Die Mainacht (russisch Майская ночь, Maiskaja notsch) ist eine Oper in drei Akten von Nikolai Rimski-Korsakow (Musik) mit einem eigenen Libretto nach der Erzählung Mainacht oder Die Ertrunkene aus dem ersten Teil (1831) der Abende auf dem Weiler bei Dikanka von Nikolai Gogol. Die Uraufführung fand am im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg statt.
Handlung
Erster Akt
Dorfstraße, vorn Hannas Häuschen, weiter hinten ein Teich, dahinter ein verfallenes Herrenhaus; Abend
Die Dorfjugend vergnügt sich mit dem Spiel „Hirse“ (Nr. 1: Reigen). Nach dem alle auseinandergegangen sind, bringt der junge Lewko, Sohn des Dorfältesten, seiner Geliebten Hanna ein Ständchen (Nr. 2: Lied „Sonne schon sinket“). Sie kommt aus dem Haus. Beide versichern einander ihre Liebe und umarmen sich (Nr. 3: Duett „Nicht schläfst du, übermüth’ges Mädchen!“). Lewko teilt Hanna mit, dass sein Vater von ihrer Verbindung nichts wissen will. Auf ihre Bitte hin erzählt er die Schauergeschichte vom alten Herrenhaus (Nr. 4: Erzählung: „Es lebte vor Zeiten“): Ein alter Kosakenhauptmann heiratete ahnungslos eine böse Hexe, die ihn dazu bewegte, seine Tochter Pannotschka zu verstoßen. Die ertränkte sich aus Verzweiflung im See und verwandelte sich in eine Russalka. Wenig später zog sie die Hexe ebenfalls ins Wasser. Da diese jedoch gleichfalls zur Russalka wurde, musste sich Pannotschka weiterhin vor der bösen Stiefmutter ängstigen.
Inzwischen ist es spät geworden, und Lewko verabschiedet sich von Hanna. Mädchen besingen das bevorstehende Pfingstfest (Nr. 5: Rezitativ und Pfingstlied: „Das, meine Hanna, das ist die Mähr“ – „Ach! Kränze ich wind’“). Der betrunkene Kalenik versucht, einen Hopak zu tanzen, und wird von den Mädchen ausgelacht, als er seine Haustür nicht findet und stattdessen zum Haus des Dorfältesten wankt (Nr. 6: Hopak-Szene: „Hop, hop!“). Letzterer schleicht unterdessen zum Haus Hannas, um ihr einen Antrag zu machen. Sein Sohn Lewko beobachtet, wie er sich bei dem Mädchen eine Abfuhr holt (Nr. 7: Terzett: „Hanna! Hanna!“). Lewko stellt seinen Vater zur Rede. Er ruft seine Freunde herbei, und alle verspotten den alten Lüstling (Nr. 8: Rezitativ und Spottlied: „Hei! Bursche! Sagte zwar vorhin euch, geht nach Haus“).
Zweiter Akt
Im Haus des Dorfältesten; rechts eine Tür zur Kammer, links eine Tür ins Freie; später Abend
Der Älteste, der Branntweinbrenner und die Schwägerin des Ältesten unterhalten sich über Pläne für eine neue Brennerei (Nr. 9. Terzett: „Sagt, wann denkt Gevatter ihr“). Der betrunkene Kalenik taumelt herein und legt sich auf die Ofenbank, ohne die anderen zu beachten (Nr. 10. Szene des Kalenik und Erzählung des Brenners: „Sieh mal, wie den Weg der Böse“). Im Glauben, er befinde sich in seinem eigenen Haus, schimpft er auf den Ältesten und schläft ein. Kurz darauf fliegt ein Stein durch die Fensterscheibe. Als der Älteste auf den Täter flucht, beschwichtigt ihn der Brenner mit einer Erzählung über seine Schwiegermutter: Diese hatte einst einen hungrigen Bettler am Familien-Abendessen teilnehmen lassen. Der verschlang die Mahlzeit jedoch so gierig, dass die Schwiegermutter ausrief, er möge an den Klößen ersticken. Der Gast verschluckte sich und starb. Seitdem setzte sich Nacht für Nacht sein Geist auf den Rauchfang und würgte an seinem Kloß. Die Schwiegermutter fand fortan keine Ruhe mehr.
Vor dem Haus versammeln sich Lewko und seine Freunde und singen ein Spottlied über die Lüsternheit des Ältesten (Nr. 11. Spottlied, Szene und Terzett: „Was giebts? Wer lärmt da?“). Der läuft hinaus, packt den vermummten Anführer der Burschen (Lewko) und bringt ihn in die Stube. Als ein Windstoß durch die offene Tür dringt und das Licht auslöscht, reißt sich Lewko los und läuft auf die Straße. An seiner Stelle erscheint die Schwägerin an der Tür. Im Glauben, es handle sich um den Entflohenen, sperrt der Älteste sie in die Kammer. Wenig später erscheint der Schreiber mit der Meldung, dass der Anführer der randalierenden Burschen soeben festgenommen wurde. Verwirrt lässt sich der Älteste eine Lampe bringen und öffnet die Tür zur Kammer. Erst jetzt erkennt er seinen Irrtum. Die Schwägerin läuft schimpfend auf die Straße. Der Älteste will nun an den Burschen ein Exempel statuieren.
