Eilert Dieken (* 23. September 1898 in WalleEsens.de: Geteilte Geschichte verbindet Markowa und Esens; eingesehen am 28. Mai 2024.; † 23. September 1960 in EsensDas Geburts- und Sterbedatum finden sich auf dem Grabstein des Ehepaares Dieken: Friedhof Esens) war ein deutscher Polizist und während des Zweiten Weltkrieges im besetzten Polen maßgeblich an der Ermordung von 17 Menschen beteiligt. Unter ihnen waren acht polnische Juden sowie eine achtköpfige polnische Familie, die diesen Juden in ihrem Haus Unterschlupf gewährt hatte. Nach dem Krieg avancierte Dieken zum Polizeikommissar im Landkreis Wittmund.

Leben Dieken wurde als Angehöriger der Ordnungspolizei in das von Nazideutschland besetzte Polen im Bereich des Generalgouvernements versetzt. Im Auftrag des Besatzungsregimes sorgte die Polizei für die Durchsetzung der deutschen Interessen. Dafür erhielten die Angehörigen der Ordnungspolizei Schulungen, in denen der Hass auf Juden und Polen geschürt wurde. Dieken nahm zweimal an solchen Kursen teil. Im Sommer 1941 absolvierte er einen sechswöchigen Kurs einer Polizeischule. Im Jahr 1942 nahm er an einem weiteren dieser Kurse teil. Ab dem 1. Januar 1941 leitete er die neu eingerichtete Gendarmerie in Łańcut (Vorkriegswoiwodschaft Lwów, heute Woiwodschaft Karpatenvorland). Sein Zuständigkeitsbereich umfasste auch die Aufsicht über die Gemeinde Markowa und die umliegenden Dörfer.

Das Verbrechen im Dorf Markowa bei Łańcut (Südostpolen) mini|Die von Eilert Dieken und dessen Untergebenen ermordete Familie Ulma. Der Vater ist auf dem Bild nicht zu sehen. mini|Familie-Ulma-Museum in Markowa: Bildtafel, die unter anderem die ermordeten Familienmitglieder zeigt mini|Museum in Markowa, in dem unter anderem die Verbrechen Eilert Diekens und seines Kommandos dokumentiert sind Józef und Wiktoria Ulma, Bewohner des seinerzeit viereinhalbtausend Einwohner zählenden Dorfes Markowa, gewährten wohl ab Ende 1942 acht jüdischen Polen Unterschlupf: Saul Goldman (ca. 70 Jahre) und seinen vier Söhnen; in ihrer Heimatstadt Łańcut wurden sie „Familie Szall“ genannt; Gołdaauch Geni genannt Grünfeld und Lajkaauch Lei oder Layce genannt Didner aus Markowa, Töchter des Ehepaares Chaim und Estera Goldmann; einem kleinen Mädchen, dessen Name nicht bekannt ist, bei dem es sich aber vermutlich um die Tochter von Lajka Didner handelte.Klaus Peter Friedrich (Bearb.): Polen: Generalgouvernement August 1941-1945. Band 9 in der Reihe Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Oldenbourg Verlag: München 2014. S. 805; Anmerkung 5

Ihr Aufenthalt bei Familie Ulma wurde von Włodzimierzauch Volodymyr geschrieben Leś, einem Ukrainer und Mitglied der Blauen Polizei, verraten. Die jüdische Familie Szall, die zu den Opfern gehörte, hatte Leś zuvor ihren Besitz anvertraut. Dass dieser ihn hätte zurückgegeben müssen, könnte nach Ansicht des Historikers Jan Grabowski ein Motiv für die Denunziation gewesen sein.

Eilert Dieken ließ daraufhin am 23. März 1944 ein Kommando zusammenstellen, zu dem neben fünf deutschen Ordnungspolizisten auch einige Mitglieder der polnischen Polizei („blaue Polizei“) gehörten. Auch ein Pferdefuhrwerk wurde zum abseits von Markowa gelegenen Haus der Familie Ulma befohlen. Es sollte um Mitternacht dort eintreffen, sich aber in einiger Entfernung davon platzieren. Zu den Fuhrleuten gehörte der Markower Bürger Nawojski, der als Zeuge des Verbrechens später aussagte. Mit der Durchführung der Vorbereitungen beauftragte Dieken seinen Untergebenen, den jungen sudetendeutschen Polizisten Joseph Kokott (1921–1980)Klaus Peter Friedrich (Bearb.): Polen: Generalgouvernement August 1941-1945. Band 9 in der Reihe Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Oldenbourg Verlag: München 2014. S. 805; Anmerkung 2.Joe Greek: Righteous Gentiles. Non-Judes Who Fought Against Genocide. A Documentary History of th Holocaust. Rosen Publishing: New York 2015. S. 5 Die Leitung des eigentlichen Einsatzes übernahm Dieken selbst.Radiodienst.pl: Das Schicksal der Familie Ulma (17. April 2015); eingesehen am 12. Juni 2020

In den Morgenstunden des 24. März 1944 traf das Kommando beim Haus der Familie Ulma ein. Während die einen das Haus umstellten, drangen andere unter Diekens Führung in das Gebäude ein.Joe Greek: Righteous Gentiles. Non-Judes Who Fought Against Genocide. A Documentary History of th Holocaust. Rosen Publishing: New York 2015. S. 5 Mit Gewehrschüssen wurden das Ehepaar Ulma mit ihren sechs Kindern sowie die versteckten acht polnischen Juden auf den Hof getrieben, wo sie sich nebeneinander aufstellen mussten. Zuerst wurden zwei der Goldmann-Brüder sowie Gołda Grünfeld erschossen. Darauf wurden die Fuhrleute herbeigerufen, um sich – gewissermaßen als Abschreckung und Warnung – das folgende Massaker anzuschauen. Der nächste, der ermordet wurde, war ein weiterer Goldmann- beziehungsweise Szall-Sohn. Es folgten Lei und ihre kleine Tochter, danach die beiden anderen Mitglieder der Familie Goldmann.

