mini|U5-Baustelle Frankhplatz, Mai 2021 mini|U5-Baustelle Rathaus (Friedrich-Schmidt-Platz, Mai 2021) mini|U2-Baustelle Neubaugasse (Mariahilfer Straße, Juli 2021) mini|U2-Baustelle Pilgramgasse (Hofmühlgasse, Mai 2021) mini|U2-Baustelle Reinprechtsdorfer Straße (Bacherplatz, Mai 2021) mini|U2-Baustelle Matzleinsdorfer Platz (Oktober 2021) Das Linienkreuz U2/U5 (Eigenschreibweise Linienkreuz U2xU5) ist ein in Bau befindliches Ausbauprojekt der U-Bahn Wien. Es sieht 12 neue Stationen, 9 km Strecke und die Schaffung einer neuen U-Bahn-Linie U5 vor. Das Projekt soll in zwei Ausbaustufen bis spätestens 2035 realisiert werden.
Die U2 wird, von der Seestadt Aspern kommend, ab der U-Bahn-Station Schottentor einen neuen Südast zum Wienerberg bekommen. Der bestehende Streckenabschnitt der U2 vom Karlsplatz zum Rathaus und eine Neubaustrecke weiter zum Bahnhof Hernals werden die Strecke der U5. Die U5 soll zur ersten vollautomatischen U-Bahn-Linie Wiens werden. Die Kosten für die erste Ausbaustufe belaufen sich auf ca. 2,1 Mrd. Euro. Insgesamt soll das ganze Projekt etwa 6 bis 7 Milliarden Euro kosten. Am 8. Oktober 2018 begannen die ersten Vorarbeiten, am 11. Jänner 2021 die Hauptarbeiten.
Projektgegenstand 1) Bestandstation U2 2) Erster Teil des Ausbauprojekts (vierte Ausbaustufe) 3) Zweiter Teil des Ausbauprojekts (fünfte Ausbaustufe) Gegenstand des Ausbauprojekts ist neben der Errichtung des Linienkreuzes bei der U-Bahn-Station Rathaus die Errichtung einer neuen Südstrecke der U2, die Errichtung einer neuen Nordstrecke für die neue U5 und die Adaptierung der bestehenden U2-Stationen vom Karlsplatz bis zum Rathaus für den auf der Linie U5 geplanten vollautomatischen Betrieb. Die Realisierung des Projekts erfolgt in zwei Teilen, wobei der erste Teil gegenwärtig im Rahmen der vierten Ausbaustufe der U-Bahn Wien errichtet wird und der zweite Teil für die fünfte Ausbaustufe angedacht ist.
Die für U2 und U5 neu zu bauenden Strecken sollen vollständig im Tunnel verlaufen. Die neu errichteten Stationen der U2 werden entsprechend dem bereits bei der Verlängerung der U2 zur Seestadt Aspern verwendeten Liniendesign der U2, die neu errichteten Stationen der U5 nach einem neuen, von YF Architekten und Franz&Sue Architekten entworfenen Liniendesign der U5 gestaltet.
U2 Die U2 wird von der Seestadt kommend ab der Station Schottentor eine neue Strecke bekommen. Die erste Station nach der Station Schottentor wird die Station Rathaus sein, wo für die U2 neue Bahnsteige errichtet werden, da die bestehenden Bahnsteige der U5 dienen werden. Das derzeit von der U2 benutzte Gleis wird ein Betriebsgleis. Damit wird der bisher engste Bogen im Wiener U-Bahn-Netz für den Regelbetrieb wegfallen.
Nach dem Rathaus wird die nächste Station die U-Bahn-Station Neubaugasse sein, wobei die U2-Station in 35 Meter Tiefe unter der bestehenden Station der U3 errichtet wird. Von hier führt die neue Strecke auf direktem Weg zur U-Bahn-Station Pilgramgasse, wo eine Verknüpfung mit der U4 hergestellt wird. Hier werden neue Bahnsteige unter denen der U4 und unter dem Wienfluss errichtet. Die Strecke führt ab hier weiter südlich unter dem 5. Bezirk zur U-Bahn-Station Reinprechtsdorfer Straße. Ab hier verläuft die U2 dann zur S-Bahn-Station Matzleinsdorfer Platz.
Im zweiten Teil des Ausbauprojekts Linienkreuz U2/U5 soll die U2 von hier weiter südlich über die Station Gußriegelstraße zur neuen Endstation am Wienerberg verlängert werden.
