mini|300px|Opferprozession mit vorausgehender Kanephoros und Kanoun (Pitsa-Tafel aus der Nähe von Korinth, um 540–530 v. Chr., NAMA 16464) Kanoun (, auch , Plural ) bezeichnet meist den Opferkorb im griechischen Opferwesen.

Das Wort leitet sich wahrscheinlich von dem griechischen Wort für Rohr – – ab und meinte ursprünglich einen aus Rohr geflochtenen Behälter. In Ilias und Odyssee Homers wird der Begriff Kanoun meist in profanem Zusammenhang als Behältnis zum Aufbewahren von Brot,Homer, Ilias 9,216 f.; 24,625 f.; Odyssee 1,147; 8,69 f. und öfter. ZwiebelnHomer, Ilias 11,630. und SpeiserestenHomer, Odyssee 20,299 f. verwendet. Doch auch zur Entnahme und zur Aufbewahrung der Opfergerste kennt Homer das Kanoun.Homer, Odyssee 3,439–442; 4,761.

Während das Wort in den literarischen Zeugnissen des 6. Jahrhunderts v. Chr. nicht begegnet, erscheint es im 5. Jahrhundert v. Chr. als Opferkorb.Aristophanes, Die Vögel 848–850; Der Frieden 947 f. 956 f. Das Kanoun diente nun dem Transport der Opfergerste, der Binden und des Opfermessers bei Tieropfern. Ob das Opfermesser auf diese Weise vor dem Opfertier verborgen – wie es späte Erklärungsversuche nahelegen –. oder durch die Berührung mit der Gerste geheiligt werden sollte, ist nicht abschließend geklärt.Pierre Bonnechere: La μάχαιρα était dissimulée dans le κανοὺν: quelques interrogations. In: Revue des études anciennes. Band 101, 1999, S. 21–35

Die Kana wurden von Korbträgerinnen, den Kanephoren, in einer Prozession zum Ort des Opfers getragen. Aus archaischer Zeit sind allerdings auch zwei Darstellungen mit männlichen Korbträgern bekannt. Am Altar angekommen, werden die Kana dem Priester übergeben, bei Aristophanes wird zuvor der Altar umrundet.Aristophanes, Die Vögel 956 f. Über den Opferkörben konnte vereidigt werden, ihre Berührung setzt rituelle Reinheit voraus.Siehe die pseudo-demosthenische Rede Demosthenes 59,78 (Gegen Neaira) und Demosthenes, Gegen Androtion 78. Dies unterstreicht die sakrale Aufladung des Kanoun selbst, das zudem als kanoun nymphikon eine Rolle in den Hochzeitsritualen, und somit im privaten Bereich spielte.

Das Kanoun konnte aus unterschiedlichen Materialien gefertigt sein. Literarische Quellen und Tempelinventare nennen Gold, Silber und Bronze, zudem vergoldete Konstruktionen aus Rohr- und Weidengeflecht. Darstellungen in der griechischen Vasenmaler zeigen Kana verschiedener Formgebung. Neben flachen, teller- oder tablettförmigen Körben kommen vor allem in Athen Kana mit höheren Wandungen und drei hochgezogenen Henkeln vor. Die Dreizahl der Henkel bleibt bei allem Wandel ihrer Darstellung kennzeichnend für die attischen Stücke. Versuche, diese dreihenkligen Kana im Fundmaterial vorarchaischer Zeit nachzuweisen und aus älteren, gar mykenischen Vorbildern abzuleiten,Jan Bažant: The Sacrificial Basket in Vase Painting and Possible Persistence of Several Elements of Minoan-Mycenaean Religion in Classical Greece. In: Acta Universitatis Carolinae philologica. Band 1, 1974, S. 61–86. sind umstritten.Siehe etwa Bernhard Schmaltz: Rezension zu Jochen Schelp: Das Kanoun, der griechische Opferkorb. In: Gnomon. Band 50, 1978, S. 770–775, hier S. 771–773; siehe aber Ingrid Krauskopf: Kanoun. In: Jean-Charles Balty, Mark Greenberg u. a. (Hrsg.): Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum. Band 5: Kultpersonal; Kultinstrumente. Getty Publications, Los Angeles 2005, S. 269–274, hier S. 269. Das klassische, wohl aus Athen stammende Kanoun mit drei Henkeln war in der Magna Graecia weniger verbreitet. Hier kommen auch henkellose Formen vor.

Dass die unterschiedlichen Formen des Kanoun in unterschiedlichen Opferzusammenhängen oder Phasen des Rituals – höhere Formen für die Prozession, flachere für die Durchführung des Opfers –So Jan Bažant: The Sacrificial Basket in Vase Painting and Possible Persistence of Several Elements of Minoan-Mycenaean Religion in Classical Greece. In: Acta Universitatis Carolinae philologica. Band 1, 1974, S. 61–86, hier S. 65–67. benutzt wurden, lässt sich nicht nachweisen. Ingrid Krauskopf schlug stattdessen vor, in den hohen Kana zweiteilig gearbeitete Behältnisse zu sehen, deren Oberteil man bei Bedarf während der Kulthandlung abnehmen konnte.Ingrid Krauskopf: Kanoun. In: Jean-Charles Balty, Mark Greenberg u. a. (Hrsg.): Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum. Band 5: Kultpersonal; Kultinstrumente. Getty Publications, Los Angeles 2005, S. 269–274, hier S. 270.

Literatur Ludwig Deubner: Hochzeit und Opferkorb. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 40, 1925, S. 210–223 (Digitalisat).

Jan Bažant: The Sacrificial Basket in Vase Painting and Possible Persistence of Several Elements of Minoan-Mycenaean Religion in Classical Greece. In: Acta Universitatis Carolinae philologica. Band 1, 1974, S. 61–86. Jochen Schelp: Das Kanoun, der griechische Opferkorb (= Beiträge zur Archäologie. Band 8). Konrad Triltsch, Würzburg 1975. Pierre Bonnechere: La était dissimulée dans le : quelques interrogations. In: Revue des études anciennes. Band 101, 1999, S. 21–35 (Digitalisat). Ingrid Krauskopf: Kanoun. In: Jean-Charles Balty, Mark Greenberg u. a. (Hrsg.): Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum. Band 5: Kultpersonal; Kultinstrumente. Getty Publications, Los Angeles 2005, S. 269–274.

Anmerkungen

Kategorie:Griechisches Opferwesen