Minister of Munitions war ein mit dem Munitions of War Act vom 2. Juli 1915 geschaffenes Amt in der britischen Regierung während des Ersten Weltkrieges. Der Minister war verantwortlich für das Überwachen und Kontrollieren der Produktion und Verteilung von Munition. Der Posten wurde als Reaktion auf die Munitionskrise von 1915 geschaffen, als in verschiedenen Zeitungen über einen Mangel an Munition und den Verdacht der Sabotage berichtet wurde. Unter der Führung des Liberalen David Lloyd George baute das Ministerium im ersten Jahr ein System auf, welches die Produktionskapazitäten erheblich erweiterte.
Aufgabe mini|David Lloyd George, Minister 1915–1916 Durch die Munitionskrise wurde die öffentliche Meinung dahin gehend beeinflusst, dass der Armee die Munition ausginge. Es war ein starker Führer notwendig, der die Munitionsproduktion organisieren sollte. Als im Mai 1915 eine neue Koalitionsregierung gebildet wurde, wurde David Lloyd George Minister of Munitions. Er erarbeitete sich als Munitionsminister einen heldenhaften Ruf und seinen politischen Aufstieg.Peter Fraser: The British „Shells Scandal“ of 1915. In: Canadian Journal of History. Band 18, Nr. 1, 1983, , S. 69–86, .
Er schaltete sich unter anderem in den Arbeitskampf am Fluss Clyde ein. Um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu überwachen, wurde der Geheimdienst Labour Intelligence Service unter Colonel Arthur Lee, dem Parliamentary Military Secretary, dem Ministerium angegliedert.Nicholas Hiley: Internal security in wartime: The rise and fall of P.M.S.2, 1915–1917. In: Intelligence and National Security. Band 1, Nr. 3, 1986, S. 395–415, . Lloyd George war in seinem Amt so erfolgreich, dass er im Sommer 1916 Kriegsminister und im Dezember 1916 Premierminister wurde. Viele Historiker sind sich einig, dass er die nationale Moral gestärkt und die Aufmerksamkeit der Briten auf die Notwendigkeit einer höheren Produktion gelenkt hatte, meinten jedoch auch, dass der Anstieg der Munitionsproduktion zumindest teilweise auf Reformen vor seiner Amtszeit zurückzuführen gewesen sei.
Um die Effizienz und die Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums zu steigern, wurde eine Abteilung für Arbeiterwohlfahrt geschaffen. Diese verbesserte die Erste-Hilfe in den Betrieben, förderte die Arbeitssicherheit, verbesserte die medizinischen Bedingungen im Umgang mit gefährlichen Chemikalien und TNT, organisierte eine Kinderbetreuung, begrenzte die Überstunden und stellte Transport und Unterkunft für die Arbeiter zur Verfügung.Fred R. van Hartesveldt: Caring for workers: the health and welfare programs of the British Ministry of Munitions, 1916–1918. In: The Maryland Historian. Serie 2, Band 1, Nr. 1, 2001, , S. 26–43.
Das Ministerium war auf höchster Ebene besetzt mit hochrangigen Militärs und Geschäftsleuten, die von ihren Unternehmen für die Dauer des Krieges an das Ministerium ausgeliehen wurden. Diese Mitarbeiter waren in der Lage, die Bedürfnisse der Unternehmen mit denen des Staates abzugleichen und einen Kompromiss über den Preis der Waren und den Gewinn der Unternehmen zu erreichen. Regierungsvertreter kauften wichtige Rohstoffe im Ausland. Nach dem Aufkauf überwachte das Ministerium die Verteilung. Dadurch wurden Preiserhöhungen durch Spekulationen vermieden. So wurde beispielsweise die komplette Ernte indischer Jute aufgekauft und verteilt. Bei Stahl, Wolle, Leder und Flachs ging man ähnlich vor. Bis 1918 hatte das Ministerium 65.000 Mitarbeiter und beschäftigte drei Millionen Arbeiter in 20.000 Fabriken. Erstmals arbeitete auch eine große Zahl von Frauen in Ingenieurberufen. Das Ministerium wurde 1921 im Zuge von Umstrukturierungen der Regierung abgeschafft. Nach dem Waffenstillstand 1918 war die Arbeit des Ministeriums nicht mehr nötig.
Richtlinien Der Historiker John Marriott fasst die Richtlinien der Regierung zusammen:
Ministers of Munitions, 1915–1921 NameAmtszeitbeginnAmtszeitendeDavid Lloyd George25. Mai 19159. Juli 1916Edwin Montagu9. Juli 191610. Dezember 1916Christopher Addison10. Dezember 191617. Juli 1917Winston Churchill17. Juli 191710. Januar 1919Andrew Weir, 1. Baron Inverforth10. Januar 191921. März 1921
Parliamentary Secretaries to the Ministry of Munitions, 1916–1919 NameAmtszeitbeginnAmtszeitendeLaming Worthington-Evans14. Dezember 191630. Januar 1918F. G. Kellaway14. Dezember 19161. April 1920J. E. B. Seely10. Juli 191810. Januar 1919John Baird10. Januar 191929. April 1919
Parliamentary and Financial Secretaries to the Ministry of Munitions, 1918–1921 NameAmtszeitbeginnAmtszeitendeLaming Worthington-Evans30. Januar 191818. Juli 1918James Hope27. Januar 191931. März 1921
Quellen David Lloyd George: War Memoirs (2nd ed. 1934) vol 1 ch 9. 19.
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Einzelnachweise
Kategorie:Vereinigtes Königreich im Ersten Weltkrieg