mini|Napoleon Bonaparte (1812), Kaiser der Franzosen. Der Feldzug Napoleon Bonapartes auf der Iberischen Halbinsel dauerte von 1807 bis 1814. Von spanischer Seite wird er Spanischer Unabhängigkeitskrieg (Guerra de la Independencia Española), von portugiesischer Seite Guerra Peninsular und von britischer Seite Peninsular War genannt. Der Krieg auf der Halbinsel stellt einen Abschnitt der napoleonischen Kriege dar, in dem vor allem Spanien, Portugal und Großbritannien gegen Frankreichs Vorherrschaft kämpften. Begonnen hatte er als Versuch Frankreichs, Portugal mit in die Handelsblockade gegen Großbritannien einzubinden.
Vorgeschichte mini|Manuel de Godoy Der Erste Konsul Frankreichs Napoleon Bonaparte zwang Spanien im Oktober 1800 den Vertrag von San Ildefonso auf. Dieses französisch-spanische Bündnis führte zu einem erneuten Aufleben des Konfliktes mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland. Manuel de Godoy wurde der „starke Mann“ Spaniens, während formal Pedro Ceballos Guerra als Ministerpräsident amtierte. Anfang des Jahres 1801 wurde Godoy zum Generalissimus und Admiral von Spanien und „Indien“ (Bezeichnung für Spanisch-Amerika) ernannt. Der Friede von Amiens (März 1802) zwischen Großbritannien und Frankreich verschaffte Spanien eine kurze, aber dringend benötigte Atempause. Im Dezember 1804 erklärte Godoy dem Vereinigten Königreich den Krieg. Die französisch-spanische Flotte erlitt am 21. Oktober 1805 in der Schlacht von Trafalgar eine vernichtende Niederlage. Godoys Gegner rechneten ihm persönlich die hohen Verluste an Menschen und Material an und forderten die Beendigung der Allianz mit Frankreich. Deswegen rief Godoy im Oktober 1806 zum Krieg gegen Frankreich auf. Doch schon Anfang 1807 musste er seine antifranzösische Politik beenden. Napoleon I. forderte die Bereitstellung von 15.000 spanischen Soldaten. Diese Soldaten kämpften in der napoleonischen Armee in Norddeutschland und Ostpreußen gegen Preußen und Russland (Vierter Koalitionskrieg).
Am 21. November 1806 verfügte Napoleon die Kontinentalsperre, eine Wirtschaftsblockade, über die britischen Inseln. Sie sollte Großbritannien mit den Mitteln des Wirtschaftskrieges in die Knie zwingen. Darüber hinaus sollte die Kontinentalsperre die französische Wirtschaft gegen jegliche europäische und transatlantische Konkurrenz schützen. Da eine vertragliche Einigung mit Portugal zur Einhaltung der Sperre nicht möglich war, beabsichtigte Napoleon, in Portugal einzumarschieren.
Am 27. Oktober 1807 schlossen Frankreich und Spanien den geheimen Vertrag von Fontainebleau. In diesem vereinbarten sie die Eroberung und Teilung Portugals. Damit die französischen Truppen Portugal auf dem Landweg erreichen konnten, gewährte Spanien den Franzosen den Durchmarsch durch sein Territorium. Ende 1807 erhielt General Jean Andoche Junot von Napoleon den Befehl über die bei Salamanca zur Besetzung Portugals versammelten Truppen. Schon am 17. Oktober 1807 schrieb Napoleon an Junot die Order, dass er bis zum 1. Dezember in Lissabon zu sein habe, als Freund oder als Feind. Junot richtete sich danach, innerhalb von 11 Tagen marschierten die Franzosen in Gewaltmärschen von Salamanca bis Abrantes, dicht vor Lissabon. Am 30. November rückte Junot mit 1500 Soldaten kampflos in die Stadt ein. Am Tag zuvor waren Königin Maria I. und der Prinzregent João VI. mit königlicher Familie und Hofstaat, begleitet von der Regierung und wichtigen Adeligen, auf dem Seeweg nach Brasilien abgereist.Henry Adams, Earl N. Harbert (1986): History of the United States of America During the Administrations of Thomas Jefferson, Seiten 1009–1010, ISBN 0-940450-34-8, abgefragt am 22. Dezember 2010The popular encyclopedia or ’Conversations Lexicon (Vol. V), London 1846, abgefragt am 16. Juni 2018
Französische Invasion mini|hochkant|Karl IV. und seine Frau Königin Maria Louisa, Detail aus Die Familie Karls IV. von Goya.
