mini|hochkant=0.9|Silberstater des Pharnabazos aus dessen Zeit als Oberbefehlshaber des Ägypten-Heeres. Solcherart Münzen hatte er in großer Zahl schlagen lassen, zur Bezahlung der griechischen Söldner. Weil darauf der thronende kilikische Gott Baaltars dargestellt ist, wird häufig angenommen, dass Pharnabazos auch als Satrap von Kilikien amtiert haben könnte. Wahrscheinlich aber führte er von dieser Provinz lediglich die finanzielle Ausstattung seines Invasionsheeres durch. (London, British Museum) Pharnabazos ( * zwischen etwa 450 und 445 v. Chr.So Thomas Lenschau (RE, Bd. XIX, 2, Sp. 1842 f.) unter Berufung auf die Angabe des Xenophon (Hellenika 4, 1, 31), dass Pharnabazos, als er im Winter 395/394 v. Chr. mit dem damals 48-jährigen spartanischen König Agesilaos zusammentraf, wesentlich älter als dieser war.; † nach 373 v. Chr. in Susa) war ein persischer Feldherr und Statthalter (Satrap) des hellespontischen Phrygien (auch Daskylitis genannt, im heutigen Nordwest-Anatolien). Er war ein Sohn des Pharnakes sowie Enkel des Pharnabazos I. und als Pharnakide mit dem königlichen Haus der Achämeniden blutsverwandt. Nach seinem Regierungsantritt als kleinasiatischer Satrap um 413 v. Chr. unterstützte er Sparta im Peloponnesischen Krieg gegen Athen. 404 v. Chr. ließ er auf Verlangen des spartanischen Politikers Lysander den bedeutenden athenischen Feldherrn Alkibiades ermorden. Nachdem der persische Prinz Kyros der Jüngere mit spartanischer Unterstützung einen Feldzug zum Sturz seines Bruders, des Großkönigs Artaxerxes II. Mnemon, unternommen hatte, aber in dessen Verlauf 401 v. Chr. gefallen war, führten die Perser in Kleinasien Krieg gegen die Spartaner, die dabei das schlechte Verhältnis zwischen Pharnabazos und dem Satrapen Tissaphernes ausnützten. Derkylidas und Agesilaos verheerten ab 399 v. Chr. Pharnabazos’ Satrapie. Gemeinsam mit dem athenischen Feldherrn Konon stellte Pharnabazos eine Flotte auf, welche die spartanische 394 v. Chr. in der Schlacht von Knidos vernichtete. Zuletzt führte er etwa 385–383 v. Chr. und 373 v. Chr. zwei erfolglose Feldzüge gegen das aufständische Ägypten. Mit seiner Gemahlin Apame, einer Tochter des persischen Großkönigs Artaxerxes II. Mnemon, hatte er einen Sohn namens Artabazos. Möglicherweise war Pharnabazos auch der Vater des phrygischen Satrapen Ariobarzanes.
Leben Regierungsantritt als Satrap mini|Hellespontisches Phrygien, die Satrapie des Pharnabazos Pharnabazos folgte seinem Vater Pharnakes nach dessen TodPharnakes war nach dem Zeugnis des Aristophanes (Aves 1028) im Frühjahr 414 v. Chr. noch am Leben. um 413 v. Chr. – mithin in der Spätphase des Peloponnesischen Kriegs – als Satrap der großen persischen Provinz Daskylitis. Dabei stand er unter der Oberherrschaft des Satrapen Tissaphernes, zu dem er in der Folge aufgrund ihrer Rivalität ein schlechtes Verhältnis hatte. Wie die meisten persischen Satrapen Kleinphrygiens hatte er seine Residenz meist in Daskyleion, in schöner Gegend, deren Reiz durch den daskylischen See, einen wundervollen Park mit Wild aller Art und einen Fluss, der dies Alles und zahlreiche nahegelegene Dörfer umschloss, noch erhöht wurde.Xenophon, Hellenika 4, 1, 15.
