Die nachstehende Zeittafel zur Philosophiegeschichte ist eine zeitlich geordnete Liste ausgewählter Philosophen. Sie ermöglicht eine Schnellorientierung zur Geschichte der Philosophie. Zur Einführung in philosophisches Denken ist die Zeittafel ungeeignet, da sie nur verkürzende Stichwörter enthält. Tatsächliche Inhalte und Begründungen der einzelnen Positionen kann man nur in der Auseinandersetzung mit den einzelnen Philosophen und ihrem Werk erschließen. Die notwendig in Teilen willkürliche Einteilung in wichtige Perioden und Strömungen zeigt verwandte und historisch nahestehende Denkweisen zur Erklärung des Weltgeschehens auf. Durch den Verzicht auf Doppelnennungen kann es sein, dass Philosophen in einzelnen Gruppen bzw. Strömungen nicht aufgeführt werden, obwohl sie auch dort wichtige Beiträge geleistet haben.
Am Anfang eines jeden Abschnitts steht eine kurze Einführung zur Charakterisierung der gemeinsamen Inhalte der gebildeten Gruppen. Zu den einzelnen Philosophen werden wichtige Grundaussagen ihrer Philosophie und weitere inhaltliche Überlegungen thesenartig aufgeführt. Hier findet man auch Hinweise auf andere Bereiche, in denen der jeweilige Philosoph tätig war. Diese Schlagwörter haben die Funktion, Hinweise auf mögliche Ansätze zur Vertiefung des jeweiligen Themas zu geben. Darüber hinaus ermöglichen Angaben zu zeitnahen anderen historischen Ereignissen eine Einordnung in die allgemeine Geschichte.
Antike Die antike europäische Philosophie (griechisch φιλοσοφία) hat in Verbindung mit anderen Hochkulturen des Altertums (der hebräischen, ägyptischen, mesopotamischen und persischen) das Weltanschauungsspektrum des Abendlandes begründet. Im Mittelpunkt steht dabei ein diesseitiges Leben in Harmonie mit der kosmischen Ordnung. Dass ungefähr gleichzeitig mit dem Beginn der europäischen antiken Philosophie auch die Anfänge der indischen und chinesischen Philosophie zu verzeichnen sind, wird in dem Begriff der Achsenzeit erfasst. Vorsokratiker 600–400 v. Chr. Der Begriff Vorsokratiker gründet auf dem unberührten Diktum Marcus Tullius Ciceros, Sokrates habe die Philosophie vom Himmel auf die Erde geholt (s. Sokratische Wende). Die Vorsokratiker beschäftigten sich vor allem mit Naturphilosophie, Theogonie sowie Kosmogonie und formulierten die Grundfragen der Philosophie. Eine zentrale Frage, die – ähnlich den modernen Kosmologen – vor allem die älteren Vorsokratiker beschäftigte, war die nach der arché (; Arist. Met. I 3, 983 b8), dem Urgrund oder Anfang, aus dem alles entstanden ist. Die Suche galt vor allem dem, was ungeschaffen, anfangs- und endlos und unbewegt ist.
Ionische Naturphilosophie Der griechisch besiedelte kleinasiatische Ostrand der Ägäis mit der Hauptstadt Milet wurde zum Ausgangsbereich der antiken Philosophie. Hier beginnt die ionische Naturphilosophie. Diese setzten dem mythisch geprägten Weltbild der homerischen Epen eine naturphilosophische Welterklärung entgegen. Hierbei konzentrierte sich die Suche auf einen einzelnen (monistischen) Urgrund (Hylozoismus) Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte um 624–546 v. Chr. Thales von Milet Sagte Sonnenfinsternis voraus Wasser als Urstoff um 621 Gesetzgebung Drakons 594 Reform Solons um 610–547 v. Chr. Anaximander Erster Entwurf einer Kosmogonie Urstoff ist das räumlich und zeitlich Unbeschränkte (Apeiron): bereits Anaximander verwendete also einen über die Erfahrung hinausgehenden metaphysischen Erklärungsbegriff um 585–525 v. Chr. Anaximenes Der Kosmos ist in seiner Substanz von ewigem Bestand Urstoff (Arché) ist die Luft 560 Tyrannis des Peisistratos um 550 Peloponnesischer Bund um 499–428 v. Chr. Diogenes von Apollonia (Angesehener Arzt) hielt ähnlich wie Anaximenes Luft für den Urstoff Das Wesen der Seele ist dem Blut beigemischte Luft. Nous ist die Kraft, die das Universum ordnet und beherrscht und so Denken, Seele und Leben hervorbringt 494 Zerstörung Milets durch die Perser in der Schlacht von Lade Eleaten Die Eleaten stellten eine der ältesten philosophischen Schulen der griechischen Antike dar. Benannt ist sie nach der von Griechen gegründeten, an der westitalienischen Küste gelegenen Stadt Elea. Neben Fragmenten dienen vor allem Aristoteles (Metaphysik) und Simplikios als Quellen. Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte um 570–470 v. Chr. Xenophanes Die Menschen schufen die Götter, Gott aber ist ewig Wissen ist Vermutung, Wahrheit nicht erkennbar Aischylos (525–456) um 515–445 v. Chr. Parmenides Denken und Sein sind identisch Das Seiende ist unvergänglich Das Nichts kann auch nicht gedacht werden. Bewegung ist nur eine Illusion Physisches Geschehen ist „Meinung der Sterblichen“ 509–507 Reformen des Kleisthenes Pindar (518–446) um 490–430 v. Chr. Zenon von Elea Untersuchte das Raumzeit-Kontinuum Paradoxien, u. a. Achilles und die Schildkröte und das Pfeil-Paradoxon Sophokles (497–406) um 490–430 v. Chr. Melissos von Samos Nur Fragmente erhalten Das Sein ist nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unbegrenzt Andere Philosophen der Vorsokratik Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte um 540–480 v. Chr. Heraklit (Auch „Der Dunkle“ genannt) Das Gemeinsame der Welt ist das sich ewig wandelnde Feuer Der Logos ist das Eine, das im Wandel des Werdens Bestand hat (Panta rhei) Forderte für die Gesellschaft das Gesetz der Ordnung, das unter den Menschen ebenso wie in der Natur gelten soll Der Streit (polemos) ist der Vater aller Dinge (Dialektik) Das Wesen der Welt ist die unsichtbare Harmonie der Gegensätze 500 Beginn der Perserkriege um 499–428 v. Chr. Anaxagoras (Musste 434 Athen verlassen und gründete eine Schule in Lampsakos) Der Weltgeist (Nous) setzt die Welt aus winzigen Elementen zusammen Alle Erfahrungsdinge sind auf einfache Stoffe rückführbar. Der Untergang der Dinge ist Vergeltung von Unrecht. Astronom: Die Sonne ist ein rotglühender Stein. 490 Schlacht bei Marathon um 494–434 v. Chr. Empedokles Sein ist der Stoff und das Werden ist die Kraft Liebe und Hass sind die Urkräfte der vier Elemente (Stammwurzeln aller Dinge) Erde, Wasser, Luft und Feuer. 493–429 Perikles Pythagoreer → Siehe Liste bekannter Pythagoreer
Ausgangspunkt ist eine von Pythagoras in Kroton begründete, religionsähnliche Lebensgemeinschaft. Im weiteren Sinn sind damit alle gemeint, die seither Ideen des Pythagoras aufgegriffen und zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Weltbildes gemacht haben. Viele Angaben zu den Pythagoreern sind spekulativ. Schriftliche Berichte gibt es erst spät bei Iamblichos und Porphyrios. Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte um 580–500 v. Chr. Pythagoras Zahl als universelles Prinzip, z. B. in der Musik (vergleiche Pythagoras in der Schmiede) Die Erde hat Kugelgestalt um 500 v. Chr. Alkmaion Fehlende Harmonie verursacht Krankheit Das Gehirn ist das Organ der Wahrnehmung um 500 v. Chr. Hippasos von Metapont Entdeckte die Inkommensurabilität um 470–399 v. Chr. Philolaos von Kroton (Dokumentierte die Lehre des Pythagoras) Das Wesen der Dinge erkennt man erst, wenn man sie mathematisch beschreiben kann. um 428–347 v. Chr. Archytas von Tarent (Begründete die mathematische Mechanik) Die Zahl ist die Grundlage des Wissens um 400–335 v. Chr. Hiketas von Syrakus (Philosoph und Astronom) Die Erde rotiert um ihre Achse unsicher v. Chr. Ekphantos Subjektivist, die Erde rotiert um ihre Achse von West nach Ost Atomisten Der Atomismus bezeichnet eine kosmologische Theorie, der zufolge das Universum aus kleinsten Teilchen, den Atomen (griechisch átomos, das Unzerschneidbare, Unteilbare), zusammengesetzt ist. Diese wurden als diskret (d. h. voneinander trennbar), unendlich hart, unveränderlich und ewig gedacht. Spätere Atomisten waren Epikur und Lukrez Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte 5. Jahrhundert v. Chr. Leukipp (Begründer des Atomismus in der Schule von Abdera) Apeiron – das Unbegrenzte ist der leere Raum. Begrenzt ist nur (körperlich) Seiendes. Die wahrgenommenen Eigenschaften der Dinge sind nur Schein, der durch die Kombination der Atome entsteht, die sich gegenseitig anziehen und auch abstoßen. 