mini|John Steinbeck (1939) Eine Handvoll Gold (Originaltitel: Cup of Gold: A Life of Sir Henry Morgan, Buccaneer, with Occasional Reference to History) ist der Titel eines 1929 erschienenen historischen Romans des amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck. Die deutsche Übersetzung von Hans B. Wagenseil wurde 1953 publiziert.John Steinbeck: Eine Handvoll Gold. Kurt Desch Wien München Basel 1953. Steinbeck erzählt in seinem Erstling, angelehnt an die Historie und in freier Ausgestaltung, die abenteuerliche Geschichte des englischen Freibeuters Henry Morgan aus dem 17. Jahrhundert.

Inhalt Überblick In fünf Kapiteln erzählt der Autor den Weg des Jugendlichen Henry Morgan aus dem mythen- und sagenreichen Wales zum mächtigsten Freibeuter der Karibik und dann den Abstieg seiner Lebenslinie nach der Ernennung zum Vizegouverneur Jamaikas, was seine Beschränkung auf ein bürgerliches Leben und den Rollenwechsel zum Richter über die Piraten zur Folge hat. Die einzelnen Kapitel schildern die Lebensetappen Morgans: Jugend in Wales (Kp. 1), Überfahrt nach Barbados und Arbeit auf der Flower-Plangage (Kp. 2), erfolgreiche Piraterie in der Karibik (Kp. 3), Einnahme von Panama-Stadt (Kp. 4), Vizegouverneur von Jamaika (Kp. 5).

Erstes Kapitel Der junge Henry Morgan wohnt mit seiner Familie auf einer Farm in Wales. Seine Großmutter Gwenliana lebt in einer magischen Welt, sie beschwört Geister und macht Prophezeiungen. Sein Vater ist ein „endloser Nachdenker“, aber nach Meinung der Leute kein guter Bauer: „Manchmal dachte er sich, er verstände zu viele Dinge, um je etwas richtigzumachen.“ Seine Mutter Elisabeth lebt dagegen im kleinen Alltag und nicht in einer Welt abstrakter Vorstellungen. Der 15-jährige Henry ist unzufrieden mit dem einförmigen Landleben und hat eine große Sehnsucht nach Veränderung. In einer schwarzen Nacht kehrt der alte Knecht Dafydd aus Westindien zurück und erzählt den Morgans von seinen Piratenabenteuern in der Karibik. Henry hört ihm begeistert zu und beschließt, sofort das enge Tal verlassen, um sein Traumland über dem Meer zu suchen. Seine Mutter will ihn nicht reisen lassen, doch sein Vater kann ihn verstehen. Er hatte einmal ähnliche Wünsche, sie aber aus Angst nicht zu realisieren versucht, und er weiß, dass sein Sohn, anders als er, den Mut dazu hat und seine eigenen Erfahrungen machen muss. Er bittet ihn jedoch, vor seiner Entscheidung mit dem weisen Merlin in den Bergen, zu sprechen. Dieser warnt ihn davor, seine Heimat der keltischen Sagen und Geister zu verlassen und er weissagt ihm, er werde ein großer Mann werden, aber er werde allein sein und keinen Freund haben, nur Leute um sich, „die in Furcht, Scheu und Schrecken zu [ihm] aufsehen“. Ihm tut der Junge leid und zugleich beneidet er ihn. Auf seinem Rückweg will er sich noch von Elisabeth, der Tochter eines Pächters, verabschieden. Elisabeth ist seine Kinderliebe, aber seit sie sich zur Frau entwickelte, ist sie ihm rätselhaft. Deshalb ist er in der Abschiedssituation zu schüchtern, mit ihr zu sprechen, und läuft weg. Zu Hause teilt er den Eltern seine Entscheidung mit. Gwenliana sagt ihm eine Zukunft als mächtiger Krieger und erfolgreicher Eroberer voraus. Er werde „ein Mädchen mit weißer Seele und hohem Rang“ aus reicher Familie heiraten. Robert gibt seinem Sohn einen Brief an seinen Bruder Edward, den Gouverneur von Jamaika, mit der Bitte, ihn zu unterstützen. Henry reist am nächsten frühen Morgen, als seine Familie noch schläft, nach Cardiff.

