Karl Marx verstand Kapital wesentlich prozesshaft als Wert, der sich verwertet. Der Wert könne nur dann wachsen, wenn Lohnarbeiter ausgebeutet würden. Das Kapital erscheine in verschiedenen Formen und nehme quasi-religiösen Charakter an, indem es zum Fetisch werde. Nur unter bestimmten historischen Bedingungen ergreife und dominiere es das Wirtschaftsgeschehen. In seiner Entwicklung bringe es Elemente seiner eigenen Negation hervor, die eine kommunistische Gesellschaft ermöglichten.

Für Marxisten ist Marx’ Konzept ein wichtiger Referenzpunkt. Die Wertanalyse der Neoklassik, aufbauend auf dem Marginalprinzip, verfolgte Marx’ Analyse nicht weiter. Der Ansatz von Marx spielt seither in der modernen Volkswirtschaftslehre keine bedeutende Rolle. Die von Marx betonte Dynamik des Kapitals fand in der Konjunkturtheorie Beachtung, wie etwa in Joseph Alois Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die allgemeine Formel der Kapitalbewegung In seinem Hauptwerk Das Kapital, wie es in den MEW 23 vorliegt, beginnt Marx seine Darstellung nicht direkt mit der Kategorie des Kapitals. Er wendet sich im ersten Hauptabschnitt grundlegenderen ökonomischen Formen zu, nämlich der Ware und dem Geld.

Er beginnt im ersten Kapitel damit, die Ware als ein Doppeltes aus Gebrauchswert und Wert darzustellen. Dementsprechend unterscheidet Marx zwischen konkreter Arbeit, die Gebrauchswert schafft, und abstrakter Arbeit, welche die Wertsubstanz bildet, die im Tauschwert erscheint. Des Weiteren untersucht Marx grundlegende Faktoren, die die Wertgröße bestimmen. In seiner Analyse der Wertformen untersucht Marx den Zusammenhang von Warenwert und Wertform und behandelt daraufhin den Fetischismus der Ware. Im zweiten Kapitel über den Austauschprozess wird auf der Grundlage der Formanalyse untersucht, wie sich die Akteure entsprechend den ökonomischen Formen verhalten und als Warenbesitzer im Austausch ihrer Produkte Geld hervorbringen müssen. Erst danach behandelt Marx im dritten Kapitel verschiedene Geldfunktionen. Geld dient als Wertmaßstab und als Vermittler der Warenzirkulation. Geld als Geld vereint beide Funktionen und erlangt zudem weitere: es fungiert als Schatzbildungsmittel, als Zahlungsmittel und als Weltgeld.

Ausgehend von dieser theoretischen Vorarbeit entwickelt Marx im zweiten Hauptabschnitt Die Verwandlung von Geld in Kapital eine allgemeine Formel der Kapitalbewegung. Deren Charakteristika erläutert er, indem er sie mit der einfachen Warenzirkulation vergleicht.

Einfache Warenzirkulation und Kapitalbewegung Marx unterscheidet die einfache Warenzirkulation W – G – W (Ware – Geld – Ware) von der allgemeinen Formel der Kapitalbewegung G – W – G‘ (Geld – Ware – mehr Geld).

Die erste Formel drückt aus, dass jemand eine Ware, die für ihn kein Gebrauchswert ist, verkauft und dann eine Ware kauft, die er konsumieren will. Diese Bewegung dient nicht der Wertvergrößerung. Geld wird verausgabt. Die Bewegung findet ihr Maß am Bedürfnis und ihr Ende mit dessen Befriedigung.

Die Formel G – W – G‘ hingegen drückt aus, dass jemand über Geld verfügt, Waren kauft und dann Waren gegen mehr Geld verkauft. Der Wert prozessiert und wächst. Hier ist Geld der Ausgangs- und Endpunkt einer Bewegung. Die Kapitalverwertung wird Selbstzweck. Die Bewegung ist ohne immanentes Ende. Jedes G‘ ist endlich und muss wieder vorgeschossen werden, um Kapital bleiben zu können. Die Bewegung ist maßlos, da sie nicht auf ein äußeres Bedürfnis bezogen ist, das ein Genug angibt. Kapital ist also wesentlich Wert in Bewegung und nicht Geld, das zum Konsum oder zur Schatzbildung verwendet wird. Die Differenz von G‘ und G nennt Marx Mehrwert.

Marx betrachtet Geld als wesentlich für die Kapitalbewegung. Laut Marx erfordert der Warenwert eine eigenständige Gestalt, in der seine Identität konstatiert werden kann.

