Wolfgang Immanuel Schöllhorn (* 1960 in Ulm) ist ein deutscher Bewegungs- und Trainingswissenschaftler mit Professur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Leben Schöllhorn machte 1979 am Anna-Essinger-Gymnasium Ulm Abitur, studierte ab 1981 Sport, Physik und Pädagogik mit den Schwerpunkten Neurophysiologie, Nichtlineare Dynamik und Signalanalyse in Mainz und Frankfurt, absolvierte das erste Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt (Sekundarstufe II) in Physik, Sport und Pädagogik und erlangte einen Abschluss als Diplom-Sportlehrer. 1986 wurde er Deutscher Meister im Viererbob.Chronik BBSV, Nov_2017, PDF, S. 9 1990 promovierte er im Fach Biomechanik in Frankfurt. Von 1993 bis 1995 setzte er seine Studien mithilfe eines DFG-Habilitationsstipendiums fort; die zugehörigen Forschungsaufenthalte führten ihn an das Massachusetts Institute of Technology, das Center for Complex Systems der Florida Atlantic University in Boca Raton und das Human Performance Lab der University of Calgary. 1996 wurde er in Bewegungs- und Trainingswissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln habilitiert. 1997 erhielt Schöllhorn eine Professur für Angewandte Trainingswissenschaft an der Universität Leipzig, 2000 wurde er auf einen Lehrstuhl für Trainingswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster berufen. Seit 2007 versieht er einen Lehrstuhl für Bewegungs- und Trainingswissenschaft in Mainz, seit 2016 zudem eine außerordentlicher Professor an der Schanghaier Universität für Sport. Er hatte Gastprofessuren an der Universität Taipei, Universität Calgary, Universität Salzburg und Universität Graz inne und forscht und veröffentlicht im Bereich Biomechanik, Trainings- und Bewegungswissenschaft.
Differenzielles Lernen Die Fügung Differenzielles Lernen steht für eine 1999 entwickelte Lerntheorie des Wissenschaftlers, die ausführlicher auch „Differenzielles Lehren und Lernen“ heißt und mittlerweile meistens die kürzere Bezeichnung in Großschreibung trägt. 1999 veröffentlichte der Verfasser einen ersten Beitrag zum Thema,Dieser Beitrag war noch in alter Rechtschreibung verfasst und sprach deshalb vom „differentiellen“ Lehren und Lernen, siehe Wolfgang Schöllhorn: Individualität – ein vernachlässigter Parameter?. In: Leistungssport 2/1999, S. 5–12, hier S. 9. dem weitere grundsätzliche Aufsätze und zahlreiche Studien folgten.Siehe vor allem Wolfgang Schöllhorn: Differenzielles Lehren und Lernen von Bewegung – Durch veränderte Annahmen zu neuen Konsequenzen. In: Zur Vernetzung von Forschung und Lehre in Biomechanik, Sportmotorik und Trainingswissenschaft. Cwalina, Hamburg 2005, S. 125–135. Die Lerntheorie postuliert, dass ein willentliches Verstärken der Fluktuationen, die zwangsläufig sowieso auftreten, zu einer Leistungssteigerung führt; die üblichen Einschleifversuche besäßen hingegen geringere Wirksamkeit.Wolfgang Schöllhorn: Differenzielles Lehren und Lernen von Bewegung – Durch veränderte Annahmen zu neuen Konsequenzen. In: Zur Vernetzung von Forschung und Lehre in Biomechanik, Sportmotorik und Trainingswissenschaft. Cwalina, Hamburg 2005, S. 125–135, hier S. 129. 1999 wurden Schöllhorns einschlägige Arbeiten mit dem Myashita Award der International Society of Biomechanics ausgezeichnet, 2006 dem Label des Deutschen Werkbunds. „Insgesamt stellt das differenzielle Lehren und Lernen einen […] ungewohnten Ansatz dar, der paradoxerweise durch mehr Unschärfe zu mehr Schärfe zu führen scheint.“Wolfgang Schöllhorn: Differenzielles Lehren und Lernen von Bewegung – Durch veränderte Annahmen zu neuen Konsequenzen. In: Zur Vernetzung von Forschung und Lehre in Biomechanik, Sportmotorik und Trainingswissenschaft. Cwalina, Hamburg 2005, S. 125–135, hier S. 133. Zu den sportlichen Disziplinen gesellen sich längst auch andere Fachgebiete, etwa die Psychologie,Katja Rommel und Franz-Josef Schwarz: Differenzielles Lernen in der Psychologie. In: Freie Psychologie 1/2013, S. 6–9, aufgerufen am 23. April 2026. die muskuloskelettale RehabilitationFelix Hofmann, Julia Nemecek und Martin Dürl: Differenzielles Lernen in der Sportphysiotherapie. In: Sportphysio 3/2015, S. 135–140, aufgerufen am 23. April 2026. oder die Musik.Martin Widmaier: Differenzielles Lernen in der Musik. Ein Update. In: Üben & Musizieren 3/2023, S. 10–15, aufgerufen am 23. April 2026. Daneben findet sich vereinzelte Kritik.Stefan Künzell und Ernst-Joachim Hossner: Differenzielles Lehren und Lernen: eine Kritik. In: Sportwissenschaft 2/2012, S. 83–95, aufgerufen am 23. April 2026.
Buchveröffentlichungen Biomechanische Einzelfallanalyse im Diskuswurf. Deutsch, Thun 1993, ISBN 978-3-8171-1349-1 (Dissertation) Systematische Betrachtung komplexer Bewegungsmuster im Lernprozeß. Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 978-3-631-32464-6 (Habilitation) Eine Sprint- und Laufschule für alle Sportarten. Meyer & Meyer, Aachen 2002, ISBN 978-3-89124-919-2 Schneller Sprinten und Laufen in allen Sportarten. Hofmann, Schorndorf 2011, ISBN 978-3-7780-0461-6
Weblinks Wolfgang Schöllhorn, Universität Mainz
Einzelnachweise
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