mini|Eschara als oberster Teil des Altars, in der das Feuer aufbewahrt wurde. 490–480 v. Chr.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 57 (Kapitel I, Absatz 67). Eschara (, Plural Escharai) ist in der griechischen Religion die Bezeichnung für einen Altar. In der archaischen und klassischen Zeit bedeutete Eschara einen ganzen Altar oder den aufgesetzten Feuerschutz auf einer steinernen Basis, dem Bomos. In späterer Zeit wurde Eschara zu einem ebenerdigen Opferaltar und war mit spezifischen Opferritualen und Empfängergruppen verbunden. Escharai in der Bedeutung des Altars sind ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. überliefert.
Andere Bezeichnungen Escharōn bedeutet laut LSJ „der Standort eines Herds“Liddell-Scott s. v. ἐσχαρών; Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 25 (Kapitel I, Absatz 9). und man kann sich ein Escharon als Gebäude oder Raum mit einer Eschara vorstellen.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 36 (Kapitel I, Absatz 28).
Definition mini|Bomos mit aufgelegter Eschara, um 430–425 v. Chr. Louvre G 402Gunnel Ekroth: Altars on Attic Vases: The Identification of bomos and eschara. In: Charlotte Scheffer (Hrsg.): Ceramics in Context. Proceedings of the Internordic Colloquium on Ancient Pottery Held at Stockholm 13–15 June 1997 (= Stockholm Studies in Classical Archaeology. Band 12). Almquist & Wiksell, Stockholm 2001, S. 122. Im Umfeld des griechischen Opfers waren Escharai im 5. Jahrhundert v. Chr. häufig gleichbedeutend mit dem Begriff des Bomos.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 41 (Kapitel I, Absatz 37). In vielen Fällen war es aber nur der obere Teil eines Altars. Da die Trägerin des Feuers der wichtigste Teil eines Altars war, könnte Eschara auch als Pars pro toto für den ganzen Altar gestanden haben.Gunnel Ekroth: Altars on Attic Vases: The Identification of bomos and eschara. In: Charlotte Scheffer (Hrsg.): Ceramics in Context. Proceedings of the Internordic Colloquium on Ancient Pottery Held at Stockholm 13–15 June 1997 (= Stockholm Studies in Classical Archaeology. Band 12). Almquist & Wiksell, Stockholm 2001, S. 124. Den sprachlichen Hinweis auf einen Teil des Altars liefert der Begriff bomou eschara, der den oberen Teil des Altars bezeichnete, in dem das Feuer aufbewahrt wurde. Der Bomos hätte dabei die Basis gebildet.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 43 (Kapitel I, Absatz 43). Da eine Eschara der Hitze des Feuers ausgesetzt war, bestand sie aus hitzeresistenten Materialien wie Serpentinit, Gneis, Terrakotta oder Bronze und schützte den steinernen Bomos vor dem Feuer.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 55 (Kapitel I, Absatz 67); siehe dazu auch Eschara (Keramik).
Als eigenständige Altäre bestanden Escharai aus der Asche von vorgängigen Opfern oder aus Steinen und waren möglicherweise weniger gut ausgearbeitet als Bomoi.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 47–49, 58 (Kapitel I, Absatz 52, 56 und 70). In den erklärenden Quellen späteren Datums wurde eine Eschara als tief, ebenerdig und eigenständiger Altar verstanden.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 52 (Kapitel I, Absatz 63).
Die Empfänger von Opfern an einer Eschara waren laut den literarischen Quellen breit gestreut. Sowohl die Olympischen Götter als auch Daimones sind im Zusammenhang mit dem Altar aufgeführt. Erst ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. gab es Erwähnungen von Heroen und anderen Göttergruppen wie zum Beispiel den Chthonischen Göttern.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 39 (Kapitel I, Absatz 34 und 35).
Es sind keine besonderen Rituale bei der Benutzung von Escharai während der archaischen und klassischen Zeit bekannt. Offenbar wurden sie bei Thysiai benutzt.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 42 (Kapitel I, Absatz 40). Erst die erklärenden Texte ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. wiesen Eschara den Enagismata und Bomos den Thysiai zu.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 50 (Kapitel I, Absatz 61).
Abgrenzung siehe Bomos
Quellenlage mini|Eschara, die die Vertiefung zwischen den Voluten ausfüllt, um 470 v. Chr., NAMA 9683Gunnel Ekroth: Altars on Attic Vases: The Identification of bomos and eschara. In: Charlotte Scheffer (Hrsg.): Ceramics in Context. Proceedings of the Internordic Colloquium on Ancient Pottery Held at Stockholm 13–15 June 1997 (= Stockholm Studies in Classical Archaeology. Band 12). Almquist & Wiksell, Stockholm 2001, S. 120. Inschriften Die überwiegenden Nachweise von Escharai in Inschriften stammen aus den Inventarlisten der Tempel von Athen und Delos. Sie werden von der Mitte des 4. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Es handelte sich dabei aber nicht um Escharai in der Bedeutung eines Altars, sondern es waren Bezeichnungen für Herde oder Grillgeräte aus Metall.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 28–30 (Kapitel I, Absatz 14 bis 16).
