Persée (LWV 60) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Tragédie en musique“) in einem Prolog und fünf Akten (sechs Bildern) von Jean-Baptiste Lully (Musik) mit einem Libretto von Philippe Quinault nach dem 4. Buch der Metamorphosen des Ovid. Die Uraufführung fand am 17. oder 18. April 1682 im Palais Royal der Pariser Oper statt.

Handlung

Prolog

Eine Bocage

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des Prologs. Partiturausgabe von 1710

Phronime und Megathyme unterhalten sich über ihre Gefährtin La Vertu (die Tugend), die sie für die Grundlage jede Glücks halten. La Vertu erscheint zusammen mit L’Innocence (der Unschuld), den Plaisirs innocents (unschuldigen Vergnügungen) und weiterem Gefolge. Sie sehnt sich nach einem ruhigen Rückzugsort, an dem sie den ständigen Angriffen der launenhaften Fortune (dem Glück) entgehen kann. Phronime und Megathyme und die anderen preisen La Vertu. Plötzlich entstehen überall in ländlichen Gegend prächtiger Schmuck, Statuen, vergoldete Blumen und Brunnen. La Fortune trifft zusammen mit La Magnificence (der Pracht), L’Abondance (dem Überfluss) und weiteren reich gekleideten Gefährten ein und bittet La Vertu um Frieden, denn ein edler Held (König Ludwig XIV.) habe ihr dies befohlen. Diesen Helden kennt auch La Vertue. Beide erkennen jetzt ihre gegenseitigen Vorzüge an und preisen den Helden, den die Götter zum Segen der Menschheit auf die Erde schickten. Früher hatten sie bereits in Persée ein Abbild dieses Helden geschaffen, und La Fortune bat Apollon, jenen heute erneut zum Leben zu erwecken.

Kurzfassung

1. Akt. Der aithiopische König Céphée, seine Gattin Cassiope und deren Schwester Mérope fürchten den Zorn der Göttin Juno, die sich von Cassiope beleidigt fühlt und aus Rache die Gorgone Méduse gegen das Land gesandt hat. Jeder, der sie diese anblickt, wird unverzüglich in Stein verwandelt. Um Juno zu besänftigen, werden ihr zu Ehren Spiele veranstaltet. Außerdem hat der Held Persée, ein Sohn Jupiters, versprochen, gegen Méduse zu kämpfen. Céphée verspricht ihm als Lohn die Hand seiner Tochter Andromède, die jedoch mit seinem Bruder Phinée verlobt ist. Mérope wiederum ist in Persée verliebt. Die Spiele müssen bereits kurz nach ihrem Beginn abgebrochen werden, als Nachrichten über neue Opfer Méduses eintreffen.

2. Akt. Phinée will Andromède nicht aufgeben. Diese hält zunächst zu ihm, erklärt dann aber doch Persée ihre Liebe. Der Götterbote Mercure verspricht Persée göttliche Hilfe bei seinem Kampf gegen Méduse. Er erhält ein Schwert und geflügelte Schuhe von Vulkan, einen Zauberschild von Pallas und den Helm Plutos.

3. Akt. Mercure versetzt Méduse und ihre beiden Gefährtinnen in Schlaf, und Persée trennt ihr den Kopf vom Leib.

4. Akt. Während die Aithiopier auf die Rückkehr Persées warten, lässt die noch immer zürnende Juno Andromède von Tritonen und Nereiden entführen, um sie einem Meeresungeheuer zum Fraß vorzuwerfen. Persée kann sie im letzten Moment retten.

5. Akt. Phinée verbündet sich mit Juno und entfesselt einen Aufstand, um die Hochzeit von Persée und Andromède zu unterbinden. Mérope warnt die anderen noch rechtzeitig, und Persée besiegt die zahlenmäßig überlegenen Gegner, indem er ihnen das Haupt Méduses zeigt und sie in Stein verwandelt. Zum Abschluss verkündet die Göttin Vénus, dass Juno ihren Zorn aufgegeben habe. Persée und Andromède können heiraten und werden wie auch Cassiope und Céphée als Sternbilder in den Himmel versetzt.

Erster Akt

Prächtig geschmückter und für die Spiele zu Ehren Junos vorbereiteter öffentlicher Platz

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des ersten Akts. Partiturausgabe von 1710

Szene 1. Der aithiopische König Céphée, seine Gattin Cassiope und deren Schwester Mérope fürchten den Zorn der Göttin Juno, die sich von Cassiope beleidigt fühlt und aus Rache die Gorgone Méduse gegen das Land gesandt hat. Jeder, der sie diese anblickt, wird unverzüglich in Stein verwandelt. Um Juno zu besänftigen, werden ihr zu Ehren Spiele veranstaltet. Außerdem hofft Céphée auf Hilfe durch den Helden Persée, einen Sohn Jupiters.

