Kircheneidenfeld, eine Wüstung im Truppenübungsplatz Hohenfels, war ein Gemeindeteil des Marktes Lutzmannstein im Landkreis Parsberg.

Geographische Lage Der Weiler lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb etwa 6 km nordöstlich von Velburg auf ca. 480 m über NHN. Südlich dehnte sich am Fuß des Höhlenbergs (597 m ü. NHN) in West-Ost-Richtung ein Feuchtgebiet aus.

Geschichte Das Salbuch der Herrschaft Hohenfels von 1494 verzeichnete zwei Höfe in Kircheneidenfeld. 1538 erscheint der Ort als „Eurnfeld“ in einer Urkunde, in der die Grenze der Herrschaft Hohenfels beschrieben ist. Salbücher des 16. und 17. Jahrhunderts weisen aus, dass der Weiler niedergerichtlich nach Hohenfels, hochgerichtlich zur Herrschaft Lutzmannstein gehörte.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 155 f. Im Kartenwerk von Christoph Vogel von 1600 ist „Kircheneitenveld“ ebenfalls als Bestandteil der Hofmark/Herrschaft Lutzmannstein verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig (Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, 6). Kollersried 2016, S. 497 Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Kircheneidenfeld aus fünf Anwesen; das größte, ein Dreiviertelhof, war der Schlierfhof, zu dem auch die Filialkirche gehörte. Zwei der Höfe gehörten als Mannlehengut exterritorialen Untertanen des Pflegamtes Hohenfels.Jehle, S. 486 f., 491

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Lutzmannstein im Landgericht Parsberg (später Landkreis Parsberg) gebildet. Ihm gehörten neben dem Markt Lutzmannstein das Dorf Pielenhofen und die Weiler Breitenwinn, Grün, Judeneidenfeld und Kircheneidenfeld an.Jehle, S. 534, 553 Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstand die kleinere Ruralgemeinde Lutzmannstein, der 1830 die Weiler Judeneidenfeld und Kircheneidenfeld eingemeindet wurden. Über die gesamte Gemeinde übten die Freiherren von Giese/Gise die Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse mittels Gerichtshalter bis 1848 aus.Jehle, S. 545 Anschließend ging die Gerichtsbarkeit an das Landgericht Parsberg über.

Als 1951 für die US- und NATO-Truppen der Truppenübungsplatz Hohenfels geschaffen werden musste, genügte dafür nicht das Gebiet des ab 1838 geschaffenen, 1949 aufgelösten Heeresgutsbezirks Hohenfels. Der westlichen Erweiterung des neuen Truppenübungsplatzes mussten mehrere Gemeinden weichen, darunter auch die Gemeinde Lutzmannstein.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 173Jehle, S. 519 Durch Truppenübungen wurden alle acht Orte der Gemeinde Lutzmannstein, also auch Kircheneidenfeld mit seiner Filialkirche, nach der Absiedelung allmählich zur Wüstung. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde das gesamte Erweiterungsgebiet am 1. Oktober 1970 der Stadt Velburg zugeschlagen.

Gebäude- und Einwohnerzahlen 1830: 33 Einwohner, 6 HäuserKarl Friedrich Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 166 1835: 33 „Seelen“, 6 HäuserPopp, Th. D. (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 107 1861: 27 Einwohner, 13 GebäudeJoseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 796 1871: 22 Einwohner, 15 Gebäude, an Großviehbestand 1873 4 Pferde und 25 Stück Rindvieh 1900: 21 Einwohner, 3 Wohngebäude 1925: 23 Einwohner, 3 Wohngebäude 1938: 20 KatholikenBuchner II, S. 110 1950: 25 Einwohner, 5 Wohngebäude

Kirchliche Verhältnisse Kircheneidenfeld gehörte seit altersher (so um 1600)Frank/Paulus, S. 502 als Filiale zur katholischen Pfarrei Hohenfels im Bistum Regensburg. Am 15. Januar 1811 wurde sie zur Pfarrei St. Lucia zu Lutzmannstein im Bistum Eichstätt, Dekanat Velburg, umgepfarrt.Buchner II, S. 108 Die Kinder gingen im 19. und 20. Jahrhundert dorthin in die katholische Schule.Popp, S. 106 In Kircheneidenfeld gab es die Filialkirche zur hl. Maria, eine romanische Anlage im Besitz und in Verwaltung des Bauern Schlierf.Buchner II, S. 108 f., 111 Der Friedhof um die Kirche war für die Toten von Kirchen- und von Judeneidenfeld bestimmt. Die Protestanten gehörten um 1925 zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Neumarkt i. d. Opf., um 1950 zum exponierten Vikariat Parsberg.

Bau- und Bodendenkmäler Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde in der Wüstung sind unter D-3-6736-0074 in die Bayerische Bodendenkmalliste eingetragen.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Regierungsbezirk Oberpfalz, Landkreis Neumarkt i. d. Opf., Stadt Velburg, Bodendenkmäler, Stand 25. April 2020, S. 22 1963 war die Filialkirche noch weitgehend intakt. In den 1980er Jahren waren aber nur noch die Langhauswände erhalten und galten als Baudenkmäler.Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 164

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung in Velburg Kategorie:Ersterwähnung 1494