Marx begreift den Kapitalisten als personifiziertes Kapital. Als Kapitalist leiht er sein Bewusstsein und seinen Willen dem Kapital. Er macht sich die Bewegung des Kapitals zu seinem subjektiven Zweck. Dass er sein Kapital beständig verwerten will, muss nicht daher rühren, dass er psychisch krank oder moralisch mangelhaft ist; er muss die größtmögliche Verwertung anstreben, damit er in sein Unternehmen investieren kann, um in der Konkurrenz langfristig bestehen zu können.Michael Heinrich: Das Programm der Kritik der politischen Ökonomie. In: Michael Quante, David P. Schweikard (Hrsg.): Marx-Handbuch. Leben -– Werk – Wirkung. J. B. Metzler, Stuttgart 2016; S. 103. Besondere Stellen im ersten Band von Das Kapital, wie es in der vierten Auflage in Marx-Engels-Werke Bd. 23 vorliegt: S. 286, S. 335, S. 414 und S. 618. Insofern der Kapitalist der Verwertungslogik folgt, ist das Kapital das automatische Subjekt: es ist eigentlich leblos, aber das bestimmende Subjekt der Bewegung.

Das Kapitalverhältnis Marx geht im ersten Kapitalband davon aus, dass in der Zirkulation von Geld und Ware nur Wertäquivalente getauscht werden. Unter dieser Voraussetzung will er das Wertwachstum, das in G – W – G‘ ausgedrückt wird, erklären. Marx argumentiert, dass man mit der Handelssphäre allein die Mehrwertbildung nicht erklären kann.

Zunächst widerspricht Marx der Behauptung, dass der Handel Mehrwert produziere, weil der Käufer die Ware für nützlicher halte als der betreffende Verkäufer und daher die Ware für den Käufer wertvoller sei. Nach diesem Ansatz werden keine gleichen Wertobjekte getauscht und der Käufer erhält etwas Wertvolleres. Nach Marx rührt diese Ansicht daher, dass der Gebrauchswert mit dem Tauschwert der Ware verwechselt wird.

Marx räumt ein, dass die Prämisse, wonach nur Wertäquivalente getauscht werden, in Wirklichkeit nicht immer gelte. Wenn man sie jedoch aufgäbe, so wäre der Mehrwert auch dann nicht befriedigend erklärbar. Um dies zu zeigen, geht Marx verschiedene Fälle durch. Wenn der Kapitalist als Verkäufer einen Preisaufschlag erheben könnte und die anderen Kapitalisten diesen Preisaufschlag weitergäben, dann müsste er seinen Gewinn als Käufer beim Akt G – W wieder verlieren. Ähnliches gälte, wenn jemand unter Wert kaufen könnte. Ferner sei zu beachten, dass die Käufer und Verkäufer selbst entweder Produzenten sind oder Produzenten vertreten. Die Ansicht, der Mehrwert resultiere aus einem nominellen Preisaufschlag oder dem Privileg, über Wert zu verkaufen, setze voraus, dass es eine bestimmte unproduktive Klasse gebe. Zwar meint Marx, er könne von der erreichten Stufe seiner theoretischen Entwicklung, dem Standpunkt der einfachen Warenzirkulation noch nicht erklären, warum eine solche Klasse existiere, aber er greift dennoch vor. Eine solche angenommene Klasse kaufe und konsumiere, aber sie selbst verkaufe und produziere nicht. Dieser Fall erfordert, dass die Warenbesitzer der unproduktiven Klasse Geld umsonst geben, damit diese Klasse von den Warenbesitzern überteuerte Waren kaufen kann. So hätten zum Beispiel kleinasiatische Staaten dem Römischen Reich Tribut zahlen müssen, mit dem Rom überteuerte Waren von ihnen gekauft habe. Die kleinasiatischen Staaten hätten sich so aber nicht bereichern können. Abschließend konstruiert Marx einen Fall, in dem ein listiges Individuum A eine Ware über ihrem Wert an B verkauft und B diesen Betrug nicht erwidern kann. Zwar erzielt A einen Gewinn, aber dieser Gewinn ist nur der Verlust von B. Tauscht A beispielsweise etwas im Wert von 50 gegen etwas im Wert von 100, dann macht A einen Gewinn von 50 und B einen Verlust von 50. Die Wertsumme bliebe aber 150. Gesamtgesellschaftlich wäre der Wert nicht gewachsen, sondern nur umverteilt.