Unterstützung Spartas im Peloponnesischen Krieg Zum ersten Mal wird Pharnabazos in den erhaltenen Quellen für den Winter 413/412 v. Chr., als er bereits Satrap war und sich in die hellenischen Angelegenheiten einmischte. Damals waren u. a. die Einwohner von Chios und Erythrai, ermutigt durch viele Niederlagen Athens, auf den Abfall von Athen bedacht.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 8, 14, 2. Pharnabazos hatte den Megarer Kalligeitos und den Kyzikener Timagoras, beide Verbannte, an seinem Hof aufgenommen und sandte sie nun nach Sparta. Dort sollten sie die Lakedaimonier zur Entsendung einer Flotte nach dem Hellespont auffordern, damit er selbst, nach dem Beispiel des Tissaphernes imstande wäre, die hellenischen Städte seiner Provinz zur Revolte gegen Athen zu veranlassen. Aufgrund des athenischen Einflusses konnte er nämlich den von Großkönig Dareios II. geforderten Tribut von den kleinasiatischen hellenischen Städten nur mühsam erheben. Außerdem versuchte er durch seine diplomatische Mission, ein persisch-spartanisches Bündnis zustande zu bringen. Außer Pharnabazos hatten aber auch Tissaphernes und die Chier Gesandte nach Sparta geschickt, die darauf drängten, dass zuerst eine spartanische Kriegsflotte zur Befreiung von Chios und Ionien von der athenischen Hegemonie gesandt würde. Ihr Wunsch wurde aufgrund der Fürsprache des exilierten athenischen Feldherrn Alkibiades, der durch seinen Gastfreund Endios Unterstützung erhielt, erfüllt. So war es Tissaphernes gelungen, Pharnabazos den Rang abzulaufen.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 8, 6, 1 ff. 412 v. Chr. kam auch formell das Bündnis Spartas mit Dareios II. zustande.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 8, 37.
Trotz seines diplomatischen Misserfolgs in Sparta erhielt Pharnabazos schließlich von den Lakedaimoniern ein Geschwader zu Hilfe geschickt, das 40 Schiffe umfasste und unter dem Oberbefehl des Klearchos stand. Zwar erreichten im Frühjahr 411 v. Chr. nur 10 Schiffe dieser Flotte ihr Ziel, konnten aber dennoch Byzanz zum Abfall von Athen bringen.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 8, 80, 1 ff. Bereits zuvor waren Abydos und Lampsakos auf die Seite des Pharnabazos übergetreten.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 8, 61, 2. Im Spätsommer 411 v. Chr. entschloss sich der spartanische Nauarch Mindaros, der über die Nachlässigkeit des Tissaphernes verärgert war, in Kooperation mit Pharnabazos einzutreten und die Kämpfe gegen Athen auf die Gegend um den Hellespont zu konzentrieren. Pharnabazos unterstützte Mindaros in der Folge auch tatkräftig. Während der Seeschlacht vor Abydos bezog er mit dem persischen Landheer an der Küste Stellung. Als Alkibiades plötzlich unerwartet mit einer Hilfsflotte erschien, den Ausschlag zum athenischen Sieg gab und daraufhin das Geschwader des Mindaros an die Küste von Abydos zurückwich, kam Pharnabazos mit seinem Heer den Spartanern vom Ufer aus zu Hilfe. Er ritt mit seinem Pferd ein kleines Stück in die Fluten hinein und stachelte seine Soldaten, darunter Bogenschützen, zum Kampf an. Schließlich segelten die Athener nach Sestos zurück.Xenophon, Hellenika 1, 1, 5 ff.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 13, 45, 6 und 13, 46, 2-6; Plutarch, Alkibiades 27, 2 ff.
Pharnabazos unterstützte Mindaros auch bei der etwa im Mai oder Juni 410 v. Chr. ausgetragenen Schlacht von Kyzikos gegen Alkibiades, der als weitere Befehlshaber Thrasybul, Theramenes und Chaireas an seiner Seite hatte. Nachdem Mindaros mit seinem Geschwader vor der überlegenen athenischen Flotte, die ihn zu umzingeln drohte, geflohen war, landete er an der Küste südwestlich von Kyzikos nahe dem Ort Kleroi, wo er von persischen Söldnern des Pharnabazos Militärhilfe erhielt. Er fiel aber schließlich in der sich nun entspinnenden Landschlacht, woraufhin die Lakedaimonier nach den nahen Bergen flohen. Da kam ihnen Pharnabazos mit einer starken berittenen Truppe persönlich zu Hilfe. Die Athener, die einen bedeutenden Sieg errungen hatten, segelten daher wieder ab. In der Folge räumten Pharnabazos und die Spartaner Kyzikos.Xenophon, Hellenika 1, 1, 14 und 1, 1, 18 ff.; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 13, 50 f. (nach Ephoros); Plutarch, Alkibiades 28.
