Judeneidenfeld, eine Wüstung im Truppenübungsplatz Hohenfels, war ein Gemeindeteil des Marktes Lutzmannstein im Landkreis Parsberg.

Geographische Lage Der Weiler lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb etwa 7 km nordöstlich von Velburg auf ca. 480 m über NHN in der Flur „Oberes Hart“.

Verkehr Judeneidenfeld lag an einer von Velburg nach Hohenburg führenden Straße.

Geschichte Nordwestlich der Wüstung ist auf dem Höhenzug Vogelherd auf 573 m ü. NHN ein nicht bezeichneter Burgstall feststellbar.

Der Ortsname geht eventuell auf die Ansiedelung von Juden in der Oberpfalz durch Pfalzgraf Ruprecht I. im 14. Jahrhundert zurück.Jehle, S. 285 Im Kartenwerk von Christoph Vogel von 1600 ist „Judeneitenfeld/Judeneittenveld/-feld“ als Bestandteil der Hofmark/Herrschaft Lutzmannstein verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig (Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, 6). Kollersried 2016, S. 409, 433 f. Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Judeneidenfeld aus vier Anwesen, nämlich zwei Halbhöfen (Fischer und Fischers Witwe), einem Viertelhof (Mayer) und dem gemeindlichen Hirtenhaus.Jehle, S. 488 1808 gab es im Weiler fünf Untertanen; einer gehörte zum Spitalamt Amberg und je zwei zu Lutzmannstein und Allersburg.Neuburger Taschenbuch für 1808, 2. Jahrgang, Neuburg an der Donau, S. 202

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Lutzmannstein im Landgericht Parsberg (später Landkreis Parsberg) gebildet. Ihm gehörten neben dem Markt Lutzmannstein das Dorf Pielenhofen und die Weiler Breitenwinn, Grün, Judeneidenfeld und Kircheneidenfeld an.Jehle, S. 534, 553 Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstand die kleinere Ruralgemeinde Lutzmannstein, der 1830 die Weiler Judeneidenfeld und Kircheneidenfeld eingemeindet wurden. Über die gesamte Gemeinde übten die Freiherren von Giese/Gise die Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse mittels Gerichtshalter bis 1848 aus.Jehle, S. 545 Anschließend ging die Gerichtsbarkeit an das Landgericht Parsberg über.

Als 1951 für die US- und NATO-Truppen der Truppenübungsplatz Hohenfels geschaffen werden musste, genügte dafür nicht das Gebiet des ab 1838 geschaffenen, 1949 aufgelösten Heeresgutsbezirks Hohenfels. Der westlichen Erweiterung des neuen Truppenübungsplatzes mussten mehrere Gemeinden weichen, darunter auch die Gemeinde Lutzmannstein.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 173Jehle, S. 519 Durch Truppenübungen wurden alle acht Orte der Gemeinde Lutzmannstein, also auch Judeneidenfeld mit seiner Dorfkapelle, nach der Absiedelung allmählich zur Wüstung. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde das gesamte Erweiterungsgebiet am 1. Oktober 1970 der Stadt Velburg zugeschlagen.

Gebäude- und Einwohnerzahlen 1600: 4 HerdstättenFrank/Paulus, S. 453 1808: 21 „Seelen“, 5 Häuser, 2 Pferde, 2 OchsenNeuburger Taschenbuch 1808, S. 202 1830: 32 Einwohner, 5 HäuserKarl Friedrich Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 165 1835: 28 „Seelen“, 5 HäuserPopp, Th. D. (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 107 1861: 26 Einwohner, 11 Gebäude, KircheJoseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 796 1871: 24 Einwohner, 13 Gebäude, an Großviehbestand 1873 29 Stück Rindvieh 1900: 28 Einwohner, 4 Wohngebäude 1925: 29 Einwohner, 4 Wohngebäude 1938: 36 KatholikenBuchner II, S. 110 1950: 26 Einwohner, 4 Wohngebäude

Kirchliche Verhältnisse Judeneidenfeld gehörte seit altersher (so um 1600)Frank/Paulus, S. 453 zur katholischen Pfarrei Hohenfels im Bistum Regensburg, seit 15. Januar 1811 zu der Pfarrei St. Lucia zu Lutzmannstein im Bistum Eichstätt, Dekanat Velburg-Buchner II, S. 108 Die Kinder gingen im 19. und 20. Jahrhundert dorthin in die katholische Schule.Popp, S. 106 In Judeneidenfeld gab es eine Dorfkapelle zur hl. Maria im Eigentum des Bauern Braun.Buchner II, S. 111 Die Protestanten gehörten um 1925 zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Neumarkt i. d. Opf., um 1950 zum exponierten Vikariat Parsberg.

Bau- und Bodendenkmäler Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde in der Wüstung sind unter D-3-6736-0088 in die Bayerische Bodendenkmalliste eingetragen.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Regierungsbezirk Oberpfalz, Landkreis Neumarkt i. d. Opf., Stadt Velburg, Bodendenkmäler, Stand 25. April 2020, S. 23

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung in Velburg Kategorie:Ersterwähnung 1600