Johann Philipp Roos (* 20. September 1754 in Dhaun; † nach 1823 vermutlich in Coesfeld oder Simmern unter Dhaun) war ein Jurist, Historiker und Archivar im Dienst der Wild- und Rheingrafen zu Salm-Grumbach, der Freiherren von Bourscheid-Burgbrohl-Büllesheim und der Fürsten von Salm-Horstmar.
Leben Johann Philipp Roos war ein Sohn von Philipp Caspar Roos (1717–1805)Sohn des Kollektors (Steuereinnehmers) Johann Burkhardt Roos (von der Roosen) (1686–1761) aus Winterburg und der Maria Juliane Weirich (1688–1761). aus Winterburg und der Johanetta Elisabeth Kreutzer aus Meddersheim.Tochter von Georg Friedrich Kreutzer (1670–1747) und Anna Dorothea Weirich. Er wurde am 22. September 1754 in der Stiftskirche St. Johannisberg in Hochstetten-Dhaun getauft. Sein Vater war Amtmann und Hofrat der Wild- und Rheingrafschaft in Dhaun, die von der Linie Salm-Dhaun bzw. ab 1742 Salm-Grumbach regiert wurde.Vgl. Erben des Hofrats Philipp Caspar Roos zu Dhaun, Kläger ./. Fürst von Salm-Horstmar wegen rückständiger Besoldung und Dienstvertrag, 1831–1833; Vereinigte Westfälische Adelsarchive e. V. (Fürstliches Archiv Coesfeld, Prozessakten, Nr. 117).
Studium in Jena „Jo. Phil. Roos Bipont.“Bipontanus; Bipontinus = aus (dem Herzogtum) Zweibrücken; Johann Philipps Vater Philipp Caspar Roos war als Pfalz-Zweibrücken-Birkenfelder Untertan geboren worden. immatrikulierte sich am 7. Oktober 1772 an der Universität Jena und studierte die Rechtswissenschaften, die dort Anfang der 1770er Jahre von den Professoren Johann August von Hellfeld, Joachim Erdmann Schmidt, Karl Friedrich Walch, Johann Ludwig Schmidt, Justus Christian Ludwig von Schellwitz, Johann August Reichardt, Gottlieb Eusebius Oelze (1734–1807), Heinrich Gottfried Scheidemantel und Johann Christian Majer vertreten wurden.Johannes Günther: Lebensskizzen der Professoren der Universität Jena seit 1558 bis 1858. Friedrich Mauke, Jena 1858, bes. S. 71–76 (Google-Books). 1774 wurde „Johann Philipp Roos aus Daun“ in die Jenaer Filiale der Sprachgesellschaft „Deutsche Gesellschaft“ aufgenommenFelicitas Marwinski: Der Deutschen Gesellschaft zu Jena ansehnlicher Bücherschatz. Bestandsverzeichnis mit Chronologie zur Gesellschaftsgeschichte und Mitgliederübersicht. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena 1999, S. 56 (Nr. 35). und sprach sich in einer juristischen Prüfungsschrift für die Notwendigkeit einer Beibehaltung der Todesstrafe aus. Im Sinne der Aufklärung, deren Gedanken in Jena vermittelt wurden, nahm Roos ein Jahrzehnt später bei Überlegungen zu den Pflichten eines „Staatsdieners“ Bezug auf den gesellschaftskritischen Roman Faustin oder das philosophische Jahrhundert des Johann Pezzl.
Johann Philipps Bruder Henrich Christian Roos Dhaunensis immatrikulierte sich am 5. Mai 1773 ebenfalls in Jena; 1777 war er Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar.Bernhard Endrulat: Die Rheinischen und Westfälischen Praktikanten des Reichskammergerichts zu Wetzlar. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 20 (1884), S. 101–116, bes. S. 110. Beide Brüder, „Jean Philippe Roos, de Dhaun, stud. en droits“ und „H. Ch. Roos, J. C.,Juris cultor = Rechtsbeflissener; der die Rechte studiert. Dhaunensis“, trugen sich in Jena in das Stammbuch von Gottlieb Friedrich Kirschner (* um 1750; † 1781)Aus Bayreuth, stud. jur., später Regierungsadvokat in Bayreuth. ein.Einträge vom 3. März und 19. Dezember 1773; Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel (Inv.-Nr. 3675, S. 191 und 215).
