Die Münsterlandmorde bzw. Anhalterinnenmorde bezeichnen eine Mordserie im Münsterland und in der Grafschaft Bentheim im Grenzgebiet zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, der in den Jahren 1971 bis 1974 vier Frauen zum Opfer fielen. Alle Frauen waren um die 20 Jahre alt, klein, zierlich und dunkelhaarig und waren zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in ein fremdes Auto eingestiegen. Die Morde erfolgten durch Erwürgen, ohne weitere sichtbare Spuren sexueller Gewalt, die Leichen wurden bewusst entblößt und in unnatürlicher Haltung inszeniert niedergelegt. Allen Frauen wurden Gegenstände gestohlen, die nur in einem Fall weit entfernt und teilweise halbverbrannt wiedergefunden wurden. Der Serienmörder wurde in den Medien als Münsterlandmörder oder Anhalterinnenmörder bezeichnet. Er wurde bis heute nicht gefasst.

Opfer Die Opfer kamen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und kannten einander nicht. Sie wurden vermutlich direkt nach der Entführung erwürgt. Auffindeort war nicht der Tatort.Artikel von msl24 vom 11. März 2019, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022

Edeltraud van Boxel († 21. November 1971) Das erste Opfer Edeltraud van Boxel (23) war sehr klein (1,47 m), dunkelhaarig und im 7. Monat schwanger.Pressefoto von Edeltraud van Boxel An dem Abend ihres Verschwindens war sie mit einem hellen Mantel und Kniestrümpfen bekleidet und hatte eine schwarze Handtasche und einen roten Regenschirm bei sich.Artikel in der WN-Online vom 2. Dezember 2015, abgerufen am 7. Juni 2020Radiobeitrag von Radio ST vom 15. März 2019, abgerufen am 30. August 2020

Tathergang Trotz ihrer schon weit fortgeschrittenen Schwangerschaft arbeitete sie auf dem Straßenstrich in der Industriestraße in Münster nahe der damaligen WCG-Tankstelle. Sie stieg laut Aussage ihrer Kolleginnen am Sonntag, 21. November 1971 etwa um 20:30 Uhr in einen weißen VW Käfer mit „großer Heckscheibe“ ein. Als Kennzeichen konnten sie sich später noch an ein „F“ und eine „8“ erinnern. Das Auto parkte etwas abseits und fuhr nach 20 Minuten plötzlich mit hoher Geschwindigkeit davon, ohne van Boxel wieder zurückzubringen. Am Entführungsort blieb van Boxels roter Regenschirm zurück. Auf der Bundesstraße 54 zwischen Nienberge und Altenberge wurden Zeugen gegen 21:15 Uhr von einem VW Käfer in sehr hohem Tempo überholt und sahen eine leblose Frau auf dem Beifahrersitz Richtung Fenster kippen.

Auffindesituation Gegen 23:40 Uhr wurde ihr Leichnam von einem heimkehrenden Landwirt bei einem Feldweg in der damaligen Bauerschaft SellenHeute Landstraße Lange Stiege bei Steinfurt 52°10′34.6″N 7°19′57.6″E gefunden. Sie wurde vom Täter teils entkleidet und auf den schwangeren Bauch gelegt. An ihrem Fußgelenk fanden sich Brandabdrücke einer damaligen VW-typischen Heizung, die untermauerten, dass sie von dem beobachteten Entführer in einem nicht-bewussten Zustand dort hinverbracht wurde. Sie wurde erwürgt, aber hatte sonst keine Spuren sexueller Gewalt an sich. Am Mantel war ein Knopf abgerissen, ihre schwarze Handtasche war verschwunden. Beide Gegenstände wurden nie gefunden.

Barbara Storm († vor dem 17. Mai 1972) Barbara Storm (20), eine Büglerin aus Schüttorf, galt als lebenslustiges Mädchen und bewegte sich gerne per Autostopp vorwärts. Sie war 1,68 m groß. Ihre Haare trug sie schwarz mit Pony im „Cleopatra-Stil“.Pressefoto von Barbara Storm abgerufen am 14. November 2022 über Wayback Machine Am Abend ihres Verschwindens trug sie einen grünen Hosenanzug, darüber eine rote Knautschlacklederjacke, eine weinrote Handtasche aus Skai mit einem langen Riemen, gelbe Söckchen und hellbraune Wildlederschuhe.Artikel in der WN-Online vom 2. Dezember 2015, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022Radiobeitrag von Radio ST vom 15. März 2019, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022