Das Handelskapital scheidet somit aus, um damit allein zu erklären, wie Wert verwertet wird. Ähnliches gilt für das zinstragende Kapital. Zwar kann durch die Warenzirkulation allein kein Mehrwert entstehen, aber der Mehrwert kann auch nicht ohne die Zirkulation entstehen. Nach Marx muss der Kapitalist eine Ware finden und nutzen, die mehr Wert schafft, als sie kostet: die menschliche Arbeitskraft. Daher wendet sich Marx im ersten Band von Das Kapital von der oberflächlichen Sphäre der einfachen Warenzirkulation hin zur tieferen Ebene, der produktiven Basis des Mehrwerts.

Auf den Arbeitsmärkten treten sich doppelt freie Arbeiter und Besitzer von Geld oder Produktions- bzw. Lebensmitteln gegenüber. Der Arbeiter darf zwar seine Arbeitskraft verkaufen bzw. Verträge schließen und kündigen, aber er ist frei von Subsistenzmitteln und muss daher an irgendjemanden seine Arbeitskraft verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn Marx von Kapitalverhältnis spricht, dann meint er oft dieses Klassenverhältnis, das der kapitalistischen Produktionsweise zugrunde liegt.

Das Kapitalverhältnis ist antagonistisch. Der Kapitalist, der die Ware Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft hat, darf seine Ware für einen Tag lang anwenden. Konkurriert er mit anderen Kapitalisten, wird er versuchen, den Arbeiter möglichst viel Mehrwert produzieren zu lassen. Das kann die Existenz der Arbeitskraft gefährden und zerstören. Der Arbeiter muss jedoch seine Ware Arbeitskraft auch am nächsten Tag wieder verkaufen können und muss sich daher widersetzen. Vor den Gesetzen des Warentausches sind beide Parteien gleich gut gerechtfertigt. Die stärkere Partei entscheidet, wie lang der Arbeitstag sein soll.

Immer, wenn relativ viele Arbeiter zusammenwirken, braucht es eine Oberleitung. Unter kapitalistischen Bedingungen übernimmt der Kapitalist diese Funktion, so dass die Leitung einen spezifischen Charakter bekommt und primär der größtmöglichen Kapitalverwertung dient. Ein kleiner Meister, der nur wenige Arbeiter beschäftigt und neben diesen selbst produzieren muss, ist noch kein Kapitalist im engen Sinne; das wird er erst dann, wenn sein Kapital groß genug ist, so dass er sich ganz der Oberaufsicht und -leitung widmen kann. Je mehr Arbeiter er beschäftigt, desto mehr stößt er auf deren Widerstand. Später kann er die Funktion der Aufsicht und Oberleitung auf Lohnarbeiter übertragen, die sein Kapital gegenüber den Arbeitern vertreten, wie zum Beispiel Aufseher und Manager. Die kapitalistische Produktionsweise bringt somit eine quasi-militärische Hierarchie von Ober- und Unteroffizieren hervor. Marx beschreibt diese als despotisch.

Der Wert der Arbeitskraft Der Arbeiter erhält nicht den gesamten Wert, den er schafft, sondern den Wert der Arbeitskraft. Dieser Wert gleicht dem Wert derjenigen Lebensmittelmenge, die als notwendig gilt, damit sich eine durchschnittliche Arbeitskraft reproduzieren kann. Der Ausdruck Lebensmittel ist hierbei in einem weiten Sinne zu verstehen: er meint nicht nur Nahrungsmittel, Kleidung und Wohnung, sondern kann noch Weiteres umfassen. Es geht nicht nur um das Nötige zur Erhaltung eines Individuums, sondern auch um das Nötige zur Erhaltung einer Arbeiterfamilie, denn die Klasse als solche muss sich reproduzieren können; ebenso gehören auch Bildungskosten für die heranwachsende Generation dazu. Was als notwendig gilt, hängt von historischen und moralischen Faktoren ab. Das kann von Land zu Land und mit der Zeit variieren. Ferner hängt der Umfang auch davon ab, was die jeweilige Arbeiterklasse als notwendig geltend macht. Der Lohn bzw. Preis der Arbeitskraft kann prinzipiell auch über oder unter dem Wert liegen. Der Preis kann nicht nur den Wert, sondern auch einen momentanen Überschuss oder Mangel an Arbeitskräften anzeigen und entsprechend fallen oder steigen. Der Wert der Arbeitskraft verändert sich aber nur dann, wenn sich der Umfang der notwendigen Lebensmittel oder deren Wert verändert.

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