Hottingen (zürichdeutsch Hottinge) ist ein Quartier der Stadt Zürich. Die ehemals selbständige Gemeinde Hottingen wurde 1893 eingemeindet. Sie bildet heute zusammen mit Fluntern, Hirslanden und Witikon den Kreis 7. mini|Hottingen, vom Uetliberg gesehen
Wappen Blasonierung: In Rot ein gestieltes, vierblättriges grünes Kleeblatt
Geschichte mini| Ansichten von Hottingen, Blick von der «Krone» (Rechberg) in die Florhofgasse (17. Jahrhundert) mini|Kreuzkirche (1905) mini|Luftbild von Werner Friedli (1949) Erstmals urkundlich wird Hottingen im Jahr 946 als Hottinga erwähnt. Dies steht ahd. für «Siedlung der Leute des Hotto». Ähnliche Herkunft besitzen die Ortsnamen Hottwil im Kanton Aargau, sowie Hottingen in Rickenbach (Deutschland).
Ende des Mittelalters bestand die Siedlung aus gut zwei Dutzend Haushalten. Später bildeten sich um den heutigen Kreuzplatz und um den heutigen Hottingerplatz zwei Siedlungskerne. Die Hänge des Adlisbergs waren fast vollständig durch Reben genutzt. Im 18. Jahrhundert wohnten neben Bauern auch Kleinhandwerker und Heimarbeiter der Textilindustrie am Ort.
Mit der Entwicklung der nahen Stadt Zürich setzte im 19. Jahrhundert eine grosse Bautätigkeit ein. 1902–1905 wurde die evangelisch-reformierte Kreuzkirche im Stil des Klassizismus und Jugendstils gebaut, als Pendant zur gegenüberliegenden Kirche Enge. 1906–1908 folgte die römisch-katholische Kirche St. Anton, die als neuromanische Kirche mit Jugendstilelementen erbaut wurde und der erste öffentliche Auftrag des späteren ETH-Professors Karl Moser in Zürich war. Bevölkerungsentwicklung des Quartiers Quelle: Statistik & Daten: Hottingen
Religion In Hottingen gibt es derzeit acht christliche Gemeinden und Gruppen, die sieben Gotteshäuser besitzen: Reformierte Kirchgemeinde Zürich der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Standort Kreuzkirche; Kirche erbaut 1902–1905 von der Architektengemeinschaft Otto Pfleghard und Max Haefeli. Die bis Ende 2018 existierende Kirchgemeinde Zürich-Hottingen erstreckte sich vom Kunsthaus hinauf zum Grand Hotel Dolder bis zum Waldrand; ihr gehörten über 3000 Mitglieder an. Römisch-katholische Kirche in der Schweiz – Pfarrei Sankt Anton; Kirche erbaut 1906–1908 vom Architekten Karl Moser Mission Catholique de langue française – Katholische Mission für Französischsprachige aus der Grossregion Zürich; Kirche Sainte Famille erbaut 1964–1966 von den Architekten Walter Pfammatter und Walter Rieger Neuapostolische Kirche – Gemeinde Zürich-Hottingen; Kirche erbaut 1977–1979 von den Architekten Hans Weideli und Ernst Kuster Evangelisch-freikirchliche Gemeinde St. Chrischona (seit 2021 «Vivakirche») und Jugendgruppe «Destiny Church» in der Bethelkapelle, die 1899 eingeweiht wurde. Baptistengemeinde – Salemskapelle Evangelische Täufergemeinde – Evangelisches Gemeindehaus Hottingen Ersten Kirche Christi Wissenschafter – Kirche beim Kreuzplatz, erbaut 1937–1938 von den Architekten Hans Hofmann und Adolf Kellermüller
An der Bergstrasse beim Wolfbachtobel befindet sich Zürichs Hare-Krishna-Tempel.