Szene 2. Cassiope wünscht, Persée durch eine Heirat mit ihrer Tochter Andromède enger mit der Familie zu verbinden. Diese ist jedoch bereits mit Céphées Bruder Phinée verlobt. Mérope weiß, dass Persée (den sie selbst ohne viel Hoffnung liebt) ein Auge auf Andromède geworfen hat. Die beiden Frauen glauben, dass nur die Zeit die Wunden der Liebe heilen kann.

Szene 3. Méropes letzte Hoffnung ist die bevorstehende Hochzeit von Phinée und Andromède (Arie Mérope: „Ah! Je garderai bien mon coeur“).

Szene 4. Phinée ist eifersüchtig, weil Andromède in letzter Zeit so viel Interesse an Persée zeigt. Er glaubt ihren Beteuerungen nicht, dass sie weiterhin nur ihn liebe. Mérope unterstützt Phinée (Terzett Mérope/Andromède/Phinée: „Ah! Que l’amour cause d’alarmes“).

Szene 5. Vor dem versammelten Volk eröffnet Cassiope die Spiele. Alle flehen zur Göttin Juno, in ihrem Zorn nachzulassen. Die Spiele beginnen mit einem Tanz-Wettbewerb.

Szene 6. Die Spiele müssen abgebrochen werden, als Amphimédon von neuen Opfern Méduses berichtet. Alle fliehen entsetzt.

Zweiter Akt

Die Gärten von Céphées Palast

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des zweiten Akts. Partiturausgabe von 1710

Szene 1. Cassiope versucht vergeblich, Phinée dazu zu bewegen, auf Andromède zu verzichten. Mérope unterstützt ihn mit dem Hinweis darauf, dass Cassiope selbst die Verlobung angebahnt hatte.

Szene 2. Phinée versucht, auch Céphée auf seine Seite zu ziehen. Er glaubt nicht, dass Persée wirklich der Sohn eines Gottes ist. Persée hat jedoch bereits zugesagt, Méduse den Kopf abzuschlagen, und Céphée hat ihm als Lohn die Hand seiner Tochter versprochen.

Szene 3. Céphée und die anderen bitten die Götter, Jupiters Sohn bei seinem Kampf gegen Méduse zu unterstützen.

Szene 4. Obwohl er ihre Liebe nicht erwidert, sorgt sich Mérope um Persées Leben.

Szene 5. Andromède und Mérope bekennen einander, dass sie beide Persée lieben (Andromède: „Infortunées qu’un monstre affreux“). Ohne eifersüchtige Gefühle vereinen sie ihre Sorgen um ihn.

Szene 6. Persée gesteht Andromède seine bislang hoffnungslose Liebe. Er werde sie immer verteidigen, auch wenn sein einziger Lohn darin bestehe, sie sehen zu dürfen. Andromède versichert ihm zunächst, dass ihr Herz weiterhin Phinée gehöre. Sie glaubt, ihn dadurch von dem gefährlichen Kampf abhalten zu können. Erst als diese Taktik keinen Erfolg hat, bekennt auch sie ihm ihre Liebe.

Szene 7. Der Götterbote Mercure teilt Persée mit, dass ihm auf Wunsch seines Vaters Jupiter sämtliche Götter mit Ausnahme Junos ihren Beistand versprochen haben.

Szene 8. Im Auftrag des Gottes Vulcanus überreicht eine Gruppe tanzender Zyklopen Persée ein Schwert und geflügelte Schuhe wie diejenigen Mercures.

Szene 9. Eine Gruppe tanzender kriegerischer Nymphen bringt ihm von der Göttin Pallas einen diamantenen Schild.

Szene 10. Eine Gruppe tanzender Gottheiten der Unterwelt gibt ihm den Helm Plutos.

Dritter Akt

Die Höhle der Gorgonen

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des dritten Akts. Partiturausgabe von 1710

Szene 1. Méduse erzählt den anderen beiden Gorgonen Euryale und Sténone (Stheno) ihre Vergangenheit: Die Göttin Pallas beneidete sie um ihre Schönheit und verwandelte sie in dieses hässliches Monster. Jetzt ist sie gezwungen, den Göttern für ihre Rachegelüste zu Diensten zu sein. Da sie nun nicht mehr geliebt werden kann, besteht ihr einziges Vergnügen darin, gehasst zu werden.

Szene 2. Mercure dringt in die Höhle ein und versetzt die Gorgonen mit seinem Zauberstab in Schlaf.

Szene 3. Mercure ruft Persée herein, der sich den Schild vor die Augen hält und Méduse so gefahrlos den Kopf abschlagen kann. Er wickelt ihn in ein Leinentuch, um ihn mitzunehmen.

Szene 4. Die anderen Gorgonen wachen auf und versuchen, Persée anzugreifen. Plutos Helm macht ihn jedoch unsichtbar. Chrysaor, Pegasus und andere Ungeheuer erstehen aus dem Blut Méduses und suchen vergeblich nach dem unsichtbaren Gegner.