Dorfgasse mit der Hütte des Schreibers; daneben ein Holzanbau; Nacht, Mondschein
Der Älteste, der Schreiber und der Brenner begeben sich zur Hütte des Schreibers, um den Gefangenen in Augenschein zu nehmen (Nr. 12. Finale: „Hier? Ja. Halt!“). Zuerst werfen sie einen kurzen Blick durch die Türspalte – und schrecken entsetzt zurück, denn sie halten den Insassen für Satan persönlich. Der Älteste will ihn sogleich mitsamt dem ganzen Haus verbrennen. In der Hütte befindet sich jedoch die Schwägerin, die von den Burschen eingesperrt wurde, als sie Lewko befreiten. Sie schimpft wortreich auf den Ältesten und seine Liebeleien. Jetzt bringen die Gemeindewächter den betrunkenen Kalenik herbei. Da dieser offensichtlich ebenfalls unschuldig ist, befiehlt der Älteste seinen Leuten wütend, sich sofort wieder auf die Suche nach den wahren Verbrechern zu machen.
Dritter Akt
Landschaft am Seeufer; rechts das alte Herrenhaus mit geschlossenen Fenstern; helle Mondnacht
Lewko hat sich an den See geflüchtet und träumt dort von seiner Liebsten (Nr. 13a. Ukrainische Nacht und Lieder Lewkos: „Wie still, wie herrlich ist die Nacht“). In einem Fenster des Hauses erscheint das Gesicht der ertrunkenen Pannotschka-Russalka und bittet Lewko um Zugaben. Weitere Russalken entsteigen dem Wasser und bezaubern Lewko mit ihrem Gesang (Nr. 13b. Lewko: „Die Nixen entsteigen in schimmernder Reihe dem Weiher“ – Chor der Russalken: „Wir locken den Jüngling“). Sie tanzen einen Reigen und winden dabei Kränze (Nr. 13c. Russalkenreigen: „Auf, sammelt euch, ihr Mägdelein“). Pannotschka bittet Lewko erneut, für sie zu spielen (Nr. 13d. Tänze und Spiele der Russalken: „Freundlicher Jüngling“). Die Russalken tanzen weiter, bis sie am Ende ihre Kränze ins Wasser werfen. Pannotschka verspricht Lewko eine großzügige Belohnung, wenn er ihre böse Stiefmutter unter den Russalken identifiziert. Beim folgenden „Rabenspiel“ sieht Lewko den einzelnen Russalken in die Augen und kann tatsächlich die Stiefmutter erkennen. Die anderen Russalken stürzen sich auf sie und ziehen sie ins Wasser. Pannotschka gibt Lewko zur Belohnung für ihre wiedergewonnene Freiheit einen Brief, der seinen Vater dazu bringen soll, Hanna als Schwiegertochter zu akzeptieren (Nr. 13e. Duettino Pannotschka-Russalka/Lewko: „O wie so leicht ist mir jetzt“). Mit einem letzten Segen verschwindet sie. Als Lewko bei Sonnenaufgang erwacht, ist das Schreiben noch da. Er hat offensichtlich nicht nur geträumt (Nr. 13f. Sonnenaufgang: „Nein, kein Traum war das!“).
Zurück im Dorf wird Lewko sofort von den Gemeindewächtern festgenommen (Nr. 14. Szene und Pfingstlied: „Nur vorwärts!“). Er gibt seinem Vater den scheinbar vom Hohen Kommissar gesandten Brief, in dem dieser den Ältesten der Pflichtvernachlässigung beschuldigt und ihn auffordert, der Hochzeit seines Sohnes mit Hanna umgehend zuzustimmen. Außerdem solle er alle Brücken am Weg ausbessern lassen. Einem solchen Befehl kann sich der Älteste nicht verweigern. Sein Stolz wird wieder hergestellt, als Lewko ergänzt, dass der Kommissar versprochen habe, auf der Rückfahrt bei ihm zu speisen. Pfingstlieder singend kommen die Dorfbewohner herbei. Auch Hanna ist dabei und erfährt von Lewko die frohe Nachricht. Sie wollen noch am selben Tag heiraten. Lewko erzählt ihr von seiner Begegnung mit der Pannotschka-Russalka und dankt seinen Freunden für ihre Unterstützung (Nr. 15. Finale: „Lewko, Lewko, herzliebster Schatz“). Der Älteste erinnert sich an seine einstige Begegnung mit der Zarin, und die Schwägerin schimpft noch einmal mit ihm. Alle preisen das glückliche Brautpaar.
