mini|hochkant=1.5|Blick auf Lößnitz
Die Bergstadt Lößnitz (von altsorbisch Lěśnica für Waldbach)Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 620, ISBN 3-05-003728-8. im Erzgebirge, auf Grund des Alters auch Muhme genannt, ist eine Stadt im Erzgebirgskreis, Sachsen, Deutschland und gehört zum Städtebund Silberberg.
Geografie Lößnitz ist eine Kleinstadt im westlichen Teil des Erzgebirges und gehört seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zum Erzgebirgskreis. Sie liegt, eingebettet von bewaldeten Höhenzügen, in einem langgezogenen Tal in ca. 432 m Höhe über NN.
Ortsteile Affalter (seit dem 1. Januar 1999)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Dittersdorf (seit dem 1. Februar 1974)Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Grüna (seit dem 1. Februar 1974 Ortsteil von Affalter) Streitwald (seit 1. April 1939 Ortsteil von Affalter) Niederlößnitz (seit 1898) Dreihansen (galt im Jahre 1791 als eigenständige Gemeinde) +OrtsteilBevölkerung (31.12.14)Lößnitz Stadt6.812 (davon 2.880 in Niederlößnitz)Affalter1.074Grüna103Streitwald339Dittersdorf300Dreihansen218
Nachbargemeinden
Geschichte Zwischen der Gründung 1170 und dem Ende des Mittelalters Lößnitz geht auf eine Gründung der Meinheringer (spätere Burggrafen zu Meißen) im Jahr 1170 zurück. In einer Urkunde aus dem Jahr 1284 wurde sie als Civitas bezeichnet. Der Name der Stadt entwickelte sich aus dem altsorbischen Wort Lesnica für Waldbach.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 187 Als „Lesnitz, dem Waldort“ taucht der Ort bereits 1238 urkundlich auf. Auf Lößnitzer Flur befindet sich Sebottendorf, welches 1286 wüst fiel.
In dem ersten Jahrhundert nach der Stadtgründung war in Lößnitz eine Münze des Stadtherren, des Burggrafen von Meißen, ihr Münzmeister zu Lößnitz ist 1286 bezeugt. (Lößnitzer Brakteat)
Die Geschichte von Lößnitz ist in ihrer Anfangszeit eher spekulativ: Ein im Jahr 1304 erwähnter Schulmeister führte zu der Vermutung, dass die Lößnitzer Lateinschule mindestens seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts besteht. Der 1372 genannte erste Bürgermeister Hermann von Buten erlaubt die Annahme, dass zu dieser Zeit bereits ein Rathaus bestanden haben muss.
Als „civitas“ 1284 erwähnt, deren Weichbildrecht Kaiser Ludwig 1338 bestätigte. Das Brauwesen als Bestandteil des Weichbildrechts übten 141 Lößnitzer Bürger innerhalb der Stadtmauer als Brauconsortschaft in Form des Reiheschank bis 1871 (Reichsgründung) aus.
1284 Lößnitzer Brauwesen Braumeister 1286 Münzmeister 1304 Rector Scholarum Schulmeister 1372 1 Bürgermeister benannt 1382 Privilegien von Meinherr VI für Bergbau > 1559 Lößnitzer Bergamt und Bergmeister (Alte Bergstadt)
Lößnitz verdankt seine Entwicklung dem früh beginnenden Salzhandel, durch den Ort führte die Salzstraße von Halle über Zwickau und Hartenstein nach Böhmen. Der Burggraf zu Meißen hatte Lößnitz im Jahr 1388 das Salzprivileg verliehen. Das bedeutete, die durchziehenden Kaufleute mussten ähnlich dem Niederlagsrecht einen Teil ihrer Waren feilbieten. Das eingenommene Geld durfte nur für den Stadtausbau verwendet werden. Nach Abzug des Salzzehnten an die Obrigkeit blieb der Stadt zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein jährlicher Gewinn von 63 Scheffel aus dem Verkauf des Salzes, das entsprach etwa 80 Zentner Salz. (Ein Kilogramm Salz hatte zu dieser Zeit den Wert eines Groschens, was etwa dem Wochenlohn eines Bergmannes entsprach.) Mit den Einnahmen aus dem Salzhandel leistete sich die Stadt unter anderem eine mächtige Stadtmauer mit drei Türmen.
Im Jahr 1382 wurde Lößnitz Bergstadt. Doch noch zum Ende des 14. Jahrhunderts brannte es bis auf die Stadtmühle vor den Toren komplett nieder. Im Jahr 1406 erwarb Graf von Schönburg die Grafschaft Hartenstein und machte Lößnitz zu deren Hauptort. Auf Bitten von Ernst von Schönburg privilegierten Kurfürst Albrecht und Herzog Ernst von Sachsen die Stadt 1483 mit dem Recht eines Jahrmarktes am Sonntag nach Liebfrauen.
