mini|Wappen der Herren von Puchheim
Albero V. Herr von Puchheim (* um 1310; † nach 24. September 1383; wurde auch Alber, Albero III. oder Albert III. Herr von Puchheim genannt. Sowohl Name wie Bezifferung sind je nach Autor verschieden. In der älteren Version im „Adler“ wird er Albert III. genannt, hingegen in der rezenteren Darstellung, der Dissertation von Christoph TepperbergChristoph Tepperberg: Die Herren von Puchheim im Mittelalter. Beiträge zur Geschichte des landsässigen Adels von Niederösterreich. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, eingereicht Herbst 1978. wird er als Albero V. bezeichnet. Albero V. war zu seiner Zeit einer der führenden österreichischen Adeligen im Herrenstand, der als bedeutender Lehensträger, Berater, Feldherr, Staatsmann und Kreditgeber drei Herzögen von Österreich aus dem Haus Habsburg diente: Albrecht II. dem Weisen, Herzog von Österreich von 1330 bis 1358), Rudolf IV. „dem Stifter“, Herzog von Österreich von 1358 bis 1365 und Albrecht III., Herzog von Österreich von 1365 bis 1383. Er war erblicher Oberster Truchsess im Herzogtum Österreich und mit wichtigen Regierungsämtern betraut, so als Landeshauptmann im Herzogtum Steiermark und als Landvogt in den Österreichischen Vorlanden in Schwaben und im Elsass und übernahm für die Herzöge auch diplomatische Missionen. Zusätzlich war er für seinen Bruder, Pilgrim II. von Puchheim, Fürsterzbischof von Salzburg (von 1365 bis 1396) und auch als Landeshauptmann im Fürsterzbistum Salzburg tätig. Als Herr der Herrschaften Raabs an der Thaya, Litschau, Heidenreichstein, Illmau, Dobersberg etc. umfasste sein Besitz beinahe das ganze Gebietes der historischen Grafschaft Raabs im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich und er war dank weiterer Erwerbungen einer der bedeutendsten Lehensträger der Herzöge von Österreich. Albero V. war der nähere Stammvater des Hauses Puchheim, das sich in mehrere Linien, zu Litschau, zu Heidenreichstein, zu Raabs an der Thaya, zu Horn zu Göllersdorf etc. aufspaltete und mit dem Grafen Franz Anton von Puchheim, Bischof von Wiener Neustadt († 1718) in männlicher Linie erlosch. Durch Adoption ging der Name der Familie 1711 auf das Haus Schönborn-Buchheim über.
Herkunft mini|Feste Puchheim 1674
Die Herkunft dieses ursprünglich edelfreien Adelsgeschlechtes der Herren von Puchheim ist nicht leicht festzustellen, da es früh in verschiedenen Landesteilen auftrat – so im Salzburgischen, im heutigen Bayern, im oberösterreichischen Attergau und etwas später auch in der Steiermark, wobei sich die Familienmitglieder jeweils nach ihren verschiedenen Ansitzen nannten, so etwa nach Weng, nach Schalchham oder nach dem bis heute bestehenden, namensgebenden Stammschloss Puchheim (heute Teil der Gemeinde Attnang-Puchheim in Oberösterreich). Der ursprüngliche Schwerpunkt wird heute wegen der frühen und engen Beziehungen im Gebiet des Fürsterzbistums Salzburg gesehen.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 5/6.
Stammvater Als Stammvater wird Udalichus nobilis vir de Wenge angesehen, der um 1070 auf Befehl von König Heinrich IV. eine Frau namens Grotta mit ihrer Nachkommenschaft der Stift Ranshofen zu einem jährlichen Dienst von fünf Pfennigen zueignet. Andreas von MeillerAndreas von Meiller: Regesten der Salzburger Erzbischöfe. S. 432. verlegt das Datum dieser Erstnennung jedoch auf die Zeit 1115–1120, und damit in die Zeit der Herrschaft von Kaiser Heinrich V., da die Zeugen bereits mit Zunamen auftreten. Im Jahre 1108 erscheinen Pilgrim und Hartmann von Puchheim als Zeugen des Markgrafen Ottokar von Steiermark (regiert 1082–1122) in dessen Stiftungsbrief für das Stift Garsten im heutigen OberösterreichJohann Wilhelm Graf von Wurmbrand: Collectanea Genealogico-Historica ex Archivo inclytorum Austriae inferioris statum. 1705.
