mini|Plan von Bovillae Bovillae () war eine antike Stadt 11 Meilen oder 18 Kilometer südöstlich von Rom in Latium. Die Ruinen der Stadt befinden sich auf dem Gemeindegebiet der modernen Stadt Marino bei der Fraktion Frattocchie. Der Name der Stadt wurde der antiken Volksetymologie zufolge von einem entlaufenen Stier ()Scholion zu Persius 6,55. oder dessen EingeweidenNonius Marcellus 122 M, dessen handschriftliche Überlieferung die verwirrende Schreibweise Bohillae für den Stadtnamen bietet. hergeleitet.

Geschichte Bovillae galt als eine von Alba Longa aus gegründete Kolonie.Diodor Fragmente 1.17; Origo gentis Romanae 17. Dionysios von Halikarnassos zählt es zu den dreißig Städten des latinischen BundesDionysios 5,61. und laut Cicero nahmen die Bovillani an den Bundesfesten, den feriae Latinae, für Jupiter Latiaris auf dem mons Albanus teil.Cicero, Pro Cn. Plancio 23.

In republikanischer Zeit galt Bovillae als Ort, an dem die Heiligtümer aus dem angeblich 665 v. Chr. von Tullus Hostilius zerstörten Alba Longa aufbewahrt wurden.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro Milone 17. Hierzu zählte insbesondere das sacrarium der gens Iulia, der Gaius Iulius Caesar und Kaiser Augustus entstammten, von dem eine dem Gott Veiovis geweihte Altarinschrift aus Bovillae erhalten ist.: Vediovei patrei / genteiles Iuliei // Vedi[ov]ei aara // Leege Albana dicata. Tiberius, der Adoptivsohn des Augustus, ließ es im Jahr 16 n. Chr. wiederherstellen.Tacitus, Annalen 2,41. Das Priesterkollegium für den vergöttlichten Augustus, die sodales Augustales, hatte in der Stadt sein Amtslokal. Ihrer Verbindung zu Alba Longa bewusst, nannten sich die Einwohner der Stadt in Inschriften mehrfach Albani Longani Bovillenses., 2406, 2409, 2411.

Die Legenden der Frühzeit Roms lassen Gnaeus Marcius Coriolanus die Stadt im Jahr 489 v. Chr. erstürmenDionysios 7,20; Plutarch, Coriolan 20. und über Bovillae triumphieren.Florus 1,5,6.

Laut dem liber coloniarum wurde die Stadt aufgrund eines Gesetzes Sullas mit einer Mauer umgeben und Veteranen wurden angesiedelt.Liber coloniarum 1,231: Bobillae, oppidum. lege Sullana est circum ducta. iter populo non debetur. agrum eius ex occupatione milites veterani tenuerunt in sorte. Bei Bovillae fand 52 v. Chr. die pugna Bovillana, der Kampf zwischen den Anhängern des Titus Annius Milo und jenen des Publius Clodius Pulcher, statt,Appian, bellum civile 2,21; Cicero, pro Milone 17; epistulae ad Atticum 5,13,1; Livius, Epitome 107; Velleius 2,47. bei denen Clodius den Tod fand. In der römischen Kaiserzeit war die Stadt Municipium und einer der beliebten Vororte im Umland RomsProperz 4,1,33; Ovid, Fasti 3,667. mit einer ausgeprägten Villenlandschaft.Jochen Werner Mayer: Imus ad villam: Studien zur Villeggiatur im stadtrömischen Suburbium in der späten Republik und frühen Kaiserzeit. Steiner, Stuttgart 2005, S. 88–96 Die Stadt verfügte auch über einen Circus, Austragungsort der von Tiberius gestifteten ludi Augustales.Vgl. Tacitus, Annalen 15,23

Zu erreichen war die Stadt über die Via Appia, die im Jahr 293 v. Chr. bis Bovillae als gepflasterte Straße ausgebaut worden war.Livius 10,47,4. An der Via Appia verzeichnet auch die Tabula Peutingeriana den Bobellas genannten Ort, während das Itinerarium Antonini ihn nicht erwähnt.

