Die BR-Klasse 20, auch bekannt als English Electric Type 1, ist eine Klasse dieselelektrischer Lokomotiven der British Rail (BR), die für den Einsatz vor leichten Güterzügen beschafft wurden. Zwischen 1957 und 1968 wurden insgesamt 228 Lokomotiven in zwei Lieferlosen von English Electric gebaut. Ursprünglich trugen die Lokomotiven die Nummern D8000 bis D8199 und D8300 bis D8327. Die meisten Lokomotiven sind ausgemustert, 2024 waren aber immer noch sechs im regulären Einsatz. 22 Lokomotiven sind bei Museumsbahnen erhalten. Die Lokomotiven erhielten den Spitznamen Choppers, da ihr einzigartiges Motorgeräusch unter Last an einen Hubschrauber erinnert. Seltener wird auch Bombs als Spitzname für die Lokomotiven verwendet.
Geschichte Die vier großen britischen Bahngesellschaften experimentierten bereits vor der Verstaatlichung von 1948 mit Diesellokomotiven. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Gesellschaften jedoch knapp bei Kasse, so dass keine Diesellokomotiven für den Streckeneinsatz entwickelt werden konnten. Nach ihrer Gründung 1948 bemühte sich British Railways, den Bahnbetrieb zu modernisieren, und suchte nach einer zuverlässigen, leistungsstarken Diesellokomotive für das Führen von gemischten Güterzügen, die als Type 1 bezeichnet wurde. Ende der 1950er Jahre erhielten insgesamt 14 Hersteller die Möglichkeit, Prototypen für den zukünftigen Type 1 zu bauen, darunter auch British Thomson-Houston, die die BR-Klasse 15 baute, und die North British Locomotive Company mit der BR-Klasse 16. Die erfolgreichste Lokomotive war die Type 1 von English Electric, die in einer Vorserie von 20 Stück mit den Nummern D8000 bis D8019 gebaut wurde. Sie verfügte über einen zuverlässigen Antrieb, war mit einer Vielfachsteuerung ausgerüstet und bot durch den Endführerstand ohne kurzen Vorbau im Vergleich mit den anderen Prototypen die beste Sicht auf die Strecke. English Electric ließ die Lokomotiven in der ehemaligen Vulcan Foundry und bei Robert Stephenson and Hawthorns (RSH) fertigen. Lokomotiven, die dem English Electric Type 1 unterlegen waren
Die Class 20 konnte auf dem ganzen Streckennetz der BR eingesetzt werden und galt Mitte der 1960er Jahre als eine der zuverlässigsten Diesellokomotiven von British Railways. Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße führte jedoch zu einer Überzahl leistungsschwächerer Diesellokomotiven. Die Lokomotiven der BR-Klasse 20 konnten jedoch in Mehrfachtraktion arbeiten und so auch schwereren Verkehr bewältigen. Die meisten verbrachten den größten Teil ihrer Nutzungsdauer paarweise Vorbau an Vorbau gekuppelt, um eine stärkere Einheit mit einer Leistung von 1490 kW (1500 hp) zu bilden, die mit den beiden außenliegenden Führerständen auch eine bessere Streckensicht boten. Sie bespannten oft die von Beeching eingeführten Ganzzüge mit Selbstentladewagen für den Kohletransport. Im Rahmen der Rationalisierung des Triebfahrzeugeinsatzes in den 1970er und 1980er Jahren waren die Lokomotiven der Klasse 20 eine der wenigen Lokomotivbaureihen, die umfassend modernisiert wurden.
Nach der Einführung von Betriebssektoren bei British Railways in den 1980er Jahren wurden die meisten Lokomotiven der Klasse 20 der Güterverkehrssparte Railfreight zugeteilt. Sie wurden jedoch ab Mitte der 1980er Jahre nach und nach ausgemustert. Einige kamen beim Bau des Kanaltunnels und der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1 zum Einsatz. Außerdem gelangten einige nach Frankreich, wo sie für verschiedene Zwecke eingesetzt wurden. Auch Direct Rail Services (DRS) setzte viele Lokomotiven der Klasse 20 vor Spezialzügen für den Transport von abgebrannter Brennelemente ein. Später erwarb die Harry Needle Railroad Company einige der DRS-Lokomotiven, die für den Transport neuer U-Bahn-Züge von den Herstellern zur Londoner U-Bahn eingesetzt wurden.
2024 waren die meisten Lokomotiven der Klasse 20 ausgemustert oder bei Museumsbahnen untergebracht; das Bauunternehmen Balfour Beatty und die auf den Transport von Schienenfahrzeugen spezialisierte RailAdventure setzen jedoch weiterhin sechs Lokomotiven im Streckendienst ein.