Gleich im Anschluss wurden vor den Augen ihrer minderjährigen Kinder zunächst Józef (44) und danach seine hochschwangere Frau Wiktoria (32) erschossen.Radiodienst.pl: Das Schicksal der Familie Ulma (17. April 2015); eingesehen am 12. Juni 2020 Nach einer kurzen Beratung entschied Eilert Dieken, auch die Kinder umbringen zu lassen. Drei oder vier der sechs Kinder wurden von Joseph Kokott erschossen.Sprawiedliwi.org.pl / Maria Zawadzka: 67th anniversary of murdering the Ulmas and the Jews they were hiding (24. März 2011); eingesehen am 12. Juni 2020 Die Namen der ermordeten Kinder der Familie Ulma sind: Stanisława (Stasia), Barbara (Basia), Włodzimierz (Władek), Franciszek (Franek), Antoni (Antos) und Maria (Marysia).Radiodienst.pl: Das Schicksal der Familie Ulma (17. April 2015); eingesehen am 12. Juni 2020 „Seht, wie polnische Schweine sterben, die Juden beherbergt haben!“ soll Kokott den Fuhrwerksleuten nach der Erschießung der 16 Hausbewohner zugerufen haben.Rod Gragg: My Brother's Keeper: Christians Who Risked All to Protect Jewish Targets of the Nazi Holocaust. 2016 (online); eingesehen am 12. Juni 2020

Die Gendarmen erhielten den Auftrag, Teofil Kielar, den Dorfschulzen von Markowa, herbeizurufen, um für eine schnelle Bestattung der Mordopfer zu sorgen. Die zurückgebliebenen Polizisten plünderten das Haus. Truhen, Betten, Geschirr und Essensvorräte wurden auf den bereitstehenden Pferdewagen geladen. Dieken und Kokott durchsuchten die Ermordeten im Schein der Taschenlampe. Die dabei gefundenen Wertgegenstände – unter anderem eine Schachtel mit Juwelen, die eine der jüdischen Frauen am Körper trug – wurden untereinander geteilt. Dieken und sein Stellvertreter Joseph Kokott teilten sich die gefundenen Schmuckstücke. Nach dem Massaker veranstaltete Eilert Dieken mit den am Einsatz beteiligten Polizisten ein Trinkgelage und orderte dafür beim Dorfschulzen drei Liter Wodka.Radiodienst.pl: Das Schicksal der Familie Ulma (17. April 2015); eingesehen am 12. Juni 2020

Das Ehepaar Ulma erhielt 1995 posthum den Ehrentitel Gerechte unter den VölkernYadVashem.org: Jozef and Wiktoria Ulma; eingesehen am 12. Juni 2020 (), eine Auszeichnung des Staates Israel für Nichtjuden, die während der Zeit des Nationalsozialismus unter Einsatz ihres eigenen Lebens Juden vor der Ermordung retteten. In Polen erinnern eine 2004 eingerichtete Gedenkstätte sowie das 2016 eröffnete Museum für die Polen, die während des Zweiten Weltkriegs Juden gerettet haben an das Massaker. Letzteres trägt den Namen der Familie Ulma. 2023 wurden alle Mitglieder der Familie Ulma seliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 7. Juli, ihr Hochzeitstag.

Weiterer Lebensweg Nach dem Krieg begannen die Briten in ihrer Zone ein Entnazifizierungsverfahren. Zur Anwendung kam dabei ein Skalensystem von 1 bis 5: Hauptschuldige (I), Belastete (II), Minderbelastete (III), Mitläufer (IV) und Entlastete (V). Die Kategorien 3 bis 5 („leichtere Fälle“) wurden von sogenannten Entnazifizierungsausschüssen entschieden, die von den Briten 1946 aus Mitgliedern demokratischer Parteien wie der SPD vor Ort gebildet wurden. Die Briten übertrugen dieses Verfahren ab 1947 an deutsche Dienststellen, die ähnlich vorgingen.

In diesen Verfahren verschwieg Dieken seine Tätigkeit im besetzten Polen nicht. In Entnazifizierungsfragebögen gab er im November 1945 an, dass er vom 5. Juni 1940 bis zum 20. Juli 1944 Leiter der Gendarmerie im Krakauer Bezirk war. In weiteren Fragebögen machte er im Juni 1946 sowie im Mai 1949 ähnliche Angaben. Von der Entnazifizierungskommission erhielt er daraufhin die höchste Bewertung. Damit konnte er Polizist bleiben. Dieken avancierte zunächst zum Polizeiinspektor; eingesehen am 2. August 2024 und schließlich zum Kriminalkommissar. Später wurde gegen ihn wegen seiner Verbrechen in Markowa ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieken starb am 23. September 1960, kurz bevor die Ermittlungen abgeschlossen waren und damit ohne jemals gerichtlich belangt worden zu sein.

Sein Untergebener Joseph Kokott hingegen wurde gefasst und 1958 von der Tschechoslowakei an Polen ausgeliefert und in Rzeszów zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Er verstarb 1980 in der Haft.Klaus Peter Friedrich (Bearb.): Polen: Generalgouvernement August 1941-1945. Band 9 in der Reihe Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Oldenbourg Verlag: München 2014. S. 805; Anmerkung 2

Eilert Dieken war verheiratet und hatte drei Töchter. Sein Grab befindet sich auf dem Esenser Friedhof.Friedhof Esens; eingesehen am 12. Juni 2020

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