (Szene 2) Nr. 6. Verschwörung (Gustavo, Messenius, Johan, Chor) Messenius: „Giungemmo inosservati. È grave ed’ alta la cagion del convegno“ (Szene 3) „Gustavo non giunse ancor fra noi?“ (Szene 3) „[…] col fuoco sperdiam di tanta molezza le gioje lascive“ (Szene 3)
Zweiter Akt, vierter Teil Nr. 7. Duett (Cristina, Oxenstierna) Cristina: „Dispogliata del serto e d’una corte“ (Szene 1) „T’inganni… De miei secreti affanni testimone tu sol“ (Szene 2) „Ravviso l’altera figlia in te del gran Gustavo coronato di gloria“ (Szene 2) „Altra fiamma dei Wasa più degna altr’ affetto più puro più santo“ (Szene 2) Nr. 8. Finale II (Chor der Verschwörer, Damen, Cristina, Oxenstierna) „Armi… Fuoco…“ – „Correte volate, correte volate, già la fiamma s’appende alla Regia“ (Szene 3) „Che avvenne? parlate… Narrate: che fu? che fu?“ (Szene 3) „Per tutto un’ ondata di faci serpeggia“ (Szene 3)
Dritter Akt, fünfter Teil Nr. 9. Duett (Cristina, Gustavo) „O! Tu genio de’ secoli che furo“ (Szene 1) „A te Regina!“ – „A me congiunto or vieni suddito“ (Szene 2)