Kanzlei-Advokat in Dhaun Seit Ende der 1770er Jahre erhielt Johann Philipp Roos für seine historischen Forschungen Zugang zum Rheingräflichen Archiv in Dhaun an der Nahe.Bestätigter Gebrauch aufgestellter Landesrechnungen bei Erforschung der Geschichte. Eichenberg Erben, Frankfurt am Main 1781, Vorrede, S. v; Weyland Herrn Philipp Ernst Spieß'es … Angelegentlicher Unterricht von dem ältesten Gebrauche der Siegeloblaten. Andreä, Frankfurt am Main 1797, S. 14. Als „Canzley-Advocat zu Dhaun“Christoph Weidlich (Hrsg.): Biographische Nachrichten von den jetzlebenden Rechts-Gelehrten in Teutschland, Bd. IV. Hemmerdey, Halle 1785, S. 173. und später auch als „Burscheidscher Amtmann zu Merxheim“ ist sein Wohnsitz 1781 bis 1796 in „Rheingrafen-Dhaun“ (in Abgrenzung zu „Daun in der Eifel“) belegt.Bestätigter Gebrauch aufgestellter Landesrechnungen bei Erforschung der Geschichte. Eichenberg Erben, Frankfurt am Main 1781, Vorrede, S. xiv; Bruchstücke betreffend die Beobachtung der Pflichten eines Staatsdieners. Andreä, Frankfurt am Main 1785, S. 92 (Kolophon vom 29. September 1784); Weyland Herrn Philipp Ernst Spieß'es … Angelegentlicher Unterricht von dem ältesten Gebrauche der Siegeloblaten. Andreä, Frankfurt am Main 1797, S. 1 und S. 6 (Widmung vom 3. Juni 1796). Für Friedrich Karl von Moser galt Roos 1789 als der „Rheingräfliche gelehrte und emsige Archivarius“,Briefwechsel zwischen Herzog Christophen zu Würtemberg und dem berühmten Französischen Feldherrn, Johann Philipp, Wild- und Rheingrafen zu Dhaun in den Jahren 1556 biß 1566. In: Friedrich Karl von Moser (Hrsg.): Patriotisches Archiv für Deutschland 10 (1789), S. 157–344, bes. S. 165 (Google-Books). ohne dass seine förmliche Anstellung als Archivar schon zu dieser Zeit belegt ist.
Amtmann in Merxheim Johann Philipp Roos wurde (vor 1786) Amtmann der katholischen Freiherren von Bourscheid-Burgbrohl-Büllesheim für ihren Anteil an der zweiherrischen Gemeinde Merxheim an der Nahe, deren Einwohner überwiegend wie Roos selbst evangelisch waren. Amtmann der Vögte von Hunolstein-Steinkallenfels als Mitherren in Merxheim war der ehemalige Zweibrückener Bergrat und steinkallenfelsische Amtmann Johann Anton Kimnach aus Meisenheim. Mit ihm geriet Roos in Streit wegen der Amtsenthebung des Oberschultheißen Schäfer und der Einsetzung eines gemeinsamen neuen Oberschultheißen, der Abhaltung gemeinsamer Amtstage und Rangfragen.Akten, 1788–1789 und 1791–1794; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 53B Direktorium der Reichsritterschaft: Kanton Niederrhein, Sachakten 961 und 965). Gegen Konrad Klein und Peter Arth führte Roos einen Prozess vor der Niederrheinischen Reichsritterschaft wegen grober Widersetzlichkeit (atrocissima renitentia).Prozessakten, 1788–1793; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 53B Direktorium der Reichsritterschaft: Kanton Niederrhein, Sachakte 960). Der Schneidermeister Franz Bender in Kirn prozessierte gegen den Amtmann Roos wegen unberechtigter Einziehung der Nachsteuer.Prozessakten, 1790–1792; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 53B Direktorium der Reichsritterschaft: Kanton Niederrhein, Sachakte 963). Freiherr Christian Philipp Friedrich Vogt von Hunolstein genannt Steinkallenfels (1753–1832) verklagte ihn vor der Niederrheinischen Reichsritterschaft wegen Ausübung der Jagd zu Merxheim.Prozessakten, 1791–1794; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 53B Direktorium der Reichsritterschaft: Kanton Niederrhein, Sachakte 964).
Noch während er bourscheidscher Amtmann in Merxheim war, widmete Johann Philipp Roos 1796 der Gräfin Auguste Louise zu Solms-Braunfels (1764–1797), verheiratet mit Wild- und Rheingraf Karl Ludwig Wilhelm Theodor von Salm-Grumbach (1729–1799), eine seiner Arbeiten, weil sie dafür bekannt sei, der Beförderung der „Wissenschaften … jede mögliche Unterstützung angedeihen zu lassen“.Weyland Herrn Philipp Ernst Spieß'es … Angelegentlicher Unterricht von dem ältesten Gebrauche der Siegeloblaten. Andreä, Frankfurt am Main 1797, S. 5 (Widmung vom 3. Juni 1796). Roos selbst sah sich nach den französischen Eroberungen von Pfalz und Hunsrück im Ersten Koalitionskrieg in einer ökonomisch „eingeschränkten Lage“.Weyland Herrn Philipp Ernst Spieß'es … Angelegentlicher Unterricht von dem ältesten Gebrauche der Siegeloblaten. Andreä, Frankfurt am Main 1797, S. 7 Anm. a) (Widmung vom 3. Juni 1796).
