Vom 9. Jahrhundert bis zum Jahr 1454 gab es in Danzig mehrere Burgen, zunächst eine normannische Burg auf dem Hagelsberg (Góra Gradkowa) und ab ca. 1050 eine polnische am Ufer der Mottlau, die nach der Eroberung Danzigs durch den Deutschen Ritterorden um 1340 niedergelegt und neu erbaut wurde. 1454 zerstörten Danziger Bürger die Burg und vertrieben die Ordensritter. Später wurde das Gelände in die Danziger Altstadt einbezogen und mit Häusern bebaut; historische Straßennamen und die Straßenführung in diesem Bereich erinnern noch an die einstige Festung (Burggrafenstraße, Burgstraße, Ritterstraße).

Burg auf dem Hagelsberg Lage mini|Wegenetz der Normannen; violett dargestellt: eine wichtige Route nach Konstantinopel Die wahrscheinlich älteste Burg auf dem Gebiet Danzigs lag auf dem Hagelsberg (Góra Gradkowa) westlich der späteren Altstadt. Von dort führte ein Zufluss zur Mottlau, die ein Stück weiter in die Weichsel mündet.

Geschichte Die Burg bestand spätestens seit dem 9. Jahrhundert. Sie gehörte zum Einflussgebiet der skandinavischen Normannen in deren Wegenetz an der Ostsee. Durch die Weichsel führte ein wichtiger Handelsweg über den Dnister ins Schwarze Meer und zum Byzantinischen Reich.

Es gibt kaum archäologische Funde auf dem Hagelsberg, die als Reste der Normannenburg gedeutet werden können, da dort im 17. Jahrhundert eine neue militärische Festung errichtet wurde.

Die frühesten Funde auf dem Hagelsberg und an dessen Fuß sind arabische Münzen aus dem frühen 9. Jahrhundert. Nahe der Burg gab es eine Siedlung an der späteren Nikolaikirche, wo es seit dem 10. Jahrhundert einen Friedhof und wahrscheinlich eine Kirche gab, und im Bereich des späteren Rechtstädtischen Rathauses.Kmieciński 2017, S. 39, mit Plan der Siedlungen im 10. Jahrhundert

Im späten 10. Jahrhundert kam das Gebiet unter die Kontrolle der polnischen Herzöge. Aus dem Jahr 997 ist die einzige Erwähnung der Burg erhalten; damals kam der Missionar Adalbert von Prag mit Genehmigung des Herzogs Bolesław Chrobry in die urbs Gyddanyzc und stellte fest, dass es dort schon Christen gab.Leben des heiligen Adalbert von Canaparius (998/999).

Burg der Herzöge von Danzig Lage mini|Siegel von Swantopolk II. Eine polnische Burg lag direkt am Ufer der Mottlau kurz vor deren Mündung in die Weichsel östlich der etwa ein Jahrhundert später gegründeten Danziger Altstadt. Nach hydrographischen Befunden lag sie auf einer Insel und war etwa 0,4 Hektar groß. Nordwestlich, im Bereich des Osiek-Viertels (Hakelwerk), schloss sich eine Siedlung an, in der vor allem kaschubische und prußische Fischer, Handwerker und Kaufleute siedelten.Kmieciński 2017, S. 37, Abbildung des Rekonstruktionsdarstellung

Geschichte Um 1050 wurde auf Geheiß des Herzogs von Polen diese neue Burg direkt an der Mottlau gegründet, die verkehrsgünstiger als jene auf dem Hagelsberg nahe der Weichsel lag. Sie war zunächst Sitz eines polnischen Statthalters, der im 13. Jahrhundert weitgehende Selbständigkeit errang.

Die älteste erhaltene Erwähnung (als castrum Kdancz in Pomerania) stammt aus dem Jahr 1148, die Burg lag demnach im geistlichen Jurisdiktionsgebiets des Bistums Breslau. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Kirche der Gottesgebärerin ([ecclesia] Sanctae dei genetricis Mariae) genannt. Abseits der Burg entwickelte sich in dieser Zeit eine Siedlung überwiegend deutscher Kaufleute und Handwerker, die zum Teil aus Lübeck kamen – die Danziger Altstadt.

