Harras war zuletzt ein Ortsteil der Gemeinde Nainhof-Hohenfels im Landkreis Parsberg in Bayern, der im Truppenübungsplatz Hohenfels zur Wüstung wurde.

Geographische Lage Die Einöde lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb ca. 2,5 km östlich von Nainhof-Hohenfels auf ca. 490 m über NHN, umgeben von Erhebungen, die in nordwestlicher Richtung mit dem Boslberg bis 604 m ü. NHN ansteigen.

Geschichte Die Einöde erscheint Mitte des 15. Jahrhunderts als Lehen des Bayernherzogs Otto, gelegen in der Herrschaft Hohenfels.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 155 Im Salbuch dieses Amtes von 1494/1500 ist Harras mit zwei Anwesen aufgeführt.Volkert, S. 156Jehle, S. 299 Im Kartenwerk von Christoph Vogel von 1600 ist Harras mit der Waldung „Harrasperg“ unter dem Pflegamt Hohenfels verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig (Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, 6). Kollersried 2016, S. 489, 492, 495 Bei den zwei Anwesen von der Größe von Siebenachtelhöfen blieb es bis zum Ende des Alten ReichesJehle, S. 490 und darüber hinaus bis zur endgültigen Absiedelung 1951.

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Großbissendorf im Landgericht Parsberg (später Landkreis Parsberg) aus sieben Orten, darunter auch Harras, gebildet.Jehle, S. 532 Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstand die Ruralgemeinde Großbissendorf aus zehn Orten, darunter wiederum Harras.Jehle, S. 542

Für die Schaffung eines Truppenübungsplatzes wurde ab 1938 das Gebiet nördlich von Hohenfels durch die Reichsumsiedelungsgesellschaft abgelöst und geräumt und mit Wirkung vom 1. Oktober 1944 die Bildung des Heeresgutsbezirks Hohenfels bekanntgegeben. Aus dem Landkreis Parsberg war auch die Einöde Harras der Gemeinde Großbissendorf davon betroffen.Jehle, S. 517 f. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Harras mit den meisten anderen abgesiedelten Orten wieder neu besiedelt. Am 14. Dezember 1949 wurde der Heeresgutsbezirk offiziell aufgelöst und stattdessen für die wiederbesiedelten Orte provisorisch die Gemeinde Nainhof-Hohenfels gebildet. Doch bereits im Herbst 1951 musste das Gebiet, erweitert um die Gemeinden Pielenhofen und Lutzmannstein, kurzfristig zum zweiten Mal geräumt werden, um für die US- und NATO-Truppen den Truppenübungsplatz Hohenfels zu schaffen.Jehle, S. 519 In ihm wurde die erneut geräumte Einöde Harras zur Wüstung. Dortige untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde gelten als Bodendenkmäler.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Regierungsbezirk Oberpfalz, Landkreis Neumarkt i. d. Opf., Markt Hohenfels, Bodendenkmäler, Stand 1. Mai 2020, S. 7

Gebäude- und Einwohnerzahl 1838: 22 „Seelen“, 2 HäuserJoseph Lipf (Bearbeiter): Matrikel des Bisthums Regensburg. Regensburg 1838, S. 294 1867: 24 Einwohner, 9 GebäudeJoseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 795 1871: 25 Einwohner, 12 Gebäude, an Großviehbestand 1873 2 Pferde und 30 Stück Rindvieh 1900: 25 Einwohner, 2 Wohngebäude 1925: 8 Einwohner, 1 Wohngebäude 1950: 17 Einwohner, 2 Wohngebäude

Kirchliche und schulische Verhältnisse Harras gehörte seit altersher (so 1600)Frank/Paulus, S. 503 zur katholischen Pfarrei Hohenfels im Bistum Regensburg. Die Kinder gingen im 19. Jahrhundert und um 1900/1925 nach Großbissendorf, um 1950 nach Nainhof in die Schule.

Literatur Manfred Jehle: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 51: Parsberg, München 1981

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Geographie (Hohenfels, Oberpfalz)