Maren Röger (* 1981 in WaiblingenRöger, Maren, Kurzbiografie, Website der Justus-Liebig-Universität Gießen.) ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin und Historikerin und Hochschullehrerin. Seit November 2021 ist sie Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und zugleich Professorin für „Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa“ an der Universität Leipzig.

Leben Maren Röger studierte Kulturwissenschaften, Geschichte und Medienwissenschaften an der Universität Lüneburg und der Universität Wrocław. Im Jahr 2010 wurde sie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen promoviert. Ab 2010 war sie für fünf Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Nach einem Sommersemester 2014 als Gastprofessorin an der Universität Hamburg war sie ab 2015 Juniorprofessorin und ab 2021 Professorin für „Verflechtungsgeschichte mit dem östlichen Europa“ an der Universität Augsburg. Dort leitete sie ab 2017 auch das Bukowina-Institut als wissenschaftliche und organisatorische Geschäftsführerin.Das Bukowina-Institut an der Universität Augsburg. Seit November 2021 ist sie in der Nachfolge von Christian Lübke Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und Professorin für „Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa“ an der Universität Leipzig.Prof. Dr. Maren Röger, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO).

Werk Ihre Dissertation Flucht, Vertreibung und Umsiedlung entstand im Rahmen des Gießener Graduiertenkollegs „Transnationale Medienereignisse“ und befasste sich erstmals umfassender mit der Rolle der Medien in der Erinnerungsgeschichte in Deutschland seit 1989 von Flucht und Vertreibung.Stephan Scholz: Rezension in: H-Soz-Kult, 8. März 2012. Die Dissertationsschrift erschien im Jahr 2011 auf Deutsch und 2016 in polnischer Übersetzung.

Gemeinsam mit Bill Niven und Stephan Scholz, gab sie 2015 das Kompendium Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung. Ein Handbuch der Medien und Praktiken heraus. Das Handbuch gab erstmals einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Medien und Praktiken, die den deutschen Vertreibungsdiskurs seit Jahrzehnten wesentlich mitbestimmen, und nahm dabei u. a. Ausstellungen oder Denkmäler, Presse oder Literatur, Film oder Fernsehen, Gedenktage, Heimattreffen oder Straßennamen in den Blick.

Für das Manuskript ihrer Studie Sexualpolitik und Besatzeralltag in Polen 1939–1945. Prostitution, Intimität, Gewalt erhielt Röger 2014 den „Ernst Fraenkel Prize“ der Wiener Library.Fraenkel Prize für Maren Röger, Deutsches Historisches Institut Warschau, 27. Oktober 2014. Es erschien 2015 als Buch unter dem Titel Kriegsbeziehungen. Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945 in der Schwarzen Reihe des S.-Fischer-Verlags.Deutsche Besatzer in Polen. Studentenwohnheim als Bordell. Rezension von Andrea Löw, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. November 2015 (faz.net). Im selben Jahr erschien das Buch auch in polnischer Sprache. Ausgezeichnet mit dem Preis Übersetzungspreis Geisteswissenschaften International folgte eine englische Ausgabe 2021 bei Oxford University Press. Die Untersuchung gebe „nicht nur Aufschluss über Voraussetzungen, Formen und Folgen sexueller Kriegsbeziehungen, sondern auch Einsicht in eine bisher defizitäre Historiografie“, befand Bianka Pietrow-Ennker. Röger sei es „sehr eindrucksvoll gelungen, das heikle Thema auf der Grundlage von Akten unterschiedlicher Institutionen aus polnischen, deutschen und amerikanischen Archiven, angereichert durch persönlich geführte Interviews, zu erforschen und damit eine gravierende Lücke zu schließen“.Rezension von Bianka Pietrow-Ennker in: Sehepunkte, Ausgabe 17 (2017), Nr. 11.

Maren Röger ist wiederkehrende Gesprächspartnerin deutscher und polnischer Medien zu den Themen deutsch-polnische Beziehungsgeschichte, Erinnerungskultur an Kriegsführung und deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg sowie die Zwangsmigration der Deutschen. Zudem trug sie auch als Fachexpertin zu mehreren TV-Dokumentationen bei.

