Großmittersdorf ist eine Wüstung im Truppenübungsplatz Hohenfels in Bayern.

Geographische Lage Der Weiler, zuletzt eine Einöde, lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb etwa 6 km nordwestlich von Hohenfels auf ca. 460 m über NHN.

Verkehr Historisch war der Weiler über eine Straßenverbindung von Hohenfels aus über Nainhof und Albertshof zu erreichen.

Geschichte Ca. 1,2 km westsüdwestlich von Großmittersdorf, an der Gemarkungsgrenze zu Großbissendorf, ist ein Burgstall feststellbar.Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 150

Der Ort ist erstmals 1277 genannt, als der Helfenberger Dienstmann Wirnt von Frickenhofen dem Kloster Pielenhofen ein Gütlein zu „Mvothersdorf“ übergab.Jehle, S. 157, 312 Nach dem Salbuch dieser Herrschaft von 1494 gehörten zu ihr gerichtsmäßig zwei Anwesen.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 155 f. Um 1600 ist der Ort unter der Bezeichnung „Mietersdorf/Mitersdorf“ und zum Amt Hohenfels gehörend im Kartenwerk von Christoph Vogel verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus (Bearbeiter): Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig. Kollersried 2016, S. 514, 520 Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand das Dorf im oberpfälzischen Amt Hohenfels aus acht Anwesen, nämlich fünf Halbhöfen und drei kleineren Anwesen sowie einem gemeindlichen Hirtenhaus.Jehle, S. 489

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Großbissendorf im Landgericht Parsberg (später Landkreis Parsberg) gebildet. Zu diesem gehörten die zwei Dörfer Großbissendorf und Großmittersdorf sowie die Einöden Albertshof, Effersdorf, Harras, Nainhof und Oedenthurn.Jehle, S. 532

Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstanden daraus die Ruralgemeinden Großbissendorf und Großmittersdorf. Letztere hatte nur die drei Ortsteile Großmittersdorf, Albertshof und Nainhof.Jehle, S. 542 1830 wurden beide Gemeinden vereinigtJehle, S. 550. Im 20. Jahrhundert wurde die Gemeinde Großbissendorf infolge der Bildung des Heeresgutsbezirks ab 1938 und durch die Ausgliederung von Großmittersdorf in die neu gebildete Gemeinde Nainhof-Hohenfels im Jahr 1949 verkleinert.Jehle, S. 518 Nainhof-Hohenfels wurde durch die Bildung des Truppenübungsplatzes Hohenfels bereits im Jahr 1951 wieder aufgelöst, die Einwohner wurden noch im gleichen Jahr abgesiedelt. Im Truppenübungsplatz wurde Großmittersdorf zur Wüstung.

Die Kinder gingen im 19./20. Jahrhundert 3 km weit nach Großbissendorf in die katholische Schule, um 1950 1,5 km weit nach Nainhof in die dortige Schule.

Bei Großmittersdorf war schon im 16. Jahrhundert das Gut Plathaim der Herrschaft Hohenfels abgegangen.Jehle, S. 300

Gebäude- und Einwohnerzahl 1838: 14 Einwohner, 8 HäuserJoseph Lipf (Bearbeiter): Matrikel des Bisthums Regensburg. Regensburg 1838. S. 294 1861: „Großmüttersdorf (Großmiedersdorf)“, 45 Einwohner, 19 Gebäude, Schule 1871: 44 Einwohner, 26 Gebäude, Großviehbestand 1873: 2 Pferde, 50 Stück Rindvieh 1900: 38 Einwohner, 8 Wohngebäude 1925: 42 Einwohner, 6 Wohngebäude 1950: 11 Einwohner, 1 Wohngebäude

Kirchliche Verhältnisse Großmittersdorf gehörte zur katholischen Pfarrei Hohenfels im Bistum Regensburg.Jehle, S. 288

Literatur Manfred Jehle: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 51: Parsberg, München 1981

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1277 Kategorie:Wüstung im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Geographie (Hohenfels, Oberpfalz)