Ingrid Bussmann (* 2. Dezember 1948 in Essen) ist eine deutsche Bibliothekarin und ehemalige Direktorin der Stadtbibliothek Stuttgart. Sie war maßgeblich an der Konzeption der „Bibliothek als innovativer Lernort“ beteiligt, was dazu beitrug, dass die Stadtbibliothek Stuttgart zur „Bibliothek des Jahres 2013“ gekürt wurde.

Ausbildung und beruflicher Werdegang

Bussmann studierte von 1967 bis 1972 in Münster und Hannover Germanistik, Anglistik und Philosophie. Ihr Berufsleben startete sie im Schuldienst. Nach sechs Jahren entschied sie sich jedoch für ein Zweitstudium an der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen in Stuttgart, das sie 1981 mit dem Diplom abschloss. Nach dem Studium übernahm sie in Reutlingen die Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen im Regierungspräsidium Tübingen.

Leitung der Stadtbücherei/Stadtbibliothek Stuttgart

1991 wurde Bussmann stellvertretende Direktorin der Stadtbücherei Stuttgart. 2001 übernahm sie die Leitung der Stadtbücherei Stuttgart. Sie beteiligte sich intensiv an Planung und Konzeption der geplanten neuen Stadtbibliothek. Von Anfang an trieb Bussmann die Idee der „Bibliothek als innovativer Lernort“ voran. Minutiös bereitete Bussmann bis 2011 den Umzug vom Stuttgarter Wilhelmspalais in den Neubau am Mailänder Platz vor. Mit dem Umzug wurde die Stadtbücherei Stuttgart in Stadtbibliothek Stuttgart umbenannt. Ingrid Bussmann hat die Stadtbibliothek Stuttgart zu einer der modernsten und vielfältigsten in der Bundesrepublik entwickelt. Daraus resultierte, dass die Stadtbibliothek Stuttgart zur Bibliothek des Jahres 2013 gekürt wurde. Im März 2013 ging Bussmann in den Ruhestand.

In Hinblick auf die Neuplanung und den Neubau der Stuttgarter Stadtbücherei arbeitete Bussmann an den Themen der Bauens von Bibliotheken, der kind- und menschengerechten Gestaltung von Bibliotheksräumen, der spezifischen Herausforderungen bei der Bildung von Migranten, der Entwicklungen hin zu neuen Medien und Technologien.

Baufibel Öffentliche Bibliotheken müssen auf den Wandel reagieren, der sich aus den Entwicklungen im Bereich der neuen Medien und Informationstechnologien ergibt. Sie müssen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung schaffen und auf geänderte Lebens- und Freizeitgewohnheiten der Menschen reagieren. Dies führt unter anderem zu zusätzlichem Raumbedarf. Diese Themen griff das Deutsche Bibliotheksinstitut in der sogenannten „Baufibel“ auf und erarbeitete Richtlinien dafür. Bussmann arbeitete an der „Baufibel“ des Deutschen Bibliotheksinstituts mit, die 1994 erschien.

Controlling von Bibliotheken Bussmann widmete sich auch dem Thema „Wege zu einer bibliotheksgerechten Kosten- und Leistungsrechnung“.

KIM Mit dem Projekt KIM (Kindermedienzentrum) begann die Stadtbibliothek Stuttgart 1995 damit, Kinder an den Gebrauch von neuen Medien, Lernsoftware und Multimedia heranzuführen. Es wurden Projektwochen und Workshops veranstaltet, in denen Kinder lernten, mit unterschiedlichen Medien umzugehen, zu erproben und die Vor- und Nachteile zu erkunden.

Europäisches Projekt CHILIAS Unter Federführung der Stadtbücherei Stuttgart erarbeiteten Partner aus England, Finnland, Griechenland, Spanien und Portugal 1996 bis 1998 eine multimediale Version der Kinderbibliothek im Internet. CHILIAS (children’s library – information – animation – skills) war das erste Projekt der Europäischen Kommission zum Thema Kinderbibliothek, das erste Stuttgarter EU-Projekt und das erste EU-Projekt, das von einer deutschen Bibliothek koordiniert wurde. Ziel war, Kinder zur Medienkompetenz zu befähigen.

Privates

Im Ruhestand übernahm Ingrid Bussmann 2014–2018 den Vorsitz des Vereins Stuttgarter Schriftstellerhaus von Irene Ferchl. Zeitgleich hatte sie den Vorsitz des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg inne. Heute lebt Bussmann mit ihrer Familie in Lauenburg/Elbe. Dort engagiert sie sich weiterhin für Literatur in Lesekreisen, aber auch bei der Vergabe von Kunststipendien im Künstlerhaus Lauenburg.

Publikationen

Ingrid Bussmann: Controlling in der Praxis - am Beispiel der Stadtbücherei Stuttgart. In: Bibliotheksdienst Band 28: Heft 8, 1994. doi:10.1515/bd.1994.28.8.1208 Ingrid Bussmann: Europäische Union. CHILIAS - Die europäische virtuelle Kinderbibliothek der Zukunft. In: Bibliotheksdienst | Band 30: Heft 8–9, 1996. doi:10.1515/bd.1996.30.89.1441

Ingrid Bussmann und Janet Stafford: New services to develop children's and young people's information skills ‐ the European projects CHILIAS and VERITY. In: New Review of Children’s Literature and Librarianship Band 30, Nummer 1, 2000, S. 137–146. doi:10.1080/13614540009510635

Ingrid Bussmann: Die Bibliothek 21 – ein mutiges Zukunftsprojekt der Landeshauptstadt Stuttgart (Vortrag). In: Bibliothek 27.2003, Nr. 1/2, S. 52–55. (Online)

Ingrid Bussmann: Bibliothek 21 - Modell eines modernen Stützpunkts für das selbstgesteuerte lebenslange Lernen. Stuttgart: Hochschule der Medien, 2004.https://hdms.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/379 (kostenfrei zugänglich)

Einzelnachweise

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