Entdeckungsgeschichte Die Entdeckungsgeschichte der Stadt, deren Ruinen durch die Jahrhunderte erhalten blieben, setzte bereits im 16. Jahrhundert ein. Onofrio Panvinio hatte die Reste des Circus von Bovillae inter Appiam, & Ardeatinam uias beschrieben, ohne den zugehörigen Ort identifiziert zu haben.Onofrio Panvinio: De ludis circensibus. Band 1. Venedig 1600, S. 56 Kapitel XXVI. Die Inschriften der Albani Longani Bovillenses wurden erstmals im 16. und 17. Jahrhundert publiziert.Andrea Pancotti: La scoperta e la distruzione dei resti monumentali di Bovillae. In: Massimiliano Valenti (Hrsg.): Colli Albani. Protagonisti e luoghi della ricerca archeologica nell’Ottocento. Cavour, Frascati 2011, S. 178–184, hier S. 178. Lukas Holste war der erste, der in den Ruinen von Li Fratocchi das antike Bovillae erkannte.Lukas Holste: Annotationes in geographiam sacram Caroli à S. Pavlo; Italiam antiqvam Clvverii; et thesavrvm geographicvm Ortelii: quibus accedit Dissertatio duplex de Sacramento Confirmationis apud Graecos. Dragondelli, Rom 1666, S. 184 der Annotationes in Italiam antiqvam Clvverii (Digitalisat).

Die systematische Erforschung setzte insbesondere mit Giuseppe Tambroni (1773–1824) ein, der auf Einladung Vincenzo Colonnas (1787–1867) das im Besitz der Colonna befindliche Gebiet Anfang der 1820er Jahre untersuchte.Giuseppe Tambroni: Intorno alcuni edificii ora riconosciuti dell'antica città di Boville. Lettera al ch. Signor Pietro De Lama direttore dell’Imperiale e Regio Museo d’antichità in Parma. Salviucci, Rom 1823. Zwischen 1849 und 1853 führte Luigi Canina im Auftrag Papst Pius IX. ausgedehnte Untersuchungen an der Via Appia durch, die die Ruinen von Bovillae einschlossen.Zu Bovillae siehe Luigi Canina: La prima parte della Via Appia dalla Porta Capena a Boville. Band 1. Bertinelli, Rom 1853, S. 200–216 Taf. XLVIII (Digitalisat). Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Ruinen der Stadt zerstört. Giuseppe Tomassetti (1848–1911) unternahm Ende des Jahrhunderts den Versuch, sämtliches Inschriftenmaterial, die noch zugänglichen Hinterlassenschaften und Dokumentationen neu zu sichten.Giuseppe Tomassetti: I monumenti e la topografia dell’antica Bovillae. In: Dissertazioni della Pontificia Accademia romana di archeologia. Band 21, 1900, S. 279–309.

Literatur Alexandru Doboşi: Bovillae. Storia e topografia. In: Ephemeris Dacoromana. Band 6, 1935, S. 240–367 Peter Hatlie (Hrsg.): Ancient Bovillae. History, Art, and Archaeology of a Lost City in the Roman Hinterland. University of Michigan Press, Ann Arbor 2025, ISBN 9780472133543.

John H. Humphrey: Roman Circuses. Arenas for Chariot Racing. University of California Press, Berkeley / Batsford, London 1986, S. 561–567. Andrea Pancotti: La scoperta e la distruzione dei resti monumentali di Bovillae. In: Massimiliano Valenti (Hrsg.): Colli Albani. Protagonisti e luoghi della ricerca archeologica nell’Ottocento. Cavour, Frascati 2011, S. 178–184 (Digitalisat). Giovanni Maria De Rossi: Bovillae (= Forma Italiae. Regio I, Band 15). Olschki, Florenz 1979, bes. S. 298–323. Frank Sear: Roman Theatres. An Architectural Study. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 121.

Weblinks

Theater von Bovillae bei theatrum.de – Website der Direktion Landesarchäologie Mainz

Anmerkungen

Kategorie:Römische Stadt in Italien Kategorie:Archäologischer Fundplatz im Latium Kategorie:Marino (Latium)