Tathergang Storm traf nach einer ausgedehnten Disco-Tour, die auch durch die damals beliebte Discothek Tenne in Rheine führte, auf den Täter. Sie hatte ihr Haus in Schüttorf am Samstag, dem 13. Mai 1972, gegen 19:30 Uhr verlassen und fuhr zunächst unbehelligt per Autostopp nach Rheine, wo sie alsbald in der Disco gesehen wurde. Sie verließ das Lokal mit einem Besucher, bei dem sie vermutlich übernachtete, der aber augenscheinlich unverdächtig war, denn am Sonntagabend, dem 14. Mai, wurde sie wieder in der Disco gesehen. Am Montag, dem 15. Mai, kam sie nicht zur Arbeit. Zeugen wollten sie in Schüttorf in Begleitung eines 20- bis 30-jährigen Mannes gesehen haben, der etwa 1,75 bis 1,80 m groß war, schlank und Gesichtsnarben (eventuell Aknenarben) gehabt haben soll, waren sich aber nicht sicher, ob es am Montag, oder doch am Dienstag, dem 16. Mai, gewesen war. Eindeutig nachweisbar war, dass ihre Bank am Montagnachmittag einen Anruf von einer Frau bekam, die behauptete, Barbara Storm zu sein und in Erfahrung zu bringen versuchte, ob ihr Gehalt schon auf ihrem Konto eingegangen sei. Ihr konnte aber nichts mitgeteilt werden, da sie die Kontonummer nicht nennen konnte und die zuständige Sachbearbeiterin schon heimgegangen war. Am Abend des Montags wurde Storm wieder in der Tenne gesehen. Zeugen beschrieben, wie sie in der Disco mit einem jungen Mann ins Gespräch kam, der ca. 1,80 bis 1,90 m groß war und kurze dunkelblonde Haare hatte. Mit ihm verließ sie um ca. 22:30 Uhr die Tenne. Danach verliert sich ihre Spur.

Auffindesituation Am Mittwoch, dem 17. Mai 1972 wurde Storm in einem Feld an einem damals unbefestigten Abzweig der L 579 in einem Wäldchen nahe Schöppingen gefunden,Die in den Medien kolportierte Bauerschaft Stroemfeld existiert an dem angegebenen Ort nicht. An der L579 existiert nur eine Gastwirtschaft mit dem Namen Zum Stroenfeld, die seit 1889 dort ansässig ist. auf dem Rücken liegend, in kreuzförmiger Haltung, ihre Genitalien entblößt.Verbrechen : Der Mann im Grab - Der Spiegel 17/2016 vom 23. April 2016, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022 Sie war erwürgt worden, hatte sich augenscheinlich davor aber heftig gewehrt. So wies ihr Kopf Platzwunden und Prellungen auf, eine am Hinterhaupt, eine Vergewaltigung fand nicht statt. Die L 579 verbindet Schöppingen und Gronau, von Rheine aus gab es 1972 aber auch schon eine relativ direkte Straßenverbindung über Neuenkirchen, Wettringen und Metelen nach Schöppingen (heute Teil der Bundesstraße 70). Der genaue Tatort ist unbekannt. Der Fundort war bekannt als Treffpunkt von Liebespaaren; laut Aussage des Finders, eines Forstwirts, hatte die Leiche am Dienstag noch nicht dagelegen, da an dem Tag eine Bocksjagd stattgefunden habe, bei der er anwesend war.Aktenzeichen XY ungelöst vom 11. April 1975, Fall 2 zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022 Laut der Polizei musste sie mit einem Kfz zum Ort verbracht worden sein. Wie bei van Boxel waren persönliche Gegenstände verschwunden. Ihr linker Schuh, ihre Jacke, ihre HandtascheNachempfundene Polizeigrafik der Handtasche zuletzt abgerufen am 12. Januar 2022 und ein weißrotes Kosmetiktäschchen wurden nie gefunden.

Marlies Hemmers († nach dem 6. August 1973) Marlies Hemmers (18) war eine Schülerin aus Nordhorn. Wie die anderen Opfer war auch sie klein und zierlich und hatte dunkelblonde schulterlange Haare.Artikel in der WN-Online vom 2. Dezember 2015, abgerufen am 7. Juni 2020

Tathergang Marlies Hemmers wollte zusammen mit ihrem Freund Peter, der bis Wien weiterreisen wollte, am Montag, dem 6. August 1973, per Anhalter von Nordhorn zur Kunsthalle nach Düsseldorf fahren. Sie starteten sehr früh am Morgen und waren um 7 Uhr morgens an der „Franzosenschlucht“ bei Bad Bentheim angekommen. Als die beiden feststellten, dass sie wegen ihres Gepäcks einzeln bessere Chancen haben würden, mitgenommen zu werden, trampten sie getrennt weiter. Der Freund wurde als erster mitgenommen, allerdings nur bis zum Ortsausgang von Ochtrup an der B54. Als er dort wieder Autostopp machte, sah er um 7:45 Uhr, wie ein seiner Aussage nach „ausländisches“ dunkelgrünes oder schwarzes Auto mit einem schwarzen Kennzeichen an ihm vorbeifuhr. Auf dem Beifahrersitz saß seine Freundin, die weder auf seine Rufe noch sein Winken reagierte. Er schilderte später der Polizei, dass der Fahrer beschleunigte, als er ihn sah und beschrieb ihn als „älter“. Der Rücksitz soll mit Dingen vollgestopft gewesen sein. Peter trampte zunächst weiter bis nach Düsseldorf. An der Kunsthalle angekommen, wartete er sechs Stunden, dann stellte er Vermisstenanzeige.Radiobeitrag von Radio ST vom 15. März 2019, abgerufen am 12. Januar 2021