U5 Die neue U5 wird die bestehende Strecke der U2 vom Karlsplatz zum Rathaus übernehmen. Umsteigemöglichkeiten bestehen am Karlsplatz zur U1 und U4, am Volkstheater zur U3 sowie am Rathaus zur U2, die neue Bahnsteige unterhalb der derzeitigen bekommt. Ab der Station Rathaus erfolgt der Streckenneubau. Die U5 folgt der Landesgerichtsstraße bis zur neuen U-Bahn-Station Frankhplatz. Diese Station befindet sich mitten im Universitätsviertel und wird einen Umstieg zu den Straßenbahnlinien 43 und 44 ermöglichen. Die Station Frankhplatz wird einstweilen Endstation sein, da die weitere Strecke zum Bahnhof Hernals an der Vorortelinie (S45) zum zweiten Teil des Ausbauprojekts Linienkreuz U2/U5 gehört. Die U5 führt vom Frankhplatz in einem Linksbogen zur U-Bahn-Station Arne-Karlsson-Park an der Kreuzung von Währinger Straße und Spitalgasse, an der gegenwärtig sieben Straßenbahnlinien aufeinandertreffen. In einem weiteren Linksbogen wird die neue Kreuzungsstation Michelbeuern-AKH mit der U6 erreicht. Das Allgemeine Krankenhaus bekommt somit einen Anschluss an eine zweite U-Bahn-Linie. Von hier führt die U5 über den Elterleinplatz zu ihrer vorläufigen Endstation am Bahnhof Hernals.
Ursprünglich war für den zweiten Teil nur eine Streckenführung zum Elterleinplatz geplant, bei einer Pressekonferenz der Stadt Wien und der Wiener Linien am 17. Dezember 2020 wurde in den Raum gestellt, dass die U5 gleich bis zum Bahnhof Hernals verlängert werden könnte, was auch in den Vereinbarungen mit dem Bund so vorgesehen ist.Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und dem Land Wien über die vierte und fünfte Ausbauphase der Wiener U-Bahn, samt Anlage.
Die U5 soll die erste vollautomatische U-Bahn-Linie Wiens werden. Dazu wurden von den Wiener Linien neue U-Bahn-Züge (X-Wagen) bei Siemens bestellt. Aus Sicherheitsgründen werden auf der Strecke der U5, auch an den bereits bestehenden Stationen, Bahnsteigtüren errichtet. Diese öffnen und schließen sich zeitgleich mit den Türen des Zuges.
Variantenuntersuchung
Untersucht wurden im Vorfeld mehrere Varianten der Linienführungen der Verlängerung der U2 und der neuen U5. Dies vor allem mit der grundsätzlichen Frage, ob die beiden Linien als Tangentenlösung oder als Linienkreuz, jeweils mit der Verknüpfung bei der Station Rathaus, geführt werden sollen.
Um die stark belastete Straßenbahnlinie 43 zu entlasten, sollte eine U-Bahn-Strecke vom Stadtzentrum nach Hernals errichtet werden. Weitere Möglichkeiten, die Straßenbahnlinie 43 zu verstärken, bestehen nicht, da sich die Züge gegenseitig behindern würden. Daher bleibt nur eine Entlastung durch eine U-Bahn-Strecke. Diese soll zwischen den Linien U3 (Ottakring) und U4 (Döbling) verkehren.
Die U6 und die Buslinie 13A sollen mit einer neuen U-Bahn-Linie entlastet werden. Die neue Strecke soll zwischen U6 und U1 parallel dazu verlaufen.
Die neu zu errichtenden Streckenäste (Hernals und Favoriten) sind nur durch eine zusätzliche U-Bahn-Linie verknüpfbar. Daher wurde eine neue Linie U5 vorgesehen. Die Verknüpfung kann auf zwei Arten erfolgen, über ein Linienkreuz oder in Form einer Tangentenlösung.
Bei der Tangentenlösung würde die neue U5 beide neuen Streckenäste bedienen. Die U2 bliebe in ihrer bisherigen Form erhalten. Die Verknüpfung der beiden Linien würde an einem U-Bahnhof am Ring oder über mehrere Verknüpfungspunkte erfolgen, wenn die neue Strecke in den ersten Bezirk hineingezogen werden würde. Die Linie U5 würde somit vom Westen in den Süden führen.
Bei der Kreuzungslösung würden die Linien U2 und U5 bei einer Station am Ring die Streckenäste tauschen.
Im Zuge der Untersuchung stellte sich die Kreuzungslösung als bessere Variante heraus. Aufgrund der kreuzenden Linien entstehen neue Direktverbindungen und die hochbelastete Station Schottentor wird um ein Drittel entlastet. Die Tangentenlösung wäre zwar einfacher auszuführen, jedoch würden dadurch weniger Direktverbindungen entstehen.