Röger ist u. a. Mitherausgeberin der Buchreihe Moderne europäische Geschichte beim Wallstein Verlag (zus. mit Claudia Kraft, Isabella Löhr und Martina Steber) und der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. Zudem ist sie Mitglied in wissenschaftlichen Beiräten zahlreicher Publikationen u. a. der Buchreihe „Studies in Gender, Violence, and Wars“ bei Berghahn Books (hrsg. von K. Hagemann, I. Heinemann, J. Heinzen, Th. Kühne und E. Mailänder).

Darüber hinaus nimmt sie zahlreiche Funktionen in Gremien nationaler und internationaler Wissenschaftseinrichtungen wahr, sie ist u. a. Stiftungsrätin der Max Weber Stiftung, Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Östliches Europa.

Forschungsschwerpunkte Maren Rögers Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte Ostmitteleuropas, vom 19. Jahrhundert bis heute, darunter die Geschichte von Zwangsmigration, Krieg und Besatzungsherrschaft, sowie deren Nachgeschichte in Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. Zudem forscht Maren Röger zur Geschichte politischer Kommunikation und der Medien.

Weitere Forschungsfelder von Maren Röger sind:

Vergleichende europäische Zeitgeschichte Geschlechter- und Sexualitätsgeschichte Gewaltgeschichte (insbesondere Zweiter Weltkrieg und Holocaust) Nationalismusforschung

Positionen und wissenschaftspolitisches Engagement In ihrer Rolle als Hochschullehrerin und Historikerin mit dem regionalen Schwerpunkt Ostmitteleuropa bezog Maren Röger in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich Stellung zu gesellschaftlich relevanten Themen.

Positionen zum Krieg in der Ukraine Maren Röger hat sich um öffentliche Aufmerksamkeit für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bemüht und sich als Direktorin des GWZO in Leipzig für die Förderung von gefährdeten Wissenschaftlern aus der Ukraine durch Stipendien an deutschen Forschungseinrichtungen eingesetzt.

Maren Röger mahnte in verschiedenen Interviews die Bedeutung der Forschung zum östlichen Europa in Deutschland an: „Ein politischer Fehler war es, das östliche Europa nach einer Konjunktur der Forschungsförderung in den 1990er und 2000er Jahren in der Prioritätenliste nach hinten zu schieben, obwohl es für die Bundesrepublik so eine wichtige Region ist.“

Positionen zu Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit Maren Röger äußert sich regelmäßig zu Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit angesichts globaler politischer Entwicklungen. Das GWZO, dessen Direktorin Maren Röger ist, unterzeichnete im Februar 2024 die „Leipziger Erklärung: Wissenschaftsstandort Leipzig gegen Demokratiefeindlichkeit und Rechtsextremismus: Für akademische Freiheit, Menschenrechte und Demokratie“.

Maren Röger sieht Wissenschaft durch Cyberangriffe auf Forschungsinfrastrukturen und Forschungseinrichtungen sowie durch Anfeindungen und Morddrohungen gegenüber Forschenden auf Social Media bedroht.

Positionen zu Flucht und Vertreibung im Kontext des Zweiten Weltkriegs Als eine international ausgewiesene Expertin zum Themenfeld Erinnerungskultur und Geschichtspolitik im Nachgang des Zweiten Weltkriegs sowie zur Gewaltgeschichte ist sie auch Mitglied des wissenschaftlichen Beraterkreises der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Fritz Bauer Instituts.

In ihren Forschungsarbeiten und in zahlreichen Medieninterviews plädiert Maren Röger für eine europäische Perspektive auf das Thema Zwangsmigration im 20. Jahrhundert.