Zu Beginn des Jahres 1808 begannen die französischen Truppen, strategisch wichtige Orte in Spanien zu besetzen. Diese Entwicklung veranlasste den spanischen König Karl IV., die Verlegung seines Thrones in ein sicheres Land, z. B. Mexiko, zu planen. Als die Pläne in der Bevölkerung bekannt wurden, führte das zu einem Aufstand, der sich in erster Linie gegen die Regierung und Person von Godoy richtete. Als Karl erfuhr, dass sein Sohn Ferdinand Napoleon um Hilfe gegen Godoy gebeten hatte und französische Truppen in Spanien einmarschierten, floh die königliche Familie nach Aranjuez. Am 17. März 1808 brach die Meuterei von Aranjuez aus; der König wurde festgesetzt und gezwungen, Godoy verhaften zu lassen. Sein Sohn wurde am Tag darauf vom Volk als König Ferdinand VII. gefeiert, musste jedoch auf Druck der Franzosen am 6. Mai die Krone wieder abgeben. Karl, seine Frau und Godoy flüchteten nach Frankreich, wo Karl gezwungen wurde, zugunsten von Napoleons Bruder Joseph Bonaparte auf den spanischen Thron zu verzichten.
Am 10. April 1808 reiste Ferdinand zu Verhandlungen mit Napoleon nach Bayonne ab und überließ die Regierung während seiner Abwesenheit einem Regentschaftsrat unter dem Vorsitz seines Onkels Antonio Pascual de Borbón. Am 20. April 1808 trafen Ferdinand und Ende April 1808 auch Karl IV. von Aranjuez aus in Bayonne ein. Dort gab Ferdinand nach längerem Sträuben am 6. Mai 1808 die Krone seinem Vater zurück und stellte sich unter den Schutz Napoleons, der ihm mit einer jährlichen Rente von einer Million Franc das Schloss Valençay als Aufenthaltsort anwies. Karl hatte bereits vorher seinem Rücktritt zugunsten Joseph Bonapartes zugestimmt. De facto handelte es sich bei diesem Vorgang um eine Gefangennahme der Königsfamilie durch Napoleon.Angel Martínez de Velasco: Ferdinand VII. In: Walther L. Bernecker u. a. (Hrsg.): Die Spanischen Könige, C.H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42782-0, S. 211 ff.
Spanischer Volksaufstand mini|Angriff der Mameluken, Gemälde von Francisco Goya Als die Franzosen am 2. Mai 1808 versuchten, den jüngsten Sohn des Königs Karl IV., den Infanten Francisco de Paula de Borbón, nach Bayonne zu bringen, löste das einen Volksaufstand in Madrid aus. An diesem Tag kam es in Madrid zu umfassenden Straßenkämpfen zwischen Einwohnern, denen sich auch eine spanische Artillerieeinheit anschloss, und französischen Truppen. Mehrere hundert Tote waren die Folge. Die Vorkommnisse des 2. Mai 1808 (Dos de Mayo) werden als Beginn des bewaffneten Widerstands gegen die französische Herrschaft angesehen. Am 3. Mai 1808 folgte die Erschießung mehrerer festgenommener Aufständischer. In ganz Spanien brachen darauf Aufstände aus. Vor allem in Katalonien, Navarra, dem Baskenland und den Bergen Kastiliens konnten die Franzosen ihr Besatzungsregime kaum durchsetzen. In weiten Teilen des Landes herrschte ein permanenter Kleinkrieg, dessen die Franzosen nicht Herr wurden. Damit unterschied sich der spanische Aufstand gegen die napoleonische Besatzung von nahezu allen anderen Gebieten Europas, wo es lediglich zu kurzen, weitgehend wirkungslosen Erhebungen kam. Als Grund dafür lässt sich der zuvor schwach ausgebildete spanische Staat ausmachen, der sich neben dem stehenden Heer auf ein Milizsystem stützte, das zur Grundlage für den weit gespannten Aufstand wurde. Auch die starken Schmuggler- und Räuberbanden beteiligten sich am Kampf gegen die Franzosen und deren spanische Verbündete. Mit dem Kleinkrieg (Guerilla) trat im Spanischen Befreiungskrieg erstmals ein Element der Kriegsführung auf, das zwar mit der Volksbewaffnung verwandt war, wie sie die Französische Revolution durchgesetzt hatte, sich von ihr aber auch radikal unterschied.