Zweites Kapitel Im Wirtshaus „Die drei Hunde“ in Cardiff lernt Henry den Matrosen Tim aus Cork kennen, der sich bei ihm zum Frühstück mit Whisky einlädt und ihm verspricht, ihm zu einer Überfahrt auf dem Handelsschiff „Bristol Girl“ zu verhelfen. Er ist ein Werber und arrangiert ein Treffen mit dem Kapitän, der Henry für die Schiffsküche „angeheuert“, um seine Überfahrt nach Barbados abzuarbeiten. Henry bemerkt nicht, dass er betrogen wird. Man verschweigt ihm, dass er einen Kontrakt unterschrieben hat, für die Fahrt als Kontraktsklave auf einer Plantage zu arbeiten. Während der Überfahrt lauscht Henry neugierig den Erzählungen der Seeleute über die Abenteuer und den Reichtum der Bukanier und denkt, dass man mit kluger Taktik sehr erfolgreich sein kann. Erst bei der Ankunft in Barbados erfährt er von dem fünfjährigen Arbeitsvertrag, und er wird an den Plantagenbesitzer James Flower verkauft. Dieser fühlt sich jedoch nicht als Farmer, sondern als Gelehrter. Zur Plantage kam er nur zufällig durch das Vermögen seines Onkels. Er hat Mitleid mit Henry, als dieser ihn anfleht, nicht als Sklave arbeiten zu müssen, und stellt ihn als seinen Gesellschafter ein, um sich mit ihm über Bücher zu unterhalten. Er wird sein Lehrer und Freund. Henry lernt von ihm verschiedene Sprachen und liest sich durch die Bibliothek seines Mentors. Intensiv studiert er in Vorbereitung seiner Piratenkarriere Kriegstaktiken. Außerdem wird er als Sekretär mit der Führung der Farm vertraut, übernimmt immer mehr Aufgaben und schließlich die Leitung des Betriebes. Er wendet viele Ideen an, die er aus der Literatur erfahren hat, z. B. sich in die Sklaven hineinzuversetzen, und ändert das System der Bestrafung durch psychologische Taktik: um die Wirkung zu erhöhen, werden die Hinrichtungen nicht mehr öffentlich durchgeführt. Er führt die Plantage mit Autorität, zeigt keine Emotionen und spielt den Sklaven die Rolle des Unnahbaren vor, dessen Gedanken man nicht kennt. Er ist nicht grausam wie der sadistische Aufseher, den er abgelöst hat, nur erbarmungslos konsequent. Mit dieser Methode steigert er die Effizienz der Plantage und baut Flower gegenüber das Image der unbedingten Ehrlichkeit auf, ohne seine geheimen Motive preiszugeben. So kann er Geld vom Verkauf der Waren für sich abzweigen kann, um sein Leben als Freibeuter vorzubereiten. Er überredet Flower zum Kauf eines Schiffes, er tauft es „Elisabeth“, um Transportkosten der Waren nach Jamaika zu sparen, und lernt die Bedienung des Seglers. Um seine sexuellen Wünsche zu stillen, kauft er auf dem Sklavenmarkt in Port Royal die schöne Sklavin namens Paulette als Dienstmädchen und Geliebte. Sie verliebt sich in ihn und träumt davon, seine Frau anstelle seiner Sklavin zu werden, doch er geht nicht darauf ein, denn seelisch verbunden fühlt er sich nur mit Elisabeth. Nach fünf Jahren ist Henry frei. Flower versucht ihn zu halten und verspricht ihm die Plantage als Erbe, doch der Zwanzigjährige will seinen Traum erfüllen. Er bittet Flower, dafür zu sorgen, dass Paulette weiterhin im Haus arbeiten kann und nicht auf die Felder geschickt wird, verlässt Barbados und reist mit dem unterschlagenen Geld nach Port Royal. Dort besucht er den Vizegouverneur Sir Edward Morgan und erfährt vom Tod seiner Mutter und der Senilität seines Vaters. Henry macht dem Onkel den Vorschlag, ein Schiff auszurüsten. Er wolle spanische Handelsschiffe kapern und den Gewinn mit ihm teilen. Doch dieser warnt den Neffen, er würde mit solchen gefährlichen Abenteuern am Galgen enden. Auf dem Rückweg weicht seine stolze ca. vierzehnjährige Cousine Elisabeth einem Gespräch mit ihm aus. Seine Verwandten „hatten es fertiggebracht, daß er sich allein und hilflos und sehr jung vorkam.“ Durch diesen Misserfolg lässt sich Henry von seinem Weg nicht abbringen. Er sucht im Hafen Kontakt mit Freibeutern. Man zeigt ihm den schnellen Segler „Ganymed“ des Kapitäns Grippo. Dieser nimmt sein Angebot an, ihm für 500 Pfund das Schiff für Kaperfahrten zu überlassen und ihn am Gewinn zu beteiligen.