Maren Röger warnt vor einer politischen Instrumentalisierung der deutschen Erinnerungskultur und einem „konservativen Rollback“. Sie spricht sich gegen eine Nationalisierung der Erinnerung an Flucht und Vertreibung aus und weist auf Diskurse in anderen europäischen Ländern hin: „Unsere Nachbarländer beobachten die Entwicklungen sehr genau. Insbesondere in Polen fragt man sich, wie wir diese Vergangenheit künftig vermitteln: Erzählen wir die Geschichte der Zwangsmigration im Kontext der vorangehenden brutalen Besatzungspolitik der Nazis? Oder geht es nur um das Schicksal der Deutschen? Das Interesse geht ins Detail, bis zu einzelnen Formulierungen.“

Funktionen und Mitgliedschaften Funktionen Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Östliches Europa (seit 2022) Stiftungsrätin der Max Weber Stiftung (seit 2023) stellv. Sprecherin der Sektion A »Geisteswissenschaften und Bildungsforschung« der Leibniz-Gemeinschaft (seit 2025)

Mitgliedschaften (Auswahl) Beirätin des Fachinformationsdienstes Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa der Bayerischen Staatsbibliothek (DFG) (seit 2017) Beirätin des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung (seit 2022) Beirätin des Fritz Bauer Instituts (seit 2022) Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (seit 2025) Beirätin der Buchreihe »Studies in Gender, Violence, and Wars« bei Berghahn Books (hrsg. von K. Hagemann, I. Heinemann, J. Heinzen, Th. Kühne und E. Mailänder) (seit 2026)

Herausgeberschaften Mitherausgeberin der GWZO-Schriftenreihen »Visuelle Geschichtskultur« (zus. mit Arnold Bartetzky) und »GWZO Studies on Central and Eastern Europe: Interdisciplinary Approaches to Culture, History and the Environment« (zus. mit Julia Herzberg) sowie des GWZO-Magazins »Mitropa« Mitherausgeberin der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung / Journal of East Central European Studies (seit 2021) Mitherausgeberin der Reihe »Moderne europäische Geschichte« beim Wallstein Verlag (zus. mit Claudia Kraft, Isabella Löhr und Martina Steber) (seit 2022)

Veröffentlichungen Monografien mit Małgorzata Stolarska-Fronia: Gezeigte Grenzen: Erkundungen deutsch-polnisch-jüdischer Beziehungsbilder zwischen 1890 und 1920. (Visuelle Geschichtskultur, 23) Sandstein Verlag, Dresden 2024, ISBN 978-3-95498-837-2. Karten in die Moderne. Eine visuelle Geschichte des multiethnischen Grenzlandes Bukowina 1895–1918 (Visuelle Geschichtskultur, 20). Sandstein Verlag, Dresden 2023, ISBN 978-3-95498-690-3, (Open Access - Onlineversion). Kriegsbeziehungen. Intimität, Gewalt und Prostitution im besetzten Polen 1939 bis 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-10-002260-8. polnische Ausgabe: Wojenne związki. Polki i Niemcy podczas okupacji. Świat Książki, Warszawa 2016, ISBN 978-83-813-9567-0. englische Ausgabe: Wartime Relations. Intimacy, Violence, and Prostitution in Occupied Poland, 1939–1945. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-881722-2 (Übersetzung von Rachel Ward). Flucht, Vertreibung und Umsiedlung. Mediale Erinnerungen und Debatten in Deutschland und Polen seit 1989 (= Studien zur Ostmitteleuropaforschung, Band 23). Verlag Herder-Institut, Marburg 2011, ISBN 978-3-87969-371-9. polnische Ausgabe: Ucieczka, Wypędzenie i Przesiedlenie. Medialne Wspomnienia i Debaty w Niemczech i w Polsce po 1989 roku. Wydawnictwo Nauka i Innowacje, Poznań 2016 [Studia Brandtiana Translationes], ISBN 978-83-64864-23-0. Herausgeberschaft mit Vincent Hoyer: Völker verkaufen. Politik und Ökonomie der Postkartenproduktion im östlichen Europa um 1900 (Visuelle Geschichtskultur 22). Sandstein Verlag, Dresden 2023. mit: Sabine Stach und Juliane Brauer: Spielen im Staatssozialismus. Zwischen Sozialdisziplinierung und Vergnügen, In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2021, 2021. mit Alexander Weidle: Bukowina-Deutsche. Erfindungen, Erfahrungen und Erzählungen einer (imaginierten) Gemeinschaft 1775 bis heute, In: Danubiana Carpathica. Jahrbuch für Geschichte und Kultur in den deutschen Siedlungsgebieten Südosteuropas. 10/57, De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2020.