Im Jahre 1133 scheint „Pilgrimus nobilis homo de Pucheiman“ in einer Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von Abenberg von Salzburg als Inhaber mehrerer Salzburger Lehen auf.J. Siebmacher’s großes Wappenbuch, Band 27, Die Wappen des Adels in Oberösterreich. S. 278; Reprintausgabe, Verlag Bauer und Raspe, Neustadt an der Aisch 1984. Ein Jahr später tritt er als „Pilgrimus de Wenge homo liber“ in einer Urkunde auf, mit der er die Brücke über die Vöckla an Erzbischof Konrad von Salzburg übergibt.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 5.
Der Status der Edelfreiheit ging Ende des 12. Jahrhunderts verloren, als das Geschlecht in die Ministerialität der steirischen Ottokare eintrat.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 1.
Die Herren von Puchheim zählten bereits zur Zeit der Babenberger zum engen Kreis der führenden Familien in Österreich und gelten daher als eines der sogenannten „Apostelgeschlechter“ des österreichischen Herrenstandes.
Der Großvater Der Großvater von Albero V., Albero II. von Puchheim (cl. 1242; † 1308), war 1258 mit Agnes von Liebenstein, einer Nichte des Bischofs von Passau, Otto von Lonsdorf (regiert 1254–1265), verheiratet. Er erlebte die Machtkämpfe um die Nachfolge der ersten österreichischen Herrscherdynastie, der später so genannten Babenberger, um die sich mehrere Prätendenten stritten, bis sich Ottokar II. Přemysl (ab 1253 König von Böhmen) 1251 in Österreich, 1261 in der Steiermark und 1269 auch in Kärnten als Herzog durchsetzte, was er mit der 1252 erfolgten Eheschließung mit Margarete von Österreich, einer Schwester des letzten Herzogs ihrer Familie, Friedrich II. dem Streitbare von Österreich († 1246) legitimierte.
Angesichts der akuten Bedrohung seiner Herrschaft durch den Römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg versuchte König Ottokar II. Přemysl die Unterstützung bedeutender österreichischer Adeliger zu gewinnen. So bemühte er sich auch um Albero II. von Puchheim, indem er diesen – in seiner Eigenschaft als Herzog von Österreich – am 6. Oktober 1276 in der Stadt Freistadt in Oberösterreich das wichtige Hofamt des Obersten Truchsessen in Österreich übertrug und ihn mit den damit verbundenen Pertinenzen, den Herrschaften Feldsberg (heute in Tschechien) und Orth an der Donau (in Niederösterreich) belehnte. Wie dringend diese Aktion war, zeigt die Tatsache, dass sie einen Tag nachdem König Rudolf am 5. Oktober 1276 mit seinen Truppen in Linz eingelangt war erfolgte! Albero II. von Puchheim zählte daher offensichtlich zu den letzten österreichischen Getreuen von König Ottokar II.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 16.
Dies hinderte Albero II. von Puchheim jedoch nicht, nach der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen (26. August 1278) umgehend in die Gefolgschaft des Siegers, König Rudolf I. von Habsburg einzutreten und zu einem seiner wichtigen Gefolgsleute und Berater zu werden, wobei er auch als Oberster Truchsess im Herzogtum Österreich bestätigt wurde. Albero II. tritt daher ab 1277 daher vielfach in Urkunden von König Rudolf I. und später von Albrecht I. als Zeuge auf.Johann Wilhelm Graf von Wurmbrand: Collectanea Genealogico-Historica ex Archivo inclytorum Austriae inferioris statum. 1705. Als König Rudolf I. 1281 Wien verlässt und seinen Sohn Albrecht von Habsburg zum Reichsstatthalter einsetzt war Albero II. von Puchheim einer der aus den führenden Familien Österreichs stammenden „geschworene Räte“, die Albrecht I. zur Seite standen. Im Jahre 1282 belehnt ihn Herzog Albrecht I. mit dem Schloss Clusen und mit dem Amt und den Einnahmen von Bad Ischl.Artikel „Puchheim“ in „Adler“ S. 133. Albero II. war mit Agnes von Liebenstein vermählt.
Der Vater Alberos Vater, Pilgrim IV. Herr von Puchheim (* Ende 13. Jahrhundert, cl. 1306; † nach 7. Februar 1341, vor 10. Jänner 1343), war Oberster Truchsess in Österreich und der erste seines Hauses, der bemüht war, größeren Besitz in Österreich unter der Enns (Niederösterreich) zu erwerben. Als Truchsess von Österreich besaß er bereits die damit verbundenen Herrschaften Feldsberg und Orth an der Donau. Darüber hinaus erwarb er u. a. Mallebarn (in der Gemeinde Sierndorf), 1317 das burggräflich-nürnbergische Lehen Göllersdorf und 1317 die Festung Weyerburg.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 37. Im Jahre 1325 erwarb er von Hadmar und Mertlein den Stuchsen von Trautmannsdorf das Gericht und die Maut zu Schwechat (in Niederösterreich, bei Wien) als Pfand um 900 Pfund Wiener Pfennige.Eduard Marie Fürst Lichnowsky: Geschichte des Hauses Habsburg. III. Teil, von der Ermordung König Albrechts bis zum Tode Herzog Albrecht des Weisen; Wien, 1838, Schaumburg und Compagnie; Urk. 672, S. CCCXCII (Digitalisat).