Bildung und Kultur In Hottingen sind sechs öffentliche Schulen angesiedelt. Das Quartier gehört zum städtischen Schulkreis Zürichberg, im Quartier selber liegen die Primarschulen «Bungertwies» – organisiert als Tagesschule – und Ilgen. Das «Bungertwies» umfasst eine eigene Schulschwimmanlage, in der Schule untergebracht sind die Stufe Kindergarten, die Unterstufe (1.–3. Klasse) und die Mittelstufe (4.–6. Klasse). Das «Ilgen» beherbergt im Ilgen A die Stufe Kindergarten und die Unterstufe, im Ilgen B die Mittelstufe.
Die Oberstufe (7.–9. Schuljahr) wird in den Nachbarquartieren besucht, der Schulkreis Zürichberg umfasst die drei Oberstufenschulhäuser Hirschengraben, Hirslanden-Hofacker und Riesbach-Münchhalde, sowie die Kunst- und Sportschule Neumünster.
Von den auf kantonaler Ebene organisierten Gymnasien sind in Hottingen die Kantonsschule Rämibühl und die Kantonsschule Hottingen angesiedelt. Die KS Hottingen ist ein Gymnasium mit wirtschaftlich-rechtlichem Profil sowie eine Informatikmittelschule.
Lesezirkel Hottingen mini|Gessner-Feier des Lesezirkels Hottingen (1903)|links
Der Lesezirkel Hottingen wurde am 4. November 1882 durch die Hottinger Turnvereinskollegen Wilfried Treichler und Hans Bodmer im Wirtshaus zur Sonnegg gegründet. Er wollte «belehrende Unterhaltung», «Kenntnis der Tagesliteratur» und «Studium des politischen, sozialen, wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens der Gegenwart» für «weite Kreise der Bevölkerung unentgeltlich zugänglich» machen. 1886 begannen die legendären Abende für Literatur und Kunst. Unter anderen lasen Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Rudolf Alexander Schröder, Karl Kraus, Ernst Zahn und Thomas Mann.
Während rund 50 Jahren war der als Verein organisierte Lesezirkel Hottingen ein prägendes Element im Kulturleben der Stadt Zürich. Anfang des Zweiten Weltkriegs wurde er wegen finanzieller Schwierigkeiten liquidiert.Conrad Ulrich: Der Lesezirkel Hottingen. NZZ Libro, Zürich 1981, ISBN 978-3-03823-391-6; Alfred Cattani: Der Lesezirkel Hottingen. (PDF; 949 kB) Neue Zürcher Zeitung. 23. Dezember 1981, S. 29.
Persönlichkeiten
Johann Jakob Füssli (1792–1860), evangelischer Geistlicher und Antistes von Zürich, in Hottingen verstorben Arnold Böcklin (1827–1901), Maler; wohnhaft 1885–1892 in der heutigen Böcklinstrasse 17 Johann Caspar Willi (1829–1905), Komponist und Dirigent der Romantik Hermann Bleuler (1837–1912), Maschineningenieur; in Hottingen geboren Cilla Fechner (1857–unbekannt), Schriftstellerin Carl Abegg (1860–1943), Textilfabrikant; in Hottingen geboren Bertha von Petersenn (1862–1910), Reformpädagogin; in Hottingen geboren Sigismund Righini (1870–1937), Maler und Kunstpolitiker Carl Gustav Schwalbe (1871–1938), Chemiker und Hochschullehrer, in Hottingen geboren Walter Wild (1872–nach 1949), Fussballspieler und erster Präsident des FC Barcelona Ernst Zuppinger (1875–1948), Kunstmaler, in Hottingen geboren Fritz Baltzer (1884–1974), Zoologe, Entwicklungsphysiologe und Genetiker; in Hottingen geboren Willy Fries (Maler, 1881) (1881–1965), Maler Elisabeth Luz (1888–1971), Fürsorgerin, in Hottingen geboren William Wolfensberger (1889–1918), Dichterpfarrer, in Hottingen geboren Franz Tank (1890–1981), Physiker, in Hottingen geboren Hanny Fries (1918–2009), Malerin und Illustratorin Jürg Randegger (1935–2023), Kabarettist und Fernsehmoderator, lebte in Hottingen