Technik mini|Innenansicht des Führerstandes mini|Dieselmotor EE 8 SVT Mk II Die vierachsigen, 73 Tonnen schweren Diesellokomotiven haben eine Leistung von 745 kW (1000 hp) und können eine Geschwindigkeit von 120 km/h (75 mph) erreichen. Sie sind für den leichten Güterverkehr ausgelegt und verfügen über keine Zugheizung. Im Gegensatz zu den meisten britischen Diesellokomotiven, bei welchen die technische Ausrüstung in einem Maschinenraum untergebracht ist, ist die technische Ausrüstung bei den Lokomotiven der Klasse 20 unter einem langen Vorbau untergebracht, an dessen hinterem Ende der Führerstand anschließt.
Diese Anordnung führte zu eingeschränkten Sichtverhältnissen ähnlich wie bei einer Dampflokomotive bei Fahrten mit dem Vorbau voraus, ergibt aber bei Rückwärtsfahrt eine freie Sicht auf die Strecke. Aus diesem Grund war es üblich, die Lokomotiven paarweise mit den Vorbauten gegeneinander zu kuppeln, sodass in beiden Fahrtrichtungen mit dem Führerstand voraus gefahren werden konnten. Die Lokomotiven waren von Beginn an mit einer Vielfachsteuerung ausgerüstet, die auch mit den Lokomotiven der Klassen 31, 37 und 40 kompatibel war. Betreiber, die ihre Lokomotiven regelmäßig einzeln einsetzten, ließen auf der Vorbauseite Videokameras montieren, um bei Fahrten mit dem Vorbau voraus eine bessere Streckensicht zu haben.
Der Dieselmotor des Typs 8SVT Mk II ist ein Achtzylinder-V-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühler. Er treibt den Hauptgenerator EE 819-3C und den Hilfsgenerator EE 911-2B an, beide ebenfalls von English Electric.
Ausführung der Fahrzeugenden In Großbritannien wurden zur Zeiten des Dampfbetriebs weiße Signalscheiben als Spitzensignal, den sogenannten Headcode, verwendet, um dem Stellwerkpersonal die Gattung des Zuges oder dessen Laufweg anzuzeigen. Die Lokomotiven der Klasse 20 waren bis zur Nummer D8128 mit faltbaren Signalscheiben ausgestattet. Ab 1960 erhielten die Lokomotiven Kästen mit Rollbandanzeigen, die einen vierstelligen alphanumerischen Code darstellen konnten. Ab 1976 wurden die Headcodes nicht mehr verwendet. Seite Ausführungmit Signalscheiben Ausführung mitRollbandanzeige Ausführung mitdeaktivierterRollbandanzeige Ausführung mitflachen EndenNr. 1120px120px120px120pxNr. 2120px120px120px120px
Ähnliche Lokomotiven Die Lokomotiven der Baureihe 1400 der Portugiesischen Staatsbahn (CP), sowie die Klasse G der Midland Railway of Western Australia (MRWA) basieren auf der BR-Klasse 20.
Unterklassen mini|Lokomotive der Unterklasse 20/3 von DRS mini|Kanalreinigungszug der Balfour Betty mit zwei Lokomotiven der Klasse 20/9 20/0: normale Version ohne Änderungen 20/3 (BR): Acht Lokomotiven mit den Nummern 20 301 bis 20 308, die 1986 von der BR-Werkstatt in Toton, Broxtowe für Schottertransporte aufgearbeitet wurden, wobei die Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h (60 mph) herabgesetzt wurde. 20/3 (DRS): 15 Lokomotiven mit den Nummern 20 301 bis 20 315, die in den 1990er Jahren durch Brush Traction (5 Lokomotiven, 1995) und Wabtec (10 Lokomotiven, 1998) aufgearbeitet wurden. Alle Lokomotiven erhielten glatte Stirnwände mit der Steckdose des Vielfachsteuerkabels in der Mitte, eine neue Führerstandausstattung und neue Seitenfenster im Führerhaus sowie eine moderne Außenbeleuchtung. Zudem wurde die Vakuumbremse entfernt. Die von Brush umgebauten Lokomotiven hatten eine auf 100 km/h (60 mph) herabgesetzte Höchstgeschwindigkeit. Bei beiden Varianten wurde die Tankanlage vergrößert, die Tanks der von Brush umgebauten Lokomotiven fassten 2900 Liter (640 gal), die von Wabtec 4920 Liter (1081 gal). 20/9: Sechs Lokomotiven mit den Nummern 20 901 bis 20 906, die 1989 von Hunslet-Barclay gekauft und in Kilmarnock aufgearbeitet wurden. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 100 km/h (60 mph) herabgesetzt, die Vakuumbremse entfernt. Die Lokomotiven wurden für Unkrautbekämpfungszüge eingesetzt und machten die Klasse 20 zur ersten Baureihe von Lokomotiven im Privatbesitz, die auf dem öffentlichen Streckennetz verkehren durften. Die Lokomotiven wurden Anfang 1999 an DRS verkauft, zwei gelangten über Harry Needle Railroad Company (HNRC) im Januar 2024 in den Besitz des Bauunternehmens Balfour Beatty, das die Lokomotiven zusammen mit einem Kanalreingiungszug verwendet.