Szene 5. Persée fliegt mit dem Haupt Méduses davon. Mercure zwingt die Euryale, Sténone und die anderen Ungeheuer durch einen Riss im Boden in die Unterwelt.

Vierter Akt

Felsenküste am Meer

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des vierten Akts. Partiturausgabe von 1710

Szene 1. Die Aithiopier erwarten sehnsüchtig die Rückkehr des Helden Persée, von dessen Sieg sie bereits erfahren haben. Nur Phinée und Mérope müssen jetzt ihre Hoffnungen begraben.

Szene 2. Während Phinée und Mérope ihren Gefühlen Ausdruck geben, bricht ein furchtbarer Sturm aus.

Szene 3. Der Höfling Idas berichtet Phinée und Mérope, dass Andromède auf Befehl Junos von Tritonen entführt und an einen Felsen verschleppt wurde, wo sie von einem Meeresungeheuer gefressen werden soll. Die Aithiopier können nur hilflos zusehen und ihre Prinzessin beklagen. Lediglich Phinée verspürt kein Mitleid (Arie Phinée: „L’Amour meurt dans mon coeur“).

Szene 4. Céphée und Cassiope bejammern das grausame Schicksal ihrer Tochter. Cassiope fleht die Götter an, das Mädchen zu verschonen. Sie selbst sei der Grund für den Hass Junos, Andromède dagegen unschuldig.

Szene 5. Nereiden und Tritonen ketten Andromède an den Felsen. Diese hat sich in ihr Schicksal ergeben und ist bereit, den Tod für die Rettung ihres Volks auf sich zu nehmen. Ihre Gedanken richten sich an ihre Geliebten Persée.

Szene 6. Als das Meeresungeheuer aus dem Meer stößt, kommt Persée herbeigeflogen und besiegt es im Kampf. Die Nereiden und Tritonen ziehen sich zurück, und auch der Sturm lässt nach (Chor der Tritonens und Nereiden: „Descendons dans l’eau“).

Szene 7. Die Aithiopier und Seeleute mit ihren Frauen feiern den Sieg Persées mit Tanz und Gesang.

Fünfter Akt

Der für die Hochzeit von Persée und Andromède vorbereitete Ort

rahmenlos|hochkant=2.2|Szenenbild des fünften Akts. Partiturausgabe von 1710

Szene 1. Mérope leidet unter ihrer unglücklichen Liebe.

Szene 2. Phinée teilt Mérope mit, dass Juno ihm durch ihre Gehilfin Iris befohlen habe, sie bei ihrer Rache zu unterstützen.

Szene 3. Der Hohepriester des Gottes Hymenaios und seine Gehilfen bereiten die Hochzeitszeremonie vor (Hohepriester und Chor: „Hymen! O doux Hymen“).

Szene 4. Mérope warnt die Anwesenden vor den Plänen Phinées und rät zur Flucht. Persée ist bereit, seinen Gegner zu erwarten.

Szene 5. Phinée und seine Anhänger dringen herein und bedrohen die Anwesenden. Céphée, Persée und andere stellen sich ihnen entgegen.

Szene 6 [5f]. Cassiope und Andromède beobachten das Geschehen voller Entsetzen.

Szene 7 . Céphée berichtet, dass Juno das Volk zu Aufständen angestachelt habe, bei denen Mérope durch einen für Persée bestimmten Pfeil getötet wurde. Dessen Anhänger seien zahlenmäßig unterlegen und hätten keine Hoffnung auf Sieg.

Szene 8 . Persée vernichtet die Feinde, indem er ihnen das Haupt Méduses zeigt.

Der Venuspalast

Szene 9 . Der Palast Vénus’ senkt sich vom Himmel herab. Die Göttin verkündet den Aithiopiern, das sie in Zukunft unter dem Schutz Jupiters stehen und auch Juno mittlerweile ihren Groll beigelegt habe. Vénus, L’Hymenée und L’Amour vereinen Persée und Andromède miteinander und versetzen sie zusammen mit Cassiope und Céphée als Sternbilder in den Himmel. Die Aithiopier feiern den glücklichen Ausgang.

Gestaltung

mini|Jean Berain: Szenenbild des vierten Akts

Das Orchester besteht aus einer Blockflöte, einer Traversflöte, einer Oboe, einem Fagott, Streichern und Basso continuo.

Cuthbert Girdlestone hielt Persée für „eine der am besten konstruierten Tragödien Quinaults“. Der äußeren Handlung, die einen Konflikt der Aithiopier mit den Göttern beschreibt, ist ein Liebeskonflikt gegenübergestellt. Die Titelfigur Persée verbindet diese beiden Sphären, da er sowohl der Welt der Menschen angehört als auch göttlicher Abstammung ist.