Die 1902 errichtete St.-Adalbert-Kirche in Nowy Dwór war bis 1945 zentrales Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Neuhof im ostpreußischen Kreis Neidenburg. Heute ist sie römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Nowy Dwór liegt in der südlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Landesstraße 58 zwischen Szczytno () und Jedwabno (1938 bis 1945 Gedwangen). Die Kirche befindet sich in der Dorfmitte und steht auf der Ostseite der Hauptstraße von Dzierzki (Dziersken, 1936 bis 1945 Althöfen) nach Burdąg (Burdungen).
mini|hochkant|Das Eingangsportal an der Westseite der Kirche Kirchengebäude Die Neuhofer Dorfkirche wurde am 2. Oktober 1902 – vier Jahre nach Gründung des Kirchspiels Neuhof – in Dienst genommen.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 127, Abb. 591 Es handelt sich um einen roten Backsteinbau mit einem hohen Turm über der Giebelseite. Der Innenraum der Saalkirche ist mit einer flach gewölbten Decke überzogen. An der Ostseite steht ein geschnitzter und reich verzierter Kanzelaltar, der wohl vom Anfang des 17. Jahrhunderts stammt. Die übrige Ausstattung ist schlicht.
Die Orgel fertigte der aus Böhmen stammende Orgelbaumeister Carl Novak in Königsberg (Preußen) an.
Im Krieg blieb das Gotteshaus weitgehend unbeschadet. In den Nachkriegsjahren wurde die bisher evangelische Kirche in ein katholisches Gotteshaus umgewidmet und nach dem Hl. Adalbert (polnisch Wojciech) benannt. Im Herbst 1979 brannte die Kirche aus. Vermutlich hatten Kinder dort mit Feuer gespielt. Der Dachstuhl, die Orgel und ein Teil der Bänke wurden vernichtet. In vereinfachter Form wurde das Gotteshaus wieder hergerichtet. mini|Die Kirchennordseite
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Das evangelische Kirchspiel Neuhof wurde im Jahre 1898 gegründet.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 495 Zur Versorgung der zahlreicher werdenden Bevölkerung wurde bereits ab 1895 Hilfsprediger hier eingesetzt.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung 1945, Hamburg 1968, S. 101 Die Orte für das neue Kirchspiel wurden aus den Pfarrgemeinden Jedwabno (1938 bis 1945 Gedwangen), Passenheim (polnisch Pasym) und Ortelsburg (Szczytno) abgezweigt. Bis 1945 gehörte es zum Kirchenkreis Neidenburg (polnisch Nidzica) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte es 1800 Gemeindeglieder. Die Kirche war patronatlos und es bestand Gemeindewahl.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in den Jahren 1945 bis 1950 hörte das evangelische Kirchspiel auf zu existieren. Das Kirchengebäude wurde von der römisch-katholischen Kirche übernommen. Heute in der Region Nowy Dwór lebende evangelische Kirchenglieder halten sich zur Kirchengemeinde in Jedwabno innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Neben dem Pfarrort Neuhof gehörten acht Orte zu seinem Kirchspiel:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name * Braynicken Brajniki Dziersken1936–1945 Althöfen Dzierzki * Georgensguth Jurgi * Ittowen1927–1945 Gittau Witowo
Deutscher Name Polnischer Name * Ittowken1938–1945 Ittau Witówko Sawitzmühle1938–1945 Heidmühle Sawica * Schwirgstein Dźwiersztyny * Warchallen Warchały
Pfarrer An der Pfarrkirche Neuhof amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche: Max Emil Oskierski, 1895–1897 Paul Hermann Rudolf Link, 1897 Hermann J. Winarski, 1898–1917 Albert Koßmann, 1920–1927 Andreas Needra, 1928–1929 Johann Eisenschmid, 1929–1936 Helmut Franz Karwinski, ab 1936 Herbert Godzik, 1941–1945 Joachim Nelius, 1943–1944
Römisch-katholisch Vor 1945 war die katholische Minderheit der Neuhofer Region in die Pfarrgemeinde in Jedwabno (1938 bis 1945 Gedwangen) eingegliedert. Nach 1945 siedelten hier jedoch viele Neubürger, meist Polen katholischer Konfession, und beanspruchten das bisher evangelische Gotteshaus als Kirche. Am 1. Juli 1998 schließlich wurde in dem inzwischen Nowy Dwór genannten Ort die römisch-katholische Pfarrei Św. Wojciecha errichtet. Sie gehört zum Dekanat Pasym (Passenheim) im Erzbistum Ermland.
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Einzelnachweise
Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Adalbertkirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Erbaut 1902 Kategorie:Gmina Jedwabno