Sehenswürdigkeiten Das Schauspielhaus am Heimplatz (Pfauen) ist das wichtigste Sprechtheater der Stadt. Die 1902 bis 1905 erbaute evangelische Kreuzkirche mit ihrer imposanten Kuppel ist eine Kombination verschiedener Baustile vom Klassizismus bis zum Jugendstil. Das Gotteshaus mit Kreuz als Umriss liegt mitten im Wohn- und Schulquartier Hottingens. Das Kulturama an der Englischviertelstrasse ist ein Museum zur Evolutions- und Kulturgeschichte. Es zeigt Exponate der Paläontologie, um die Evolutionsbiologie von Mensch und Tier zu dokumentieren, widmet sich aber ebenso den frühen Hochkulturen. Im ehemaligen Atelier der Künstler Sigismund Righini, Willy und Hanny Fries an der Klosbachstrasse 150 werden seit 2013 regelmässig Ausstellungen gezeigt. Die Stiftung Righini-Fries bewahrt deren bildnerischen und schriftlichen Nachlässe.Stiftung Righini Fries Das Coninx-Museum an der Heuelstrasse beherbergt die Sammlung des Malers und Kunstsammlers Werner Coninx (1911–1980). The Dolder Grand gehört zu den exklusivsten Hotels der Stadt. Es ist seit der umfassenden Renovation durch den Architekten Norman Foster ein Gebäudekomplex, der historische und moderne Hotelarchitektur in sich vereint. Die Bircher-Benner-Klinik – das ehemalige Sanatorium des Birchermüesli-Erfinders Maximilian Oskar Bircher-Benner – gehört heute der Zurich Financial Services und dient anderen Zwecken. Die Gebäude an der Kelten- bzw. Köllikerstrasse sind erhalten. Sowohl der alte als auch der neue Hauptsitz der FIFA befinden sich in Hottingen: zuerst auf dem Sonnenberg, jetzt in der Nähe des Zoos.
Verkehr mini|Zeltweg 1779; Zeichnung von Johann Balthasar Bullinger Hottingen wird vom Stadtzentrum her durch die Tramlinien 3 und 8 der Verkehrsbetriebe Zürich erschlossen, ferner durch die Trolleybuslinie 31. Die höher gelegenen Gebiete des Quartiers sind mit der Tangential-Trolleybuslinie 33 sowie mit der Dolderbahn erreichbar. Der Kreuzplatz am südlichen Quartierrand ist zudem durch die Tramlinien 11 sowie durch die Forchbahn (S18) an den öffentlichen Verkehr angebunden. Der Adlisberg ist ab dem Römerhofplatz mit der Dolderbahn verbunden.
Hauptverkehrsachsen sind die Hottingerstrasse (welche beim Schauspielhaus beginnt und beim Römerhofplatz in die Asylstrasse übergeht) sowie die Bergstrasse (welche den Klusplatz mit der Kirche Fluntern verbindet). Eine weitere wichtige Verkehrsachse – die bereits die Quartiergrenze zu Riesbach bildet – ist die Kreuzbühl-/Forchstrasse (Verbindung vom Bahnhof Stadelhofen zum Hegibachplatz).
Literatur Sebastian Brändli u. a.: Hottingen. Von der ländlichen Streusiedlung zum urbanen Stadtquartier. Hg. vom Quartierverein Hottingen. Zürich 2000, ISBN 3-905647-11-7.
Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Hottingen. Zürich 2015 (online). Marius Winzeler, Günther Hauff: Die Kreuzkirche in Zürich-Hottingen (= Schweizerische Kunstführer, Band 547). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1994, ISBN 3-85782-547-2.
Weblinks
Website des Quartiervereins Hottingen Statistik & Daten: Hottingen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Stadtteil von Zürich Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Gemeindeauflösung 1892 Kategorie:Ersterwähnung 946