Gestaltung
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:
Holzbläser: zwei Flöten (auch Piccolo), zwei Oboen (1. auch Englischhorn), zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen Pauken, Schlagzeug: große Trommel, Becken, Triangel, Tamburin, kleine Trommel, Tamtam, Glockenspiel zwei Harfen Klavier Streicher Bühnenmusik: zwei Piccoloflöten, zwei kleine Klarinetten, zwei Hörner, Posaune, Tamburin, Streicher (ohne Violoncello)
Musiknummern
Die Oper enthält die folgenden Musiknummern (deutsche Texte von Hans Schmidt):Klavierauszug des Komponisten von 1895.Der in der Übersetzung fälschlicherweise verwendete Begriff „Nixe“ wurde hier soweit möglich durch den korrekten Begriff „Russalka“ ersetzt. Die beiden Begriffe haben eine unterschiedliche Bedeutung und entstammen verschiedenen Kulturkreisen. Vgl. Sigrid Neef: Die Opern Nikolai Rimsky-Korsakows (= Musik Konkret 18). Verlag Ernst Kuhn, Berlin 2008, ISBN 978-3-936637-13-7, S. 37.
Ouvertüre
Erster Akt Nr. 1. Reigen „Hirse“ Nr. 2. Lied (Lewko): „Солнышко низко“ („Solnyschko nisko“ – „Sonne schon sinket“) Nr. 3. Duett (Lewko, Hanna): „Не спишь ты, гордая дивчина!“ („Ne spisch ty, gordaja diwtschina!“ – „Nicht schläfst du, übermüth’ges Mädchen!“) Nr. 4. Erzählung (Lewko): „Давно это было“ („Dawno eto bylo“ – „Es lebte vor Zeiten“) Nr. 5. Rezitativ und Pfingstlied: „Вот, моя Галя, вот как рассказывают старые“ („Wot, moja Galja, wot kak rasskasywajut staryje“ – „Das, meine Hanna, das ist die Mähr“) „Ой, завю венки на все святки“ („Oi, sawju wenki na wse swjatki“ – „Ach! Kränze ich wind’“) Nr. 6. Hopak-Szene (Kalenik, Mädchen): „Гоп! Гоп!“ („Gop! Gop!“ – „Hop, hop!“) Nr. 7. Terzett (Dorfältester, Lewko, Hanna): „Ганна! Ганна!“ („Ganna! Ganna!“ – „Hanna! Hanna!“) Nr. 8. Rezitativ und Spottlied: „Гей, хлопцы! Я увещевал вас итти спат“ („Gei, chlopzy! Ja uweschtschewal was itti spat“ – „Hei! Bursche! Sagte zwar vorhin euch, geht nach Haus“)
Zweiter Akt, erstes Bild Nr. 9. Terzett (Dorfältester, Schwägerin, Branntweinbrenner): „Внутренность хаты Головы“ („Wnutrennost chaty Golowy“ – „Sagt, wann denkt Gevatter ihr“) Nr. 10. Szene des Kalenik und Erzählung des Brenners: „Ишь, как растянул дорогу“ („Isch, kak rastjanul dorogu“ – „Sieh mal, wie den Weg der Böse“) Nr. 11. Spottlied, Szene und Terzett (Dorfältester, Schwägerin, Branntweinbrenner): „Какой там дьявол?“ („Kakoi tam djawol?“ – „Was giebts? Wer lärmt da?“)
Zweiter Akt, zweites Bild Nr. 12. Finale: „Здесь? Да! Стой.“ („Sdes? Da! Stoi.“ – „Hier? Ja. Halt!“)
Dritter Akt
Nr. 13. Szene der Russalken a) Ukrainische Nacht und Lieder Lewkos: „Как тихо, как прохладно тут!“ („Kak ticho, kak prochladno tut!“ – „Wie still, wie herrlich ist die Nacht“) b) Chor der Russalken: „Я вижу, русалки на берег“ („Ja wischu, russalki na bereg“ – „Die Nixen entsteigen in schimmernder Reihe dem Weiher“) „Заманивать молодца пеньем“ („Samaniwat molodza penjem“ – „Wir locken den Jüngling“) c) Russalkenreigen: „Собирайтесь, девицы“ („Sobiraites, dewizy“ – „Auf, sammelt euch, ihr Mägdelein“) d) Tänze und Spiele der Russalken: „Молодец милый, найди мне ее“ („Molodez milyj, naidi mne eje“ – „Freundlicher Jüngling“) e) Duettino (Pannotschka-Russalka, Lewko): „О, как легко мне теперь“ („O, kak legko mne teper“ – „O wie so leicht ist mir jetzt“) f) Sonnenaufgang (Lewko): „Нет, нет! Я не спал“ („Net, net! Ja ne spal“ – „Nein, kein Traum war das!“) Nr. 14. Szene und Pfingstlied (Dorfältester, Schreiber, Branntweinbrenner u. a.): „Не бойтесь!“ („Ne boites!“ – „Nur vorwärts!“) Nr. 15. Finale: „Левко, Левко, милый ты мой!“ („Lewko, Lewko, mily ty moi!“ – „Lewko, Lewko, herzliebster Schatz“)
Musik