Betrieb
British Rail mini|D8110 in original grüner Farbgebung von British Railways mit Manson Tokenfänger unterhalb der Seitenfenster des Führerhauses mini|Zwei Vorbau an Vorbau gekuppelte Lokomotiven der BR-Klasse 20 vor einem Kesselwagenzug (1986)Die ersten zwanzig Lokomotiven mit den Nummern D8000 bis D8019 wurden dem Depot Devons Road in Bow in London zugewiesen und vor Güterzügen eingesetzt, die zwischen den großen Rangierbahnhöfen im Raum London verkehrten. Die folgenden acht Loks wurden dem Depot Hornsey im Norden Londons zugewiesen. Nach einem Versuch mit D8006 wurden D8028 bis D8034 in das schottische Hochland gesandt, weshalb die Führerhäuser unterhalb der Seitenfenster Taschen zum Anbringen des dort verwendeten Tokenfängers nach dem System Manson erhielten. D8035 bis D8044 sollten ursprünglich Norwich zugeteilt werden, wurden jedoch zum Rangieren von leeren Reisezügen in London Euston verwendet. D8050 bis D8069 wurden dem neuen Depot Tinsley bei Sheffield zugewiesen, von wo aus sie regelmäßig im Lincolnshire und in Humberside eingesetzt wurden. D8070 bis D8127 wurden in die schottischen Lowlands geliefert, wo sie insbesondere im Gebiet entlang der Flüsse Forth und Clyde und im Kohlegebiet Fife eingesetzt wurden. Nach der Lieferung von 128 Lokomotiven, die sich auf mehrere Bestellungen verteilten, wurde die Produktion im August 1962 zugunsten des neuen Standardtyps 1, der später als BR-Klasse 17 bezeichneten Clayton eingestellt. Diese konnte aber die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen, womit eine zweite Bestellung von 100 Lokomotiven der Klasse 20 aufgegeben wurde.
Die erste Lokomotive der zweiten Produktionsperiode wurde im Januar 1966 mit der Nummer D8128 geliefert, die letzte 1968. Mit der Auslieferung der zusätzlichen Loks blieben nicht mehr genügend durchgehende Nummern im Bereich D80xx und D81xx übrig. Weil die Nummern D82xx bereits vergeben waren, wurden die zusätzlichen Lokomotiven in den Nummernbereich D83xx eingefügt. mini|Zwei Lokomotiven der mit einem 1967 führten die Lokomotiven D8179 und D8317 versuchsweise Kohlenzüge, die als Merry-go-round trains (MGRs) bezeichnet wurden, was sich auf Deutsch als Karussell-Züge übersetzen lässt. Diese Züge bestanden aus zweiachsigen Selbstentladewagen der Gattung HAA, die während langsamer Fahrt be- und entladen wurden. Für diesen Betrieb benötigten die Lokomotiven eine elektronische Langsamfahrsteuerung, die als Slow Speed Control bezeichnet wurde. Die Versuche waren erfolgreich, so dass alle Lokomotiven ab D8316 die Langsamfahrsteuerung ab Werk eingebaut erhielten. Einige Züge für das Kohlekraftwerk Longannet am Firth of Forth in Schottland verkehrten mit drei Lokomotiven – einer Doppeltraktion an der Zugspitze und einer einzelnen Lokomotive am Schluss des aus 42 HAA-Wagen bestehenden Zuges. Diese Zugzusammenstellung ermöglichte das Wenden ohne Umfahren des Zuges.
Über mehrere Jahrzehnte hinweg erbrachten die Lokomotiven einen beachtlichen Einsatz in den East Midlands, in South Yorkshire und in den schottischen Lowlands. Sie waren typischerweise östlich der Pennines im Einsatz. Zusätzlich zu einem breiten Spektrum allgemeiner Einsätze wurden die Lokomotiven auch für Bau- und Unkrautbekämpfungszüge eingesetzt. Dadurch gibt es nur wenige Strecken des britischen Netzes, die von der Klasse 20 nicht befahren wurden.
Die Lokomotiven der Klasse 20 wurden nach und nach durch die Klasse 56, 58 und 60 ersetzt und ausgemustert oder an private Betreiber und Museumsbahnen abgegeben.
Einsätze im Personenverkehr