Rheingräflicher Archivar zu Dhaun Nach der französischen Besetzung des Linken Rheinufers 1794 wurden die salmschen Residenzen in Grumbach, Dhaun, Kirn (Salm-Kyrburg) und Gaugrehweiler (Grumbach-Rheingrafenstein) zerstört bzw. aufgegeben. Die gräfliche Familie floh und erhielt im Reichsdeputationshauptschluss 1802/03 als Kompensation die Herrschaft Horstmar im Münsterland zugesprochen. In diesem Zusammenhang wurden auch die bisherigen rheingräflich-salmschen Archive geräumt und – unter Teilverlusten – erst auf das rechte Rheinufer,Flüchtung und Transport des rheingräflichen Privatarchivs (35 Kisten und 1 Fass) aus Kirn nach Bamberg, 1794; Landesarchiv Speyer (Bestand V 29 Nachlass Franz Xaver Ritter von Zwackh auf Holzhausen, Sachakte 50). dann nach Coesfeld verbracht. Das Kyrburger Archiv ist dabei größtenteils verlorengegangen.Walther Zimmermann (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 18/1). L. Schwann, Düsseldorf 1935 (Nachdruck: Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1972), S. 207. Nach 1797 erscheint Roos nicht mehr als bourscheidscher Amtmann, aber seit spätestens 1814 als „vormahliger Rheingräflicher Archivar zu Dhaun“. Stelleninhaber unmittelbar vor ihm war möglicherweise Bernhard Lichtenberger (1763–1800) aus Weierbach, seit 1785 rheingräflicher Assessor und ArchivarLudwig Götze: Die archivalischen Sammlungen auf Schloss Miltenberg in Bayern. In: Archivalische Zeitschrift 2 (1877), S. 146–203, bes. S. 150, 162 und 191. in Grumbach, der 1794–1797 nach Wetzlar floh.1780 als Jurastudent immatrikuliert in Gießen; Georg Christoph Hamberger: Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller, Bd. X. 5. Aufl. Meyer, Lemgo 1803, S. 201 (Google-Books). Roos war an der Sicherung des Archivgutes beteiligt und hat Papiere „aus den Trümmern des ehemaligen Dhaunschen Archives gerettet“.Conrad Schneider: Versuch einer Geschichte der Veste Martinstein und ihrer Besitzer. In: Wetzlar’sche Beiträge für Geschichte und Rechtsalterthümer 2 (1845), S. 27–52, bes. S. 35 (Google-Books).
Friederike Wilhelmine von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1767–1849), die dritte Ehefrau und Witwe des Wild- und Rheingrafen Karl Ludwig Wilhelm Theodor von Salm-Grumbach, nahm nach dessen Tod ab 1799 die Vormundschaft und Regentschaft für ihren Sohn Wild- und Rheingraf Friedrich von Salm-Horstmar (1799–1865) wahr. Die reichsunmittelbare Herrschaft Salm-Horstmar endete jedoch bereits 1806, 1816 wurde das Gebiet in eine Standesherrschaft innerhalb Preußens umgewandelt. 1812 hielt sich Roos zu historischen Forschungen in den Rheingräflichen Archiven in Coesfeld auf.Friedrich Rassmann: Münsterländisches Schriftsteller-Lexicon. F. A. Julicher, Lingen 1814, S. 118.
Privatier in Simmern unter Dhaum Nach dem Aufenthalt im Münsterland „privatisierte“ Roos ab etwa 1813 in Simmern unter Dhaun. Sein verstorbener Onkel Leopold Friedrich Roos (1733–1806)Leopoldus Frider. Roos Winterburgo-Sponhemicus war im Sommersemester 1753 in Jena immatrikuliert. aus Winterburg, ehemaliger Rheingräflicher Schaffner zu Dhaun,Akte von 1782; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 36 Wild und Rheingrafschaft und Fürsten von Salm, Sachakte 3186). hatte dort den Fabri’schenUlrich Fabri war 1628 rheingräflicher Amtmann zu Dhaun. Hof gepachtet.Akte von 1783; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 36 Wild und Rheingrafschaft und Fürsten von Salm, Sachakte 2600).Vgl. auch Petition der Bürger Roos zu Daun im Kanton Kirn wegen ihrer Wohnung zu Simmern, Dezember 1799 Oktober 1800; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 250 Zentralverwaltung des Rhein Mosel Departements, Sachakte 241 1998). Bis 1816 veröffentlichte Johann Philipp Roos einige regionalhistorische Arbeiten aus archivalischen Quellen zu Stadt und Oberamt Kreuznach. Eine dieser Arbeiten widmete er 1814 der gemeinsamen bayerisch-österreichischen Landesadministrationskommission mit Sitz in Kreuznach, die nach den Befreiungskriegen das Gebiet südlich der Mosel verwaltete.
Salm-Horstmarscher Archivar zu Coesfeld