Die Synagoge in Rachtig wurde 1867/68 auf dem heutigen Grundstück Bahnhofstraße 20 errichtet. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde sie verwüstet. Kurze Zeit später wurde die Synagoge an einen Privatmann verkauft und zu einem Lager umgebaut. In den 1950er Jahren wurde das Gebäude abgerissen und ein Wohnhaus auf dem Grundstück errichtet.
Synagoge Im Jahr 1850 wird ein eigener Betsaal in Rachtig erwähnt (1868 als "alte Synagoge" bezeichnet). Bis dahin besuchten die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft die Synagoge in Zeltingen. 10 Jahre später wurde von der jüdischen Gemeinde, die zwischenzeitlich eine eigenständige Kultusgemeinde geworden war, der Plan zur Erbauung einer eigenen Synagoge gefasst. 1862 genehmigten die Behörden die Durchführung einer Kollekte, da die Gemeinde alleine die Baukosten nicht aufbringen konnte. Errichtet wurde die Synagoge in Rachtig 1867/68 auf dem heutigen Grundstück Bahnhofstraße 20. Die feierliche Einweihung war durch Oberrabbiner Joseph Kahn aus Trier am 28./29. August 1868Bericht zu Einweihung in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 29. September 1868, zitiert in der Seite zu Rachtig bei www.alemannia-judaica.de. Dieser hielt im Zusammenhang mit der Einweihung drei Vorträge: eine Abschiedsrede in der alten Synagoge, eine Weiherede am 28. August 1868 in der neuen Synagoge sowie ebenda eine Predigt am Sabbat-Vormittag am 29. August 1868. Nachdem in den Kultusgemeinden Rachtig und Zeltingen die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder starb zurückgegangen war, fusionierten um 1920 die beiden Kultusgemeinden. Seitdem wurden die Gottesdienste abwechselnd in der Synagoge Rachtig und der Synagoge Zeltingen abgehalten. Bei der Synagoge handelte es sich um einen zweigeschossigen Bruchsteinbau, in dessen Obergeschoss vermutlich eine Wohnung und der Schulraum untergebracht waren. Die Fenster im Obergeschoss waren einfache Rechteckfenster. Im Erdgeschoss befanden sich Rundbogenfenster. Die Ostwand bildete eine dreiseitige Apsis in deren Seitenwänden je ein Rundbogenfenster und in der abschließenden Wand ein Rundfenster eingelassen war. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge von Mitgliedern der SA verwüstet. Der Versuch, die Synagoge in Brand zu setzen, schlug allerdings fehl. Kurze Zeit später wurde das Gebäude an einen Privatmann verkauft und zu einem Lager umgebaut. In den 1950er Jahren wurde die ehemalige Synagoge abgerissen und auf dem Grundstück ein Wohnhaus errichtet.
Jüdische Gemeinde Rachtig Bis 1853 bildeten die jüdischen Gemeinschaften der Gemeinden Rachtig, Zeltingen und Lösnich eine Kultusgemeinde. Ab diesem Zeitpunkt hatte die jüdische Gemeinde Rachtig den Status einer eigenständigen Kultusgemeinde inne. 1920 schlossen sich die beiden Kultusgemeinden Rachtig und Zeltingen wieder zu einer Kultusgemeinde zusammen, da in beiden Orten die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder stark zurückgegangen war. Die Gemeinde verfügte über eine Religionsschule. Zeitweise war ein eigener Religionslehrer angestellt, der auch die Aufgaben des Vorbeters und Schochet innehatte. Die Verstorbenen wurden bis ca. 1876 auf dem alten jüdischen Friedhof in Zeltingen beigesetzt. Ab 1876 dann auf dem neu angelegten jüdischen Friedhof in Zeltingen. Ab 1933, nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, wurden die jüdischen Einwohner immer mehr entrechtet. Zudem kam es immer wieder zu antijüdischen Aktionen, die in den Novemberpogromen 1938 ihren Höhepunkt fanden. Dies hatte zur Folge, dass bis 1939 alle jüdischen Familien die Gemeinde verließen.
Entwicklung der jüdischen Einwohnerzahl Jahr Juden Jüdische Familien Bemerkung180817183344184346192439193331 Quelle: alemannia-judaica.de; jüdische-gemeinden.de
Das Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 und die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer von Yad Vashem führen 14 Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Rachtig (die dort geboren wurden oder zeitweise lebten) auf, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.
Literatur Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: „… und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen Rheinland-Pfalz und Saarland. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Staatliches Konservatoramt des Saarlandes, Synagogue Memorial Jerusalem. (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, 2). Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005, ISBN 3-8053-3313-7, S. 413.
Einzelnachweise
Rachtig Rachtig Rachtig Kategorie:Bauwerk in Zeltingen-Rachtig Kategorie:Judentum in Zeltingen-Rachtig Kategorie:Sakralbau im Landkreis Bad Kreuznach Rachtig