Auffindesituation Marlies Hemmers wurde fast ein halbes Jahr später, am 22. Dezember, in einem Waldstück am Merfelder Bruch gefunden, das der Wildpferdebahn gegenüberliegt. Ihre Leiche war vollkommen skelettiert, so dass die Feststellung einer genauen Todesursache oder möglicher sexueller Gewalt nicht mehr möglich war. Als Todeszeitpunkt wurde der Entführungstag angenommen. Anders als bei den anderen Opfern hatte der Täter sich hier augenscheinlich viel Mühe gemacht, die Tote sorgfältig zu verstecken, denn er musste sowohl den Körper als auch das schwere Gepäck weit ins Gelände tragen, da es nicht möglich war, von der L 600, die das Gelände durchquert, mit dem Auto an den Fundort zu gelangen.Die in den Medien mehrfach kolportierte Lage des Merfelder Bruchs an der L 599 ist unkorrekt. Die Gegend wird von der L 600 durchquert, siehe auch Liste der Landesstraßen im Regierungsbezirk Münster. Etwa 300 m weit von ihr entfernt wurde in einem Graben ihr Gepäck gefunden, bis auf ihre Handtasche mit ihrem Herbergsausweis. Diese waren wie bei den anderen Opfern verschwunden und wurden ebenfalls nie gefunden.

Erika Kunze († nach dem 29. Oktober 1974) Erika Kunze (22) war eine Studentin der Universität Münster. Sie war zierlich, mit langen dunklen Haaren und galt als zuverlässig und misstrauisch, so stieg sie nie in Autos mit ortsfremden Kennzeichen ein.

Tathergang Am Dienstag, dem 29. Oktober 1974, plante Kunze am frühen Nachmittag nach einer erfolgreich absolvierten Prüfung per Autostopp nach Hause zu ihrer Mutter fahren. Als sie dort zur verabredeten Zeit nicht ankam, verständigte die Mutter die Polizei. Am Abend desselben Tages hatte ein Autofahrer nahe dem Samerott, einem unwegsamen Waldstück in der Nähe Burgsteinfurts, das die ehemalige germanische Richtstätte Rabenbaum umschließt, ein merkwürdiges Erlebnis. Er erzählte später der Polizei, wie er nach Sonnenuntergang hinter einer dunkelgrauen Limousine mit „Heckflügeln“ (die als Mercedes gedeutet wird) mit Kennzeichen „BF“ herfuhr, deren Fahrer augenscheinlich eine Einfahrt in das Waldstück suchte, um dann in einen Feldweg einzubiegen, der in das Samerott hineinführte, neben ihm eine leblos wirkende Frau auf dem Beifahrersitz.Artikel in der WN-Online vom 2. Dezember 2015, abgerufen am 7. Juni 2020

Auffindesituation Kunze wurde erst nach einer knappen Woche von einem Bauern gefunden. Die Verwesung des Körpers war schon fortgeschritten, so dass der Tathergang nur gemutmaßt werden konnte. Es stand aber außer Frage, dass auch für diesen Mord wieder der Münsterlandmörder verantwortlich war.

Kunze war wie alle vorherigen Opfer erwürgt worden und halb entblößt drapiert. Teile ihrer Habseligkeiten fehlten, wie eine geblümte Tasche mit Büchern aus der Bibliothek. Diese wurden durch Zufall viele Wochen später, zusammen mit einer Herrenjacke, halb verbrannt in der Nähe der Haddorfer Seen gefunden.Radiobeitrag von Radio ST vom 15. März 2019, abgerufen am 12. Januar 2022

Täter Der Täter wurde beschrieben als „relativ groß“ (1,80 m–1,90 m), mittel- bis dunkelblond, kurze Haare mit einem „unauffälligen“ Haarschnitt und Mittelscheitel. Das Alter rangierte von Anfang 20 bis „älter“. Nach dem zweiten Mord wurde von der Kriminalpolizei mittels eines Zeichners ein Phantombild angefertigt.Phantombild der Polizei, 1972 Er hatte Zugang zu unterschiedlichen Autos deutscher und nicht-deutscher Herkunft und kannte sich sehr gut in der Metropolregion Münster und Münsterland mit ihren Hauptstraßen und Nebenwegen aus.

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