Das Gebiet geriet zeitweise unter dänische Herrschaft. Nach 1200 verwaltete ein Statthalter der polnischen Herzöge, der Samboride Mestwin I., ein umfangreiches Herrschaftsgebiet, das über Danzig hinaus bis nach Hinterpommern reichte. Seinem Sohn, Swantopolk II., gelang es, sich aus der Abhängigkeit von Polen zu lösen, und er trat seit 1227 als selbstständiger Herrscher Danzigs und Pommerellens auf. Es war Swantopolk, der der deutschen Kaufmannssiedlung an der Katharinen- und der Nikolaikirche das Stadtrecht nach lübischem Recht verlieh (um 1227/1263).

Ordensburg Danzig Lage und Beschreibung mini|Reste der Befestigungsmauern in der ul. Wartka Um 1340 entstand an der Stelle der aus Holz und Erdreich gebauten pommerellischen Herzogsburg eine steinerne Burg des Deutschritterordens.Kmieciński 2017, S. 35, mit archäologisch rekonstruiertem Lageplan Diese Hohe Burg war ein massiver viereckiger Bau mit vier mächtigen Türmen.Burg der Danziger Komturei Audioguide Gdańsk (deutsch). Der nordöstliche Turm war das höchste Bauwerk und durfte von keinem Kirchturm überragt werden. Auf dem Burggelände gab es weitere Gebäude. Die Anlage war von mächtigen Festungsmauern umschlossen. Es gab ein Tor zur Radaune hin, das später als Rähmtor bezeichnet wurde.

Von der Burg sind Teile einer Bastion konserviert, die in ein Bürgerhaus eingebaut wurden, sowie Reste der Außenbefestigung am Ufer der Mottlau, beides in der Straße Ulica Wartka (Am Brausenden Wasser). Der Verlauf des Weges westlich der Ordensburg innerhalb der Festungsmauern hat sich in der Straße Ulica Sukiennicza (Am Rähm) erhalten.

Geschichte

1308 eroberte der Deutsche Orden Danzig. Um 1340 entstand die neue Burg. Sie war Sitz eines Komturs. Während der Ordensherrschaft entwickelten sich die Siedlungen weiter, er vergab Stadtrechte an die Altstadt, die Neustadt (Rechtstadt) und eine von ihm gegründete Jungstadt, die bald wieder abgerissen wurde. Aus der Rechtstätigkeit dieser Zeit erhielten sich neben Urkunden mehrere Wachstafeln.

Im Jahr 1454 lehnten sich Danziger Bürger gegen den Ritterorden auf, stürmten die Burg und zerstörten sie, nachdem sich Altstadt und Neustadt dem Schutz der polnischen Krone unterstellt hatten.

Die Wiederbebauung des Geländes der ehemaligen Ordensburg war zunächst untersagt. Erst seit 1648 wurden dort Wohnhäuser gebaut. Heute bildet das Gebiet den Stadtteil Zamczysko.Zamczysko Gedanopedia (polnisch)

Siehe auch Geschichte der Stadt Danzig Liste der Straßen in Zamczysko Liste der Schlösser und Palais in Danzig

Literatur Jerzy Kmieciński: Gdańsk – geneza średniowiecznego miasta i portu. [Danzig, Entstehung der mittelalterlichen Stadt und des Hafens], In: Zakład archeologiczny. Nr. 65. 2017. S. 133–149, gibt archäologischen Forschungsstand an, mit 16 Abbildungen (polnisch, mit englischen Bildunterschriften) PDF

Weblinks Anfänge von Danzig Gedanopedia (polnisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte der Stadt Danzig Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Danzig Danzig Kategorie:Erbaut im 8. oder 9. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1450er Jahren !