460–371 v. Chr. Demokrit 60px Wahres Sein (Materie) besteht aus unteilbaren Atomen im leeren Raum In der Wahrnehmung ist die Wirklichkeit nur Erscheinung; diese hat aber eine Entsprechung zur wahren Welt. Die Atome haben nur quantitative Eigenschaften (Größe, Gewicht, Härte, Gestalt) Qualitative Eigenschaften (Farbe, Ton, Geruch, Geschmack) gibt es nur in der Erscheinung Auch die Seele ist atomistisch (Materialismus); sie besteht aus besonders feinen „Feueratomen“, durch die die Welt belebt ist. Von den Dingen gehen kleinste Abbilder (eidola = Bildchen) aus, die die Feueratome der Seele anstoßen und so Wahrnehmung erzeugen Das Denken entsteht als Zusammenstoßen der eidola als Repräsentationen der Dinge und der Feueratome der Seele. Das wahre Glück entsteht durch Maß und Harmonie, wenn die Feueratome nur sanft bewegt sind. Hippokrates von Kos (ca. 460–370) 5.–4. Jahrhundert v. Chr. Metrodoros von Chios Schüler von Demokrit gilt gelegentlich als Wegbereiter der Pyrrhonischen Skepsis war Historiker und Meteorologe 360–320 v. Chr. Anaxarch Schüler des Demokrit Begleitete Alexander Sophisten Als Sophisten ( sophistaí) bezeichnet man eine Gruppe von Philosophen, die als Lehrer der Weisheit und der schönen Rede z. T. gegen Bezahlung die Lehre der Sprechkunst, des Denkens und Prozessierens anboten. In den Hochzeiten der Sophistik haben ihre Vertreter die Menschen auf die Probleme des subjektiven Faktors im Erkennen und Werten hingewiesen, allerdings im Sinne eines Skeptizismus. In kritischer Sicht wurden Sophisten als „Wortverdreher“ betrachtet. Positiv bewertet kann man sie als Aufklärer des antiken Griechenland ansehen. Bei den Sophisten stand nicht mehr die Natur als Untersuchung im Vordergrund, sondern die Beziehungen der Menschen zueinander. Periode Philosoph Philosophie Allgemeine Geschichte um 490–411 v. Chr. Protagoras Stammte aus der Schule Leukipps Wahrheit gilt nur für den Wahrnehmenden (reiner Sensualismus) Es gibt über jeden Gegenstand zwei sich widersprechende Aussagen. „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ (Relativismus) Religion und Staat sind natürliche Bedürfnisse Gerechtigkeitssinn und sittliche Scheu sind Gaben der Götter. 480 Schlacht von Salamis 480–411 v. Chr. Antiphon Verfasser von Gerichtsreden 477 1. Attischer Seebund um 480–380 v. Chr. Gorgias Berühmter Rhetoriker; es gibt kein Sein (Nihilismus) um 480–380 v. Chr. Hippias Arbeitete an der Quadratur des Kreises Gesetze sind von Menschen gemacht und deshalb nicht allgemeingültig. Herodot (484–425) um 465–399 v. Chr. Prodikos Stellte die Ethik in den Mittelpunkt 449 Kalliasfrieden 5. Jahrhundert v. Chr. Xeniades es gibt keine wahren Urteile und alle Aussagen der Menschen sind falsch. unsicher (5. Jahrhundert) v. Chr. Archelaos Schüler von Anaxagoras Das Gerechte und das Schädliche sind Produkt der Konvention. um 460–403 v. Chr. Kritias Athenischer Politiker, Philosoph und Dichter Moralischer Relativismus Der Glaube an die Götter beruht auf guter Staatskunst. um 450 v. Chr. Thrasymachos „Gerechtigkeit ist der Nutzen des Stärkeren“ (Zitat in Platons Politeia) um 436–338 v. Chr. Isokrates Betrieb eine Rhetorikschule † um 375 v. Chr. Alkidamas Schüler des Gorgias wandte sich gegen die Sklaverei um 400 bis um 350 v. Chr. Lykophron Soll Rechtsordnung als Ausgleich von Interessen aufgefasst haben (Arist. Pol. III 9, 1280 b11) Es gibt keine hoch und niedrig Geborenen. Griechische Klassik 450–300 v. Chr. Die drei großen Athener