1542 hatte die Reformation Lößnitz erreicht. Hier fanden in den 1580er Jahren Hexenprozesse statt. Während dieser Hexenverfolgung wurden im Jahr 1583 der Wagner Christoph Brühl und seine Frau umgebracht: Der Mann wurde gehenkt, die Frau unter dem Vorwurf des Schaden- und Wetterzaubers verbrannt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 511f.
17. Jahrhundert bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Zwischen 1601 und 1607 bauten die Bürger ihr bisheriges Rathaus um, zunächst war ein neues Portal fertiggestellt. Allerdings fielen das Rathaus, die Kirche, das Pfarr- und Schulgebäude und weitere 108 Häuser im Jahr 1616 der „Roten Ruhr“ (wie dieser Stadtbrand genannt wurde) zum Opfer. In den Folgejahren hatte die Stadt mit Plünderungen, der Pest und einem erneuten Stadtbrand zu kämpfen.
Neben der wiederaufgebauten mittelalterlichen St. Johanniskirche wurde 1714 die barocke Hospitalkirche St. Georg eingeweiht.
Am 10. Dezember 1806 fielen das Rathaus, Pfarr- und Schulgebäude, das Brau- und Malzhaus sowie 182 Häuser und 16 Scheunen dem Feuer zum Opfer. Mitten in dem gerade begonnenen Wiederaufbau setzte ein Blitzeinschlag 1809 wieder große Teile der Stadt in Brand. Von den bei diesem Stadtbrand zerstörten 104 Häusern waren 26 gerade erneuerte Gebäude dabei. Die alte Stadtpfarrkirche St. Johannis wurde abgerissen und als steinerner Bau neu errichtet. Am 29. Oktober 1826 wurde sie als Haupt- und Stadtkirche eingeweiht. Spätere Brände zerstörten die Hospitalkirche, die bis 1862 erneuert wurde.
Nachdem die städtische Gerichtsbarkeit an das Haus Schönburg abgetreten worden war, entstand 1861 das „Fürstlich Schönburgische Justizamt Stein“. Infolge der Übernahme der schönburgischen Fürstentümer durch das Königreich Sachsen 1878 erhielt Lößnitz ein Königlich-Sächsisches Amtsgericht, das bis 1931 bestand.
Durch königliches Dekret vom 11. Oktober 1851 wurde am 3. Januar 1852 die Lößnitzer Sparkasse im Rathaus eröffnet. Verzinst wurden die Spareinlagen mit 3 %.
Das erste Geschäftsjahr wies einen Einlagenbestand von 4904 Talern aus.
Im Ersten Weltkrieg wurden 1917 die Bronze-Glocken der St. Johanniskirche und der Hospitalkirche eingeschmolzen. Bis zum Jahr 1920 erhielt die St. Johanniskirche drei neue Glocken. Im Jahre 1939 installierte man in der Turmlaterne der Kirche ein aus 23 Bronzeglocken bestehendes Glockenspiel.
mini|Rathaus Lößnitz, Gedenktafel Rudolf Weber Als das Ende des Zweiten Weltkriegs abzusehen war, wollte der Zweite Bürgermeister Rudolf Weber am 20. April 1945 die Stadt den Amerikanern kampflos übergeben, woraufhin ihn die in der Stadt präsente Waffen-SS standrechtlich erschießen ließ.Gisela Reller: Die Lebenden und der Tote, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 47 Zu seinen Ehren ließ die Lößnitzer Stadtverwaltung später am Rathaus eine Gedenktafel anbringen. Zwischen 1985 und 1992 entstand am Rande der Stadt ein großes Siedlungsgebiet, in dem im 21. Jahrhundert fast die Hälfte der Bevölkerung lebt.
Der älteste Schnitzverein im Erzgebirge ist in Lößnitz und wurde am 12. Januar 1879 gegründet („Lößnitzer Schnitz- und Bergverein e. V.“Website des Lößnitzer Schnitz- und Bergvereins e. V.).