Linienführung U5 In der Voruntersuchung fiel die Wahl auf die Kreuzungslösung. Ebenso stellte sich die Frage, ob das Linienkreuz bei der bestehenden U2-Station Rathaus oder bei einer neu errichteten Station Frankhplatz liegen soll. Der Frankhplatz hätte den Vorteil, dass diese Station komplett neu gebaut wird, und somit wäre die Station weniger kompliziert herzustellen, als die bestehende Station Rathaus zu erweitern. Diese Variante hat aber den Nachteil, dass die U2 ab dem Schottentor nach Westen geleitet werden müsste und somit die U2 einen großen Umweg fahren müsste. Eine Verknüpfung bei der Station Rathaus bringt für mehr Fahrgäste mehr Komfort. Die Wahl fiel somit auf die Station Rathaus als Verknüpfungspunkt.
Vom Rathaus zum Gürtel (U6) hätte die Trassierung der U5 über zwei Varianten erfolgen können. Die U5 könnte bei der U-Bahn-Station Alser Straße oder bei der Station Michelbeuern mit der U6 verknüpft werden. Die Führung über die Lazarettgasse und die Alser Straße hätte zwar den Vorteil, dass sie kürzer ist, jedoch steht das Stationsgebäude der Station Alser Straße unter Denkmalschutz. Eine Verknüpfung kann hier also nur indirekt über das Straßenniveau erfolgen. Eine Führung über den Arne-Karlsson-Park und das AKH hat den Vorteil, dass bei der Spitalgasse die Straßenbahnen der Währinger Straße direkt an die U-Bahn angeschlossen werden können und die Station Michelbeuern-AKH einfacher zu erweitern ist. Des Weiteren wird das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien (AKH), eines der größten Krankenhäuser Europas, mit einer zweiten U-Bahn-Linie angebunden.
Der Elterleinplatz befindet sich genau im Bezirkszentrum von Hernals. Hier gibt es Umstiegsmöglichkeiten zu den Straßenbahnlinien 9, 43 und 44. Die stark ausgelastete Straßenbahnlinie 43 kann somit entlastet werden. Als nächste Station käme der Bahnhof Hernals in Betracht, wo eine Umsteigemöglichkeit zur Vorortelinie (S45) entstehen würde.
In weiterer Folge könnte die U5 dann von Hernals bis nach Dornbach verlängert werden.
Linienführung U2 Die U2 verläuft vom Rathaus über die Neubaugasse (U3) bis zur Pilgramgasse (U4). Von hier wurden mehrere Varianten untersucht. Die U2 kann mit der S-Bahn-Stammstrecke entweder am Hauptbahnhof, am Matzleinsdorfer Platz oder beim Bahnhof Meidling verknüpft werden.
Für die Variante Hauptbahnhof sprechen die niedrigen Baukosten und der Anschluss an den Fernverkehr. Dagegen spricht, dass das Gebiet bereits sehr gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist und der Hauptbahnhof gerade erst gebaut wurde, weshalb man eine neuerliche Baustelle eher vermeiden will. Des Weiteren kann die U6 nicht entlastet werden.
Die Variante Meidling hätte den Vorteil eines Anschlusses an den Fernverkehr und die größte Entlastung der U6; jedoch ist eine weitere Verlängerung über Meidling hinaus nicht mehr sinnvoll, da hier die Bevölkerungsdichte sehr gering ist und Parallelführungen zur Verbindungsbahn und Südbahn entstehen würden.
Die Variante Matzleinsdorfer Platz bietet die Möglichkeit, den 10. Bezirk über den Gürtel zu erschließen. Ab hier bieten sich zwei weitere Streckenführungen an. Ab dem Matzleinsdorfer Platz könnte die Raxstraße angefahren werden oder der Wienerberg. Beide Varianten würden den 10. Bezirk sehr gut anbinden. Die Führung zur Raxstraße hätte das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Bei der Raxstraße gibt es aber kaum städtebauliche Möglichkeiten. Die Verlängerung zum Wienerberg hätte die Vorteile, dass der Wienerberg mit seinen Hochhäusern direkt ans U-Bahn-Netz angeschlossen wäre. Des Weiteren sind hier städtebauliche Möglichkeiten vorhanden. Die Wienerberg-Tangente kann so auch homogener ausgelastet werden. Weiters wird die U6 besser entlastet. Die U2 kann so auch später noch nach Süden Richtung Inzersdorf verlängert werden. Die Wahl fiel somit auf den Wienerberg.
Verkehrswirkung der gewählten Variante