Nach dieser Niederlage ermutigte Pharnabazos die geschlagenen Spartaner und deren Verbündeten, indem er sagte, sein König habe genug Wälder zur Holzgewinnung für den Bau neuer Schiffe. Jedem Soldaten gab er ein Himation und zweimonatlichen Sold. Auch bewaffnete er die Matrosen und ließ sie an seiner Küste Wache halten, berief dann die Feldherren und Trierarchen aus den Städten und befahl ihnen, in Antandros so viele Schiffe zu bauen, als jeder verloren hätte. Zu diesem Zweck gab er ihnen Geld und die Erlaubnis, in den Waldungen des Ida-Gebirges Holz zu fällen. Während die Schiffe im Winter 410/409 v. Chr. gebaut wurden, halfen die Syrakuser den Bewohnern von Antandros, ihre Mauer wieder zu errichten. Pharnabazos selbst begab sich nach Kalchedon.Xenophon, Hellenika 1, 1, 24 ff. Auch der syrakusische Staatsmann und Stratege Hermokrates, der nach Eintreffen der Nachricht von seiner eigenen und seiner Mitfeldherren Verbannung seinen Abgang vom Heer vorbereitete, erhielt ungebeten von Pharnabazos große Summen, da er mit ihm befreundet war. Mit diesem Geld begab er sich im Sommer 409 v. Chr. nach dem Peloponnes, wo er wohl in Messenien fünf Trieren ausrüstete und 1000 Söldner anwarb.Xenophon, Hellenika 1, 1, 31; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 13, 63, 1 f.
Als Alkibiades sein Heer in Lampsakos versammelt und die Stadt befestigt hatte, zog er im Winter 409/408 v. Chr. gegen Abydos und schlug den mit großer Reitermacht zu Hilfe kommenden Pharnabazos nach kurzer Schlacht in die Flucht. Daraufhin verfolgte er mit seinen Reitern und 120 Hopliten das Heer des Pharnabazos bis zum Einbruch der Nacht.Xenophon, Hellenika 1, 2, 16. Dann wandte sich Alkibiades gegen Chalkedon und belagerte die Stadt. Nach Fertigstellung der Belagerungslinien machte der spartanische Harmost Hippokrates einen Ausfall, und Pharnabazos kam ihm mit zahlreichen Fußsoldaten und Kavalleristen außerhalb der zur Einschließung der Stadt dienenden Verschanzungen zu Hilfe. Zunächst entspann sich zwischen dem Heer des Hippokrates und jenem des Strategen Thrasyllos ein Kampf. Als aber Alkibiades eingriff, mussten die Belagerten in die Stadt zurückweichen. Pharnabazos hatte am Kampf nicht teilnehmen können, da ihn die Palisaden und ein naher Flusslauf daran hinderten, und kehrte in sein Lager beim Herakleion von Chalkedon zurück.Xenophon, Hellenika 1, 3, 2-7; Plutarch, Alkibiades 30, 1.
Während sich Alkibiades nach dem Hellespont begab, knüpften die übrigen Strategen mit Pharnabazos Verhandlungen wegen Chalkedon an. Sie einigten sich, dass Pharnabazos den Athenern 20 Talente Kriegsunkosten zahlen und athenische Gesandte sicher zum Perserkönig geleiten sollte. Zugleich sagten die Athener eidlich zu, dass sie Chalkedon bis zur Rückkehr ihrer Gesandten vom König nicht mehr befehden würden, wofür sich die Einwohner der Stadt zur weiteren Tributzahlung an Athen verpflichteten. Wegen der Abwesenheit des Alkibiades bei der Eidesleistung auf den Traktat erwartete Pharnabazos ihn in Chalkedon, damit er dort den Eid nachhole. Doch Alkibiades weigerte sich und erklärte, dass er erst schwören würde, wenn Pharnabazos dies zuerst täte. Schließlich wurde der Eid wiederholt, von Alkibiades in Chrysopolis vor den Bevollmächtigten des Pharnabazos, Mitrobates und Arnapes, sowie von Pharnabazos in Chalkedon vor den Gesandten des Alkibiades, Euryptolemos und Diotimos.Xenophon, Hellenika 1, 3, 8-12; Plutarch, Alkibiades 31, 1 f.