Handwerksinnungen in Lößnitz (nach Oesfeld) Innungsladen und Briefe im Lößnitzer Stadtarchiv Fleischhauer 1645 Tuchmacher 1487 Schuhmacher 1475 Böttcher, Wagner, Drechsler, Fleischhauer, Schmiede, Schlosser, Büchsenmacher 1640 Zeug- und Leinweber 1650 Maurer, Zimmerleute, Schieferdecker, Glaser 1695 Huf-, Waffen-, Büchsenschmiede, Schlosser,Nagelschmiede 1689 Bäcker 1475 Schneider 1550 Posamentierer 1728 Messer- und Nagelschmiede 1369
Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen (ab 1982) beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007: 1546 bis 1939 1546: 675 1715 1800 1815 3194 1871: 5.332 1890: 5.886 1910: 7.378 1925: 7.742 1939: 7.4811946 bis 1986 1946: 7.786 1950: 9.488 1964: 8.542 1982: 8.876 1983: 8.780 1984: 8.724 1985: 8.648 1986: 8.5001987 bis 1994 1987: 8.484 1988: 10.205 1989: 11.620 1990: 12.270 1991: 12.951 1992: 13.098 1993: 13.056 1994: 12.8011995 bis 2002 1995: 12.555 1996: 12.302 1997: 12.041 1998: 11.760 1999: 11.527 2000: 11.262 2001: 11.068 2002: 10.7692003 bis 2013 2003: 10.601 2004: 10.479 2005: 10.374 2006: 10.184 2007: 10.035 2009: 9.619
2012: 9.142 2013: 8.9852014 bis 2017: 8559 2018: 8389 Quellen: Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (1546–1964), Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (ab 1982)
Das Maximum der Einwohnerzahlen lag in der Mitte der 1990er Jahre, nachdem durch das damals erst neu fertig gestellte Wohngebiet aus Gründen der Wohnungsnot im Altlandkreis Aue viele aus den umliegenden Orten zuzogen. Dieser Trend kehrte sich doch relativ schnell um, da in den Herkunftsorten auch neuer moderner Wohnraum entstand. So gingen viele wieder zurück. Einige wechselten aufgrund der Arbeitsstelle auch in die alten Bundesländer.
Niederlößnitz Der heutige Ortsteil Niederlößnitz war ursprünglich ein Bauerndorf unterhalb des Zuflusses des Aubaches in den Lößnitzbach. Aus dem Jahr 1497 stammt die erste bekannte Nennung des Ortes als Niderlesenitzs. Zirka 100 Jahre später zählte der Ort bereits 6 besessene Mann. Eines der Güter war vom Frondienst freigestellt und diente als herrschaftliches Jagdhaus. A. Schuhmann erwähnte 1820 in seinem Lexikon zwei Mahlmühlen sowie eine Papiermühle. Die Papiermühle, welche zuvor ein Zain- und Waffenhammer gewesen sein soll, brannte jedoch 1808 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts (1875) wurde die Bahnlinie zwischen Chemnitz und Aue in Betrieb genommen, an welcher 1885 die Haltestelle Unterer Bahnhof eröffnet wurde. Nach dem Bau des Bahnhofs entstanden Häuserviertel und Industriebauten, was letztendlich die Eingemeindung des Waldhufendorfes Niederlößnitz zur Stadt Lößnitz im Jahr 1898 zur Folge hatte.
Politik mini|hochkant|Rathaus Lößnitz
Stadtratswahl am 12. Juni 1994 CDU: 8 Sitze SPD: 6 Sitze DSU: 1 Sitz PDS: 2 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz Stadtratswahlen am 13. Juni 1999 CDU: 14 Sitze SPD: 4 Sitze PDS: 3 Sitze Wählervereinigung Affalter: 1 Sitz Stadtratswahlen 13. Juni 2004 CDU: 13 Sitze SPD: 2 Sitze PDS: 5 Sitze Wählervereinigung Affalter: 2 Sitze Stadtratswahlen 7. Juni 2009 CDU: 9 Sitze Die Linke: 3 Sitze SPD: 2 Sitze Wählervereinigung Affalter: 2 Sitze FDP: 1 Sitz NPD: 1 Sitz Stadtratswahlen am 25. Mai 2014 CDU: 8 Sitze Die Linke: 4 Sitze Wählervereinigung Affalter: 3 Sitze SPD: 3 Sitze Stadtratswahlen am 26. Mai 2019 CDU: 6 Sitze AfD: 3 Sitze (1 unbesetzt) MHERZ: 3 Sitze Die Linke: 3 Sitze Wählervereinigung Affalter: 2 Sitze SPD: 1 Sitz Stadtratswahlen am 9. Juni 2024 CDU: 5 Sitze Muhme vereint: 4 Sitze Freie Sachsen: 3 Sitze MHERZ: 2 Sitze Förderverein Kindergarten, Schule. Hort Affalter e. V.: 2 Sitze Die Linke: 1 Sitz SPD: 1 Sitz
Stadtrat Der Gemeinderat besteht aus 18 gewählten Mitgliedern. Die nachfolgende Aufteilung ist das Ergebnis der Kommunalwahl 2024.Öffentliche Bekanntmachung des endgültigen Wahlergebnisses und der Namen der gewählten Bewerberinnen und Bewerber sowie Ersatzpersonen der Stadtratswahl der Stadt Lößnitz am 09.06.2024, auf stadt-loessnitz.de, abgerufen am 9. Juli 2024
Bürgermeister Bürgermeister der Stadt Lößnitz mit ihren Amtszeiten seit dem Jahr 1372:Stadtarchiv Lößnitz
nachweislich Nachfahren bis heute / Die Bürgermeister Hans und Oswald Günther sind Ahnen vieler heutiger Lößnitzer, auch des Bürgermeisters Gotthard Troll sowie seines Sohnes Alexander.