Von den 40 Inschriften aus Lindos, datiert zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr., führen 21 den Ausdruck προσχάραιος θυσία (proscharaios thysia), was von Wissenschaftlern als dorische Kontraktion von πρὸ τᾶς ἐσχάρας (pro tas eschara), eine Thysia vor einer Eschara, gedeutet wird. Die Empfängerin war die Göttin Athene.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 31–32 (Kapitel I, Absatz 18).
Die früheste und klarste Überlieferung einer Eschara in der Bedeutung eines Altars stammt von einem Horos aus Porto Rafti.Inscriptiones Graecae II² 4977. Sie wird auf das 4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Um 300 v. Chr. führt eine Inschrift aus Kos neben dem Bomos eine Eschara auf.Edward Harris et Jan-Mathieu Carbon: The Documents in Sokolowski’s Lois sacrées des cités grecques (LSCG) In: Kernos. Band 28, 2015, Nr. 177 (online). Bei beiden Inschriften war Herakles der Empfänger des Opfers.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 29–31 (Kapitel I, Absatz 16 und 17).
In vier Inschriften von attischen Epheben, datiert zwischen 127/6 und 107/6 v. Chr., werden Escharai im Rahmen von Opfern für Dionysos aufgeführt.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 33–34 (Kapitel I, Absatz 21 bis 24).
Ohne die Inschriften aus Lindos, deren Interpretation nicht gesichert ist, können im Zeitraum vom 4. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. zehn Nachweise für Escharai als Altäre eingestuft werden.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 37 (Kapitel I, Absatz 30).
Literarische Quellen Die frühe Erwähnung von Eschara bei Homer bezeichnet den Herd in einem Haus. In der Bedeutung eines Altars taucht der Begriff vor allem bei den Dichtern und Dramatikern Aischylos, Sophokles, Euripides und Aristophanes im 5. Jahrhundert v. Chr. auf.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 39 (Kapitel I, Absatz 34 und 35).
Vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. ist Eschara 18 Mal nachgewiesen. Die Opfer mit Escharai empfingen nach wie vor in der Mehrheit die Olympischen Götter. Dazu kamen die Heroen, die Chthonischen Götter, die Ägyptischen Götter und Jahwe.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 39 und 47 (Kapitel I, Absatz 34, 35 und 52). In diesem Zeitraum begann man, Bomos und Eschara zu unterscheiden und sie spezifischen Empfängergruppen zuzuweisen. Neanthes von Kyzikos soll laut späteren erklärenden Quellen im 3. Jahrhundert v. Chr. gesagt haben, dass „Bomoi für die Götter und Escharai für die Heroen seien“„.“ Die Fragmente der griechischen Historiker 84 F 7.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 45 (Kapitel I, Absatz 50). und im 3. Jahrhundert n. Chr. schrieb Porphyrios, dass „die Olympischen Götter Tempel und Bomoi hätten, die Chthonischen Götter und Heroen dagegen Escharai“.„“. Porphyrios, De antro nympharum 6.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 46 (Kapitel I, Absatz 51).
In den erklärenden Quellen, Scholia, Lexika und Kommentaren, ist Eschara zwischen dem 1. Jahrhundert n. Chr. bis ins 13. Jahrhundert n. Chr. vertreten. Er ist recht häufig anzutreffen, wobei viele dieser Quellen jeweils andere ohne eigene Kommentare zitierten. Die Häufigkeit wird dahingehend interpretiert, dass Eschara mit seinen vielen verschiedenen Bedeutungen offenbar einer Erklärung bedurfte. Die erklärenden Quellen zementierten in Bezug auf die religiöse Bedeutung des Begriffs die Verbindung zwischen Escharai und Heroen und legten Wert auf die baulichen und die Konstruktion betreffenden Unterschiede zwischen Eschara und Bomos. Sie wiesen darauf hin, dass die früheren Quellen den Begriff nicht immer auf die von ihnen selbst verwendete Weise benutzt hatten und dass es in früherer Zeit Überschneidungen zwischen Bomos und Eschara gegeben hätte.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). CIERGA, Lüttich 2002, S. 50–54 (Kapitel I, Absatz 59 bis 73).
Ikonographie Studien von griechischen Vasen, im Besonderen den attischen, haben aufgezeigt, dass es auf den Vasen keine Unterscheidung von Bomos und Eschara bezüglich Höhe und Form während der archaischen und klassischen Zeit gegeben hat. Ebenso konnte keine Verbindung von Eschara zu Enagisma oder Holokaust und Bomos zu Thysia nachgewiesen werden. Auf der großen Mehrheit der Darstellungen fanden Thysiai mit Altären aller Höhen und Formen statt, zum Teil sogar auf ebenerdigen Altären.Gunnel Ekroth: Altars on Attic Vases: The Identification of bomos and eschara. In: Charlotte Scheffer (Hrsg.): Ceramics in Context. Proceedings of the Internordic Colloquium on Ancient Pottery Held at Stockholm 13–15 June 1997 (= Stockholm Studies in Classical Archaeology. Band 12). Almquist & Wiksell, Stockholm 2001, S. 116.