Am 24. Mai 1808 erklärte zuerst die Provinzialjunta zu Oviedo den Aufstand gegen die französische Besatzung. Unabhängig davon erfolgte am 22. Mai die Volkserhebung in Cartagena, am 23. zu Valencia, am 24. zu Murcia und Saragossa. Santander und Sevilla erhoben sich am 26. Mai, Lérida am 28. Mai, und am 30. Mai folgten die Aufstände zu Badajoz und La Coruña.
Mönche wiegelten die Volksmassen zur Wut gegen die Besatzer auf, mit dem Hinweis auf die Misshandlung des von den Franzosen gefangen genommenen Papstes in Rom. Über 2100 Mönchs- und 1100 Nonnenklöster wurden zu Zentren eines religiös motivierten Aufstandes gegen die durch die Ideen der Französischen Revolution „gottlos gewordene“ fremde Besatzung.
Im nicht durch französische Truppen besetzten Teil Spaniens bildete sich im September 1808 in Aranjuez eine Gegenregierung (Junta Suprema Central), die die amtierende Regierung in Madrid nicht anerkannte. Mit dem Aufruf zum Guerillakrieg am 28. Dezember 1808 erkannte die Junta die Guerilla als Teil des gemeinsamen Befreiungskampfes gegen die Franzosen an. Zuvor waren auch franzosenfeindliche Regionalregierungen teilweise gegen die Guerilla vorgegangen. Der Volkskrieg, aber auch das Operieren von regulären Verbänden unter widrigen Bedingungen fernab von Versorgungsmöglichkeiten, führte zu einer großen Härte nicht nur gegen den militärischen Gegner, sondern auch gegenüber der Zivilbevölkerung, die unter Plünderungen zu leiden hatte, mit deren Hilfe sich die Besatzer versorgten. Mit einer weiteren Verordnung vom 17. Dezember 1809 versuchte die Junta Suprema die Guerilla an den offiziellen Krieg zu binden, sie blieb aber weiterhin eine Form des selbstständigen patriotischen Volkskrieges, dessen Wurzel eine starke soziale Komponente enthielt. Der Anarchismus der Deserteure, die Willkür von sich überall bildenden autonomen Räuberbanden stand dabei direkt neben einer großen Selbstlosigkeit für den gemeinsamen Freiheitskampf. Es traten unter diesen Umständen unterschiedlichste Talente hervor, einfache Adelige wie Francisco Espoz y Mina und sein Neffe Francisco Javier Mina, die de facto Navarra beherrschten, oder der aus einer Bauernfamilie entstammende Bandenführer Juan Martín Díez, genannt El Empecinado. Die Bevölkerung nährte und informierte diese Männer und versteckte sie beim Herannahen von Streifkorps der Besatzer. Die nicht eingehaltene Abgrenzung zwischen Zivilbevölkerung und Kombattanten durch die Guerilla führte von Seiten regulärer französischer Truppen zu einer hohen Gewalttätigkeit gegenüber den Zivilisten. Es kam zu zahlreichen Akten der Grausamkeit gegen Zivilisten und Gefangene von beiden Seiten. Die Brutalität der Franzosen, die zunehmend wahllos die Bevölkerung attackierten, führte zu großen Opfern, gerade unter der Landbevölkerung, konnte aber den Widerstandswillen der Spanier nicht brechen. In ihrer Hochphase kontrollierte „die“ Guerilla, die aus einer Vielzahl teils miteinander verfeindeter Gruppen bestand, das Land derartig effektiv, dass Kuriere der Franzosen mit bis zu zweihundert Kavalleristen auf ihren Ritten geschützt werden mussten. Viele Guerillagruppen hatten sich schon während des Kampfes auch oder vornehmlich als Räuberbanden betätigt und machten bis in die 1820er Jahre hinein das Land unsicher. Der Maler Francisco de Goya hielt in den Jahren 1810 bis 1814 grausame Szenen dieses Kampfes in 82 Radierungen fest; die Bilderreihe namens Desastres de la Guerra (Schrecken des Krieges) erschien posthum 1863.
Das Kriegsjahr 1808 mini|König Joseph Bonaparte Nach der Abdankung von Karl IV. und Ferdinand VII. wurde Joseph Bonaparte am 6. Juni 1808 von Napoléon I. unter Beteiligung des Consejo de Castilla (Kastilienrat) zum König von Spanien proklamiert. Nach diesem Akt brach erneut Widerstand bei der spanischen Bevölkerung aus, dieser mündete in einem dauerhaften Kleinkrieg, der die gesamte Regierungszeit Josephs überschattete.