Breitenwinn, eine Wüstung im Truppenübungsplatz Hohenfels, war ein Gemeindeteil des Marktes Lutzmannstein im Landkreis Parsberg.

Geographische Lage Der Weiler lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb etwa 5 km nordöstlich von Velburg auf ca. 498 m über NHN im Breitenwinner Tal, südöstlich des 593 m hohen Steinerbergs und nördlich des 596 m hohen Schleicherbergs.

Verkehr Breitenwinn lag an einer von Velburg nach Hohenburg führenden Straße.

Geschichte In der über 600 m langen 1535 erstmals erforschten Breitenwinner (Tropfstein-)Höhle (auch „Kastner-Höhle“ genannt nach dem Besitzer von ca. 1920) wurden Funde der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit gemacht. Auch wurden menschliche Skelettreste gefunden.Jehle, S. 3

Als einer der nahe beieinander liegenden „-winn-Orte“ wird Breitenwinn in karolingischer Zeit als Ansiedelung slawischer Kriegsgefangener durch den Königshof Lauterhofen entstanden sein.Jehle, S. 3 Im Salbuch der Herrschaft Lutzmannstein erscheint der Ort 1428 mit einem Hof, 1502 als „Praittenwinden“ mit zwei zinspflichtigen Anwesen, 1544 mit drei Anwesen.Jehle, S. 174, 178, 276 Im Kartenwerk von Christoph Vogel von 1600 ist „Braitenwinn“ als Bestandteil der Herrschaft Lutzmannstein verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig (Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, 6). Kollersried 2016, S. 434Jehle, S. 285 Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand Breitenwinn aus 6 Anwesen, nämlich 2 Ganzhöfen (Fischer und Schaller), 2 Gütl (zum Schallerhof gehörend) und 2 Häusl sowie einem gemeindlichen Hirtenhaus.Jehle, S. 486

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Lutzmannstein im Landgericht Parsberg (später Landkreis Parsberg) gebildet. Ihm gehörten neben dem Markt Lutzmannstein das Dorf Pielenhofen und die zwei Weiler Breitenwinn, Grün an.Jehle, S. 534, 553 Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstand, um Pielenhofen und Grün verkleinert, die Ruralgemeinde Lutzmannstein, der 1830 die Weiler Judeneidenfeld und Kircheneidenfeld eingemeindet wurden. Über die gesamte Gemeinde übten die Freiherren von Giese/Gise die Patrimonialgerichtsbarkeit II. Klasse mittels Gerichtshalter bis 1848 aus.Jehle, S. 545 Anschließend ging die Gerichtsbarkeit an das Landgericht Parsberg über. 1893 zerstörte ein Großfeuer „acht Firste“.Indiana Tribüne, Indianapolis, 22. Mai 1893, S. 4

Als 1951 für die US- und NATO-Truppen der Truppenübungsplatz Hohenfels geschaffen werden musste, genügte dafür nicht das Gebiet des ab 1838 geschaffenen, 1949 aufgelösten Heeresgutsbezirks Hohenfels. Der westlichen Erweiterung des neuen Truppenübungsplatzes mussten mehrere Gemeinden weichen, darunter auch die Gemeinde Lutzmannstein.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 173Jehle, S. 519 Durch Truppenübungen wurden alle acht Orte der Gemeinde Lutzmannstein, also auch Breitenwinn mit seiner Dorfkapelle, allmählich zur Wüstung. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde das gesamte Erweiterungsgebiet am 1. Oktober 1970 der Stadt Velburg zugeschlagen.

Gebäude- und Einwohnerzahlen 1808: 33 „Seelen“, 4 Häuser, 4 Pferde, 4 OchsenNeuburger Taschenbuch für 1808, 2. Jahrgang, Neuburg an der Donau, S. 198 1835: 35 „Seelen“, 6 HäuserPopp, Th. D. (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 106 181: 18 Einwohner, 10 Gebäude, KircheJoseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 796 1871: 29 Einwohner, 13 Gebäude, an Großviehbestand 1873 2 Pferde, 26 Stück Rindvieh 1900: 21 Einwohner, 4 Wohngebäude, 1925: 22 Einwohner, 4 Wohngebäude 1938: 19 KatholikenBuchner II, S. 110 1950: 24 Einwohner, 4 Wohngebäude

Kirchliche Verhältnisse Breitenwinn gehörte zur katholischen, zum 1. Februar 2020 aufgelösten Pfarrei St. Lucia zu Lutzmannstein im Bistum Eichstätt, Dekanat Velburg, die von 1675 bis 1758 mit der Pfarrei Pielenhofen im Bistum Regensburg vereint war.Buchner II, S. 107Jehle, S. 222, 269 Die Dorfkapelle St. Maria von Breitenwinn wurde 1850 geweiht.Buchner II, S. 111 Die Protestanten gehörten um 1925 zur evangelisch-lutherischen Pfarrei Neumarkt i. d. Opf., um 1950 zum exponierten Vikariat Parsberg.

Bau- und Bodendenkmäler Die Grundmauern eines Rechteckbaus in der Wüstung haben in der Bayerischen Baudenkmälerliste die Nr. D-3-73-167-120Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 164 Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde in der Wüstung sind unter D-3-6736-0085 in der Bayerischen Bodendenkmalliste eingetragen. Die Kastnerhöhle ist unter der Nr. D-3-6736-0052 eingetragen.

Literatur

Einzelnachweise

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