Drittes Kapitel Morgan segelt mit Grippo an der Küste Panamas entlang und sichtet in der Nähe Cartagenas ein spanisches Handelsschiff. Er versucht eine Überraschungsaktion, versteckt dazu seine Männer unter Deck und lässt die „Ganymed“ langsam wie führerlos auf das Schiff zutreiben. Die Spanier vermuten einen Zauber oder eine Krankheit der Mannschaft und achten nicht auf den Sicherheitsabstand. So können die Freibeuter mit ihren Kanonen das Ruder zerschießen und das manövrierunfähige Schiff besetzen und ausrauben. Bei jedem Überfall wendet Morgan eine andere Methode an. Als er im Hafen von Tortuga ankommt, hat er vier Schiffe erobert und keine Männer verloren. Der mächtige Piratenführer Edward Mansveldt wird auf ihn aufmerksam und ernennt ihn zu seinem Vizeadmiral. Sie errichten auf den Katharineninseln eine Republik der Freibeuter. Die Eroberung von Puerto Bello macht Mogan berühmt, und in den folgenden zehn Jahren schließen sich ihm immer mehr Freiwillige an und vergrößern seine Flotte. Henry verhält sich ihnen gegenüber distanziert, wie er es als Aufseher der Sklaven praktiziert hat, und bleibt persönlich einsam, weil er misstrauisch ist und befürchtet, dass ihre Bewunderung nicht ehrlich ist. So erfüllt sich Merlins Prophezeiung.

Als Henry das Gerücht von der schönsten Frau der Welt, der „Roten Heiligen“, La Santa Roja hört, die in Panama-Stadt von den Männern wie die Sonne angebetet wird, träumt er davon, die reiche Hauptstadt, den „goldenen Becher“, und seine sagenhafte Bewohnerin zu erobern. In dieser Zeit sucht er einen Freund und findet ihn in dem jungen schönen Franzosen Coeur de Gris. Ihm erzählt er seinen Traum von der Heiligen und erfährt, dass es dem Freund genauso geht. Coer de Gris zweifelt jedoch daran, dass eine solche Frau wirklich existiert und vergleicht das Gerücht mit der Sage von der schönen Helena in Troja. Über seine vergnüglichen Liebesaffären und ihr Ende spricht er unbeschwert, während Morgan seine Beziehung zu Elisabeth tragisch überhöht wiedergibt: Ihr Vater, ein Graf, habe sie gewaltsam getrennt und ihn nach Barbados verkauft. Morgan setzt seine Eroberungserfolge fort: Insel de la Vaca, Maracaibo und er steigert sich immer mehr in seinen Traum hinein, er will Panama und Santa Roja für sich gewinnen, „aus dem goldenen Becher trinken“. Coer de Gris warnt ihn davor, die Stadt sei stark befestigt und es werde nach der Erstürmung einen Kampf Freund gegen Freund um die schönste Frau geben. Wichtiger sei es, den Piraten ihre Sehnsucht und damit ihre Kampfkraft zu erhalten und diese für ihre Aktionen zu nutzen.

Die letzten beiden Abschnitte des Kapitels handeln vom Tod der Brüder Morgan: einmal vom Tod von Sir Edwards und seiner Hoffnung, dass der berühmte Räuber Henry sich um das Waisenkind Elisabeth kümmern wird, und zweitens von Roberts letztem Gespräch mit Merlin über die kindlichen Träume, welche die Menschen Verrücktheit nennen, und die Auflösung der Erinnerung im „Echo der Harfen“.

Viertes Kapitel Kapitän Morgan schickt Boten in alle Richtungen, um Kapitäne und Matrosen für einen neuen Feldzug gegen die Spanier zu gewinnen. So sammeln sich schnell 37 Schiffe und 2000 Mann. Vertraglich werden seine alleinige Befehlsgewalt und die Verteilung der Beute geregelt. Dann erst teilt er das schwer zu erobernde reiche Ziel mit. Die Kapitäne reagieren mit einer Mischung aus Angst und Geldgier und denken auch daran, wem Santa Roja zufallen wird. Viele machen sich insgeheim Hoffnung und der Burgunder erzählt die Geschichte vom Gewinn der Circe Delphine durch den Liebeszauber einer großen rosa Perle. Gerüchte über den bevorstehenden Angriff dringen bis zu Don Juan Perez de Guzman, den Gouverneur von Panama, und er trifft Vorkehrungen: Truppen legen Hinterhalte an, wilde Bullen sollen auf die Angreifer getrieben werden, die Bewohner verstecken ihre Wertsachen.