Pilgrim IV. von Puchheim heiratete in erster Ehe Elisabeth Herrin von Stubenberg († 15. Juli 1315), eine Tochter von Ulrich Herrn von Stubenberg auf Kapfenberg und Guttenberg (in der Gemeinde Grafenschlag im Bezirk Zwettl) u. d. Elisabeth Gräfin von Pfannberg († nach 28. September 1301) einer Tochter von Heinrich Graf von Pfannberg.Siebmacher’s Grosses Wappenbuch, Band 26, Die Wappen des Adels in Niederösterreich, Teil 2, S. 268.
Pilgrim IV. von Puchheim heiratete 1317 in zweiter Ehe Kunigunde Stuchs von Trautmannstorf († 1325), eine Tochter von Hadmar dem Älteren Stuchs auf Trautmannsdorf und Neusiedel, († 1352) und der Kunigunde von Plankenstein, († 1328) eine Tochter von Otto dem Älteren von Plankenstein auf Liebeck.Siebmacher’s Grosses Wappenbuch, Band 26, Die Wappen des Adels in Niederösterreich, Teil 2, S. 282.
Leben Jugend Das genaue Geburtsdatum von Albero V. von Puchheim ist nicht bekannt. Nach Christoph Tepperberg wurde er wohl spätestens 1314 geboren, da seine Mutter Elisabeth Herrin von Stubenberg 1315 bereits als verstorben bezeichnet wurde.Tepperberg, Puchheim, op. cit. Anmerkung 202.
Geschwister Albero V. hatte drei Geschwister: Anna von Puchheim († 1350), ⚭ 1318 Gundacker von Losenstein auf Gschwendt, Landrichter zu Velden († 1347)Siebmacher’s Grosses Wappenbuch, Band 26, Die Wappen des Adels von Niederösterreich, Band 2, S. 214.); Er war der Stammvater der Hauptlinie seines 1692 erloschenen Hauses. Heinrich IV. von Puchheim († 1341), Feldhauptmann von Herzog Albrecht II., dem er 500 Ungarn im Krieg gegen die Zürcher zuführte, ⚭ 1325 Elisabeth von Rauhenstein, eine Tochter von Albero (Albert) dem Älteren von Rauhenstein und der Clara. Eine Ehe, durch die später u. a. die Herrschaften Rauhenstein und Weierburg an die Puchheim kamen.Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 38/39. Margaretha von Puchheim, († 1343), ⚭ 1326 Gottschalk der Jüngere von Neidberg (Neuberg an der Mürz), cl. 1360, Sohn des Dietrich von Neidberg († 1299) und der Kunigunde von Plankenstein (Tochter von Otto dem Älteren von Plankenstein. Er war der Stammvater seiner Familie, die mit Johann von Neidberg auf Neudau etc., Erbkämmerer in Steiermark, 1483 in männlicher Linie erlosch.Siebmacher. Niederösterreich. op. cit. Teil 2, S. 279.
Albero hatte auch Halbgeschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters Pilgrim mit Kunigunde Stuchs von Trauttmannstorf († 1325). Hans I. von Puchheim (cl. 1343; † 1376) auf Blumenau, Lichtenwörth, St. Peter, St. Georgen, Fürchtenwerth, Achenau, Göllersdorf und Traiskirchen, der die Festung Burgau im Lafnitztal in der Oststeiermark erbaute, ⚭ vor 1365 Sophie von Kapellen. Sein einziger Sohn Hans III. von Puchheim starb unvermählt wohl 1394,Tepperberg, Puchheim, op. cit. S. 42, 44. Seine Tochter, Elisabeth von Puchheim, ⚭ I. den „gewaltigen Hofmeister“ Hans von Liechtenstein auf Nikolsburg, Feldsberg, Pernstein, Eisgrub (heute Lednice in Tschechien), Dürnholz, Lundenburg, Neuhaus, Reichersdorf, Kastendorf, Pottendorf, Mühlbach u. Rabensburg († 14. März 1397) und ⚭ II. vor 5. Mai 1399 Johann dem Jüngeren, Herrn von Stubenberg, herzoglichem Truchsess († vor 18. Mai 1418 als Witwer), blieb jedoch kinderlos.Siebmacher Niederösterreich Teil 2, S. 268.